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Ich. Heute. 10 vor 8.

Ich. Heute. 10 vor 8.

Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Wanted – Ihre Institution agiert außerhalb des Gesetzes!

| 4 Lesermeinungen

Ein möglicher Weg aus der Unterrepräsentation von Künstlerinnen

Bei Ausstellungsankündigungen, die mir tagtäglich ins Haus beziehungsweise auf meinen Rechner flattern, habe ich es mir zum Sport gemacht, zu zählen, wie viele Künstlerinnen versus Künstler in der beworbenen Ausstellung vertreten sind. Ich kann mich kaum an eine Ausstellung erinnern, die a) einfach so Künstlerinnen in der Mehrzahl zeigte, b) gleichzeitig nicht eine thematisch festgelegte Frauenshow war beziehungsweise c) nicht in einem dezidiert künstlerinnenfördernden Kontext stand.
Und dass wo an den Kunsthochschulen regelmäßig die Anzahl der Absolventinnen die der Absolventen übersteigt.
Das Bemerkenswerte ist, dass dieses Ungleichgewicht nicht nur in den großen Institutionen, Museen und Biennalen herrscht, sondern gleichermaßen bis in die, so möchte man meinen, aufgeschlosseneren, sich ihrer (politischen) Aufgabe bewussteren Projekträume reicht.
Auf die regelmäßig vorgebrachten Begründungen (z.B. Baselitz im Spiegel-Interview: „Frauen malen nicht so gut. Das ist ein Fakt“ oder die schlichte Behauptung, es gäbe eben nicht genug gute Künstlerinnen) möchte ich hier gar nicht eingehen, sie sind sämtlich absurd.
Allerdings, so ist mir aufgefallen, gibt es tatsächlich Unterschiede in der Selbstdarstellung und -vermarktung. Diese wiederum sind eng verbunden mit dem in unserer Gesellschaft tief verwurzeltem Glauben an das künstlerische Genie – und das ausschließlich in seiner männlichen Ausprägung. Das Bild, das Baselitz und Richter und wie sie nicht alle heißen immer wieder gerne bestätigen, ist: der Künstler ist ein unverstandenes und einsames Wesen, jenseits von Konventionen und Kohorten. Das passt nicht eben zum allgemeinen Verständnis einer Frau in unserer Gesellschaft.

In aktuellen Top-Ten Rankings (bestverdienender, am meisten nachgefragter Künstler (sic!) etc.) tauchen lediglich Cindy Sherman und ab und an auch Rosemarie Trockel auf. Beide sind bekannt geworden als Künstlerinnen, die „das Frausein“, zum Thema gemacht haben. Und nicht einfach „nur“, weil sie, wie angeblich die anderen, gute Kunst gemacht haben. Ihre thematische Spezifikation gibt Ihnen eine Sonderstellung, sie sind „Ausnahmefrauen“ (siehe Isabelle Graw: Die bessere Hälfte. Künstlerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts) und legitimieren so ihren Platz unter den männlichen Kollegen.
Im Rahmen einer Diskussion zum Thema „Genderpolitics of the Art Market“ Anfang 2013 präsentierte Marian López Fernández-Cao in ihrer Rolle als Präsidentin die spanische Vereinigung MAV (Mujeres in Artes Visuales – zu Deutsch „Frauen in der Bildenden Kunst“). 2009 als gemeinnütziger Verein gegründet ist MAV ein Zusammenschluss von Expertinnen auf dem Gebiet der Bildenden Kunst in Spanien: Künstlerinnen, Kritikerinnen, Sammlerinnen, Kuratorinnen, Ausstellungsarchitektinnen, Professorinnen, Direktorinnen, Technikerinnen, Verlegerinnen, Forscherinnen, Galeristinnen, Kulturmanagerinnen, Journalistinnen etc.
MAV hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Sichtbarkeit und Repräsentation von Künstlerinnen an spanischen Kunstinstitutionen zu verbessern. Dabei engagieren sie sich vor allen Dingen für die verstärkte Umsetzung des Artikels 26  „Gleichheit in künstlerischer und intellektueller Kreation und Produktion“ des „Ley Orgánica 3/2007“ (vom 22. März 2007), der unter anderem folgendes vorsieht:

2. Die verschiedenen Organe, Institutionen, öffentlichen Einrichtungen sowie alle weiteren Strukturen der öffentlichen Verwaltung, die entweder direkt oder indirekt das kulturelle Verwaltungssystem gestalten, sollen folgende Aktionen umsetzen:

a) Unterstützung von Initiativen, die speziell die Förderung von Frauen in Kunst und Kultur verfolgen und deren strukturelle und/oder subtile Diskriminierung bekämpfen.

c ) Förderung einer ausgeglichenen Teilnahme von Frauen und Männern in öffentlich finanzierten kulturellen und künstlerischen Angeboten.

Tatsächlich ist dieses Gesetz, das sich direkt aus der Verfassung ableitet und damit gewichtiger ist als ein reguläres Gesetz, da von einer qualifizierten Kongressmehrheit beschlossen, bindend. Sämtliche betroffenen öffentlichen Institutionen müssen es umsetzen und können bei Nichtbeachtung verklagt werden. Selbst wenn es nicht sofort umgesetzt wird, so muss die betreffende Institution zumindest nachweisen, dass sie entsprechende Schritte eingeleitet hat.
Dieses Gesetz gibt der Arbeit von MAV eine wichtige rechtliche Handhabe und reale Durchsetzungskraft – auch wenn es unter der jetzigen konservativen Regierung nicht, wie unter Zapatero angedacht, in vollem Umfang durchgesetzt wird.

Gemeinsam mit dem Kulturministerium hat MAV die Situation und Repräsentation von Frauen im kulturellen Sektor umfassend erforscht und anschließend veröffentlicht.

© MAVTabelle Männer – Frauenverhältnis in der spanischen Kunstwelt

Diese Grafik beispielsweise zeigt klar: geht es um Macht, Geld und Einfluss sind Frauen unterrepräsentiert.
Dabei erschöpft sich die Arbeit von MAV nicht darin, zahlreiche Universitäten und öffentlichen Kulturinstitutionen mit der Präsentation ihrer Forschungsergebnisse auf die aktuelle Situation hinzuweisen, umfangreiche Datenbanken und ein großes Netzwerk spanischer Künstlerinnen erlauben es Ihnen gleichzeitig, als Berater zu fungieren und Hilfestellungen anzubieten.
Breiter öffentlicher Aufmerksamkeit erfreut sich auch das von MAV mit großem Erfolg organisierte Festival Miradas de Mujeres, das seit 2011 jährlich und seit 2013 neben Madrid auch auf nationaler Ebene stattfindet. Im Mai diesen Jahres wurden mehr als 1000 Künstlerinnen in 253 Ausstellungen an 308 Orten (darunter auch der Prado und Reina Sofia) präsentiert.

Dass das spanische Gleichstellungsgesetz Organisationen wie MAV jenseits freiwilliger Selbstverpflichtung und wirkungslosen Absichtserklärungen eine ganz andere Schlagkraft verleiht, spricht für eine Frauenquote – und zwar umfassender als sie aktuell von der Bundesregierung geplant ist.
Wie großartig wäre es, wenn ich irgendwann nicht mehr zählen müsste.

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4 Lesermeinungen

  1. nix für ungut
    Stadt(statt?)forscherin?! Was es nicht alles gibt.
    Schon was gefunden?
    Oder ist das nur wieder so’n leerer Genderquatsch?
    .
    Wie wär’s mit ’ner Frauenquote für nicht so beliebte oder angesehene Berufe?
    Auch „Taschendiebe und Tacshndiebinnen“ und ähnliches hört und liest man selten.

  2. Interessant...
    Ihren „Kampf“ um „Ihren Seelenfrieden“, als „Kampf“ im/mit dem Thema
    „Unterrepräsentation der Frauen…“ zu beobachten und Ihre Hoffnung,
    diese innere, interne „Seelen-Angelegenheit“, mit externem, extrovertiertem
    „Statistik-Befreiungs-Krieg“, von Männer-Geld-Macht-Gesetzen?,
    „erledigen“, „gewinnen“, „Seelenfrieden“ erlangen zu können.
    Ich befürchte es geht nur „intern“, als innerer, „introvertierter Denk-(Kampf)-Prozess“
    um „Vernunft“, „geistiges Gleichgewicht“, „Seelengleichgewicht“, „Seelenfrieden“…
    Ihre „Seelenwahrnehmung“ von Ihnen selbst vorausgesetzt.

    …trotzdem viel Gerechtigkeit-Gleichheit-Gesellschaft-Kampf-Glück…
    und vielleicht täusche ich mich auch,
    in meiner beitragabhängigen (Seelen-)Wahrnehmung von Ihnen.

    Gruß
    W.H.

  3. vom "ja" zum "ja, aber" - eine rein subjektive, spontane sammlung von einem allerlei aus unsinn.
    baselitz malt, weil er malt, nicht weil er mann ist. er will etwas ausdrücken, vermutlich positv – und mit einer irgendwie gearteten beziehungsrealität an erster stelle hätte dies vermutlich nichts zu tun? aber frauen wären – partiell angeborener weise – tendenziell einmal mehr und immer noch eher leider nur die beziehungsarbeiterinnen?

    „geld, macht, prestige, ruhm, größe, bedeutung, festigkeit, dauer“ („penisneid, komma unreflektiert“ – böses wort nein/ja? – könnnte da für manche frühere frau auch mit drin stecken?) , welches „die männer“ im ranking hätten – und welches frauen wohl nicht haben – wären uneingeschränkt auch für frauen wünschenswert? und falls ja für welche? a. für alle, b. für die für die „ernährung, versorgung, beschützung“ in einer beziehung zwischen zwei frauen mehr zuständige (wir sprechen sehr unbeholfen und unkorrekt, ja), „mehr inder welt und für das erwerbsleben zuständige, als die andere“?) (wir meinen zu wissen, dass das z.b. bei jody foster so wäre oder „schauspielerin odenthal“, die beide „ihre frauen zu hause hätten“ – bekennender weise – „die da auch überwiegend lieber sein wollten“?)

    es gibt keine beschränkung, ausser durch anlage und umwelt – immer noch wirkt manches so, als bräuchte frau männer als spiegel und counterparts sich durch abstoßung selbst zu definieren, rückzuvergewissern?

    und „gleichstellungsgesetze“ sind prima, müssen wir haben, z.b. unsereins – und als mann – legt ja gar keinen wert auf eine sicher total sichere, vorhersagbare und damit unterfordernd-bis langweilige, doofe angestelltenposition im bereich kunst resp. kunstverwaltung oder sonstwo, oder gar als staatliche geförderter, finanziell anerkannter künstler – sollen alles demnächst ruhig alles frauen machen – und auch „werten“ egal bis überflüssig, also ob sie es dann besser machten als die männer, oder schlechter, oder nur anders, also natürlich ganz anderen wert auf ganz andere zielsetzungen oder inhalte legten: genau genommen ist das „wurst und pillepalle“ (aber nicht beliebig) – man müsste nur altersgemäß den erfahrugshorizont längst weit genug auf jahrzehnte legen können?

    denn in einem „postmodernen polyperspektivismus“ bestünde ja vermutlich wahlfreiheit – fände ich „die weiberkunst“ doof, ginge ich dahin, „wo echte männer noch wieder kernige bilder malten“, „in einem stile der mir gefällt“?

    das der punkt – auch jede künstlerin stünde im wettbewerb – zwar ließen sich über quoten die zugangsvoraussetzungen verbessern, würden ggfls. gefühlt auch „raubtierkämpfe in den eingangshallen der menschenzoos“ etwas abgemildert – aber einmal drin sollte auch frau „als weltkünstlerin für die welt sprechen“ („durch sich selbst“, (wie sonst) diese banalität politisch korrekt für die doofen auch noch ausgesprochen), sie – und nur sie endlich repräsentativ zur gänze abbilden? also evtl. auch „nur weibliche themen innerhalb der ganzen welt, so wie küche innerhalb einer wohnung“? … – nein, das wäre unfair.

    „picasso statt quote – weltmarktrisiko statt evangelisches versorgungswerk“ – das wäre evtl. mehr unser ding für die moderne, junge frau. und das wäre vermutlich nicht zuerst das weibliche risiko keine geld zu haben, sich unversorgt zu finden (!, „wie schrecklich“) – sondern dass risiko körperlich brutal gequält, gefoltert, vergewaltigt und ermordet zu werden, durch einen geheimdienst oder dessen schergen z.b.. „Pablo Picasso – “Massacre in Korea”, 1951“ http://tinyurl.com/lrahqu7

    „und das frau ggfls. selbst auch eine frau zu hause hätte und kein geld und wollte der was bieten, aber wie?“ – die frage hätten millionen von künstlermännern auch schon beantworten muessen, durch ihre kunst – nicht aber durch umverteilung? klar, die übliche, billige männerantwort – da wo frauen sind „wäre das problem aber vielschichtiger, tiefergehender, komplexer“, ach?

    „wer kann, der macht“ hat erika mann gesagt – und frau wäre immerhin vor allem tatsächlich auch weiterhin noch sehr komplex – und würde daher – vollkommen neues und reflektiertes muster? – ihre probleme und fragestellungen verbal einer erweitereten küchen-öffentlichkeit mitteilen, damit dann welche gelaufen kämen, sich um frau’s problem zu kümmern?

    wir sähen hier dann nur eines: dumme männer, die auf immer noch unemanzipierte frauen reinfielen, weil sie sich „kostenlos aber verbindlich“ (also von frau bei mißlingen accountable gemacht fürs „doofe, frauenfeindliche“ reden) dazu äußerten?

    also „männliche kunst“ wäre auch schon mal schweigend antwort – „schweigend und voraussetzungslos“. neo rauchs bilder z.b. passten unter dem gesichtspunkt vermutlich relativ gut in diese zeit.

    und schon käme die ideologin und würde sagen „ja, der hatte aber auch die und die förderung, die frau nicht hatte, „weil nur frau“?“ ach … . oder gierte da eine nach versorgung – statt selbst den sinn der welt aus sich zu schaffen – „und zwar über babys hinaus“?

    ok, frau kann selber laufen – sie möchte sich nicht auf händen getragen sehen, noch plötzlich und unvermutet so wiederfinden. auch darum überantworten wir allen frauen jetzt und für immer und vorraussetzungslos dies ganze land – und halten euch hinterher nach 20-30-50 jahren für die ergebnisse verantwortlich – also los, es hilft keiner, bestimmt nicht – euch das ganze geld – und das vakuum der leeren leinwand! des total, leeren stücks papier voraus – setzt eure zeichen drauf, schreibt, komponiert – füllt das land mit eurem sinn – zeugt alleine!

    (… flechtet aus gras neue hütten – und schickt alle betonbauten und betonarbeiter in die wüste, oder zu den pferden auf die kopel, auf das wieder leiseres getrappel mehr uns hörbar würde – und genies an die front!)

  4. und eine weitere mögliche denkarabeske wollte womöglich in die richtung gehen, zu
    sagen, dass eine mögliche feststellung „geht es um Macht, Geld und Einfluss“ ggfls. – neben allen andere apsekten – auch den einer gewissen „kampfesmässigen ununterrichtetheit“ hätte:

    evtl. bestünde nämlich auch eine – relativ reflektierte – möglichkeit, anstatt diesen kampf anzunehmen – und durch über- u. besserkonkurrenz obsiegend für sich triumphal für immer (also für die zeit einer staatlich mit-subventionierten, repräsentativen) erwerbsbiographie mit abgesichtertem pensionsanspruch erfolgzugestalten – auch die inzwischen immer häufiger gewählte, relativ gegenteilige variante, ehrenhaft ebenso bestünde, wie z.b. textlich so ausgedrückt:

    „Damit uns nicht Geld-, Besitz- oder Prestigeprobleme von unserem eigentlichen Zweck ablenken – uns vom Schmerz der Vergangenheit zu lösen, um ein glückliches und erfülltes Leben führen zu können.“

    evtl. auch nicht schlecht. (http://www.eksev.org/12traditionen.htm – darin drei & sechs)

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