Ich. Heute. 10 vor 8.

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Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Klappern ist jetzt das Handwerk

| 22 Lesermeinungen

Die ökonomische Anerkennung kreativer Arbeit sinkt. Das Bemühen um eine Umkehrung dieser Tendenz wird ganz offensichtlich vom Internet sabotiert.

Ich bin es satt, ständig die Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern rechtfertigen zu müssen. Und damit meine ich nicht das Werk an sich, sondern schlicht deren Arbeit, sprich Recherche, Materialsammeln, Bauen, Installieren etc. – also den Weg dorthin. Alles eben, was so erledigt werden muss, bevor ein Kunstwerk fertig ist. Wieso soll man denn einem Künstler oder einer Künstlerin ein Ausstellungshonorar zahlen? Der oder die könnte doch eventuell etwas verkaufen! Und überhaupt, die machen das doch, weil es Ihnen Spaß macht. Es erfüllt sie doch! Wieso soll ich denn bitte dafür Geld zahlen?

Die Liste möglicher Entgegnungen ist lang und ermüdend…

Mittlerweile setzen sich viele Interessen- und Berufsverbände – und auch Parteien – für die Zahlung von Ausstellungshonoraren (nach schwedischem Vorbild übrigens) ein, tatsächlich umgesetzt wurde es bisher in den wenigsten Fällen.

Das Phänomen betrifft aber nicht nur den Bereich der Bildenden Kunst, es gilt gleichermaßen für den der Musik, des Theaters und vieler kreativer Berufe mehr. Man könnte fast so weit gehen zu behaupten, je höher der kreative Anteil eines Berufes, desto geringer seine ökonomische Wertschätzung und ganz allgemein seine Anerkennung als Arbeit.

So kann man nur jedem Webdesigner und jeder Webdesignerin raten, nur ja den Wortteil, der sich auf die kreative Arbeit bezieht, nämlich das „Design“, unter den Tisch fallen zu lassen, um fortan nur noch von Programmierung zu sprechen – und diese Arbeit entsprechend anerkannt zu bekommen. Genauso wäre es angebracht, sich als Architekt oder Architektin von der Tendenz, Architektur als Kunst zu betrachten, zu distanzieren und zum Schluss zu kommen, dass eine größere Nähe zur Ingenieurstätigkeit sich vielleicht am Ende doch auszahlt.

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, denn umgekehrt geht die Kreativisierung bestimmter Berufe regelmäßig mit einer gesellschaftlichen Aufwertung einher – einer hohen symbolischen Wertschätzung, die sich allerdings nur in den seltensten Fällen finanziell entsprechend niederschlägt. Ja, die gesellschaftliche Anerkennung, der „Ruhm“, die Aufmerksamkeit…. Kaum bin ich im Begriff, diese als Stereotyp von HonorargegnerInnen abzutun, erzählt mir ein Freund, der sich viel mit Internetkultur beschäftigt, vom „Fame“ – und mit einem Male fühle ich mich ewig gestrig und konservativ, wie eine alte Frau, die den Trend einfach nicht erkannt oder schlimmer noch ignoriert hat.

Das millionenfache Posten von sogenannten Selfies (die meisteingestellten Bilder im Netz), die unzähligen Youtube-Videos von Leuten, die zu irgendetwas ihren Senf abgeben, Facebook, Twitter und Konsorten – von den unendlich vielen Blogs, die allein der Selbstdarstellung und Ausbreitung des eigenen Privatlebens dienen, ganz zu schweigen – alles „Arbeit“, die Leute machen, nicht in erster Linie für Geld sondern um des „Fame“ willen! Freiwillig!!! Dass man dann irgendwann vielleicht mal damit Geld machen kann (z.B. durch Werbung) erscheint eher wie eine angenehme Nebenwirkung, das Ziel ist es auf jeden Fall nicht.

„Show and Tell“ als Kommunikationsstandard. Wo die Bewusstseinsindustrie noch Demonstrationen zu verhindern wusste, schafft die Aufmerksamkeitsindustrie eine Explosion derselben. Ohne diese unter den Versammlungsbegriff subsumieren zu können finden tagtäglich abertausende Ein-Personen-Demonstrationen statt. Jeder Mensch ist eben seines Glückes Schmied und soll gefälligst im Falle der Kreativen auch für seine eigene Vermarktung sorgen. Die Schulung darin gehört mittlerweile zum Standardcurriculum jeder Design- und Kunsthochschule, wo man dazu angehalten wird, sein eigener Manager, Agent oder Galerist zu sein.

Potenziert wird das Ganze noch durch einen weiteren Umstand, den das Internet mit sich bringt: die allgemeine Verfügbarkeit von Informationen, gleich welcher Qualität, erlaubt es vermeintlich jedem und jeder ExpertIn zu sein und führt so zu einer kompletten Erodierung des, vor allem kreativen, Angebots. Konsequenterweise geht bei dieser mittlerweile vollkommen unüberschaubaren Masse an Konkurrenz der Druck zur Zahlung von Ausstellungshonoraren gegen Null und die angestrebte Höherbewertung kreativer Arbeit verläuft im Sande.

Aber wovon leben denn diese Massen? Ist die Wortgleichheit vom englischen „fame“ und italienischem „fame“ am Ende doch kein Zufall?

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22 Lesermeinungen

  1. "Wieso soll man ... einer Künstlerin ein Ausstellungshonorar zahlen?" Ja, wieso?
    Kunst war historisch schon immer mir brotlos verbunden. Weshalb die Frage typisch deutsch, oder gnädiger, typisch nordeuropäisch ist. Also nur dort gestellt werden kann, wo sich ein staatlicher, milliardenschwerer, Kunst-Subventionsbetrieb etabliert hat – und „Künstlern“ ernsthaft eingeredet wurde, ihre Arbeit sei gesellschaftlicjh wertvoller als die von Ingenieuren.

    Ist sie nicht. Und sie hat darüberhinaus den Nachteil, anders als die Arbeit von Ingenieuren, gesellschaftlich verzichtbar zu sein, im Sinne von „Nice to have“. Ich verstehe, dass „Künstlern“ das nicht gefällt. Sie sind damit allerdings auch so ziemlich alleine, vom staatlich subventionierten Kunstverwaltungsbetrieb einmal abgesehen, der natürlich gerne mehr Geld hätte.

    Das Geld kommt von mir als Steuerzahler. Und mit freundlichem Verlaub – wenn ich Kunst haben möchte, weil sie mir gefällt, dann möchte und muss ich sie mir eben privat kaufen. Kunst ist kein übergeordneter Zweck, der beanspruchen kann, sich ausserhalb der etablierten Regeln von Angebot und Nachfrage zu bewegen.

    Pech für die Künstler, aber kein Grund, etwas zu tun. Was sich nicht verkauft bzw. wofür sich kein Mäzen findet, war dann eben das Privatvergnügen des Künstlers. In allen anderen Lebensbereichen finden wir das völlig selbstverständlich – wer braune Schuhe produziert, wo schwarze Sandalen nachgefragt werden, produziert eben für die Müllhalde bzw. irgendwann gar nicht mehr. Ich habe kein Verständnis dafür, dass für Kunst eine Ausnahme gefordert wird. Und wer für eine Ausstellung kein Honorar bekommt, der stellt eben nicht aus, so einfach ist das.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Ach Herr Haupts ...
      Man weiss gar nicht wo man ansetzen soll, soviel Borniertheit steckt in ihrem Beitrag.

      Hätten Sie den Artikel in seiner Gesamtheit verstanden und nicht sofort die neoliberale Peitsche des „Was sich nicht verkauft, braucht man auch nicht“ herausgeholt, wären Sie vielleicht in der Lage gewesen, den umfassenden und grundlegenden Tenor des Artikels zu verstehen.

      Ich weiss ja nicht in welcher Welt sie leben wollen, aber die Menschen in dieser Welt tun mir sehr leid.
      Geknechtet vom Zwang marktwirtschaftlich relevante Dinge zu konstruieren, müssen sie Musik hören, die nach marktwirtschaftlichen Kriterien in die Medien gehievt wurde oder Film und Theater konsumieren, welches, frei von unverkäuflicher intellektueller oder emotionaler Herausforderung, nur dazu dient die Kassen derer zu füllen, die von ihrer Investition in die Produktion eine dicke Rendite erwarten.

      Ich für meinen Teil bin sehr froh in einer Welt groß geworden zu sein, in der die Kunst, die Musik und die Literatur durchaus als unverzichtbares Element einer gesunden Gesellschaft galt und mir dadurch ermöglicht hat einen breiten und auch farbenfrohen Horizont für mich selber und die Menschen in meiner Nähe zu entwickeln.

      Abgesehen von ihrer Geringschätzung eines großen Teils des humanistischen Bildungsideales haben sie leider noch gar nicht verstanden, daß die zu Grunde liegende Problematik früher oder später auch die Welt der Ingenieure erreichen wird.
      Vorbei ists mit dem Tüftler, der an eine Idee glaubt, auf der er hofft seine Zukunft aufbauen zu können.
      Denn leider fehlt seinen Zeitgenossen jegliches Verständnis dafür, daß er eine trotz seiner ihn erfüllenden Arbeit auch noch auf die Idee kommt für seine Arbeit auch noch Geld zu verlangen.
      Da lade ich mir doch lieber die kopierte Blaupause seines Produktes aus dem freien Raum und benutze die mannigfaltigen Wege des rapid-prototyping um das Produkt schnell selber und billig herzustellen.

      Vielleicht hätte es Ihnen auch gut getan einen Blick in die Welt der anspruchsvollen Kultur und Philsophie zu werfen, um dann durch das damit Erlernte einen Blick über den Tellerrand ihres
      kleinen Weltbildes zu werfen in dem nur der wirtschaftliche Erfolg zählt.

      Und übrigens ist ihre einleitende Anmerkung, es handele sich um eine typisch deutsche Frage ja eigentlich ein Kompliment, nur stimmt Sie so gar nicht. Aber die Erklärung dafür können Sie sich gerne selber zusammenreimen.

      Viel Spass noch in der Mercedeswelt.

    • Viele einen selbst erfüllende Arbeiten bleiben unbezahlt, und das ist auch gut so.
      Ich überspringe grosszügig Ihre Verbalinjurien mit einem knackigen „Trottel“ und freue mich, auf den Kern des Wunsches gestossen zu sein, für die eigene „Kunst“ auch bezahlt zu werden:

      „Denn leider fehlt seinen Zeitgenossen jegliches Verständnis dafür, daß er eine trotz seiner ihn erfüllenden Arbeit auch noch auf die Idee kommt für seine Arbeit auch noch Geld zu verlangen.“

      Genau. Ich tue was und will dafür gefälligst bezahlt werden, gerechtfertigt mit einer allgemeinen Schwurbelei über „unverzichtbares Element einer gesunden Gesellschaft“. Von mir aus gerne. Nur nicht von mir, also nicht mit meinen Steuergeldern. Humanistisch oder philosophisch wertvolle Werke finden entweder Absatz oder wenigstens einen Mäzen, nur dürfte 99% der heute produzierten „Kunst“ morgen bereits Geschichtsmüll sein, für den sich nur noch Kunsthistoriker interessieren. So viele Turners, Shakespeares oder Michelangelos gibts nämlich nicht auf der Welt.

    • Titel eingeben
      Wo steht im Artikel eigentlich etwas von „ihren“ Steuergeldern, liebes rumpelstilzendes Irrlicht?

    • In welchem Bereich gibt es die meisten Ausstellungen? Und wer soll Geld für Kunst
      bereitstellen, wenn Sie das Konzept von Angeot und Nachfrage dafür so wortreich ablehnen?

      Mann, wenn Sie einer Beleidigungsabsicht unbedingt nachgeben müssen, können Sie dabei wenigstens konsistent bleiben? Oder überfordert das intellektuell?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Au weia!
      Sehe ich einmal davon ab, dass man durch die Benutzung einer direkten Beleidigung durchaus nichts überspringt und schon gar nicht in großzügiger Manier, möchte ich auf andere Punkte Ihrer mich inhaltlich an einen zünftigen, ländlichen Ökonomenstammtisch erinnernden Kommentare eingehen, die in der Tat belegen, dass sie den Inhalt des Blogbeitrages immer noch nicht verstanden haben:

      1. Wer hat Künstlerinnen und Künstlern eingeredet, Ihre Arbeit sei gesellschaftlich wertvoller, als die von Ingenieuren? Meines Erachtens bestimmt eine demographisch zu vernachlässigende Anzahl von schwer reichen Individuen und ebenso reichen Banken und Unternehmen die Preise des Kunstmarktes, um den bzw. die es hier ja gar nicht geht.

      2. Wollen Sie wirklich in Abrede stellen, dass der Mensch auch Befürnisse hat, die nicht durch ein Glas Schrauben zu befriedigen sind? Ihr marktradikaler Ansatz bedeutet auch eine Einschränkung kultureller Vielfalt und führt, wie man im Bereich des Fernsehens sieht, zu Versumpfung, Verdummung und Verarschung.

      3. Es geht hier nicht nur um Kunst, die von sich selbst als Künstlerinnen oder Künstler definierenden Personen in deren Freizeit geschaffen wird, sondern auch um Kunst, die durchaus gewünscht, bzw. in Auftrag gegeben wird, bei gleichzeitiger mangelnder Zahlungsbereitschaft. Mit anderen Worten geht es schon gar nicht darum, ob und wenn ja, welche Art von Kunst Sie, Herr Haupts, als solche zu akzeptieren bereit, oder in der Lage sind. Ihre Steuergelder, wie großzügig bemessen und für unsere gesamte Gesellschaft relevant sie auch sein mögen, sind daher leider ebenso irrelevant. Vielmehr ist die Zahlungsbereitschaft der Auftraggeber gemeint. Das kann eine öffentliche Institution sein, ist in vielen Fällen aber ein Wirtschaftsbetrieb, eine Agentur, oder ähnliches. Aber, ach, in der Welt der Bild Zeitung bangt jeder, der etwas nicht so richtig verstanden hat, erst einmal vorsichtshalber um seine Steuerzahlungen.

      Zum Schluss muss ich Ihnen noch etwas ganz wichtiges mitteilen:
      DIE EINSAME EMPFEHLUNG IHRES ERSTEN KOMMENTARS STAMMT VON MIR UND IST EIN VERSEHEN! Ich persönlich finde Ihren Standpunkt nämlich doof!

    • Oh Herr ...
      Zu 1): Die Feuilletons der Qualitätsmedien? Noch genauer, die ganzen Qualitätsmedien? Für jeden Artikel über gutes Ingenieurdesign zeige ich Ihnen zu jeder Tages- und Nachtzeit 5 über künstlerische Themen und deren Bedeutung für die Gegenwart. Ich bin selbst übrigens nicht Ingenieur.

      Zu 2): „Wollen Sie wirklich in Abrede stellen …“ Hmm, erinnert mich bestimmt nur zufällig an „Wann haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen“? Nur gibt es gaaaanz viele menschliche Bedürfnisse, die deshalb noch lange nicht durch ein Angebot aus Steuermitteln gefördert werden (können). Warum soll Kunst – und zwar jede Kunst – die Ausnahme darstellen?

      Zu 3): Wenn man mich mit was beauftragt, aber nicht dafür zahlt, mache ich es nicht. Sie etwa?

      „Ich persönlich finde Ihren Standpunkt nämlich doof!“

      Wie schnell doch den Kunstfreunden die Argumente ausgehen, wenn man ihren „Kunst ist gaaanz wichtig“ Ansatz nicht blind unterschreibt … Danke dafür.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Beleidigungen sollten doch zumindest auch Substanz haben.
      Der „Trottel“ ist lt. Duden:
      „jemand, der als einfältig, ungeschickt, willenlos angesehen wird, als jemand, der nicht bemerkt, was um ihn herum vorgeht“
      Diese Attribute lassen sich m.E.n. nicht aus meinem ersten Beitrag ablesen.

      „Rumpelstilzchen“ und davon abgeleitet „rumpelstilzendes“ hingegen, also „zwergenhafte Gestalt des Volksmärchens, deren erpresserische Macht über ein mit ihrer Hilfe Königin gewordenes Mädchen nur so lange besteht, bis es ihr ihren Namen nennen kann“ und „Irrlicht“, also „in sumpfigem Gelände (wahrscheinlich durch Selbstentzündung von Sumpfgas entstehende) sich über dem Boden hin und her bewegende kleine Flamme (die im Volksglauben mit der Vorstellung von Totengeistern verbunden wird, die in die Irre führen oder Unglück bringen können)“,
      ist doch eine niedlich schöne, ja nachgerade poetische Bezeichnung für ihre Art, unbegründeten Stammtischneoliberalismus mit persönlichen Vorurteilen und unreflektierter Abscheu gegenüber für Sie nicht begreifbarer Realitäten zu verbinden.

      Sie fragen nach den „Die Feuilletons der Qualitätsmedien?“
      Warum? Davon hat niemand vorher geschrieben. Projektion, oh liebe Projektion.
      Steuergelder? Hat niemand erwähnt, ausser Ihnen.
      Warum nur? Und „puff“, ist das Irrlicht schon wieder weg.

    • Ach Thorsten...
      Ach Thorsten, zum Glück gibt’s nicht so viele Asis wie dich. Aber Leuten wie dir ziehe ich ganz besonders gerne das Geld aus der Tasche, via Steuern, GEZ, Sky-Abo, GEMA-Abgaben auf Deinen Computer etc.… überlege gerade, ob ich noch eine spezielle „Hauptsabgabe“ in meine AGB aufnehmen sollte. 100% Extra nur für dich, cabrón.

    • Gute Argumente gegen den Einfluss von zuviel (moderner) Kunst
      waren die vorherigen beiden Beiträge ganz sicher.

      Dafür herzlichen Dank. Soviel Unterstützung wäre nicht nötig gewesen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  2. Ist es nicht eher so, dass ...
    … mittlerweile jeder Berufszweig kreativ sein will. Es hat schon einen Nimbus, welcher Geld bringt. Aber schauen wir uns das mal genau an:

    Die sogenannte Kreative Klasse ist aber beileibe nicht Maler Klecksel, sondern die Beschäftigten in den MINT-Fächern, Naturwissenschaften. Mit „kreativ“ wird dort alles subsummiert, was schöpferische Denkleistungen jenseits von Verwaltungs- und Ausführungsarbeiten sind.

    Neben dieser „Klasse“ sieht der Bildhauer, die Wortkünstlerin alt aus, denn ihre Werke sind nicht technisch innovativ und somit industriell verwertbar. Industrielle Verwertbarkeit ist in unseren Zeiten das Goldene Kalb.

    Es geht um den Niedergang des immateriellen Wertes. Der ist nicht industriell verwertbar.
    Nicht nur um den in der Kunst.

    Diesen Wert will keiner mehr in barer Münze honorieren. Außer bei Sothebys, da schnellen die Richters und Macs in schwindelnde Höhen, auch die gräuslichen Jeff Koons-Dinger, weil Kunst zu einer Aktie geworden ist. Aber nur Kunst von Stars. Der Rest darf Butterbrote knabbern.

    Schizophren:
    Gleichzeitig ist man auch bereit, diejenigen Konsumgüter, die „designig“ aussehen (diese glänzenden Fetische namens SmartPhones), teurer zu bezahlen. Dank Marketing. Aber nur die digner, die man demonstrativ herumtragen kann und sich zur Distinktion eignen.

    Wenn Kunsthochschulen aber genau so ein Marketing oder Self-Marketing ihren Abgängern abverlangen, dann müssten die Professoren doch wissen, dass das en gros von Einzelnen kaum leistbar ist. Außer die Studierenden sind Doppelbegabungen von Natur her und konnten das schon als Kleinkind: für ihre Sache die Klappe aufreißen. Ich vermute schon länger, dass man gerne genau deswegen im Kunst- und Kreativbereich sich dann doch wieder anstellen lässt sprich Professor oder Kurator wird, weil man das selbst kaum leisten kann. Und genau diese gehaltmäßig glücklich untergeschlupften Professoren tuten dann in das noble Self-Marketing-Horn. Herrlich.

  3. Brotlose Kunst
    Ich kann mich nicht erinnern, dass Künstler schon jemals als etwas galten, was gut bezahlt wird. Sicherlich, einige sind mit ihrer Kunst – was auch immer es war – gut beim Publikum angekommen und manche davon konnten und können sogar sehr gut davon leben. Aber das gilt eben nur für einen Teil. Nehmen wir mal den künstlerischen Beruf „Schauspieler“: wie viele Schauspieler gibt es und wie viele können davon wirklich leben? Und sehr gut leben noch viel weniger. Betrachten wir das ganz krasse Beispiel Hollywood. Vor einigen Jahren sah ich eine sehr interessante Doku darüber. Gemeldete Schauspieler gab es ca. 100.000 Stück. Davon sind permanent in Filmprojekten beschäftigt ca. 10.000 Stück. Bleibt ein Rest von 90%, der sich mit anderen Jobs oder der Hand im Mund über Wasser hält. Oder nehmen wir die schreibende Zunft. Schriftsteller galt eigentlich noch nie als der Job, mit dem man den großen Wurf machen kann, es war immer mehr eine Berufung. Von einigen Ausnahmen mal abgesehen, die sich meistens aber auch auf bestimmte Genres beschränken. Oder kennen Sie einen Science-Fiction Autor, der mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden wäre? Nun drängen in diese Sparte immer mehr Menschen, weil viele Leute ein Schreibprogramm auf ihrem Rechner haben und nun endlich mal ihre Gedanken loswerden wollen. Dass die wenigsten davon wirklich leben können, sollte klar sein. Und bestimmt gibt es viele, die das auch gar nicht wollen. Sie haben andere Berufe und wollten einfach mal ein Buch schreiben. Nicht umsonst nimmt die Zahl der Veröffentlichungen immer weiter zu. Und so geht es in vielen Berufen, wo man „kreativ“ sein muss. Filme wären früher nur von Studenten der Filmhochschulen gedreht worden, heute drehen Massen von Menschen Filme und stellen die bei Youtube ein, weil die Technik es auch recht einfach macht, etwas aufzunehmen. Dass die handwerklich nicht unbedingt gut sind und dass wirklich „gute Kreative“ Gefahr laufen, in der Masse unterzugehen – ja, die Gefahr besteht. Aber die Lösung kann auch nicht sein, dass man jedem, der sich als Künstler bezeichnet, jeden Monat Geld überweist. Es ist in der Tat ein Problem für „Kreative“, die heute noch durchzusetzen. Es gab mal vor Jahren ein Interview mit Manfred Mann (der von der Earthband), in dem er jungen Musikern riet, sich nicht mehr der Hoffnung hinzugeben von der Musik leben zu können. Man solle sich einen Beruf suchen, der einen ernährt und die Musik nur noch als Hobby machen. Als jemand, der täglich im Büro sitzt und abends recht ausgepowert nach Hause kommt, kann ich ihm da nur bedingt zustimmen. Wer die Musik im Blut spürt und Sachen spontan umsetzen möchte, der passt z.B. nicht in starre Bürostrukturen und solche Jobs wäre echte Kreativitätskiller für Musiker. Allerdings: die CD-Verkäufe sind rückläufig und wer sich mehr als Studiomusiker sieht denn als Live-Performer, der wird im Musikbereich Probleme bekommen, seine Rechnungen zu bezahlen. Haben solche Leute nun ein Recht darauf, ihr Verlangen nach musikalischer Kreativität von der Gesellschaft bezahlt zu bekommen? Ich denke mal eher nicht. Und warum sollte es für Maler, Bildhauer, Klanggestalter, Werbetexter oder Architekten anders sein? Und was ist mit den Künstlern, die in Zirkussen oder Varietes arbeiten?
    Man sieht also, es gibt eine Menge kreativer und künstlerischer Berufe. Aber auch diese müssen sich einem gewissen Wettbewerb untereinander stellen und das Publikum entscheidet darüber, wem es nun seine Gunst schenkt oder nicht. Und wer dabei zu kurz kommt, der muss sich eben etwas überlegen. Er kann aber nicht eine Sonderbehandlung für sich von der Gesellschaft einfordern, nur weil diese nicht sein Genie erkennt.

    • Die Zahlworte, die Zahlworte
      Sehr geehrter Herr Koch, Ihr Beitrag ist informativ und ich kann Ihnen zustimmen. Aber, ohne deswegen Maly zuzustimmen, manche Zahlworte verbieten sich für Menschen. Das Stuck Viech hat sich verlaffe, Bauer (Ambros) Das Dutzend Eier wird verkauft. Aber kein Dutzend Männer.

    • Am Beispiel meines Blogeintrages zeigt sich, dass dieser Blog offensichtlich von vielen als weißes Blatt wahrgenommen wird, auf das man alle seine Gedanken, Wünsche und Vorstellungen projizieren kann. Ob sich das irgendwie auf den Inhalt bezieht – egal. Ob man den Inhalt verstanden hat – noch dreimal so egal. Debattieren geht nur, wenn man sich auch anhört, was der andere zu sagen hat und nicht sich gegenseitig totquatscht.
      Ich z.B. habe an keiner Stelle von staatlicher Kulturförderung gesprochen, lediglich davon, dass eine Leistung, die man in Anspruch nimmt (die also nachgefragt wird) auch entsprechend entlohnt werden sollte. Und dass bestimmte, sich exponentiell verstärkende Tendenzen, dem zuwider laufen – in eine Richtung, die ich schon in der Schule verabscheute: Mündlich kriegen diejenigen eine 1, die am meisten den Mund aufmachen, sprich „Labern“, indem sie, bestes Beispiel, einfach das vorher Gesagte zusammenfassen – vollkommen sinnfrei und inhaltsleer. Wer am lautesten ist, gewinnt.

    • ... zeigt sich, dass dieser Blog offensichtlich...
      …dieseS Blog…

    • Blog, das oder der

      Wortart: Substantiv, Neutrum oder Substantiv, maskulin

      Gebrauch: EDV

      (Quelle: DUDEN)

    • Zahlen...
      – Herr Radloff, natürlich gehen Zahlworte recht gut. Ich sage nur „Das dreckige Dutzend“. Und das ist noch harmlos. Besuchen Sie doch mal die Personalabteilung eines Großkonzerns, da da werden Menschen genau so gezählt und verwaltet, wie anderswo die Hühner im Mastbetrieb. Also, mal nicht so zimperlich Soldat.
      – Frau Springer: es tut mir leid, wenn ich nicht so geantwortet habe, wie Sie es sich wünschen. Das ist nun mal das Dumme, wenn man es mit Menschen zu tun hat – die „funktionieren“ nicht immer so, wie man es sich vorstellt. Habe ich in meinem Beruf täglich mit zu tun. Da gibt es nur zwei Wege: man findet sich damit ab oder man wechselt den Beruf.

  4. Ein bisschen mehr
    Anschubunterstützung für ein neues Projekt wie Zehn-vor-Acht muss schon sein – die FAZ druckte schließlich bloß die ersten drei Beiträge ab. Und darin leistet Herr Haupts, der von Rainer Meyer (in der FAZ auch mal Rainer Mayer genannt) zu diesem Behufe aus dessen Weblogs derzeit Beurlaubte, ganze Arbeit. Bleibt ein Zehn-vor-Acht Neubeitrag nach Erscheinen un- bis wenig kommentiert, wirft sich Herr Haupts unverzüglich in die Bresche. Spätestens sein gönnerhaftes Von-oben-herab:“Was-wisst-ihr-Schneckchen-denn-schon-vom-richtigen-Leben?“ treibt die Klickzahlen wie gewünscht nach oben und Kommentare trudeln dann auch endlich ein – mission accomplished.

    • Klickzahlenunterstützung?
      Indirekt über Herrn Haupts ausversehene Polemiken? Leute, der schreibt immer so, egal bei welchem Thema, egal bei welchen Bloggern, der ist wie Sam The Eagle bei den Muppets. Hab ihn fast schon liebgewonnen. Man müsste ihn sonst erfinden.)

      Echt jetzt? Na, schickt ihm doch ein Dankesschreiben. ; -)
      scnr

      Nur – Klicks sind nicht unbedingt als Qualitätszeichen einzustufen. Eine lebhaft sich entspinnende Unterhaltung verschiedenster Anschauungen schon eher. Aber wo sind sie denn?

      Von mir jedenfalls gibt es kaum Zustimmung zu diesem Blog, seinen Schreibern und zu seiner Konzeption. Grund: blutleere Schreibe, pseudo-provo-Inhalte. Und das als Frau. Müsste euch doch unterstützen.

      Mir ist das alles zu überkandidelt, spröd, langweilig, extrem, fern von normalen lebendigen Lebenswirklichkeiten. Eine Blase. Ihr müsst echt schauen, dass ihr normallebendige Frauen ansprecht und nicht genauso langweilig schreibende Medienschnicksen. Schreibt halt interessanter. Bitte.
      So jetzt ist es raus.

      Nix mission accomplished. Ihr habt das Bloggen nicht verstanden.

      Da kann ich ja sonst gleich das Tanzblog oder andere strutz-langweilige Blogs hier lesen. Die sind zwar genauso langweilig, aber sparen sich wenigstens klickgeile Pseudoprovos.

    • Bitte kriegen Sie jetzt keine Krise:
      Ihr Beitrag gibt genau den Kern meiner Kritik wider. Ich wollte diesmal aber nicht mit der Tür ins Haus fallen.

      Ihr „Sam the Eagle“ gefällt mir, nebenbei :-).

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Es gibt innerhalb wie ausserhalb der ZEIT jemanden,
      der mich kommandieren könnte. Zumindest nicht, seit ich vor 27 Jahren meine Bundeswehrzeit hinter mir habe.

      Nein, ich bin ganz freiwillig hier. Als Spielwiese, zu meinem Amüsement, zum eventuellen Aggressionsabbau. Gegenüber guten Autoren und guten Beiträgen bleibe ich höflich und sachlich, aber das Bildungsprekariats-08/15 Geschreibsel ohne Bloggerbeteiligung lädt zum Spielen geradezu ein. Ich nehme das Angebot gerne an.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  5. GEZ-Kunst
    Verstehe wirklich nicht, warum man nicht auch sogenannte Kunst über Zwangsgebühren finanzieren können sollte.

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