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Ich. Heute. 10 vor 8.

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Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Klick doch mal für die Hebammen

| 35 Lesermeinungen

Petitionen für Hebammen sind eine gute Sache, nur leider haben sie bisher keinen Effekt. Noch traut sich kaum jemand zu sagen, dass es in Zukunft dann eben keine Hebammen mehr geben wird.

Letzte Woche wurde bekannt, dass es ab 2015 keine freien Hebammen mehr  geben wird. Der Deutsche Hebammenverband teilte mit, dass die letzten beiden Haftpflichtversicherungen für Hebammen zum 1. Juli 2015 aus dem Geschäft aussteigen.

Die Aufregung hält sich in Grenzen. Manche interessiert das Thema überhaupt nicht, für manche hat der Gewöhnungseffekt eingesetzt. Die Hebammen schon wieder. Protestieren die nicht ständig?

Die einen fragen sich entsetzt und ungläubig, ob es wirklich soweit kommen wird, dass es in Deutschland keine freien Hebammen mehr gibt. Die anderen fragen, wozu die denn nötig seien, immerhin könnten die Kinder doch genauso gut im Krankenhaus geboren werden. Das Thema ist kompliziert, auch weil es so emotional ist. Während manche argumentieren, dass es ohne freie Hebammen nicht geht, weil sie die Geburten jenseits des Kreißsaals überhaupt erst ermöglichen, fühlen sich andere davon angegriffen. Wenn die einen von der Bedeutung der Möglichkeit einer natürlichen, „normalen“ Geburt außerhalb des Krankenhauses reden, hören die anderen daraus, ihre Geburt mit ärztlichem Eingriff sei nur halb so gut gewesen. Schwieriges Terrain.

Wofür brauchen wir freie Hebammen? Damit sich Schwangere entscheiden können, ob sie im Krankenhaus, zuhause oder im Geburtshaus entbinden wollen. Natürlich ist wichtig und zuweilen lebensrettend, dass es Kreißsäle gibt. Allerdings ist die Zahl der Kaiserschnitte bei Geburten, die im Krankenhaus begonnen wurden, ungleich höher. Außerdem kümmern sich Hebammen um Vor- und Nachsorge, betreuen im Wochenbett, kümmern sich um Rückbildung und Stillprobleme. Es geht auch um Wahlfreiheit in einer existentiellen Situation.

Ein Argument, das ab und zu vorgebracht wird, ist, dass die Folgekosten von Geburten nun mal steigen und im Übrigen ja Krankenhäuser bereit stünden. Kein Grund also für staatliche Einmischung. Mit demselben Argument könnte allerdings Pilotinnen und Piloten das Risiko für Flugzeugabstürze auferlegt und auf die Alternative Bahnfahren verwiesen werden. Wahrscheinlich halten die meisten Menschen Geburten für wichtiger als die Möglichkeit zu reisen.

Seit einigen Jahren tauchen die Hebammen regelmäßig kurz in den Schlagzeilen auf. Die Einkünfte der freien Hebammen sind gering (8,50€/Stunde bei höchst unattraktiven Arbeitszeiten), aber die Prämien ihrer Haftpflichtversicherungen steigen beständig. Von weniger als 100 Euro 1989 über 1350 Euro 2004 auf über 5000 Euro diesen Sommer. Die Hebammen protestieren dagegen und bekommen von allen Seiten Zuspruch. Noch kann sich niemand vorstellen, dass es wirklich irgendwann keine Hebammen in Deutschland mehr gibt. Immerhin bekommen auch Politiker und Politikerinnen aller Parteien Kinder und häufig waren Hebammen dabei. Wenn die Hebammen laut werden, gibt es von allen Seiten ein paar Krokodilstränen. Nur: geändert hat sich im Grunde bisher nichts.

Als sich die Situation 2010 zuspitzte – 2009 kostete die Haftpflicht 2400 Euro, 2010 sollte sie auf 3700 Euro steigen –, reichten der Deutsche Hebammenverband eine Petition an den Bundestag  ein. Sie wurde mit knapp 200.000 Mitzeichnenden die größte in der Geschichte des Petitionsausschusses. Es fand eine öffentliche Anhörung statt und dann… geschah eine Weile gar nichts. Der Petitionsausschuss konnte sich erst Anfang 2013 zu einer Meinung durchringen und empfahl, die Petition den zuständigen Ministerien als Material zu überreichen. In der Zwischenzeit gab es Verhandlungen zwischen Hebammen und Kassen, weitere Proteste, und die Haftpflicht stieg. Eine Studie im Auftrag des Familienministeriums stellte fest, dass ein ernstes Problem vorlag und der Gesundheitsminister bestätigte dies. 94.000 Menschen wählten das Thema zu einem, das die Kanzlerin beim Bürgerdialog besprechen sollte. Eine weitere Petition setzte sich 2012 für Hebammen ein, und 2013 gab es noch eine, damit die Hebammen im Koalitionsvertrag erwähnt wurden. 80.000 Unterschriften allein dafür. In den Jubel darüber, dass dies geglückt war, platzte die Ankündigung, dass die Prämien 2014 um weitere 20 Prozent steigen werden.

Die jüngste Petition fordert den neuen Gesundheitsminister auf, sich für Hebammen einzusetzen – bis Donnerstag hatte sie knapp 220.000 Unterschriften. Es fand ein Gespräch statt, es wird etwas versprochen werden.

Irgendetwas verhindert im Fall der Hebammen eine dauerhafte Lösung, die ja möglich wäre, wenn der politische Wille existierte. Noch traut sich kaum jemand zu sagen, dass es in Zukunft dann eben keine Hebammen mehr geben wird. Womöglich geht es auch um’s Geld bei einem Phänomen, das zwischen Krankenhäusern und Versicherungen angesiedelt ist. Und wenn immer mehr Hebammen zermürbt und perspektivlos ihren Beruf aufgeben, verschwindet das Problem ja auch irgendwann, ohne das irgendwer daran schuld war.

Der Protest gegen die Abschaffung der Wahlfreiheit beim Gebären findet meist per Online-Petition statt. Es gibt auch Straßentheater und kleine Demonstrationen, weil es aber nicht so viele freie Hebammen gibt, ist mehr wahrscheinlich nicht drin. So gesehen sind ist der klickbare Protest eine gute Sache, nur leider haben die Petitionen eben keinen Effekt. Generell sind sie als Gradmesser für das öffentliche Interesse vermutlich hilfreich, aber um politisch etwas zu bewegen, nützen sie selten.

Es gibt inzwischen Petitionen, Offene Briefe, Unterschriftensammlungen zu allem und jedem. Das ist auch gar nicht schlecht: Plötzlich äußern Menschen ihre politischen Interessen, die das sonst nie täten, und finden andere, denen es ähnlich geht. Das ist der erste Schritt dazu, etwas zu verändern. Das Problem ist nur, dass das allein nicht reicht.

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35 Lesermeinungen

  1. Man kann es trotzdem versuchen
    Mag ja sein, das Petitionen bisher nichts oder nur wenig erreicht haben, aber aufgeben sollte man trotz allem nicht.

    Wollen wir wirklich wieder so gebären wie Anno dazumal? Jeder für sich zu Hause und hoffen das alles gut geht und das nur, weil der Beruf der Hebamme aussterben könnte, da sich selbige die Versicherung nicht mehr leisten können und dadurch ihre Sätze anheben müssten und sich ein Teil der Bevölkerung sich daraufhin keine Hebamme mehr „leisten“ kann?

    Also, einfach weiterhin versuchen und hoffen: http://www.change.org/de/Petitionen/lieber-herr-gr%C3%B6he-retten-sie-unsere-hebammen

    Viele Grüße,

    ein werdender Vater

    • Nicht aufgeben
      Stimmt natürlich: aufgeben wäre auf jeden Fall falsch. Ich denke aber, dass mehr nötig ist als Petitionen – das habe ich ja versucht im Text zu beschreiben.

  2. mein Tipp :
    Liebe Hebammen : Gründet eine Genossenschaft und lasst diese die Haftpflicht übernehmen.
    Es reichen ein paar Mathematiker die sich die Statistiken mal kurz ansehn und dann eine Beitrag berechnen. Auf gehts, niemand braucht die alteingesessenen Konzerne.

  3. Ulla S. "Schluss mit der Freiberuflichkeit!"....
    …sagte die damalige „Gesundheitsminsiterin“ (u. ehem.KBWlerin), u. meinte damit nicht nur die ihr verhasste Ärzteschaft, sonder auch andere „Leistungserbringer“, eben halt auch die Hebammen, damit das Gebären, Behandeln u. Sterben der Untertanen; sofern es sich sozioplitisch lohnt; in qulitätsgemanagten prozess-, u. renditeoptimierten Institutionen erfolgen soll.
    Dieses ist Sinn u. Streben der sog. Sozialpolitik von cSU-cDU-sPD-GrünneInnen-fDP, kranken Kassen, Bertelsmannkonzern u.a.. Interessierten, die u.a. auch mittels der milliardenteuren „E-GesundheitsKarte“ die dafür notwendigen intimsten Daten sammeln u. benutzen (d.a.zu Geld=Macht) wollen. NSA,Facebook sind dagegen Kindergeburtstag.

  4. Vieles wird hier vergessen...
    Fakt ist einfach, wer auf eine häusliche Geburt besteht, spielt mir der Gesundheit des Kindes. Natürlich kommen dann immer wieder Argumente von wegen Keimen im Krankenhaus – und dabei wird so getan, als wenn es diese in der Wohnung nicht gibt.

    NUR – niemand kan vorausahnen wie die Geburt verläuft. Meine Frau hatte eine absolut unkomplizierte Schwangerschaft, war quasi nur „nebenbei“ schwanger. Trotzdem wurde unser Sohn mit einer schweren Lungenentzündung gebohren, da dieser fast eine Woche überfällig war und inzwischen die Verdauung einsetze – und sich somit die komplette Lunge mit Kot gefüllt hat. Das war im Vorfeld aber nicht erkennbar! Bei einer Hausgeburt wäre er definitiv erstickt. Zum Glück haben wir uns für eine Geburt in einem Krankenhaus mit Kinderklinik entschieden, so dass er bereits nach 15 Minuten auf der Intensivstation lag und dort die nächste Woche verbrachte. Selbst in einem „normalen“ Krankenhaus, bei welchen in vielen Fällen nicht einmal ein Kinderarzt ständig vor Ort ist, hätte unser Sohn aufgrund der schlechten Sauerstoffversorgung nur mit massivsten Schädigungen überlebt. Daher können wir es absolut nicht verstehen, wie Hausgeburten immer so „romantisiert“ werden.

    • Das Sie nur diese eine (traurige und beinahe tragische) Erfahrung gemacht haben,
      sehen Sie nur diese Seite der Entbindungen. Meine Frau und ich hingegen haben 4 (!) Hausgeburten mithilfe einer Hebamme erlebt und diese waren, im Vergleich zu der ersten ambulanten Geburt unseres Erstgeborenen, tatsächlich schöne Erlebnisse, an denen später auch unsere älteren Kinder teilhaben konnten. Ich bedauere, dass spätere Generationen von Vätern und Müttern dies nun nicht mehr werden erleben können.

    • Herr Luum
      Wenn Sie den Hebammenberuf auf die romantische Hausgeburt reduzieren, sollten Sie sich vielleicht mal die Mühe machen und sich von einer blümchenbehängten „Hausgeburtshelferin“ deren Ausbildung und Tätigkeit erklären lassen. Schadet in keinem Fall, wenn Sie weitere Kinder planen. Was die Keime betrifft, kann man durchaus davon ausgehen, dass sie allgemeinhin in Krankenhäusern eine andere Qualität haben als die häuslichen. Diese als Argument für eine Hausgeburt anzuführen ist zwar zulässig, aber gleichzeitig irreführend weil Hygiene weniger eine Frage des Geburtsorts ist.

    • Titel eingeben
      Und wer gibt Ihnen die Sicherheit, dass die fünfte genauso abläuft? Fakt ist, dass auch die ersten vier hätten schiefgehen können – und das Risiko bin ich nicht bereit einzugehen…

    • "Nur" diese Erfahrung...?!
      Würden Sie diesen Satz auch denjenigen Eltern sagen, die auf diese „romantische Geburt“ reingefallen sind und nun ein schwerstbehindertes Kind Pflegestufe 3 + mir apallischem Syndrom und Tetraspastik haben, weil die Hembamme Mist gebaut hat und kein Arzt in der Nähe war! Was meinen Sie denn, warum die Haftpflichtversicherungsbeiträge nicht mehr bezahlbar sind? Etwas weil sich die Mathematiker verrechnet haben oder vielleicht doch, weil es keine „Nur-Einzelfälle“ sind!!Wenn man auf Nummer sicher gehen will und die Gesundheit des Kindes ist das Wichtigste überhaupt, dann vergisst man diese „Blümchen-Alles-Super-Romantik“ – braucht niemand – und hat bei der Geburt einen Arzt in der Nähe. Das ist eben nur im Krankenhaus gewährleistet!

    • Der blinde Glaube an das Krankenhaus
      Woher kommt bloß dieser Glaube daran, dass bei einer Krankenhausgeburt nichts schiefgehen kann? Die tragischen Fälle, wie Sie einen als Beispiel bringen, gibt es selbstverständlich auch bei Klinikgeburten. Und statistisch gesehen nicht seltener als bei Hausgeburten. Auch bei Ärzten in der Nähe.
      Inzwischen gibt es viele Statistiken, die belegen: Eine Hausgeburt ist für das Kind mindestens genauso sicher, für die Mutter viel sicherer als eine Klinikgeburt. Grund: Viele Interventionen, die man im Krankenhaus systematisch und routiniert anwendet, ohne dass es notwendig wäre, führt zu einer Kettenreaktion an Eingriffen. Das Ergebnis sind Kinder, die viel gestresster geboren werden als zu Hause (und Stress ist in diesem Fall ein medizinischer Faktor und hat mit „nur“ Wohlfühlen nichts zu tun) und Frauen, die mit Geburtsverletzungen und Traumata aus der Geburt gehen, die sie zu Hause nicht gehabt hätten.
      Wohlgemerkt: Wir reden hier von der Statistik. Der persönliche Einzelfall, den gibt es immer und überall. Und die Hausgeburtshebammen, die ich kenne, sich fachlich brillant und verlegen eine Gebärende, bei der etwas auffällig ist, schnell in die Klinik, um kein Risiko einzugehen.

    • Eine Anmerkung
      Es wird hier nur diskutiert, ob das Kind Zuhause, im Geburtshaus oder im Krankenhaus geboren werden sollte. Aber auch im Krankenhaus sind die Hebammen die ersten Ansprechpartner, wenn ein Kind auf die Welt gebracht werden soll. Und auch diese sind meistens freiberuflich und müssen die Haftpflicht bezahlen.
      Ich habe unseren Sohn im Krankenhaus zur Welt gebracht, weil ich mir weder eine Hausgeburt noch eine im Geburtshaus vorstellen konnte. Dass es eine schöne und natürliche Geburt wurde, verdanken wir nur einer kompetenten und wunderbaren Hebamme. Die Ärzte hätten unseren Sohn schon viel eher mit einem Kaiserschnitt auf die Welt gezwungen. Die natürliche Geburt ist wichtig, weil sie das Kind auf die neuen Umstände vorbereitet, weil nur, wenn das Köpfchen durch den Geburtskanal gepresst wird, Hormone freigesetzt werden, die den Stress für das Kind erträglich machen. Das hat nichts mit „romantisieren“ zu tun.

  5. Schön gebloggt Frau Roth
    Sie haben sicher auch eine Meinung zu diesem Thema? Warum schreiben Sie das dann nicht.
    Vielleicht verstehe ich das Wort Blog auch nur falsch und es ist tatsächlich nur eine Art von Netz-Journalismus welche ein Problem oder Ereigniss in aller Eile und Kürze nur am Rande anschneiden kann.
    Was die Hebammen betrifft, so ist das „Problem“ schon seit über 30 Jahren bekannt (solange liegt mein letzter direkter Kontakt mit einer Geburtshelferin zurück). Schon damals haben sich Hebammen über die Verdrängungstendenzen durch bestimmte Ärzte und durch die zunehmende Institutionalisierung der Geburtshilfe in Krankenhäusern beschwert. Und wahrscheinlich hätte auch schon damals die Tragweite dieser Tendenzen erkannt werden müssen und eine breite Debatte geführt werden müssen. Stattdessen werden seither wie blöd Kinder von peridural betäubten Müttern geboren und der profitabel angelegte, geplante Kaiserschnitt in heutigen Gebärfabriken lässt für Hebammen bestenfalls die arbeitsintensive Vor- und Nachbetreuung.
    Diese Entwicklung ist systematisch von den Gesundheitsministern begleitet worden und hat systematische Züge.
    Das hätten Sie, Frau ruhig ein bisschen eingehender beleuchten dürfen. Allgemeines Gejammere über scheinbar sinnlose Petitionen reicht vielleicht für einen Blog, aber so………..

    • Guten Tag, Herr Schneider,
      selbst verständlich habe ich eine Meinung zum Thema. Ich denke, dass sie in dem Text auch gut repräsentiert ist, vielleicht ohne, dass ich jeweils dran geschrieben habe „Ich finde gut, dass..“ und „Verhindert werden muss…“. Kurz zusammengefasst lautet sie, dass ich wichtig finde, dass es weiter freie Hebammen gibt, und das gleichzeitig die Geburt außerhalb von Krankenhäusern nicht für alle das Richtige sind. Die Sache mit der Wahlfreiheit eben. Warum die wichtig ist, habe ich versucht zu beschreiben und zeigt sich in der Debatte in den Kommentaren ja auch sehr gut. Dazu kommt noch die Betreuung durch Hebammen vor und nach Geburten, die auch von Familien in Anspruch genommen wird, die im Krankenhaus entbinden – auch wichtig.

      Und das andere Thema sind eben die Petitionen und mein Eindruck, dass zuviel Hoffnung in sie gesetzt wird. Um das fundierter zu beschreiben (und zu kommentieren) wäre ein eigener Blogbeitrag nötig. Vielleicht ein anderes Mal. Wenn Ihnen das zu gejammert erschien, nutzen Sie ruhig das Netz und machen Sie es besser!

  6. Nachtrag
    Ich möchte meinen Kommentar noch um eine Sache ergänzen, welche ich im Eifer des Gefechtes vergessen habe: Auch ich unterstütze die Petition, den auch für uns war unsere Hebamme enorm wichtig – vor allem wegen der Nachversorgung. Wird es keine Hebammen geben, werden viele verängstigte Eltern alle paar Tage mit ihrem Kind zum Kinderarzt laufen – oder anders rum, dass gefährliche Dinge nicht rechtzeitig erkannt werden. Es ist einfach unverantwortlich, wie sich die Politik hier verhält…

    • Die Vorsorge-und Nachsorgehebamme verängstigter Eltern...
      …sollen die Verängstigten dann eben privat bezahlen – oder sich unverängstigste Eltern im Bekanntenkreis suchen.

    • Titel eingeben
      Und diese Eltern besitzen also das „Fachwissen“, dies beurteilen zu können? Könnten Sie das? Ich denke nicht. Und wieso sollten diese das „privat“ bezahlen? Es wäre völlig verantwortungslos, sich in diesem Bereich auf die „Meinung“ eines Laien zu verlassen – das ginge nicht zum ersten mal schief. Zudem glaube ich dass eine Hebamme für die Krankenkasse immer noch günstiger ist, als ein Kinderarzt. Haben Sie in ihrem Kommentar z.B. auch daran gedacht, dass es für das Neugeborene durchaus gefährlich werden kann, sich beim Kinderarzt bei anderen Kindern anzustecken? Auch wenn ein guter Kinderarzt darauf achten, Babies nicht in den Warteraum zu setzen, kann dies trotzdem nicht verhindert werde. Somit ist es das beste das Kind daheim zu versorgen – wo es auch sicherlich stressfreier für die neue Mutter ist. Aber das haben Sie sicherlich alles bedacht…

    • 🙂 In vielen Fällen nimmt wohl die Verängstigung werdender Eltern derartige Ausmaße an...
      ….dass ich um die Erziehungsqualifikation ernsthafte Zweifel hege – und nur für diese Fälle rege ich die Einführung eines mindestens 3-semestrigen (für werdende Väter 4-semestrigen) universitären Einführungskurses „Elternschaft“ an, bei zu erwartender Zwillingsgeburt ein begleitendes Tutorium „Mehrzahlschwangerschaft“.

    • Titel eingeben
      Ganz ehrlich: Solche Menschen wie Sie machen mir Angst!

    • Titel eingeben
      Sie haben scheinbar den ganzen Hintergrund noch nicht begriffen: Ab 01.07.2015 gibt es keine Haftpflicht für Hebammen und damit niemanden, der den Beruf ausüben kann. Es spielt also keine Rolle, ob die „Verängstigten privat bezahlen“ weil es niemanden gibt, den man bezahlen kann.
      Das gesamte System der Geburtshilfe in Deutschland steht aktuell vor dem Aus.

  7. can't eat your cake and have it
    Der Artikel schweigt zum grundlegenden Problem: die gleichen freien BürgerInnen, die für ihre Mündigkeit und Wahlfreiheit bei der Geburt kämpfen, fordern gleichzeitig eine Stärkung Ihrer Rechte bei Behandlungsfehlern und Entschädigung bei Schadensfällen.

    Das sind diametrale Ziele. Jeder Schritt zur Verwirklichung des einen gefährdet das andere.

    • Sicher, dass das dieselben sind?
      Ich weiß es nicht, aber es könnte ja auch sein, dass es unterschiedliche Menschen bzw. Gruppen sind. Im übrigen bin ich mir nicht sicher, ob ich das falsch finde. Warum sollte es nicht mehrere Alternativen geben und trotzdem eine Entschädigung bei Fehlern? Um nochmal zu dem Beispiel aus dem Verkehr zu greifen: Dürfte ich nur eine Entschädigung bei Verspätung bei der Bahn fordern, während der Genuss der Möglichkeit, mich für’s Flugzeug zu entscheiden, dann eben bedeuten würde, bei verlorenem Gepäck oder Flugausfall leer auszugehen?

  8. Veramerikanisierung des Versicherungsrechtes
    In den USA gibt es solche Zustände schon lange: Bundesstaaten abhängig müssen Gynäkologen oder Pädiater noch 18 A nach Ausscheiden aus dem Beruf exorbitante Versicherungsprämien zahlen, denn es kommt immer wieder vor, dass Eltern ein schulisches Scheitern bei den Haftpflichtversicherungen dieser Ärzte einklagen.
    Der Effekt: Die Ärzte wandern in den Bundesstaat, der nicht so eine abstruse „Rechtsprechung“ hat, und in den anderen Bundesstaaten gibt es einfach keine Gynäkologen oder Pädiater mehr.

    Die Versorgung für Frauen und Kinder wird katastrophal, denn die Rechtsanwälte sind leider nicht wirklich qualifiziert.

    Ähnliches passiert hier mit den Hebammen. Eigentlich sind sie unersetzlich in ihrem Bereich, aber man fährt lieber auf der formaljuristischen Spur- da ist man „auf der sicheren Seite“.

  9. Soeben hat sich Fresenius weitere 40 (Rhön-)kliniken einverleibt...
    ….und ist damit der größte europäische Krankenhausbetreiber, die Buden müssen belegt werden, die Richtung also ist klar. Wieviele Hebammen gibt es überhaupt, wieviele Geburten schaffen sie (ohne Krankenhaus), wie hoch sind die durchschnittlichen Kosten einer Krankenhausentbindung gegenüber einer Hebammenentbindung incl. aller, also auch der Haftpflichtversicherungskosten, will heißen: Wer kann sicherer und billiger entbinden? Und wieviele Entbindungen benötigen – Komplikationen wegen – letztlich doch die stationäre Versorgung? Was spräche im übrigen gegen die private (Zusatz-)Vergütung von Hebammen, schließlich sind in vielen anderen Fällen auch die Inanspruchnahme paramedizinischer (Begleit-)Leistungen wie etwa Heilpraktikern reine Privatleistungen, die mit wachsender Tendenz in Anspruch genommen – und privat gezahlt werden.

    • Titel eingeben
      „wie hoch sind die durchschnittlichen Kosten einer Krankenhausentbindung gegenüber einer Hebammenentbindung“

      Alle Geburten (mit wenigen Ausnahmen) in Deutschland sind Hebammenentbindungen, denn diese sind per Gesetz dafür notwendig. Eine Hebamme darf ohne Arzt entbinden – ein Arzt ohne Hebamme nicht.
      Ohne Hebammen gibt es künftig Entbindungen als Notfallversorgung im Krankenhaus (ca. 650.000 pro Jahr) – viel Spass für die diensthabenden Ärzte. Es ist bestimmt viel sicherer, wenn der zufällig diensthabende HNO-Arzt eine Entbindung leitet, als wenn das Fachpersonal übernimmt. 😉

  10. Stop- hier wird Wichtiges vergessen!
    Ich bin Hebamme und arbeite mit anderen freiberuflichen Kolleginnen in einem Krankenhaus, das ca. 600 Geburten im Jahr betreut.
    Wenn es keine freiberuflichen Hebammen mehr gibt, dann gibt es auch all diese Entbindungsstationen nicht mehr. Das bedeutet auch das AUS für all die Kinderkrankenschwestern und Ärzte, die auf diesen Abteilungen arbeiten.
    Es ist in Deutschland laut Gesetz PFLICHT, dass eine Hebamme die normale Geburt begleitet.
    In Deutschland gibt es sehr viele Krankenhäuser, die ausschließlich im Belegsystem freiberufliche Hebammen beschäftigen. ALLE diese geburtshilflichen Abteilungen werden schließen, wenn es keine freiberuflichen Hebammen mehr gibt!!
    Die Geburten werden sich dann nur mehr in die großen Geburtszentren verlagern, wo häufig, bedingt durch schlechte Stellenschlüssel, schon heute nur mehr wenig Zeit für die individuelle Betreuung der Gebärenden bleibt. Dadurch steigt auch die Kaiserschnittrate, die postpartalen Depressionen nehmen zu, die Frauen bekommen u.a. aufgrund traumatischer Erfahrungen noch weniger Kinder – da haben wir dann eine fatale Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Die gilt es zu stoppen!!
    Es ist nicht egal, wie wir geboren werden. Wenn die Umstände der Geburt sich dramatisch verschlechtern, so hat das Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft!

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