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Ich. Heute. 10 vor 8.

Ich. Heute. 10 vor 8.

Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Einmal Gaza und zurück

| 11 Lesermeinungen

Frauen arbeiten heute selbstverständlich als Kriegsreporterinnen. Auf Chefposten findet man sie selten. Warum nur?

Da sind sie, Emmy, Diana und wie sie alle heißen. Der Welt jüngste
Kriegsreporterinnen drängen sich an dem Grenzübergang, um ins
gefährliche Gaza zu gelangen. Mit umgehängter kugelsicherer Weste,
leicht geschminkt, und ohne jeden Zweifel, es mindestens genauso gut
zu machen wie die männlichen Kollegen. Das Wort Angst fällt nicht.

Ich bin beeindruckt. Die Welt hat sich gewandelt. Früher war ich oft
die einzige in Krisen-Gebieten. Das liegt lange zurück.

Schauplatzwechsel: Einige Wochen vor dem Gaza- Konflikt nehme ich an
einer der üblichen Debatten über die Gleichberechtigung der Frauen in den Medien teil. Bei solchen Treffen rennt man heute beinahe offene
Türen ein. Einigen geht die Förderung des anderen Geschlechts bereits
zu weit. In diese Richtung entwickelt sich die Diskussion. Einer der
Männer auf dem Podium, ein Medien-Verantwortlicher meint sinngemäß,
wir seien auf dem besten Wege ins Paradies. Alles sei heute möglich
für die Frau, selbst die höchste Macht – in diesem Fall Posten als Korrespondentin oder sogar als Chefredakteurin, obendrein gute bezahlte Jobs, Krönungen jeder Karriere! In einem Nebensatz vergisst der Mann nicht, die
mangelnde Bereitschaft der Frauen zu bekritteln. Sie hätten eben
andere „Verpflichtungen“ , wobei er Kinder, Küche und Herd nicht
ausdrücklich anspricht. Jeder weiss, er meint es.

© Kimit MunstonGruppenbild ohne Dame – viele Posten werden in Männernetzwerken verteilt

Da erhebt sich aus dem hauptsächlich weiblichen Publikum eine junge
Frau. Reporterin von Beruf. Vom Frauen-Paradies sei man weit entfernt.
Sie jedenfalls wisse nicht, warum ein Mann und nicht eine Frau einen
Posten bekomme. Es gäbe keine Transparenz, keine Klarheit. Eine Minute
betroffenes Schweigen folgt, bevor sich eine andere Gestalt in den
hinteren Reihen zu Wort meldet. Noch ein Medien-Manager. Noch einer,
der glaubt, wir lebten schon im siebenten Himmel…

Vor 30 Jahren, als ich meinen Beruf ergriff, um Journalistin zu werden
und mir vorstellte als Korrespondentin aus Washington oder Moskau zu
berichten, sah mich mein damaliger Chef an und meine kryptisch: „Kindchen! Wollen Sie nicht was anderes machen?“

Ich wollte nicht, aber der begehrte Job einer Auslandskorrespondentin
blieb lange anderen vorbehalten: Folge der Seilschaften in
Redaktionen, die bei einem Bier nach Dienstschluss nicht transparente
und damit nicht nachvollziehbare Entscheidungen trafen.

Seilschaften seien abgeschafft, beruhigt der Chef auf dem Podium alle,
ohne zu erklären, wie das geschah. Nach Ende der Debatte sagt mir eine
Journalistin, man würde sie ohne große Worte zu verlieren,
systematisch ausbooten. Eine andere erzählt mir, sie hätte keine Angst
vor der Politik oder vor Krisen. Trotzdem stoße sie auf Mauern. Eine
dritte meint, man ließ sie in Kriegsgebiete fahren, nur um Männer aus
der Zentrale anreisen zu lassen, sobald es um die harte
Berichterstattung ginge.

In Kriegsgebieten wie Gaza arbeiten die jungen Kolleginnen ohne
männliche Babysitter- und sie sind nicht die schlechtesten, wenn man
sie arbeiten lässt…

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11 Lesermeinungen

  1. Warum nur?
    Weil die Frauen „H/humanreifer“ sind als die Männer?…die geistige, „Not-wendende Sicht“ haben?
    …den „Unsinn“ von Geld und Karriere erkennen?

    …bitte diese „Geistreife“ mit den Männern teilen…“Gleichheit-Gerechtigkeit-Prinzip“,
    damit auch aus „DEM MANN“ ein „HUMAN(n)“ wird, wie die Frauen.
    Dieser klare Nachteil der Männer, diese „Ungerechtigkeit“ von Eva(Evolutionsgeist)
    muß ein Ende haben, dem Weltfrieden zuliebe.

    Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.
    Albert Einstein

    Gruß
    W.H.:=)

  2. Man arbeitet halt gern mit denen zusammen, mit denen man menschlich gut klar kommt.
    Vielleicht sollten Anwärterinnen und Anwärter auf bestimmte Posten sich mal darum bemühen, zu angenehmen und respektierten Menschen beim Chef/ bei der Chefin zu werden und es auch zu bleiben – egal, ob man letztendlich den Job bekommt oder nicht.

    Es ist blödsinnig, dauernd wieder zu behaupten, Frauen oder Männer würden benachteiligt.
    Jeder vernunftbegabte Mensch setzt die aus seiner Sicht nützlichsten Leute an die entsprechenden Stellen. Um nützlich zu sein, muss man ein umgängliches Verhalten haben.

    Wer sich aufregt, dass er eine Stelle nicht bekommen hat, belegt eigentlich, dass es richtig war, ihn nicht zu nehmen. Denn wer die Entscheidungen des Chefs / der Chefin nicht mitträgt (hinterfragen und Verbesserungsvorschläge zu bringen ist damit nicht ausgeschlossen) sondern rebelliert, der eignet sich nicht für eine Leitungsposition. Denn die beste Leitung harmoniert miteinander, auch wenn man verschiedene Ansichten, Ideen oder Vorstellung hat.

  3. Immer dasselbe
    Ich denke das grösste Problem dass die Frauenrechtlerinnen haben ist, dass sie nicht akzeptieren können, dass sie Frauen sind.
    Eine Frau hat nun mal biologisch andere Eigenschaften als der Mann. Dies spiegelt sich in der Wirtschaft natürlich auch wieder, was aber nicht heisst, dass Frauen schlechtere Arbeiter wären als Männer. Vielfach ist das Gegenteil der Fall.
    Doch um hohe Positionen in einer Firma zu erlangen, muss man grosse Teile seines Lebens für die Firma opfern. Dies wird so erwartet.
    Wenn also eine Frau Familie will, ist sie diesbezüglich im Nachteil, da das Kindergebären ihre Aufgabe ist und die Versorgung des Kindes, für mindestens das erste Jahr.
    Der Mann ist von seinen biologischen Eigenschaften her dadurch im Vorteil, da er nie fehlt.
    Dies ändern zu wollen ist etwa so sinnlos, wie wenn man Wind mit seinen Händen fangen will.

  4. Schon klar. Hat eine Frau keinen Erfolg, liegt's an den Männern. Das ist der einzige Kontext, in d
    Frauen nicht alles auf sich beziehen. Die Selbstbezogenheit vieler Frauen ist einer der Gründe, warum lieber mit Männern gearbeitet wird. Da geht’s nämlich um Fakten und nicht um Suggestionen.

  5. Zuständ könnt man/frau kriegen - beim Lesen dieser (Männer)Weisheiten
    „Man arbeitet halt gern mit denen zusammen, mit denen man menschlich gut klar kommt.“ und: „Immer dasselbe. Ich denke das grösste Problem dass [sic!] die Frauenrechtlerinnen haben ist, dass sie nicht akzeptieren können, dass sie Frauen sind.“
    Jesses Maria, aus welchen Mottenkisten stammen denn diese Weisheiten? Ist mit Frauen als KollegInnen etwa nicht „menschlich gut klar“ zu kommen?
    Sind qualifizierte, Aufstieg im (Medien/Reporter) Beruf suchende Frauen gleich „Frauenrechtlerinnen“, die sich nicht als Frauen akzeptieren können?
    Nicht alle berufstätigen Frauen wollen Familie und Kinderkriegen. Adoption ist auch eine Wahl. Man(n) darf das Biologische nicht zu hoch spielen.
    Gleiche Chancen für gleich Qualifizierte, Nö? Und Transparenz bei Job-Vergaben, damit fängt fairer Wettbewerb an. Zu hoffen ist, dass es besser wird mit der Fairness . . . sag ich mal so. Dazu gehört gegenseitige Akzeptanz, beruflich – und menschlich. Fair enough.

  6. Das Thema wohl nicht erfasst...
    Es ist schade, dass das hier angeschnittene Problem mal wieder nur auf biologische Gesichtspunkte reduziert wird. Es geht hier nicht primär um Frauen, die „nur“ Kinder gebären wollen, Pullover für ihre Ehemänner stricken wollen und sich dem Kampf gegen Flecken auf dem Küchenlinoleumboden als Aufgabe gesetzt haben. Frauen die in Kriegsgebiete gehen. Frauen die sich ihrer Karriere verschrieben haben. Frauen die Kugelsichere Westen tragen. Um solche Frauen geht es hier.
    Es geht darum, dass diesen Frauen, die ihre Arbeit genauso gewissenhaft ( oder aus der Lage gezwungen, noch gewissenhafter) machen, nicht die gleiche Anerkennung gegeben wird, sie nicht ebenwürdig behandelt werden, wie ein Männer.

    Um auf das so beleibte biologische Argument zu kommen: dass eine Frau das erste Jahr wenn sie ihr Kind bekommt , zu hause bleibt passiert. Aber würde man denn einem Mann, der sich seinem Kind zu liebe ein Jahr Vaterschaftszeit nimmt dies negativ anrechnen? Oder würden nicht viel mehr alle sagen, “ Was für ein guter Mann. Ein Mann mit Prinzipien, ein Familienmensch ein moderner Mann.“ Ja, das würde man wohl eher über diesen Mann sagen.
    Bei der Frau sagt man, naja sie wäre mal wieder schwanger und würde den Betrieb im Stiche lassen. Weil sie ihrem modernen Mann, der sich dann ein Jahr später Vaterschaftszeit nimmt, ein Kind geboren hat.

    Ja wir sind wohl im Paradies angekommen, im stetigen Paradies der Männer. Aber was sag ich schon, ich bin ja nur eine Frau, die irgendwann ein Kind gebären wird.

    • Erstens gibt es von den Frauen mit Schutzweste auch dort wenige, wo ihnen das seit Jahrzehnten
      offensteht (Polizei SEK z.B.). Und zweitens dreht sich die öffentliche und auch von Frauen entzündete Debatte nie um die Anerkennung für die stillen Heldinnen des Alltags. Sondern um die wenigen öffentlich sichtbaren Machtpositionen. Universitätspräsidenten, Bundeskanzler, Chefredakteure, Unternehmenschefs.

      Wobei die Forderung nach mehr Frauen für Letztgenannte noch dadurch einen schalen Beigeschmack bekommt, dass alleine in Deutschland Dutzende Männer nur mit ihren Fähigkeiten in den letzten 20 Jahren selbst eine Aktiengesellschaft gegründet und erfolgreich gemacht haben. Frauen nicht. Und ich rede nicht von Erben oder von Geburt an Reichen …

      Ich fordere jetzt auch einfach mal etwas. Nämlich das Frauen aufhören, zu fordern (von Männern). Sondern selber machen. Erfolgreiche Zeitschriften und Unternehmen gründen, Frauenparteien wo notwendig, Frauengewerkschaften und Frauenverbraucherverbände. Und sich dann einfach nehmen statt bringen lassen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  7. Schon seltsam. Frauen haben mehr als 50% der Wählerstimmen und etwas weniger als 50% der
    Einkaufsmacht für Medienerzeugnisse (letzteres rein ökonomisch bewertet, nicht zahlenmässig). Aber es gelingt ihnen nicht, diese erhebliche Wahl- wie Einkaufsmacht in entsprechende Machtpositionen umzusetzen?

    Dafür gibt es genau zwei mögliche Gründe: Sie sind sich dieser Macht nicht bewusst aka blöde. Nicht möglich, antwortet die Wissenschaft. Akzeptiert. Dann bleibt nur noch einer übrig: Sie wollen nicht. Vielleicht deshalb, weil ihnen die Frage weiblicher CEO Positionen am A* vorbeigeht, weil auch eine positive Veränderung an dieser Stelle ihre individuellen Chancen genau von 1:1000 auf 2:1000 verbessern würde, was praktisch irrelevant ist?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • mmh.
      Was hat der Artikel mit Wählerstimmen und Medienmacht NICHT zu tun hat:

      1.) die Frauen, als 50 % Gruppe, die alle das gleiche wollen gibt es nicht. (Mir ist ein mir politisch gleichgesinnter Mann mit Sicherheit lieber als Erika Steinbach).

      2.) Führungspositionen in der Wirtschaft, im Journalismus werden nicht demokratisch gewählt, und bevor ich ein Produkt kaufe, schaue ich nicht irgendwo nach, welches Geschlecht einer der CEOs hat und wie die Fauenquote so ist. Dann dürfte ich eh fast nix mehr kaufen. Und in der heutigen Zeit weiß man eh nicht mehr, wem was gehört. Im Zweifel gehört es eh Coca-Cola oder Bertelsmann. Und wer bitte boykottiert denn noch irgendwas? Das ist so 80er. Marktmacht, my ass.

    • Nette Ausweichantwort :-). Auf ein wichtiges Argument (warum gründen Frauen nicht einfach selbst
      erfolgreiche Unternehmen?) gar nicht, auf die anderen ablenkend eingehen.

      WENN Frauen die Anzahl anderer Frauen in Machtpositionen wirklich sooo wichtig wäre, dann hätten sie die Wahlmacht, diesen Anspruch in einigen Bereichen (Universitäten, Behörden, Politik) einfach durchzusetzen. Machen, nicht jammern. Gewerkschaften haben auch nicht gewartet, dass die Arbeitgeber des 19. Jahrhunderts ihr Herz für die Arbeiter entdeckten. Und heute ist das noch mal um Grössenordnungen einfacher geworden. Und völlig risikolos.

      Und das gleiche gilt für die Frauenvertretung in Unternehmensvorständen, wenn man denn diese Unternehmen nicht einfach selber gründen will. Das ist nicht so 80er, sondern so 1890er. Damals hat man sich auch nicht auf Petitionen und Appelle an den Grossmut der Unternehmer beschränkt.

      Das letztere ist ohnehin ein absolutes Luxusproblem. Auch als Mann liegen meine Chancen, Unternehmensvorstand zu werden, statistisch bei ca. 1:5000. Praktisch nichtexistent.

  8. Frau und Wagemut/
    Wie Gerta Taro ,Fotoreporterin im spanischem Bürgerkrieg.Die gibt es immer.

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