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Ich. Heute. 10 vor 8.

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Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Ende gut, alles gut? 100 Jahre Erster Weltkrieg, 25 Jahre Mauerfall

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Wenn Deutschland feiert und gedenkt, soll niemand Angst haben müssen. Da trifft es sich gut, dass das Super-Gedenkjahr 2014, das mit 100 Jahren Ausbruch Erster Weltkrieg beginnt, mit 25 Jahren Mauerfall einen so erfreulichen Abschluss findet. Aber was wird mit dieser auf Konsens getrimmten Geschichtserzählung unterdrückt?

© By Franz von Pocci (http://epub.ub.uni-muenchen.de/12420/) [Public domain], via Wikimedia Commons 

Kein Gedenkstätten-Profi hätte sich die Dramaturgie besser zurechtlegen können: In diesem Jahr lässt sich des ganzen 20. Jahrhunderts gedenken, angeordnet zu einer Erzählung, die für Deutschland sehr vorteilhaft ist. Die Erzählung geht zugespitzt so: Zuerst, im Juli/August, schlitterten wir in den Ersten Weltkrieg, da wussten wir noch nicht, wie schrecklich es werden würde. Dann, im September, brachen wir den Zweiten Weltkrieg vom Zaun, das war böse. Aber schließlich – denn Reichspogromnacht, Auschwitz, Kriegsende, Teilung Deutschlands und Mauerbau können wir uns dieses Jahr sparen, ebenso wie die NS-Machtübernahme – kommt im November der Mauerfall, das friedliche Freudenfest, das das „kurze Jahrhundert“ abschließt und uns alle, die wir ja auch hart an uns gearbeitet haben, geläutert in die wohl verdiente Freiheit entlässt.

Der 9. November 1989 war der glücklichste Tag in der deutschen Geschichte. Wer hätte sich nicht freuen sollen, mal abgesehen von ein paar Handvoll verbrecherischer Tschekisten? Bis weit in loyale SED-Kreise hinein wurde der Mauerfall nicht nur, aber auch als eine Befreiung empfunden. Klammheimlich war wahrscheinlich sogar das halbe Ministerium für Staatssicherheit ein bisschen erleichtert. Und auch die Welt, auch die europäischen Nachbarn konnten an diesem großen, unverhofften Glück teilhaben: Die fröhlichen Deutschen, die auf der Mauer am Brandenburger Tor tanzten und „Wahnsinn“ schrieen und Grenzpolizisten abknutschten, schlossen niemanden aus, sie hätten sogar Honecker die Hand gereicht. Der europäische Geschichtskonsens, auf den Deutschland angewiesen ist, integrierte diesen Tag mit Freuden.

Aber schon hier setzen Gegenerzählungen an: War die Maueröffnung nicht auch ein Coup, die letzte Rache des Politbüros, um die Demokratisierung im Land aufzuhalten und von sich selbst abzulenken?

Die Regie des Gedenkjahres 2014 wird dadurch begünstigt, dass der 9. November auf einen Sonntag fällt. Das lässt vergessen, dass er eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag ist. Als Feiertag zugewiesen wurde uns hingegen der 3. Oktober gut vier Wochen vorher, der „Tag der Deutschen Einheit“. Wir sind gespannt, welche Regie er zu seinem 25. Jubiläum nächstes Jahr 2015 erfahren wird. Bisher bleibt er in seiner Mobilisierungsfähigkeit noch hinter den kirchlichen Feiertagen zurück, nationale Jubelfeiern haben sich jenseits der Maskeraden der Fußball-WM seit 1990 nicht eingebürgert.

Dass im Einigungsvertrag nicht der 9. November, sondern der 3. Oktober zum Feiertag erkoren wurde, wird mit der historischen Ambivalenz des „Schicksalstages“ erklärt, der neben die Erinnerung an deutsches Freiheitsglück 1989 die Erinnerung an deutsche Verbrechen 1938 und 1923 und die Erinnerung an zerstörte deutsche Hoffnungen auf den Sozialismus 1919 stellt. Vor dieser Ambivalenz haben die Deutschen 1990 gekniffen. Die Wahl des 3. Oktober klammerte Unerfreuliches aus, so wie man einem Kind an seinem Geburtstag schlechte Nachrichten erspart. Und sie gab der Einheit vor der Freiheit den Vorzug. Diese Priorisierung von Einheit vor Freiheit hatte wiederum paradoxerweise keine einigende, sondern eine spaltende Wirkung – und wahrscheinlich auch Absicht: Der 3. Oktober ermöglichte, all diejenigen Deutschen (wie Nicht-Deutschen) vom Feiern symbolisch auszuschließen, die sich über den Mauerfall vielleicht noch gefreut, die Wiedervereinigung aber definitiv nicht gewünscht hatten und das Ende der DDR bedauerten: Das waren neben den klammheimlich Erleichterten im MfS, den SED-Mitgliedern und so manchen am 9. November noch geknutschten Grenzsoldaten auch diejenigen DDR-Oppositionellen und bundesdeutschen Linken, die auf den Fortbestand einer „sozialistischen Alternative“ auf deutschem Boden gehofft hatten, das waren Maggie Thatcher und 39 Prozent unserer polnischen Nachbarn, und das waren auch die Westdeutschen, die sich der Verantwortungsgemeinschaft mit den ostdeutschen Brüdern und Schwestern nicht zugehörig fühlten. Sie alle hätten mit dem 9. November noch erreicht werden können – stattdessen wurden sie unter den 3. Oktober gezwungen, um ihnen für alle Zeiten reinzureiben, dass sie 1990 historisch falsch lagen.

Die Freiheitserzählung, die der 9. November 1989 eigentlich erlaubt, ist seit 1990 auf vielfältige Weise korrumpiert. Der symbolische Ausschluss der Wiedervereinigungs-Gegner aus dem Gedenken hieß auch, dass die von ihnen geforderten politischen Optionen nicht diskutiert werden mussten. Als Preis für die Priorisierung von Einheit vor Freiheit zahlten die Deutschen, dass sie sich überhaupt nicht richtig freuen und überhaupt nicht richtig trauern durften und auch das Gedenken an das Mauer-Regime, von dem sie sich selbst befreit hatten, über viele Jahre an den Rand gedrückt wurde.

Bis 2004 war die Erinnerung an die Mauer in Berlin der Privatinitiative von Einzelnen überlassen, ein buntes Spektrum von Hinterbliebenen, ehemaligen Fluchthelfern und Flüchtlingen, einem früheren MfS-Offizier, Pfarrern und Anrainern, die hier und da Kreuze und Gedenksteine aufstellten, ein Mauerstückchen oder einen Wachturm pflegten und Zeugnisse archivierten. Erst, als die Ehefrau und Witwe des Gründers des Mauermuseums am Checkpoint Charlie, das zwischenzeitlich in eine gut verdienende GmbH verwandelt worden war, auf einem gegenüberliegenden Baugrundstück eine geschichtswissenschaftlich wie geschichtspolitisch anstößige Mauerattrappe vor einem Wald von riesigen Holzkreuzen aufbaute, griff die öffentliche Hand ein. Seit zehn Jahren gibt es nun ein „integriertes Gesamtkonzept“ des Senats und des Bundes, das das Mauer-Gedenken als historische, erinnerungspolitische und touristische Aufgabe insbesondere der „Stiftung Berliner Mauer“ an der Bernauer Straße immer weiter professionalisiert und ausbaut.

In den europäischen Geschichtskonsens einfügen ließ sich dieses Gedenken vor allem durch eine Festlegung: Es sollte in erster Linie um die „Opfer“ der Mauer gehen, schrieb das Gesamtkonzept vor. Das war wunderbar kompatibel mit dem herrschenden Viktimisierungsdiskurs, der Opfer-Orientierung, die aus allem Unrecht und Leid vom Ersten Weltkrieg angefangen bis heute eine große europäische Opfer-Sauce macht, mit dem leidenden Individuum als kleinstem gemeinsamen Nenner. Das hatte eine befriedende Wirkung, und es erfüllte zudem durch den Fokus auf persönliche Lebensgeschichten die Bedürfnisse des Publikums nach Authentizität. Vor allem aber bestätigte es durch seinen entpolitisierten Individualismus genau die verengte Vorstellung von Freiheit, die 1990 verhindert hatte, dass der 9. November Feiertag wurde: Denn die „Opfer“ wurden individuell gemeuchelt und wollten mit der Flucht ja nur ihr individuelles Glück und ihre individuelle Freiheit. Dass sie mit ihren DDR-Erfahrungen auch in der Bundesrepublik eine verändernde und kritische Kraft hätten sein können, fiel aus dem Blick.

Während der Gedenkzirkus zum Ersten Weltkrieg noch anhält, die Veranstaltungen zum Beginn des Zweiten Weltkriegs bevorstehen und das große Finale des Mauerfalls am Herbst-Horizont sichtbar wird, wäre jetzt nach den Erinnerungen und Erzählungen zu fragen, die den europäischen Konsens befruchten könnten, gerade weil sie in der Bundesrepublik unbequem sind. Ihr früheren Gegner der Wiedervereinigung – erzählt doch mal!

 

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14 Lesermeinungen

  1. Wenn eine Erzaehlung mit einer Geschichtsfälschung beginnt und mit einer erfundenen Unterstellung
    weitergeht, verfolgt deren Autor/in offensichtlich ein Propagandaziel.

    „Und sie gab der Einheit vor der Freiheit den Vorzug.“ Behauptet eine Historikerin. Lässt so formuliert exakt eine Interpretation zu: Die Bundesrepublik war kein freier Staat (sonst wäre ja MIT der Einheit die Freiheit gekommen). Doch, war so gemeint, die Autorin kann mit Sprache umgehen und kennt die Wirkung ihrer Sätze.

    „… um ihnen für alle Zeiten reinzureiben …“ Dafür, Frau Professor, haben Sie ja wohl mindestens, allermindestens, wenigstens EINEN klitzekleinen Beleg? Ein Dokument, eine Wortmeldung aus der damaligen Regierung? Nein? Na ja, in anderen Zusammenhängen nennt man das dann „üble Nachrede“ und verfolgt es strafrechtlich. Ein frei erfundenes Motiv sagt immer viel mehr über dessen Erfinder aus, als über den, dem es untergeschoben wird.

    Dazu passt dann auch die nachfolgende Schwurbelei. Warum ausgerechnet der 3. Oktober als Tag der deutschen Einheit die Maueropfer an den Rand gedrückt hat, während sie beim 9. November mit seinen vielen konkurrierenden Opfergruppen im Mittelpunkt gestanden hätten – ach, was frag ich. Geschenkt.

    Nur eines verstehe ich wirklich nicht: Wenn man schon Propaganda reinsten Wassers betreibt, wäre es da nicht geschickter gewesen, wenigstens das Ziel deutlicher herauszuarbeiten? Schwestern zur Sonne, zur Freiheit, durch (beliebiges einsetzen)?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Quod erat demonstrandum, Herr Haupts. Man könnte glatt Angst kriegen vor der Wucht, mit der Sie die herrschende Erzählung verteidigen und Gegen-Erzählungen delegitimieren. Allerdings sollten Sie sich mehr Dankbarkeit für das Funktionieren des bundesdeutschen Rechtsstaates leisten – ich bin frei, dem Einigungsvertrag von 1990 Anti-Sozialismus zu unterstellen, so wie Sie frei sind, mir ganz in den Mustern des Kalten Krieges kommunistische Propaganda zu unterstellen.

      Herr Haupts! Der Feind ist tot, den Kommunismus gibt es nicht mehr! Auch nicht als Utopie einer „Frau Professor“! Entspannen Sie sich!

    • Sie sind völlig frei, alles zu publizieren, was Ihnen beliebt.
      Auch die Einschätzung, Deutschland wäre ein unfreier Staat und seine Regierung wie sein Bundestag hätten einen nationalen Feiertag beschlossen, um einer kleinen Minderheit eins auszuwischen. Wenn Sie damit glücklich sind, als Wissenschaftlerin.

      Woher Sie die „kommunistische Propaganda“ nehmen, ist mir schleierhaft. Ich sprach nicht davon und die leichte Abwandlung der Zeile eines alten Arbeiterliedes lässt den Schluss auch nicht direkt zu.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • ad 1) zwischen absoluter Freiheit und absoluter Unfreiheit gibt es ein weites Spektrum an Zwischentönen, in dem sich auch Deutschland einordnen muss. Nur weil Deutschland zur Zeit eins der freiesten Länder der Welt ist, heißt es nicht, dass hier keine Arbeit mehr zu tun wäre.

      ad 2) dass mit der Wahl des 3. Oktober anstelle des 9. November Narrative unterdrückt und Minderheiten ausgeschlossen werden sollten, ist in der Tat die These des Textes; um sie geschichtswissenschaftlich zu erhärten, würde man nicht in erster Linie nach den Intentionen der Akteure fragen, sondern diskursanalytisch vorgehen. Ich finde, dass es legitim ist, eine solche These in einem Blog zur Diskussion zu stellen. Es gibt doch genügend Belege für die ausschließende Wirkung dieser Wahl und die Enttäuschung vieler Menschen.

    • Mit jedem Narrativ unterdrückt man andere, das liegt in der Natur der Sache. Unvermeidbar.
      Nur haben Sie eben unterstellt, das sei geschehen, um andere fertigzumachen. Ich finde das ein wenig kindisch – als hätten Genscher, Schäuble und Kohl zu der Zeit keine anderen Sorgen gehabt.

      Die Enttäuschung „vieler“ Menschen? Wenn für Sie „viele“ einige tausend in Deutschland sind – wahrscheinlich. Wenn „viele“ für mich ein signifikanter (zweistelliger) Prozentsatz der Bevölkerung ist, dann sicher nicht. Die Wahl des Nationalfeiertages dürfte selbst vielen der wenigen politisch Interessierten schnurzegal sein. Und gegen den 9. November spricht deutlich mehr, als für ihn.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  2. Nationalfeiertag - Blick durch die Welt
    Sehr geehrte Frau Detjen,

    Sie nehmen einen Standpunkt ein, der dem des politischen Establishments entgegensteht. Das ist im Sinne von These und Antithese sehr erhellend.

    Ich persönlich bin mit unserem Nationalfeiertag nicht wirklich glücklich. Wenn ich allerdings in die Welt schaue, so muss ich konstatieren, die gewählten Daten der Nationalfeiertage anderer Nationen/Verwaltungsgebilden enthalten immer wieder Bezüge zu deren konstituierenden Momenten. (Frankreich: Beginn der bürgerlichen Revolution, USA: Unabhängigkeitserklärung, etc.) Der Mauerfall, so glücklich das Ende des von Besserwissern verordneten Eingesperrtseins auch gewesen sein mag, betrifft erst einmal nur die von diesen Besserwissern Eingesperrten unmittelbar. Konstituierend für die Nation wird er erst, wenn man die dadurch wieder mögliche innerdeutsche Begegnung und das damit wieder mögliche Zusammenwachsen betrachtet. Und dieser Zusammengehörigkeits-Aspekt wird im 3. Oktober als Tag der politischen Besiegelung dieser nationalen Einheit eigentlich besser repräsentiert. Der Tag bleibt (auch für mich) blutleer und nicht mit Emotionen verknüpft, weil es eine politische Entscheidung war und der Volkeswille im Wesentlichen keine Rolle spielte.

    Wenn ich mir aber vorstelle, wie die Wahl des 9. November (ein scheußlicher Monat für Paraden) aus dem linken Lager kommentiert und wie dieser Tag dann vermutlich im Empörungszyklus des Jahres fest eingeordnet worden wäre, dann bin ich mit der blutleeren Wahl doch glücklicher.

    Beste Grüße
    Günther Werlau

    • Sehr geehrter Herr Werlauer,

      Ihren ersten Punkt kann ich nachvollziehen. Aber was Sie mit dem „Empörungszyklus“ meinen, verstehe ich nicht. Es geht doch um das Aushalten von Ambivalenz.

      Mit freundlichen Grüßen, Marion Detjen

    • Ambivalenz aushalten
      Sehr geehrte Frau Detjen,

      sind Sie wirklich sicher, dass sich die deutsche Linke im Aushalten von Ambivalenzen hervortut? Und wenn ja, beschränken sich die Ambivalenzen nicht in der Himmelsrichtung?

      Beste Grüße
      Günther Werlau

    • Aber Herr Werlau, gerade für einen wertkonservativen Standpunkt müsste es doch egal sein, wie andere Leute sich verhalten. Und wen meinen Sie überhaupt mit den „Linken“? Die Wiedervereinigungsgegner aus der DDR? Denen blieb doch gar nichts anderes übrig, als mit Ambivalenzen zu leben. Ambivalenzen erspart werden immer nur denen, die oben schwimmen und keine Brüche verarbeiten müssen. Beste Grüße, MDetjen

    • Wertkonservativer Standpunkt
      Sehen Sie Frau Detjen, ich weiß gar nicht genau, was sich hinter dem Begriff „wertkonservativ“ verbirgt. Ich bin eigentlich nur der Ansicht, dass die Menschen vorangegangener Generationen nicht dümmer waren als wir und es deshalb durchaus Sinn macht, genau zu überlegen, warum diese Menschen manche Verhaltensweisen entwickelt haben, bevor man sich auf den Standpunkt stellt, es wäre doch alles nicht mehr zeitgemäß und müsste heute ganz anders gemacht werden.

      Mit „Die Linken“ meine ich nicht die Betonköpfe im Osten – die sind, Verehrung für Marx hin oder her, aus ostdeutscher Perspektive doch wohl eher „Die Rechten“ als Bewahrer der untergegangenen Ordnung – und auch nicht die Menschen der Bürgerbewegung, die durch die Dynamik und die Mechanismen der Macht einfach wieder in ihre Dissidentenrolle zurückgedrängt worden sind. Nein, ich meine ganz normale Salonsozialistinnen und Salonsozialisten. Mein Eindruck ist, wenn man denen mit Standpunkten kommt, die nicht auf Linie sind (passendes Stichwort hier im Blog: Gender) dann ist ganz schnell Schluss mit dem Aushalten von Ambivalenz. Aber ich mag mich irren.

      Mit Empörungszyklus meine ich eigentlich nur das periodische Wiederholen von Empörungshandlungen an festen Stichtagen (z.B. Chaostage). Dazu bietet der 9.11. wirklich reichlich Anlass, wenn man welchen sucht.

      mfg
      Günter Werlau

    • Der Standpunkt hätte sehr erhellend sein können ...
      Wenn man ihn von ziemlich persönlichen Abwertungen freigehalten hätte. Und ihn beispielsweise aus Sicht der damaligen DDR-Oppositionellen formuliert hätte.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • @Thorsten Haupts: Ich bin anderer Meinung
      Ich bin anderer Meinung. Natürlich hätte ein stärker von Fakten zu Schlussfolgerungen aufgebauter Text mehr zum Nachdenken anregen können. Es reicht aber der konträre Standpunkt, um selbst noch einmal für sich zu ordnen, warum man ihn nicht teilt. Man kann den gleichen Effekt auch ohne äußere Anregung durch Reflektion erreichen. Aber tendenziell nehme ich mir dazu nicht die Zeit. Wenn ich aber etwas lese, dessen Tenor ich nicht teile (im Sinne einer Antithese), dann überlege ich, warum ich das nicht tue und das war in diesem Fall für mich erhellend.

      Gruß,
      Günther Werlau

    • @ Haupts und Werlau
      Verstehe ich Sie beide richtig, dass Sie sich vor allem deshalb mit anderen Standpunkten auseinander setzen, um Ihren eigenen zu schärfen? Für Ihren imaginären „Gegner“ würde das bedeuten, dass er/sie nur ein Dummie ist, an dem Sie üben.

    • Üben am Dummie
      Sehr geehrte Frau Detjen,

      nein, zumindest mich verstehen Sie nicht richtig. Wenn Sie oder irgendjemand einen Standpunkt formuliert, dann verwenden Sie oder derjenige eine Argumentationskette. Wenn ich mit dem Standpunkt einverstanden bin, dann werde ich die Argumentationskette nicht genau prüfen. Es gibt auch keinen Erkenntnisgewinn. Wenn ich mit dem Standpunkt aber nicht einverstanden bin, dann prüfe ich die Argumentationskette. Das führt manchmal dazu, dass ich meine Meinung ändere, weil die Argumentationskette schlüssig erscheint. Zumindest aber führt es dazu, dass ich etwas über rhetorische Kniffe lerne oder – falls sie mir schon bekannt sind – deren Erkennung übe und gleichzeitig zwingt es mich dazu, eine Gegenargumentation zu finden, um meine Zweifel am betrachteten Standpunkt zu untermauern.

      Würde ich Sie oder andere als Dummie betrachten, dann ginge es nicht um Erkennen sondern um rhetorisches Plattmachen. Das habe ich in anderen Foren auch schon erlebt. Die Runde hatte dann die Anmutung eines Bud-Spencer-Films: In der Mitte stand der Preisboxer und schlug die anderen immer auf den Kopf, damit sie wegtaumelten. So ging das immer im Kreis. Der Erkenntnisgewinn war Null. Das mag kurzzeitig amüsant sein – die Geschmäcker sind ja verschieden – langfristig ist es aber ermüdend und öde.

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