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Ich. Heute. 10 vor 8.

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Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Die Statik der Einsamkeit

| 7 Lesermeinungen

Alleinstehende Frauen, gefallene Mädchen – ohne Mann hat die Frau einen schweren Stand. Doch je weiter die Wirtschaft Fahrt Richtung Vollbeschäftigung aufnimmt, desto mehr Frauen fliegen aus der Beziehungskurve. Und bleiben auf der Strecke.

© DeluxeComfort.comJapanischer Exportschlager: Das „husband cushion“

Es gibt sie, wie holländischen Gouda, in jung, mittelalt und voll ausgereift. Sie sehen ansprechend aus, haben Berufe von Interesse und optimistische Vorstellungen von Zweisamkeit. Sie haben keinen Mann, aber sie hätten gerne einen. Nicht gleich, nachdem es mal wieder nichts geworden ist. Da nennen sie sich „glücklicher Single“, intensivieren die Yogapraxis und verfeinern Koch- oder Sprachkünste. Karriere kann und muss ja auch gemacht und die vielen guten Freunde endlich wieder bedacht werden.

Irgendwann ist das alles Käse. Sie wollen nicht allein verschimmeln, wenn die andern knutschen, streiten, weitere Male heiraten, und die Eltern beginnen, sich Sorgen zu machen. Es wäre also an der Zeit, den Beziehungsurlaub zu beenden und auf dem Boden der Zweisamkeit zu landen. Aber auf einmal sind alle Rückflüge ins Land der ewigen Liebe ausgebucht.

Die einsetzenden Ratschläge der vielen Freunde pendeln zwischen kapitalismuskonformem Hyperaktionismus: „Geh aus und jage!“ und kapitulationsaffiner Extremesoterik: „Wenn du ganz losgelassen hast, wird er (ER!) ganz bestimmt in dein Leben treten.“

Gehen aber Monate oder, nicht selten, Jahre ins Land, in denen der Mann – irgendein Mann – sich erst gar nicht durchs Nadelöhr der Möglichkeit fädeln lässt, geschweige denn der Beziehungssack zugenäht werden kann, übt sich die Sehnende in Selbstzweifeln, hält sich für zu hübsch, zu hässlich, zu scheu, zu forsch, zu alt, zu jung, zu anspruchsvoll, zu unterwürfig. Es wird zunehmend qualvoll, Gründe und Lösungsvorschläge für die andauernde Verfehlung zu ersinnen. Irgendwann ist es an der Zeit, Schuldzuweisungen vollständig ans andere Geschlecht zu delegieren, bis schließlich von erschöpften Freunden die ultimative Trostkeule geschwungen wird: „Die Männer haben einfach Angst vor dir.“

Die Haltung zwischen trotzig und tapfer adjustiert, die Augen von Vergeblichkeit verschattet, vermehrt sich die Schar der nicht vermittelbaren weiblichen Liebeskräfte hierzulande in eben dem Maße, wie die Zahl der Arbeitslosen sinkt. Arbeitslosigkeit ist wie Alleinsein ein trauriger Zustand für die Betroffenen. Sie kann jedoch mittels Gesetze und Verordnungen behandelt und behoben werden. Vollbeschäftigung und Gleichberechtigung werden sicherlich in naher Zukunft erreicht sein. Das Heer der partnerlosen Frauen – auch diese Prognose ist belastbar – wird sich hingegen vervielfachen. Als Lebensgemeinschaft mit drei Buchstaben bleibt im Kreuzworträtsel ihres Lebens dann allein der Job.

Wie der Arbeits- ist auch der Beziehungsmarkt rasant, grausam und der Logik und Bildlichkeit der Geräte unterworfen. Dating-Portale und Sex-Apps konfektionieren Erwartungen und sichern Umtauschoptionen. Männer können zudem den Frust über die Quotenfrau im Job an der Singlefrau in der Bar auslassen. Und Frauen, die nicht bereit sind, als Teilzeitgeliebte zu verbittern oder Niedrigemotion-Beziehungen einzugehen, sind zunehmend schwer vermittelbar.

Langzeitbeziehungslosigkeit präsentiert sich als primär weibliches Drama. Für die wenigen Männer ganz ohne Frauen gibt es die Bezeichnung Hagestolz. Die vielen Frauen ohne Männer machen sich hingegen von ihrem Zustand keinen Begriff. Die Witwe ist eine Frau mit totem Mann, die einsame Frau hingegen ist allein für die für sie in Frage kommenden Männer gestorben. Sie ist die Untote, die in der Welt der Paare herumgeistert. Sie ist unter uns, aber nicht zu fassen. Nicht zu fassen, warum es wieder und wieder und wieder nicht klappt.

So etwas wie Schicksal hatten wir doch irgendwo zwischen „Fisch sucht Fahrrad“- Partys und neu.de abgehängt. Ungefähr um die Zeit, als die Agenda 2010 begann, Wirkung zu zeigen, und die Frauenquote begann, Form anzunehmen. „Geht doch!“ wurde zum Kalauer der Erfolgsstunde. Und „Geht nicht, gibt´s nicht“ zum Mission Statement auf den Homepages der Unternehmen und Agenturen.

Und nun sitzen sie da, auf unseren Partys und Abendessen, in unseren Büros und Cafés, an ihren Rechnern und in ihrer Verzweiflung: Die vielen Frauen, bei den es „Geht nicht“ eben doch gibt. Die hartleibige Hoffnung auf den „Richtigen“ nicht tot, aber doch schwer angezählt unter den Schlägen des fortlaufenden Scheiterns.

Ihre Traurigkeit wird zum Widerhaken, der mehr und mehr Fäden der Verlustangst in das Gewebe unserer eigenen Beziehungen zieht. Ist unser Vorhandener wirklich belastbarer als ihr Nichts. Das Nichts, in dem ihre Tage enden, wenn die Arbeit und das Shopping und all die anderen Ablenkungen verrichtet sind; ob es wohl hält, unser Ja für Immer, dessen Todesdatum wir fortlaufend gravieren.

Sind die eigenen Beziehungen für uns nicht auch längst gestorben, hübsch konserviert im Mausoleum unserer Konvention; fassen nicht auch wir nachts im Bett schlaftrunken hinüber, um zu fühlen, ob dort wohl jemand liegt. Auf der sicheren Seite.

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7 Lesermeinungen

  1. Die Statik der Einsamkeit
    …sowas wie Vereine gibt es wohl nicht, wo man mit Gleichgesinnten irgendwelche Ziele verfolgt, vom Sport zum Kinobesuch. Und musizieren in einem Laienorchester? Oder gar politische Aktivitäten in einer Partei? Wenn Frau sich nicht einbringen will – kein Wunder, dass sie nicht wahrgenommen wird! Vielleicht braucht es da einen Kulturwandel, und das Problem ist von gestern!

  2. "...erst gar nicht durchs Nadelöhr der Möglichkeit fädeln lässt..." tja, eher geht ein Kamel -
    wollen S/sie etwa ein Kamel? „geschweige denn der Beziehungssack zugenäht werden kann“ – Säcke werden in der Regel erst dann zugenäht, wenn der Inhalt tot ist (Ausnahme: die Säcke, in die ein orientalischer ISIS-Vorläuferpotentat die Damen seines Harems einnähen ließ, bevor die mit soliden Steinen daran in tiefem Wasser versenkt wurden)…

  3. Sorry, aber langweiliger Beitrag...für mich.
    Es wird versucht, eine unreife Geisthaltung und entsprechendes handeln im Umgang mit „Alleinsein“,
    künstlich aufgepeppt (Intelligenz-Schminke)und verallgemeinert,
    als für alle Single-Frauen gültiges, gesellschaftliches, oder welches auch immer, Drama zu beschreiben.
    Das Drama der unreifen Geisthaltung vieler dagegen ist groß und
    mit den entsprechenden Folgehandlungen auch gesellschaftlich beachtens-und erwähnenswert.

    Gruß,
    W.H.

    • Zusatz...Korrektur
      Das Drama der unreifen Geisthaltung selber, die Unreife vieler an sich dagegen ist groß
      und mit den entsprechenden Folgehandlungen auch gesellschaftlich beachtens-
      und erwähnenswert. „Gesellschaft-Bildend“…gesellschaftlich relevant.

      …bevor, „ich widerspreche mich selbst“, irrtümlich interpretiert wird.

  4. Aber wo Single-Frau...
    …ist auch ein Single-Mann, oder nicht? Es können ja nun nicht bedeutend mehr Single-Frauen rumrennen als Single-Männer…

    Natürlich verändern sich die Beziehungen. Dass eine Beziehung bis ans Lebensende halten muss, weil gesellschaftlich so vorgesehen, gibt es eben nicht mehr. Die Freiheit, den Partner der Wahl zu nehmen und wieder wegzuschicken, sowie das Gewicht auf Beziehungen, die aus Liebe, nicht aus Wirtschaftlichkeit zustande kommen, sorgen dafür, dass Beziehungen erst hart gesucht, gefunden und gehalten werden müssen.

    Außerdem hatte eine Beziehung jahrhundertelang (und so noch in anderen Kulturen) vor allem einen Zweck: Finanzielle Absicherung durch den Mann für die Frau, Gebären von Kindern (meist Söhnen) durch die Frau für den Mann / Familie. Das war der Grund, warum jeder Topf (meist) über kurz oder lang schon einen Deckel gefunden hat, Liebe ist das meist nicht gewesen (immer erhofft und ersehnt, aber selten in Erfüllung gegangen). Und weil das ein Vertrag für die Ewigkeit war, hat’s auch gehalten.

    Heute sind wir frei(er), also müssen wir teilweise auch mehr oder anders investieren. Man MUSS als Frau eben nicht mehr heiraten, wenn man Butter auf dem Brot haben will. Ein Glück!

    • Dennoch sind die Nutznießer dieser Emanzipation in erster Linie eine bestimte Sorte Männer
      Frau muss nicht mehr heiraten für Butter aufs Brot, sehr richtig.

      Dennoch läuft bei der Partnerwahl das prähistorische Programm unter allem kulturellem Lametta unbeirrt weiter und es werden Alphamännchen gesucht. Die kommen durch den Wegfall der gesellschaftlichen Konventionen auch ohne Ehe leichter und öfter zum Sex und müssen (den Wunsch nach Partizipation an der Kindererziehung mal ausgeschlossen) nicht heiraten. Also tun sie es auch nicht. Ein Teil der Männer sucht deswegen gar nicht mehr die Ehe als Partnerschaftsvehikel, weil diese für ihr primäres Ziel in Bezug auf das andere Geschlecht nicht mehr gesellschaftlich geforderte Bedingung ist. Da diese heiratsunwillige Gruppe bedingt durch den obigen Zusammenhang überproportional viele Männer enthält, die für die Frauen als Partner in Frage kommen, findet die Frau von heute auch bei Gleichverteilung des Geschlechts immer schwerer einen Partner.

      Eine Medaille hat immer zwei Seiten. Die emanzipierte Frau von heute sollte schlau genug sein, zu erkennen, dass der Mangel an in Betracht zuziehenden (männlichen) Partnern systemimmanent ist. Demnach ist Jammern zwecklos. Oder man orientiert sich um und sucht unter den Männern, die bislang nicht in Betracht kamen (aber gegen das prähistorische Programm zu kämpfen erfordert Kraft).

  5. Charmanter Text,...
    …einfallsreich geschrieben!
    Aber:

    „Langzeitbeziehungslosigkeit präsentiert sich als primär weibliches Drama.“
    Nein. Einfach nur nein.
    Wenn Sie sich mal an einem der Orte, an dem Leute üblicherweise hoffen, jemanden „kennen zu lernen“, (bspw. Clubs, Bars, online, Gruppen zu irgendwelchen Aktivitäten etc.) umgesehen hätten, müsste Ihnen die drückende Übermacht der männlichen Äquivalenz aufgefallen sein.
    In ihrer greifbaren Verzweiflung eigentlich leichte Beute- aber leicht ist es ja sowieso nie.
    Wie auch immer – wenn die einsame Frau ähnlichen Leidensdruck hat wie der einsame Mann, ist sie dafür erstaunlich absent.

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