Ich. Heute. 10 vor 8.

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Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Von der Kunst, Wellen zu schlagen

| 19 Lesermeinungen

Der Guardian verkündigt freudig die „vierte Welle“ des Feminismus, während andernorts männerfeindliche Apps erfunden werden, die Facebook-Chefin Geschäftsfrauen hilft, an die Spitze zu kommen und Femen-Aktivistinnen nackte Islamophobie an den Tag legen.

Das Jahr 2013 war ein gutes Jahr für den Feminismus. So sieht es zumindest der Guardian, der sich in den letzten Wochen eifrig bemühte, die „vierte Welle“ des Feminismus auszurufen. Die erste Welle kämpfte vor allem für die gesetzlichen Rechte der Frauen, unter anderem für das Wahlrecht und Eigentumsrechte. Die Feministinnen der zweiten Welle weiteten die Debatte in den 1960er und 1970er Jahren auf Themen wie Abtreibung, häusliche Gewalt, Sexualität und Familie aus. Seit den 1980er Jahren gibt es Frauen, die zwar anerkennen, wie viel diese Generation geleistet hat, die aber die Rhetorik der Geschlechterkriege und der Sexualitätsfeindlichkeit – die einem heute noch bei Alice Schwarzer begegnet – als unzeitgemäß empfinden. Die dritte Welle des Feminismus hat, mit Hilfe aus den Akademien, eine neue theoretische Grundlage gefunden: Es geht nicht mehr darum, Sex als Machtausübung zu betrachten und damit Männer zum Feindbild zu machen, sondern darum, Geschlechterstereotypen auszuhebeln. Faktoren wie Rassismus, Homophobie und die Auswirkungen der Klassengesellschaft werden dabei mitgedacht. (Wer mag, kann dafür den etwas jargonhaften Ausdruck „Intersektionalität“ benutzen).

Weil es eine Berufskrankheit von Journalisten ist, neue Bewegungen entdecken und titulieren zu wollen, gibt es nun also pünktlich zum Jahreswechsel die „vierte Welle“. Gemeint sind dabei die weltweiten Proteste gegen Sexismus und sexuelle Gewalt sowie neue feministische Initiativen, die on- und offline entstanden sind. Was daran neu sein soll, bleibt allerdings unklar. Auf neuen Theorien beruht die Sache jedenfalls nicht, im Zweifel hat es irgendetwas mit dem Internet zu tun – obwohl es das auch schon eine ganze Weile gibt. Vielleicht sollten wir uns also erst mal darauf konzentrieren, den Ideen der dritten Welle Gehör zu verschaffen. Es gab nämlich auch im letzten Jahr genügend Grund zur Annahme, dass die theoretischen Ansätze der 1980er und 1990er Jahre noch lange nicht im Mainstream angekommen sind. In Deutschland offenbarte sich das vor allem in der Art und Weise, in der die #Aufschrei-Debatte geführt wurde: als Geschlechterkampf zwischen hysterischen Frauen und lüsternen Männern. Aber auch der Rest der Welt hatte einiges zu bieten, was unter dem Label des Feminismus fungierte, der Sache aber nicht gerade dienlich war.

Seit Anfang 2013 gibt es eine neue App namens Lulu, von der die Erfinderin Alexandra Chong behauptet, sie solle Mädchen dazu dienen, das Internet zurückzuerobern. Mithilfe dieser App können Frauen sich bei Facebook einloggen und ihre männlichen Facebook-Freunde anonym in verschiedenen Bereichen (Aussehen, Humor, Manieren, Sex, erster Kuss, Ehrgeiz und Verantwortung) bewerten und mit idiotischen Hashtags versehen (#DudeCanCook, #NeverSleepsOver, #ObsessedWithHisMom). Mal abgesehen davon, dass die Männer keine Kontrolle darüber haben, ob und wie sie bewertet werden und dass der Vorgang eine grobe Verletzung der Privatsphäre ist, trägt diese App auch zu der veralteten Vorstellung bei, der Feminismus müsse sich gegen Männer richten.

Ein prominenteres Beispiel: Im März des vergangenen Jahres veröffentlichte Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook, ein Buch, dass Frauen helfen soll „an die Spitze zu kommen“. In der Einleitung von „Frauen und der Wille zum Erfolg“ („Lean In“ im amerikanischen Original) erkennt Sandberg die Wichtigkeit von strukturellen Veränderungen an, behauptet aber, diese bekämen sowieso schon genug Aufmerksamkeit. Stattdessen konzentriert sie sich auf die innerlichen Veränderungen, die Geschäftsfrauen selbst in die Hand nehmen können.

Daran ist an sich ja nichts Verwerfliches, aber vielleicht sollte Sandbergs Buch eher in der Abteilung der Selbsthilfe-Bücher stehen und sich nicht als feministisches Manifest gerieren. Damit gibt sie nämlich all denen Munition, die immer noch behaupten, die Verantwortung läge ausschließlich bei den Frauen selbst: es mangele schließlich nicht an Möglichkeiten, sondern nur an der fehlenden Durchsetzungskraft. Das sollte man mal einer Frau im Niedriglohnsektor erzählen. Und das ist auch die andere Schwachstelle des Buches. Sandberg richtet sich ausschließlich an die Elite der amerikanischen Geschäftswelt. Ihre These, dass es allen Frauen helfen würde, wenn sie weibliche Vorgesetzte hätten, ist äußerst fragwürdig. Schließlich ist nicht sicher, dass eine Chefin, die Hausangestellte und Babysitter hat, die Probleme ihrer Angestellten besser nachempfinden kann, als ein Chef.

Auch die Aktivistinnen von Femen fallen in die Kategorie kritikwürdiger Feminismus. Die ‚feministische’ Gruppierung, die im letzten Jahr wohl die meiste Medienaufmerksamkeit bekommen hat, rief 2013 den ‚Topless Jihad Day’ aus, um muslimische Frauen vom Joch des Islam zu „befreien“. Dass viele dieser Frauen nicht von Femen befreit werden wollen und außerdem lieber für sich selbst sprechen, scheint die Aktivistinnen nicht im geringsten zu tangieren. Femen fällt es nicht nur schwer, andere Religionen zu respektieren, sie ignorieren damit auch das Recht muslimischer Frauen auf Selbstbestimmung.

Diese Beispiele zeigen: Es ist nichts dagegen einzuwenden, feministische Theorien weiterzudenken, aber immer neue Wellen herbeizuschreiben, während die allgemeine Denkweise immer noch irgendwo in den 1970er Jahren verharrt, kann nur kontraproduktiv sein.

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19 Lesermeinungen

  1. Auch Feministinnen können mal irren und sich schlecht benehmen
    Mein Eindruck ist, dass dieser Beitrag zwei Ebenen vermischt, die man besser auseinanderhalten sollte: 1) die Ebene des feministischen Anliegens, der tatsächlich in historischen „Wellen“ verlaufenden Sysiphusarbeit gegen die Ungerechtigkeit der Geschlechterverhältnisse. 2) die Ebene der kulturellen Ausdrucksformen, in denen der Kampf für oder gegen den Feminismus geführt wird.
    Es ist also nicht der Feminismus von Femen „kritikwürdig“, sondern die übergriffige und respektlose Art und Weise, mit der sie muslimischen Frauen gegenübertreten. Aber warum sollen nicht auch Feministinnen, deren Anliegen wir grundsätzlich teilen, sich hier und da auch mal völlig falsch verhalten?

    Diese Lulu-App hingegen scheint mir überhaupt nicht feministisch, sondern einfach nur ein weiteres Phänomen einer völlig außer Rand und Band geratenen Internetkultur zu sein; einer Kultur des Beleidigens, des Schmähens, der stillosen, haltlosen, gewissenlosen Selbstprofilierung von schlecht erzogenen Leuten auf Kosten von anderen; einer Kultur, der im übrigen auch Teile der Blogsphäre der FAZ ausgeliefert sind.

    Und dass die „allgemeine Denkweise“ von sich zum feministischen Anliegen bekennenden Frauen von heute in den 1970er Jahren stecken geblieben wäre, kann ich überhaupt nicht erkennen. Die feministischen Debatten seit den 90er Jahren haben mit den Debatten der 70er Jahre doch kaum etwas gemeinsam.

  2. .
    Ihr Text könnte inhaltlich von mir sein. Diese Übereinstimmung. Wohltuend. Merci.

  3. so geht es doch auch!
    Danke ihnen sehr für den angenehm sachlichen und gut lesenbaren Text, ohne Belehrung und Besserwisserei, so geht es doch auch 🙂

  4. Ganz beiläufig hat die Autorin in ihrem lesenswerten Überblick zwei Beobachtungen untergebracht,
    deren scheinbarer Widersprüchlichkeit sich nachzugehen lohnen würde:
    1) Die allgemeine Denkweise verharrt in den siebzigern
    2) Seit den achtzigern gab es eine neue theoretische Grundlage des Feminismus, in der es unter anderem darum geht, Geschlechterstereotypean auzuhebeln

    Wenn beide Beobachtungen richtig sind, warum hat es die neue Theorie bisher nicht in den Mainstream geschafft und wird es das nach meiner Einschätzung auch nie tun? Könnte es daran liegen, dass die „neue“ Theorie, die ich mal nur etwas verschärft auf „Geschlecht ist vollständig und ausschliesslich ein gesellschaftliches Konstrukt“ als ihren Markenkern reduziere, schlicht für die meisten Menschen (Männer wie Frauen) kontraintuitiv, kontrafaktisch und damit einfach Bullshit ist?

    Dass man in bestimmten Kreisen nicht einmal diese Frage stellen darf, ohne ausgegrenzt zu werden, könnte dazu beitragen, dass diese neuen theoretischen Ansätze niemals im Mainstream ankommen. uUd das wäre dann auch gut so.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Lieber Herr Haupts,

      ihr Halb- und Nichtwissen um Geschlechtertheorie und den Zusammenhang zu „gewissen Kreisen“, die Sie ja auch nicht benennen, könnte unter Umständen vielleicht vor allem eins sein: Totaler Bullshit?

      Gruß
      Stefanie Lohaus

    • Herr Haupts, Sie dürfen diese Frage stellen
      Lieber Herr Haupts, ich finde, Ihre Frage ist berechtigt und sehr relevant (was sich allerdings ohne die „bullshit“-Beschimpfung besser vermitteln ließe). Denn Sie haben in zwei Dingen recht: 1) Dass Geschlecht vollständig konstruiert ist, trifft den Kern der „neuen“ Theorie (so neu ist sie allerdings auch wieder nicht; Erwing Goffman – männlicher Soziologe – hat das schon in den 70ern gesagt). Und 2): dieser Theoriekern ist für die meisten Menschen kontraintuitiv und kontrafaktisch.
      Aber in einem Punkt irren Sie: Die gesellschaftliche Konstruiertheit aller Identitätskategorien ist durchaus im Mainstream angekommen. Nicht im Mainstream der Stammtische, aber im Mainstream aller soziologischen Theorie. Nennen Sie mir einen ernstzunehmenden Theoretiker, der noch sagen würde, dass Frauen „von Natur aus“ irgendetwas seien. Wenn Sie das wirklich interessiert, dann fangen Sie doch mal an zu lesen. Sie könnten ja mit einem männlichen Soziologen anfangen, um die emotionalen Hürden für Sie niedriger zu machen. Ich empfehle von Goffman: „Interaktion und Geschlecht“, oder vielleicht noch besser von Pierre Bourdieu: „Die männliche Herrschaft“.

      Ich finde, Sie dürfen diese Fragen stellen, ohne ausgegrenzt zu werden, denn diese Fragen müssen dringend offen diskutiert werden, auch an den Stammtischen. Dass Sie und Ihre Freunde auf dem anderen Blog allerdings nicht diskutieren wollen, sondern immer nur mit Beschimpfungen, Beleidigungen, Abwertungen, Verhöhnungen der Feministinnen und des feministischen Anliegens beschäftigt sind, macht die Diskussion sehr anstrengend.

    • hurra
      Sie sind wieder bei uns!

    • Hallo Marion,

      ich finde wir müssen aber dann auch darüber sprechen, warum diese soziologische Erkenntnis für viele kontraintuitiv und kontrafaktisch ist, nicht nur für Menschen „an den Stammtischen“ und ob das nicht auch etwas mit den bedrohlichen Szenarien zu tun, die viele dabei Empfinden und woher diese Szenarien kommen. Wenn ich Butler jemals so verstanden hätte, dass ich „dann keine Frau mehr sein darf“, hätte ich da ja auch ein Problem mit.

      Liebe Grüße
      Stefanie


    • ja, darüber zu diskutieren fände ich auch sehr interessant. Weiß irgendjemand gute Literatur darüber? Zunächst müsste man wohl klarstellen, dass es nicht nur eine soziologische Erkenntnis ist, sondern auch eine Erkenntnis des medizinhistorischen und -theoretischen Diskurses: Nicht nur die soziale, sondern auch die biologische Festschreibung von Geschlecht beruht auf Konstruktionen, was nicht heißt, dass biologische Merkmale nicht eine wichtige Rolle spielen.
      Wenn wir mal verstanden haben, dass die Geschlechter-Zweiteilung zwar omnipräsent, aber immer und in jedem Fall konstruiert ist, dann ist die logische Folgerung, dass jeder und jede sich seine/ihre Geschlechteridentität so zusammenbasteln darf, wie er/sie es will. Und da, denke ich, wird es für viele dann bedrohlich. Bedrohlich für Männer, deren Selbstbewusstsein darauf beruht, dass sie sich über Frauen erheben, Frauen als Publikum brauchen usw. usf.; und auch bedrohlich für Frauen, die wiederum ihren Selbstwert daraus ziehen, den Männern auf magische Weise Kraft zu geben usw. usf. Frauen können von der unfrei machenden Geschlechterhierarchie genauso profitieren wie Männer.
      Natürlich „Frauen“ und „Männer“ immer in Anführungsstrichen gedacht… 🙂
      Oder wie siehst Du das?

    • aha
      Aber was heißt das genau, und gibt es dazu Forschung?
      „Nicht nur die soziale, sondern auch die biologische Festschreibung von Geschlecht beruht auf Konstruktionen, was nicht heißt, dass biologische Merkmale nicht eine wichtige Rolle spielen.“

      Ich habe über Weihnachten eine alte Mitschülerin getroffen, die nun als Neurobiologin an der University of Chicago forscht und sie meinte, dass die bisherige Hirnforschung darauf hinweist, dass das menschliche Gehirn extrem flexibel und veränderbar sei und dass die Forscherinnen und Forscher momentan sehr in vielen Bereichen am Anfang ständen, so nach dem Motto: „der Mensch tut etwas, es blinkt ein gewisses Areal auf.“ Inwieweit das angeboren ist, oder nicht weiß man nicht. Sie meinte seriöse Ableitungen im Hinblick auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen kann man daraus gar nicht machen.

      Ansonsten finde ich den Text auch ganz spannend: http://antjeschrupp.com/2010/10/12/judith-butler-uber-die-geschlechterdifferenz/

    • Geehrte Frau Detjen, dass etwas im Mainstream der Soziologie angekommen ist, muss
      nicht als Empfehlung verstanden werden und ist kein Ausweis von Wissenschaftlichkeit. Ich liefere dafür jedem, der das bestreitet, gerne Beispiele dafür, was in den letzten 100 Jahren zu Zeiten so alles im Mainstream der Soziologie angekommen war.

      Zu Ihrem Seitenhieb auf den Bullshit-Satz nur eine gaaaanz freundliche Replik: „Und da, denke ich, wird es für viele dann bedrohlich.“ ist von Ihnen. Das ist – mit Verlaub – eine weit stärkere Beleidigung als das schlichte „bullshit“. Wenn ich Ihnen das erklären müsste, wäre diese Erklärung allerdings für Sie sinnlos :-).

      Bourdieu steht schon lange in meinem Bücherschrank. Da stehen allerdings auch die Studien bzw. die Verweise darauf, die in den letzten 20 Jahren aus den biologischen oder Neurowissenschaften stammen. Und die lassen den Satz „von Natur aus“ für Männer oder Frauen durchaus zu. „Im Durchschnitt“ unterscheiden sich Frauen und Männer erheblich und sehr, sehr eindeutig (was dem Alltagsbewusstsein entspricht), bei einer sich stark überlappenden, niemals deckungsgleichen, Bandbreite möglicher individueller Ausprägungen. Diese Differenzierung und Einschränkung geht im „Alltagsbewusstsein“ der meisten häufig verloren, aber das ist einer Menschheitskonstante geschuldet – dem überlebenswichtigen menschlichen Drang nach Vereinfachung.
      Ich möhte nur ein kleines, aber inzwischen sehr gut empirisch bestätiges, Beispiel für die hartnäckig und offenbar wenig gesellschaftlich zu beeinflussenden Geschlechtervorstellungen nennen – die häufiger beklagte Partnerlosigkeit von Alphafrauen. Die absolut selbstbestimmter Partnerwahl entspringt (!) – Frau orientiert sich sozial niemals nach unten. Sie werden die entsprechenden Studien kennen, Sie sind ja vom Fach.

      „denn diese Fragen müssen dringend offen diskutiert werden, auch an den Stammtischen“ ist nicht mein Problem und nicht mein Anliegen. Ich wünsche IHNEN dabei viel Spass, viel Erfolg ist ziemlich unwahrscheinlich.

      Was meine Freunde im anderen Blog angeht, unterliegen Sie einem ziemlichen Missverständnis. Einen intelligenten, gut geschriebenen, Bildung voraussetzenden Beitrag schlucken die meisten auch da und auch von Feministinnen. Was Sie und andere hier bisher ablieferten, waren Bildungsprekariatsbeiträge auf bestenfalls SPON-Niveau. Ansonsten liegen z.B. Don Alphonso und ich so häufig überkreuz, dass ich mit unseren Differenzen HIER schon lange gesperrt wäre.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Kleine, fangen Sie mit mir bitte keinen Streit darum an, wer den längsten hat.
      Den können Sie in einer öffentlichen Debatte nicht gewinnen, weil Sie nicht wissen, wie man ihn effektiv führt.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Also platt gesagt hab ich es so verstanden: wir haben körperliche Merkmale, aber wo diese anfangen und aufhören und was sie bedeuten, auch biologisch-medizinisch, ist dem historischen Wandel unterworfen. In irgendwelchen Epochen wurde zum Beispiel die Scheide als invertierter Pimmel gedeutet, und folglich die Frau als verkleinerter oder umgedrehter Mann (oder so – genau weiß ich es nicht mehr). Das hier hab ich mal dazu gelesen:
      Christina Benninghaus, ‘Beyond Constructivism?: Gender, Medicine and the Early History of Sperm Analysis, Germany 1870–1900’ Gender & History, Vol.24 No.3 November 2012, pp. 647–676.

    • Titel eingeben
      So kann man sich nicht auseinandersetzen, Herr Haupts. Wenn Sie uns herabwürdigen, bekommen Sie auch keine Antwort.

    • Für die Einordnung der Antworten muss ich mich nicht entschuldigen - die unverschämte ging an
      Miss Lohaus und war dort angemessen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • bildungsprekariat
      sind das menschen mit viel bildung und wenig geld? wäre bei mir dann tendenziell umgekehrt.

  5. Wellenbegriff irreführend
    Liebe Theresia,

    ich benutze den Wellenbegriff auch gerne, weil er schön plastisch ist, aber ich finde er hat einen Haken. Nämlich genau der, dass er Theorien und Aktivismus als lineare Kontinuitäten begreift, und Zusammenhänge herstellt, die dann letztendlich so auch nicht stimmen. So gab es z.B. 1984, also in der „2.Welle“ in Frankfurt am Main den „1. gemeinsamen Kongress ausländischer und deutscher Frauen“, an dem mehr als 1000 Frauen teilnahmen. Den kann man wohl durchaus Intersektional nennen. Ich denke wir wissen viel zu wenig über den Feminismus der 70er und 80er in Deutschland, der ja sehr vielfältig war und sehr viele sehr sehr unterschiedliche Positionen hervorgebracht hat. Das Vorhanden- oder nicht vorhanden sein von z.B. intersektionalem Denken ist m.E. auch kein Problem von „fehlendem Theorieverständnis“, sondern vielleicht eher eine Frage der politischen Haltung und der persönlichen Erfahrungen?

    Viele Grüße
    Stefanie

    • Titel eingeben
      Liebe Stefanie,

      ich finde es sehr wichtig, differenziert zu denken und zu schreiben. Was Du über die zweite Welle sagst, ist sicherlich richtig (auch die „Schwarze Botin“, zum Beispiel, die 1976 zum ersten Mal erschien, bezog die Klassengesellschaft in die Diskussion mit ein) und dass der Wellenbegriff nachträgliche Geschichtsschreibung ist, und deswegen zwangsläufig vereinfachend, darüber glaube ich, sind wir uns einig.
      Sich politisch zu engagieren hat aber, meiner Meinung nach, immer zwei Seiten: Die der „Öffentlichkeitsarbeit“ und die der Weiterentwicklung/Kritik von/an Ideen innerhalb „bestimmter Kreise“, wie es Herr Haupts nennt. Das, was den Wellenbegriff vereinfachend macht, ist auch das, was ihn plastisch und nützlich macht, denke ich. Nützlich finde ich auch die Theorie vom Geschlecht als soziales Konstrukt – vor allem in Hinblick auf den Geschlechterkampf. Was die Intersektionalität angeht, hast Du vielleicht recht, aber ich glaube schon, dass fehlendes Theorieverständnis ein Grund dafür ist, dass die Feminismus-Debatten (zumindest in Deutschland) immer noch im Rahmen des alten Grabenkampfes geführt werden.
      Auch für mich ist die alte Nature vs./via Nurture Frage auf keinen Fall abschließend geklärt, aber ab einem gewissen Punkt sehe ich das lieber pragmatisch. Dass Evolutionäre Psychologie und biologischer Determinismus zwangsläufig zum Stillstand führen, kann wohl nicht mal Herr Haupts bestreiten. Die Epigenetik wird bestimmt noch zu der Debatte beitragen, aber die steckt eben leider auch noch in den Kinderschuhen.

      Liebe Grüße, Theresia

  6. Pingback: Die Wellen des Feminismus | FAMA

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