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Wer lernt bei der Inklusion eigentlich was von wem? Interview mit einer Neunjährigen

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Lernen behinderte und nicht-behinderte Kinder mehr, weniger oder etwas anderes, wenn sie gemeinsam unterrichtet werden? Carla erlebt Inklusion von Beginn ihrer Schulzeit an. Im folgenden Gespräch mit ihrer Mutter berichtet sie über ihren Schulalltag mit Clara und Blanka - zwei Kindern mit Down Syndrom.

 

© privatCarla und Clara

Du kennst Clara nun seit drei Jahren: Wie war das zu Beginn, als die Lehrer euch die Downis vorgestellt haben?

Clara und Blanka haben alles ganz normal gemacht wie wir, nur die Zweit- und Drittklässler haben ihnen noch etwas mehr geholfen als uns. Wir haben das erst gar nicht so gemerkt. Wenn neue Kinder in die Klasse kommen, kriegen die mit, dass Clara und Blanka Lernschwierigkeiten und Down Syndrom haben, und dann fummeln die sich einfach so mit ein und lernen Clara und Blanka ganz schnell kennen.

Wissen Clara und Blanka von sich, dass sie Down Syndrom haben?

Ja, und sie merken auch, dass die anderen was anderes machen. Vor allem Clara merkt das richtig doll. Man merkt, dass Clara nicht so gerne ein Downi ist. Sie will wie wir sein.

Blanka ist da ganz locker. Sie weiß es, aber manchmal lässt sie sich deswegen auch bedienen und hat keine Lust zu arbeiten. Clara dagegen möchte alles auch machen: auch Klassenarbeiten schreiben, auch Deutsch 3 machen, auch im Schwimmerbecken schwimmen. Aber es ist für sie auch ziemlich anstrengend. Dann macht sie nachmittags im Hort schlapp und sagt: „Ich geh’ rein.“

Aber Clara lernt gerne?

Ja, sehr.

Gibt es etwas, bei dem du sagen kannst: das hat Clara von Dir gelernt?

Beim Lesen hab ich ihr ziemlich viel geholfen. Ich guck mir das bei den Lehrern ab und bring ihr ein paar Tricks bei.

Können Clara und Blanka den Kleineren auch manchmal etwas zeigen?

Blanka hat Dilara beim Rechnen geholfen: Sie haben mit dem Rechenrahmen „5 – 2“ gerechnet. Blanka hat 5 Perlen hingeschoben und Dilara hat zwei weggenommen. Clara möchte alles alleine machen und sich auch nicht von der Schulhelferin und der Lehrerin helfen lassen. Das ist total süß, sie meldet sich dann mit den anderen Drittklässlern und will bei ihnen mitmachen.

Clara und Blanka wissen so megaviel, aber sie zeigen es nicht. Sie können jetzt schon so super lesen. Blanka ist genau so schlau wie Clara, aber sie zeigt es nur, wenn sie ganz doll Lust hast.

Was hast du von den beiden gelernt?

Blanka spricht ja polnisch und ich habe von ihr ein polnisches Wort gelernt. Hab ich aber wieder vergessen, war total schwer.

Wer ist denn bei euch am geduldigsten mit den Downis: die Lehrer oder die Kinder?

Die Kinder! Die sind am allergeduldigsten. Die Lehrer müssen ja auch den anderen Kindern helfen. Wenn Frau C. Sachkunde unterrichtet, ist sie oft alleine und dann muss sie strenger sein. Wenn dann Blanka abhaut, müsste sie hinterher, das geht aber nicht. Dann schickt sie die Kinder, aber die sollen ja eigentlich auch lernen und Blanka auch.

Wann kannst du besser mit Clara oder Blanka umgehen als die Lehrer?

Wenn sie bocken. Ich schimpf dann nicht sofort, sondern setz mich zu ihnen hin – ruhig – und erkläre ihnen, was sie jetzt machen sollen. Wenn man einfach sagt: „Clara komm jetzt!“, dann kapiert sie gar nicht, was sie falsch gemacht hat. Man muss sagen: „Blanka, du bist hier beim Fahrstuhl, aber wir haben jetzt Unterricht. Du darfst nicht einfach abhauen, das weißt du auch, und deshalb musst du jetzt mitkommen.“ Dann sagt Blanka erst mal nein. Dann muss man es ihr immer weiter erklären. Man darf nicht schimpfen. Und irgendwann geht sie dann wieder in die Klasse – meistens jedenfalls. Manchmal schaffen wir es sogar besser als die Lehrer.

Seid ihr darauf ein bisschen stolz?

Keine Kunst.

Nerven Clara und Blanka manchmal?

Naja, Clara kommt mir halt immer hinterher und will mit mir spielen. Im Moment sind wir ja alle im Fußballfieber. Clara ist im Fußball ziemlich gut, weil sie so cool ist: Sie stellt sich immer genau in den Weg – alle Downis stellen sich genau in den Weg. Also, Downis sind ziemlich gut in der Abwehr.

Was mag Clara so gerne an dir?

Das weiß ich gar nicht, das musst Du mal sie selber fragen. Sie findet es halt toll, dass ich Klassensprecher bin – sie will auch gerne Klassensprecher sein. Und sie lacht sich immer schlapp, wenn jemand zu uns sagt: Carla, äh Clara, äh Carla …Vielleicht also, weil wir so ähnliche Namen haben.

Deutsch 3 habt ihr ohne Clara und Blanka. Wie findest du das?

Ich finde das schon ziemlich cool, weil wir nur 4 Kinder sind. Man lernt ziemlich viel und hat die Lehrerin fast für sich alleine.

Meinst du, es wäre für Clara einfacher, wenn sie nur mit Downis zusammen unterrichtet würde?

Nein, das fände sie total doof.

Aber dann hätte sie nicht immer das Gefühl, sie wäre schlechter als die anderen.

Irgendwie würde sie sich dann so alleine fühlen.

Wenn Du ein Downi wärst. Würdest Du lieber auf Eurer Schule sein oder…

…oder wäre es angenehmer nur mit anderen Downis und einer Lehrerin, die sich ganz viel um dich kümmert.

 Das würde ich nicht wollen. Ich würde genau so sein wie Clara, glaube ich.

Was haben Kinder, die nicht mit behinderten Kindern in einer Klasse waren, verpasst?

Sie wissen nicht, wie man mit Downis umgeht, und dass es genau so toll sein kann. Ich kann mir gar nicht vorstellen, nicht auf einer Integrationsschule zu sein.

Manche Eltern denken, dass nicht-behinderte Kinder von den behinderten Kindern gebremst werden beim Lernen. Findest du das auch?

Ich? Nein – überhaupt nicht. Manchmal machen die ihren Kram und wir machen unseren Kram. Clara geht oft einfach so mit den Erstklässlern mit, und dann sagt Frau N.: „Clara, kannst Du mir mal helfen, das den kleinen Erstklässlern zu erklären?“ Dann erklären sie das beide zusammen. Und dann sagt Frau N.: „Und jetzt sollt ihr alle genauso selbständig arbeiten wie Clara.“

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37 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Eigentlich heißt Inklusion: dass jedes Kind willkommen ist und aufgenommen wird, ohne von vorherein mit irgendwelchen Labels beklebt zu werden. Die Frage nach Behinderungen sollte für eine Schule genauso tabu sein wie etwa die Frage nach Kinderwunsch durch einen Arbeitgeber. Wenn man vom Kind her denkt, und nicht von irgendwelchen anderen Interessen her, ergibt sich, dass erst nach der Aufnahme in die Schule bestimmt werden darf, wie viel Geld die Schule braucht und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um die Bedürfnisse des Kindes zu erfüllen.

    Dass dies nicht geschieht und die Inklusion für Sparzwecke missbraucht wird, liegt m.E. nicht so sehr am mangelnden Geld, sondern an der mangelnden Bereitschaft, konsequent vom Kind her zu denken. Eine gute Familie gibt für ihre Kinder das letzte Hemd, ohne dabei selbst zu verhungern. Das sollte eine gute Gesellschaft auch tun. Erst aus den vorhandenen Ressourcen die Kinder versorgen, und dann sehen, was sonst noch bezahlt werden muss.

    So wie „Inklusion“ zur Zeit betrieben wird, verkehrt sie sich in ihr Gegenteil und wird zur „Exklusion“, was noch schlimmer ist als die „Separation“ in den Sonderschulen. Dann sind wir wieder wie im 18./19. Jahrhundert und in der NS-Zeit, wo behinderte Kinder zuhause gehalten werden mussten, damit sie draußen in der Gesellschaft nicht umkommen. Ein behindertes Kind in eine Schule zu schicken, die seine Bedürfnisse nicht erfüllen kann, ist Körperverletzung.

    Das besonders Traurige dieser Entwicklung ist, dass sie die Gegner der Inklusion bestärkt, die in ihr „Gleichmacherei“ sehen, in einer eklatanten Verwechslung von „Gleichheit“ (nämlich Chancen- und Zugangsgleichheit) und „Gleichartigkeit“, und aus eigener Abstiegs-Angst nicht sehen können, wie sie mit ihrer rigiden Einteilung der Menschheit in Oben (Gymnasium), Mitte (Realschule), Unten (Hauptschule) und Ganz Unten (Sonderschule) selbst Gleichmacherei betreiben, als gäbe es nur vier Menschentypen, hierarchisch gestaffelt.

  2. Ein anderer Erfahrungsbericht:
    Mein Sohn gehörte zu den besonders lernfähigen und ruhigen Schülern. Das wurde ihm gelohnt, indem er ausschließlich zu lauten, auffälligen und lernschwachen Kindern gesetzt wurde, in der Hoffnung, seine Art möge auf diese Kinder abfärben, zudem sollte er als Ersatzlehrer fungieren. Er wurde von diesen Kindern lediglich gerne und ausführlich malträtiert, manch Träne floß dann zu Hause. Seinen Lehrstoff brachte er sich selbst in der Freizeit bei. Etwas aufatmen konnte er erst im Gymnasium. Heute als Tutor bringt er Studenten gern den Vorlesungsstoff näher, allerdings freiwillig und gegen Bezahlung, und er weiß noch genau, wie unglücklich er in seiner Grundschulzeit war.

    • Titel eingeben
      Da scheint ja sehr grundsätzlich etwas schief gelaufen zu sein.

    • Nein, Frau Detjen, da ist im Empfinden der Lehrer gar nichts schief gelaufen.
      Es ist nämlich inzwischen allgemeine Praxis ruhige und aufmerksame Schüler zwangsweise neben die größten Schwätzer oder besonders schwierige Kinder zu setzten. Denn dies ist fast die einzige Maßnahme, die Lehrern heute bleibt. Es hat mit meinem Sohn sogar weitgehend geklappt: mangels gleichgesinnten Nachbarn wurden diese unruhigen Schüler tatsächlich etwas ruhiger. Aber natürlich zahlten sie dies meinem Sohn in den Pausen ordentlich heim! Der Leidensdruck meines Sohnes war so groß, daß er sich an Lehrer wandte, dort bekam er allerdings nur zu hören, das müsse er selbst regeln. Erst als seine Brille zertreten wurde, schritt die Schule ein, die Kosten für eine neue Brille übernahm sie allerdings nicht, da hätte ich klagen müssen. Verständlicherweise ist Inklusion für mich ein „rotes Tuch“( das gilt natürlich nicht für lediglich körperlich Behinderte), ich vermute, daß Kinder damit überfordert sind, sich aber ergeben in ihr Schicksal fügen. Aber auch wir als Erwachsene lassen uns doch nicht vorschreiben, mit wem wir unsere Zeit verbringen. Wir wählen doch meist Gleichgesinnte zu Freunden, Menschen mit denen wir auf Augenhöhe verkehren können und mit denen uns gemeinsame Interessen verbinden. Und auch an unseren Arbeitsstellen sind wir meist inmitten Kollegen mit etwa gleicher Ausbildung. Wir verlangen etwas von unseren Kindern, was wir selbst nicht zu leisten bereit sind.

    • Titel eingeben
      Hier werden zwei Argumente vermischt:
      1) Im Falle Ihres Sohnes ist die Inklusion gescheitert, daraus folgern Sie, dass Inklusion insgesamt zum Scheitern verurteilt sei und gegen die Natur des Menschen sei oder sowas. Im Falle von Carla – und ich kenne auch noch andere positive Beispiele – gelingt jedoch die Inklusion. Dass Inklusion misslingt – meinetwegen auch oft – ist kein hinreichender Grund, sie nicht zu versuchen. Dass sie aber auch gelingen kann, zeigt, dass sie grundsätzlich möglich ist. Nehmen sie als Analogie das Beispiel des Down Kindes, das Abitur geschafft hat: Wäre es rechtens gewesen, ihm den Weg zum Abitur zu verwehren, nur weil eine Möglichkeit des Scheiterns bestanden hätte? Nein!

      2) Die Menschen wollen immer nur mit Ihresgleichen sein, am Arbeitsplatz, mit Freunden etc. Das ist okay, solange es sich um private Vereinigungen handelt, die nicht die Grundrechte von anderen berühren. Ein Skatclub kann selbstverständlich selbst entscheiden, wer dabei sein darf und wer nicht. Unser Schulsystem ist aber kein Skatclub. Es hat Chancengleichheit zu gewähren (und nochmal: das heißt nicht gleiche Bildung oder gleiche Abschlüsse etc.). Wenn ein Down Kind in der Lage ist, Abitur zu machen, dann dürfen wir ihm das nicht von vornherein verunmöglichen; und niemand kann vorher wissen, ob es dazu in der Lage sein wird oder nicht. Zu behaupten, dass es von vornherein bestimmbare „geistig behinderte“ Kinder gäbe, die man von vornherein aussortieren dürfe, ist eine Verletzung der Menschenwürde. Jede(r) hat eine Chance verdient. Und tatsächlich: auch wenn das Down Kind am Schluss das Abitur nicht schafft, wird es viel mehr lernen und später besser für sich sorgen können, als wenn man es von Anfang an in eine Sonderschule abschiebt.

    • Argumente
      1. Sie und Frau Konietzko bringen beide nur Einzelfälle. Während Frau Konietzko für das Recht auf Unversehrtheit und Unterricht ihres Sohnes eintritt, weisen sie allgemein auf positive Beispiele hin. Das reicht nicht, denn alle Kinder – auch die schulfähigen – haben das Recht auf Bildung und Unterricht. Sie müssen hier sagen, wie das mit „Inklusion“ für alle garantiert werden soll. Beispiele reichen nicht.
      Wenn Sie vorschlagen, „Inklusion“ zu „versuchen“, dann sagen sie doch bitte genau, welche „Inklusion“ sie meinen. Bitte geben Sie ein Konzept, Zahlen, Daten. Bitte halten Sie Eltern nicht für so naiv, ohne Fakten nicht das Schlimmste zu vermuten – eine Sparmassnahme, die allen Kindern noch mehr Mangel zumutet. Und dann müssen wir Eltern ran und unseren Kindern den Stoff vermitteln. Ich sehe das als Vater gar nicht ein. Entweder holen Sie mehr Ressourcen und Fachleute, oder meine Kinder sind von Ihrer Ideologie sicher auf Privatschulen untergebracht – kirchliche sind erreichbar und gar nicht teuer.
      2. Ihr Menschenbild ist negativ. Sie kennen keine Neugier auf andere – Sie behaupten, alle wollten „unter sich“ sein. Sie fühlen sich erleuchtet oder „weiter“ als die anderen und wollen die anderen zwingen – verbrämt mit Argumenten, die über Einzelfälle und Allgemeinplätze nicht hinauskommen. Detaillierte Einwände von Eltern nehmen sie nicht ernst. Die Sonderschule wird diffamiert. Dass nicht schulfähige Kinder auch jetzt schon Chancen haben, verschweigen Sie. Sondreschullehrkräfte tauchen gar nicht auf – so, als seien sie überflüssig. Sie singen das Lied der Länderministerinnen, die alle nur sparen wollen – jetzt weg mit den Sonderschulen. Kein Konzept einer Förderung oder einer Ausgestaltung von „Inklusion“. Sie überzeugen nicht. Sie bereden bloß. Sie nehmen Eltern nicht ernst.

    • Herr Bley,
      das sind aber sehr unfaire Vorwürfe gegenüber Frau Detjen. Sie findet es, genauso wie Sie, falsch, dass Inklusion für Sparzwecke missbraucht wird.

      Ansonsten ist Frau Konietzkos Beispiel überhaupt keine Kritik an der Inklusion. In ihrem Fall gab es einfach schlechte Lehrer, die keine Ahnung von Inklusion haben. Die Praxis, stille/aufmerksame Kinder neben laute/unaufmerksame zu setzen ohne das irgendwie sinnvolle einzuführen und zu begleiten ist Uralt-Pädagogik der schlimmen Sorte. So etwas gab es auch schon vor 100 Jahren.

      Ganz unabhängig von dem Thema Inklusion: Ein Lehrer muss immer darauf achten, dass ein Schüler, der in eine besondere Rolle gedrängt wird, mit dieser Rolle zurechtkommt und nicht von anderen (z.B. auf dem Schulhof) dafür drangsaliert wird.

    • Rückfragen
      das sind aber sehr unfaire Vorwürfe gegenüber Frau Detjen.
      —> was ist denn genau unfair – oder unzutreffend?—
      Sie findet es, genauso wie Sie, falsch, dass Inklusion für Sparzwecke missbraucht wird.
      —> Sie will „Inklusion“, ohne sie genau zu definieren – und dann folgt, dass die Länder sparen – und nicht investieren. Die Sonderschulen abzuwerten, ohne zu fordern, dass alle Sonderpädagog/innen bei „Inklusion“ an die Regelschulen müssen, ist unklug – sonst werden diese Stellen weggespart. Querpass vorm Tor der Finanzminister. Siehe Initiative für den Erhalt der Sonderschulen.—

      Ansonsten ist Frau Konietzkos Beispiel überhaupt keine Kritik an der Inklusion.
      —> Doch. Dies ist nicht das einzige solche Beispiel, das ist strukturell immanent, wenn zu wenige Regelschul-Lehrkräfte und zu volle Klassen diese extrem schwierige (Zusatz-)Aufgabe stemmen sollen.—
      In ihrem Fall gab es einfach schlechte Lehrer, die keine Ahnung von Inklusion haben.
      —> Die Lehrkräfte sind vom Arbeitgeber/Dienstherr vorher zu qualifizieren. Das ist aber nicht erfolgt. Und es müssen qualifizierte Lehrkräfte bereit gestellt werden – Sonderpädagogen. Andere haben das nicht gelernt. Alles andere ist total unqualifiziert und macht den Begriff „Inklusion“ zum gefürchteten Unwort. Das Problem ist, dass die Länder auch an der Qualifikation sparen. Und für „richtige“ „Inklusions“-Kinder brauchen Sie Experten – ohne Sonderpädagogik geht das nicht. Auch hier ist die Umsetzung durch die Länder ist mehr als fraglich.—-
      Die Praxis, stille/aufmerksame Kinder neben laute/unaufmerksame zu setzen ohne das irgendwie sinnvolle einzuführen und zu begleiten ist Uralt-Pädagogik der schlimmen Sorte. So etwas gab es auch schon vor 100 Jahren.
      —> Ja, aber heute darf das nicht sein. Auch der beschriebene gut Lernfähige muss „inkludiert“ und nicht als Lernhilfe anderer unter dem Vorwand der Sozialkompetenzsteigerung benutzt werden. Der ist nach Schulgesetz individuell zu fördern, nicht als Nachhilfe zu nutzen. Betroffenen Eltern ist zu empfehlen, das Recht auf Unterricht und individuelle Förderung des eigenen Kindes notfalls einzuklagen. Wenn man hart drauf ist, wird das eigene Kind dann in Ruhe gelassen. Wenn das alles nicht hilft – Wechsel zum Privatgymnasium.
      Ist es nicht eigenartig, wenn plötzlich „Uralt-Pädagogik der schlimmen Sorte“ auftaucht, wenn eigentlich etwas ganz Tolles, Neues gemacht werden soll? Könnte das ein Indiz für die gemeinsame Überforderung von Schülern und Lehrkräften sein?—-

      Ganz unabhängig von dem Thema Inklusion: Ein Lehrer muss immer darauf achten, dass ein Schüler, der in eine besondere Rolle gedrängt wird, mit dieser Rolle zurechtkommt und nicht von anderen (z.B. auf dem Schulhof) dafür drangsaliert wird.
      —> Wer in eine Rolle „gedrängt wird“, der wird genötigt, dem muss man aus der ungewünschten Rolle heraushelfen. Der muss damit nicht „zurecht kommen“. Nochmal – nur weil das Kind keine Schulprobleme hat, muss es sich nicht von anderen schikanieren lassen. Menschenrechte für alle. Und die Drängenden brauchen eine wirksame Belehrung, Nötigung und Mobbing zu unterlassen. Behinderung oder fehlende Schulfähigkeit gibt keinen Rabatt bei den Schülerpflichten. Wer andere nötigt oder mobbt, muss nach Androhung im Wiederholungsfall die Schule verlassen.
      Diese Eltern und diese Kinder werden sonst alles tun, um das Kind an einer Privatschule mit einem ernsthaften pädagogischen Konzept unterzubringen. Der Rest bleibt dann den öffentlichen Schulen. Wenn das einige Male passiert, ist auch der Ruf eines Gymnasiums ruiniert.

  3. Wer hat, dem wird gegeben
    Intelligente Kinder wie Carla profitieren von der Inklusion bestimmt, weil sie ihr Wissen sofort an andere weitergeben können und an sozialer Kompetenz durch den Umgang mit behinderten Kindern enorm gewinnen. Aber ich versetze mich mal in den eine Erstklässlerin, die an einer „nicht-integrativen Schule“ etwas UNTER dem durchschnittlichen Leistungsniveau läge, dort also besondere Zuwendung beanspruchen könnte. Fällt die nicht hinten runter, wenn es in der Klasse zwei drei Kinder mit Down-Syndrom gibt, welche aufmerksamkeit und Zeit ganz anders absorbieren? Und dass diese Erstklässlerin dann von einer Drittklässlerin mit Down-Syndrom angeleitet wird, ist dafür vielleicht keine vollwertige Kompensation.

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      In der Tat, wer hat, dem wird gegeben; so funktioniert es meistens. Aber das ist doch nicht zwangläufig, sondern in der Verantwortung der Lehrerinnen und Lehrer. Und nach meiner Erfahrung profitieren – gesetzt, die Bedingungen stimmen – auch die Schwächeren von der Inklusion, weil insgesamt flexibler auf Bedürfnisse reagiert wird und weil sie sich eben nicht mehr als „schwächer“ empfinden müssen, sondern die Lerngeschwindigkeiten insgesamt mehr im Fluss sind. „Hinten runter fallen“ ist dann nicht mehr.

  4. Nein, 'zwangsläufig'
    Nein, ‚zwangsläufig‘ ist das nicht, da gebe ich Ihnen Recht. Aber es scheint bei all diesen Schulphilosophien, die auf dem Prinzip „Wir födern jedes Kind ganz individuell“ beruhen, schon ein grundsätzliches Problem zu geben: Die Lehrer kümmern sich in der Realität mehr um die leistungsstarken als um die leistungsschwachen Kinder. Das war Ergebnis einer Studie, die Sie wahrscheinlich auch kennen. Das entspricht meiner persönlichen Erfahrung: Um die Aufteilung der Klasse in verschiedende Leisungsgruppen praktisch bewältigen zu können, werden Mütter ohne jegliche pädagogische Ausbildung (außer der eigenen Lebenserfahrung) und selbstredend ohne Bezahlung in die Schule gelotst. Die übernehmen dann die Gruppe mit den ADHS- und Dyskalkulie-Kindern. Die richtige Lehrerin übernimmt die Mathe-Cracks. Und das ist auch einleuchtend, denn das macht bestimmt den meisten Spaß.

    • Titel eingeben
      Aber dann lassen Sie uns doch an einer Veränderung dieser Praxis arbeiten, anstatt diesen ihren Beruf missverstehenden Lehrern ihren Lauf zu lassen. Dass Menschen ihren Job schlecht machen und Institutionen schlecht funktionieren, ist doch kein Grund, den Schwächsten in unserer Gesellschaft Grundrechte zu verweigern.

    • Das wird Sie jetzt nicht überzeugen,
      aber Ihre Argumentation erinnert an die Verteidigung des realexistierenden Sozialismus. Wenn ich sage: „Das funktioniert doch in der Praxis nicht, weil ohne den Druck des Marktes die Unfähigkeit und Faulheit zu Lasten der Fähigen und Fleißigen geht, die dann irgendwann auch keine Lust mehr haben.“ sagen Sie „Dann lassen Sie uns doch an der Besserung der Faulen und Unfähigen arbeiten“.
      Ich glaube übrigens nicht, dass es ein Grundrecht von geistig behinderten Kindern gibt, zusammen mit normalbegabten Kindern unterrichtet werden.

    • Die Analogie ist falsch. Der realexistierende Sozialismus hat nie funktioniert, während es empirische Beispiele dafür gibt, dass Inklusion funktionieren kann, siehe Clara und Carla.
      Und es gibt durchaus ein Grundrecht von jedermann, wie behindert auch immer, auf gesellschaftliche Teilhabe; dazu gehört der „normale“ Schulbesuch; dazu gehört, nicht in „Sonderschulen“ weggesperrt zu werden. Ich bin ja überhaupt nicht dagegen, ab einem bestimmten Alter, über das man streiten kann, schulisch zu differenzieren. Aber eine Gruppe von Menschen von vornherein als „geistig behindert“ auszuschließen, hat überhaupt nichts mit Differenzierung zu tun, sondern ist einfach nur menschenverachtend. Nehmen wir mal an, Sie hätten einen Schlaganfall und könnten nicht mehr sprechen, sondern nur noch Unverständliches stammeln, mit entsprechend unkontrollierter Mimik etc. Würde das heißen, dass Sie dann auch „geistig behindert“ wären, ohne Rechte auf gleichen Zugang? Wer weiß denn schon, was intellektuell noch für Sie möglich wäre und welche Entwicklungen noch vor Ihnen lägen? Sind wir der liebe Gott? Die Menschheit in „geistig behindert“ und „normalbegabt“ einzuteilen, wie Sie das hier tun, hat für mich etwas – ja, etwas Gotteslästerliches, um es hier mal ganz unmodern auszudrücken. Das ist zutieft unethisch.

    • Wie soll denn diese Arbeit an der "Veränderung dieser Praxis" aussehen? Ganz konkret?
      Veränderung kann auch Verschlechterung sein….
      Davon abgesehen – Sie haben außer Vorwürfen an die Lehrkräfte und dem einen oder anderen Beispiel nichts Konzeptionelles und keine Quanltätsstandards für „Inklusion“ genannt. Dass diese Wischi-Waschi-Beliebigkeit den engagierten Eltern Schweißperlen beschert, ist klar.
      Unterscheiden sie doch erstmal in „schulfähig“ und „nicht schulfähig“ – es gibt bekanntermaßen Schwerbehinderte gem SGB IX, die ganz normal Schüler/in oder Lehrkraft sein können.
      So, und wenn die „Inklusions“-Kinder die Klasse sprengen und keine Sonderpädagog/in da ist, dann erzählen sie einfach nochmal die Geschichte von den netten beiden Kindern aus dem Interview?
      Kennen sie Schule – von der Front her?
      Nehmen sie die berechtigten Bedenken der Eltern ernst?
      Mir scheinen sie wie eine Politikerin, die die Leute zurechtredet, ohne die Qualität der Schulen zu verbessern oder konkret zu sagen, welche Qualität der Betreuung Sie anbieten würden – wenn Geld da wäre.
      PS
      Ihre Diffamierung der Förderschulen mit dem Wort „abschieben“ ist infam – Sie werten die Kolleg/innen dort zu Aufbewahrern oder Einsperrern ab und die Eltern der Sonderschulkinder zu ihre Kinder „abschiebenden“ Bequemlingen oder zu Leuten, die zu äh… doof sind, die Lage wie sie zu „checken“.
      Bitte respektieren Sie auch die Entscheidung dieser Eltern –
      und die Tatsache , dass das deutsche Halbtags-Sparschulsystem viele Schüler/innen derzeit einfach nicht angemessen fördern kann – auch offiziell schulfähige.
      Mehr Respekt für die hart kämpfenden Lehrkräfte und die anderen Eltern bitte.
      Danke.
      PPS
      Holen sie aus den Ministerien mal mehr Stellen zur Förderung der „Inklusions“-Kinder raus – sonst wird es nicht besser. Und Sie wirken wie eine Propagandistin der Schul-Bonzen – die die Sonderschulen einfach wegsparen wollen.
      Da muss konzeptioell mehr kommen.
      Sonst gehen die anderen Eltern mit ihren Kindern einfach auf die Privatschulen.
      Und dann können sie reden, so viel sie wollen.
      PPS
      Nicht schulfähige Kinder brauchen Sonderpädagog/innen. Sie haben nach Definition Probleme, die eine Regelschullehrkraft nicht kennt oder nicht lösen helfen kann.
      Statt diese Lage schön zu reden, wäre es ernsthaft und redlich, diese Expert/innen für diese Kinder einzufordern- zusätzlich zu den Regelschullehrkräften – so wie die GEW.
      Sonst laufen Ihnen die „Regelschulkinder “ zu den Privatschulen weg.
      Dann haben Sie recht – und wir sind weg.
      Auch gut.

    • Unethisch und gotteslästerlich
      sind starke Worte. Ich halte sie hier nicht für angemessen. Zumal es um einen einfachen Sachverhalt geht: Menschen sind verschieden und haben verschiedene Bedürfnisse. Ich achte die Arbeit von Sonderpädagogen und bin entsetzt, dass deren Engagement als „wegsperren“ diffamiert und so getan wird, als könnten kleine Mädchen mehr zur Förderung von lernbehinderten Menschen beitragen, als spezialisierte Kräfte. Zumal ich da auch ethische Bedenken anmelden könnte; was bezahlt man denn eigentlich dem normalen, cleveren Mädchen für ihre angeblich-so-effektive-Nachhilfe, für die sich das lernbehinderte Mädchen ja niemals einschlägig revanchieren kann? Ist kostenlos, oder? Nun, die Arbeit von Sonderpädagogen ist nicht kostenlos; dafür ist sie professionell.

    • Frau Storz-Ganzlin,
      gelingende Inklusion bedeutet immer, dass es AUCH Sonderpädagogen an normalen Schulen geben muss oder doch zumindest etliche Lehrer sonderpädagogisch fortgebildet sind. Indem Sie die Frage stellen, ob kleine Mädchen oder Sonderpädagogen gegen einanderabwägen und überlegen, wer das besser kann, missverstehen Sie das ganze Programm grundsätzlich. Sie gehen den Sparpolitikern auf den Leim, die eigentlich gar keine Integration unterstützen, sondern Sonderpädagogen wegkürzen wollen.

      Bildung gelingt immer dann besonders nachhaltig (anstatt dass auswendig gelernt und schnell wieder vergessen wird), wenn Kinder auch zusammenarbeiten und von einander lernen. Wenn ein Kind einem anderen etwas erklärt, dann hilft das beiden. Jeder, der selber schon unterrichtet hat, weiß, dass man Themen besser durchdringt und vor allem sie sich besser merkt, wenn man selber erklären muss.

      Die meisten Argumente der Inklusionsgegner arbeiten auf der Basis einer „Eintrichterungstheorie“ des Lernens. Da muss etwas in den Kopf rein. Bei den einen geht das einfacher (begabt), den anderen schwerer (unbegabt). Aus dieser falschen Auffassung vom Lernen folgt ganz selbstverständlich, dass verschiedene Kinder schlecht zusammen lernen können.

    • Sie haben scheinbar den ganzen Artikel missverstanden,
      Herr de Ponte, denn dort erzählt ein kleines Mädchen, wie es die Integration eines lernbehinderten Kindes praktisch bewerkstelligt – und leider keine der von Ihnen als selbstverständlich vorausgesetzen Sonderpädagoginnen. Im übrigen empfinde ich es als respektlos, Inklusionsgegnern pauschal eine „Eintrichterungstheorie“ zu unterstellen. Und „falsch“ ist höchstens, aus dieser Unterstellung auch noch Forderungen nach Gleichbehandlung von ungleichen Sachverhalten abzuleiten; entweder jemand ist tatsächlich lernbehindert: Dann hat ihn die Gesellschaft anders zu behandeln als einen nicht-lernbehinderten Schüler. Oder er ist es nicht – dann gehört er auf die Regelschule. So jedenfalls ergibt sich das aus dem GG, lieber Herr de Ponte, und ich hoffe sehr, es bleibt auch dabei.

      Im übrigen habe ich sowohl in der Schule als auch im Studium oft mit anderen zusammen gelernt und wir haben uns gegenseitig etwas erklärt. Der Punkt war: das basierte auf Gegenseitigkeit. Jeder wusste mal etwas besser als der andere und jeder hatte irgendwo eine Spezialstrecke. Aber Kombinationen, bei denen der eine von vornherein der Überlegene war, ohne dass das auch offen so deklariert wurde (Lehrer/Schüler) hatten aus meiner Perspektive schon immer etwas Besorgniserregendes!

    • Wollen Sie jetzt auch noch postulieren, dass Begabung nichts mit Lernerfolg zu tun hat?
      Oder dass der Begabte profitiert, wenn er gemeinsam mit einem Unbegabten Stoff bearbeitet, der für ihn vermutlich eine Unterforderung darstellt (sonst bräuchte sich der Unbegabte gar nicht erst hinzusetzen)? Ich kann ja noch nachvollziehen, warum Schwächere von Stärkeren in der gleichen Gruppe profitieren. Aber das geht natürlich zu Lasten der Stärkeren. Soviel Ehrlichkeit muss sein.

      Kann sich jemand aus seiner Schulzeit noch an das Image und die Behandlung von den richtig Guten in der Schule erinnern? Das nennt man heute Mobbing und ich wäre mehr als erstaunt, gäbe es das (flächendeckend) nicht mehr. Die Inklusionsbefürworter versuchen jetzt, mir zu erzählen, das würde besser, wenn man das Niveau des dominierenden Mittelmasses weiter nach unten zieht, indem Kinder mit verschiedensten Lernschwierigkeiten dazustossen? Aha …

      Ich kann übrigens schon jetzt erkennen und vorhersagen, wohin das führt – Privatschulen für die, die es sich irgendwie leisten können. Beschwerde dann an diejenigen, die unter Absingen moralischer Lieder (Förderung! Inklusion! Sozialkompetenz!) aktiv daran arbeiten, das Niveau und den Ruf öffentlicher Schulen weiter abzusenken. Sie werden Erfolg haben, da bin ich ganz sicher.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  5. Schule soll ein einheitliches Niveau
    vorgeben, an dem sich die Schüler messen können. Das ist ihre gesellschaftliche Aufgabe und darin besteht auch ihre integrative Kraft. Dieser Aufgabe kann sie aber nicht gerecht werden, wenn ihr nun die Aufgabe zufällt, lernbehinderte Kinder zusammen mit nichtlernbehinderten Kindern zu beschulen. Mindestens an einem Ende hakt es dann: Entweder die lernbehinderten Kinder bekommen nicht die Intensivförderung, die sie benötigen, um ihre Kompetenzen bestmöglich zu entwickeln. Oder man verwässert den Leistungsmaßstab für die anderen Kinder. Das Ende vom Lied ist ein fauler Kompromiss, mit dem man leider den Maßstab für alle verdirbt; denn es gibt Dinge, die die Schule jedem normalbegabten Menschen beizubringen hat; ohne individuelle Ausrede. Aber wie erkläre ich einem normalen, aber faulen Kind, das keine Lust auf Mathematik hat, dass es diese Anpassungsleistung nun mal erbringen und sich dafür gefälligst auch mal anzustrengen hat? Wenn für das lernbehinderte Kind in derselben Klasse doch auch eine Ausnahme gemacht wird? Leider absehbar eine Ausnahme gemacht werden muss – weil es nämlich nicht wie früher von einem Sonderpädagogen gemeinsam mit drei anderen Kindern entsprechend seiner individuellen Voraussetzungen gefördert, sondern nun in einer Klasse mit über 20 Kindern und einer normalen Lehrkraft unterrichtet wird! Inklusion bedeutet nur einen weiteren, kostengünstigen Schritt in die falsche Richtung und Verflachung des allgemeinen Bildungsniveaus.

    • Titel eingeben
      Nein, Schule soll kein einheitliches Niveau vorgeben, sondern unsere Kinder bestmöglich fördern. Von was für einem „Maßstab“ reden Sie? Es gibt das Abitur, es gibt den MSA, es gibt alle möglichen akademischen Titel und Ausbildungstitel, und dann gibt es Karrieren und Bildungs- und Berufsverläufe, die sich noch nicht einmal unbedingt aus den Schulabschlüssen ableiten lassen. Alle Kinder haben sich anzustrengen und das ihnen Bestmögliche anzustreben. Das zeigen doch Carla und Clara: beide sind ehrgeizig, und beide profitieren davon. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Clara kein Abitur machen – wie kommen Sie darauf, dass ihr irgendjemand irgendetwas hinterherwerfen oder schenken würde? Es ist unglaublich, wie viel Verwirrung bei diesem Thema herrscht.

    • Lesen Sie die FAZ,
      Frau Detjen, dann erfahren Sie auch, wie jemand, der an Asperger leidet, ein Abitur gemacht hat und welche Ausnahmen gemacht wurden, um es derjenigen zu ermöglichen. Ich meine ja, ein solches Abitur ist dann keines mehr – aber das ist meine persönliche Meinung!

      Kein Privatspaß, sondern vielmehr Allgemeingut ist hingegen die Erkenntnis, dass Schule ein einheitliches Niveau vorzugeben hat. Alle Absolventen sollen beispielsweise rechtschreiben, lesen und auf einem gewissen Niveau rechnen können. Das gehört zum gesellschaftlichen Konsens. Diesen zu vermitteln, ist Sinn und Zweck und einziger Grund dafür, dass es überhaupt die Institution Schule gibt; sonst könnte man die Vermittlung von Kenntnissen auch vollständig den Eltern überlassen.

    • "Einheitliches Niveau" vs "bestmögliche Förderung" der Einzelnen
      Die Schulgesetze lösen diesen Konflikt nicht auf – die wollen dem Wort nach auch beides. Also ist die oft beobachtete schlechte Praxis, dass Schule anfangs individuell und ohne Leistungsdruck daher kommt – und schon in der Grundschule ab Klasse 3 der Wechsel auf Leistungsorientierung statt findet – damit die Kinder engagierter Eltern am Gymnasium klar kommen. Die entsprechenden Konflikte kenne ich von Elternabenden.
      Die Leistungsanforderungen des Gymnasiums sind die Norm für Schulkinder. Jedenfalls für alle, die es mit Förderung durch die Eltern schaffen können. Die Eltern sind mitverantwortlich für die Bildung ihrer Kinder – so GG und alle Schulgesetze. Jammern über schlechte Schulen hilft also nicht einmal formal. Auch die Eltern von nicht schulfähigen Kindern müssen eine solche Mitverantwortung tragen. Deshalb steht ihnen auch die Wahlfreiheit zu, auf welche Schule ihr Kind geht – und ob es ggf besser eine Förder-/Sonderschule ist.
      Eine „individuelle Förderung“ kann nur mit den vorhandenen Ressourcen erfolgen. So ist in NRW mit 30er Klassen zu rechnen – mit ca 90 Sekunden rechnerisch pro Kind pro Unterrichtsstunde. Wer darauf Hoffnungen setzt, wird enttäuscht werden. Die Länder zahlen nicht mehr als das.
      In diesem Rahmen kann eine Aufnahme nicht schulfähiger Kinder in alle Schulklassen nur mit wesentlich kleineren Klassen und dauerhaft mehr Sonderpädagog/innen klappen – eine Regelschullehrkraft muss, wenn sie gewissenhaft ist, den Unterricht mit nicht schulfähigen Kindern ablehnen, weil sie das gar nicht kann. Der Allgemeinmediziner wird auch keine Psychiatrie-Patienten behandeln oder Herzen operieren. Soviel Fachlichkeit muss sein und wird auch im GG gefordert. Aus gutem Grund.
      Zur Abwehr teurer Fördermaßnahmen hat NRW natürlich einen juristischen Trick gefunden: Sie möchten in vielen Fällen Schulfähigkeit und Förderbedarf gar nicht mehr feststellen – nach dem Motto „ohne Diagnose kein Förderbedarf“. Die Landesregierung NRW will natürlich die teuren Sonderpädagog/innen oder kleinere Klassen sparen. Wer „Bildungspolitik“ seit 40 Jahren verfolgt, weiss, dass jede Neuerung zum Sparen mißbraucht wird.
      Für eine wirksame „Inklusion“ sind qualitative Standards gefordert, damit die Länder verpflichtet sind, allen Kindern gute Lernbedingungen, qualifizierte Lehrkräfte und bei Bedarf weitere Förderung zu bieten. Diese Standards müssen betroffene Eltern auch einklagen können. Sonst werden Eltern diesen Umbau des Schulsystems nicht akzeptieren.
      Zur Rettung der öffentlichen Schulen müßten diese erheblich besser ausgestattet sein – und eine bessere Förderung durch mehr Lehrkräfte – und andere Expert/innen – ermöglichen. Sonst werden sie, wie in anderen Ländern, verslummen und abgehängt.

  6. Menschen Lernen unabhängig davon mit Wem sie zusammen lernen
    Ich denke das man hier deutlich Fachwissen und Sozialverhalten trennen muss bei der Beurteilung von dem was Gelernt wird. Im Fachwissen mag es schwieriger sein ein hohes Lerntempo beizubehalten wenn einige Mitschüler auf Grund ihrer Defizite sich auffällig verhalten und dadurch die Zeit des Lernens für die anderen Kinder erschweren. Wenn die Defizite gefördert werden und dadurch die Schwächen von einzelnen sich nicht negativ auf die anderen Auswirken sehe ich da kein Problem. Was Lernen Kinder aber im Bereich Sozialkompetenz. Die sogenannten Soft-Skills werden bei der Beurteilung der Kompetenz gerne vernachlässigt, weil sie nicht messbar sind. In diesem Zusammenhang können Kinder lernen die Stärken, Schwächen und andere Besonderheiten ihrer Mitschüler zu erkennen und damit umzugehen. Wir leben in einer Hochspezialisierten Gesellschaft die ihre Spezielle Dynamik mit sich mit sich bringt und da muss man auch mit den Stärken, Schwächen und anderen Besonderheiten andere Menschen umgehen können.

  7. So, wie Schule sich seit 30 Jahren entwickelt, geht sie ohnehin zu Lasten der Hochbegabten.
    Die eine ganz wesentliche Sozialkompetenz in der Schule nicht mal annähernd lernen – wie man sich anstrengt. Etwa 10% eines Jahrganges, wenn man ganz grob einen IQ von 120 oder höher dafür ansetzt.

    Und so, wie Inklusion derzeit läuft, wird es für diese Gruppe noch schlechter. Und zweitens trifft es jetzt auch das Mittelmass, für das die Schulen „designt“ wurden. Ich halte es für eine totale Illusion, anzunehmen, man könnte in einer Schule alle gleichermassen fördern. Kann man nicht – und die deutsche Sozialpädagogen-Antwort darauf ist auch eindeutig: Die Schwachen zuerst. Unter welcher Nebelwand von Argumentation auch immer.

    Soziale Korpulenz war bis zum ersten PISA-Schock die sozialdemokratische Standardantwort darauf, warum ihre Schulen bei allen messbaren Leistungskriterien hinter unionsregierten zurückblieben. Und die messbaren Kriterien sind mitnichten egal. Ohne Mindestkenntnisse in Mathematik, Physik oder Chemie bleiben ihnen ganze Studienbereiche verschlossen. Nur die gesellschaftswissenschaftlichen Akademiker interessiert das nicht – weil es exakt keine fehlende Kompetenz gäbe, die einem Abiturienten diese Studienrichtung verschlösse. „In Mathe war ich immer schlecht“ gilt in diesen Kreisen als Ausweis von Sozialkorpulenz …

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  8. Nachdem ich nochmal nachgedacht habe,
    Frau Detjen und Herr de Ponte, muss ich immer noch bei meiner Auffassung bleiben. Frau Detjen schreibt, man müsse Inklusion auch trotz schlechter Beispiele „versuchen“. Ich bin aber dagegen, etwas auf Kosten von Kindern „zu versuchen“. Denn die Risiken – die auch im zugrundeliegenden Artikel beschrieben werden – werden von den Inklusionsbefürwortern einfach ausgeblendet. Normale Schulen sind für normale Kinder, die nicht einfach aus dem Unterricht weglaufen, weil sie sonst nämlich einen Tadel bekommen. Einem Menschen mit Down-Syndrom ist mit einem Tadel aber offensichtlich nicht beizukommen. Da braucht es im Ernstfall eben mechanische Sperren, um Gefahren zu wehren. Und welche Sperre gibts im Artikel? Die Sachkundelehrerin wird in die Situation gebracht, ihre Aufsichtspflicht den normalen Kindern gegenüber zu verletzen und schickt zwei davon auch noch hinterdrein, wenn es dem Down-Syndrom-Kind gefällt, mal wieder aus der Klasse zu laufen. Und was, wenn es diesem Kind eines Tages einfällt, aus dem Fenster zu springen, weil es nämlich die Gefahren nicht einschätzen kann – weil es die erwachsene Lehrerin ja nicht einmal dazu bekommt, im Klassenraum zu bleiben? Dann stehen dann zwei kleine Mädchen mit der Verantwortung da – und sollen mit der Situation zurechtkommen? Sind diese Kinder keine Menschen? Haben wir denen gegenüber neuerdings keine Verantwortung mehr? Sehen Sie, – das sind exakt die „Versuche“, die dabei herauskommen und die ich strikt ablehne.

    • Hier meine Reaktion auf die vielen Kommentare:
      Ich wehre mich auf einer ganz grundsätzlichen Ebene dagegen, dass Sie die Menschheit in zwei Gruppen einteilen, von denen die eine „behindert“ und die andere „normal“ ist. Inklusion bedeutet zunächst einmal nicht mehr, als anzuerkennen, dass alle Kinder, voraussetzungslos, einen chancengleichen Zugang zu Kindergarten und Schule haben sollen. Das ist die Prämisse, und aus ihr folgt, dass die Schulbehörden und die Politik dafür sorgen müssen, dass die Bedingungen dafür geschaffen werden.

      Was zur Zeit allerdings in NRW und anderswo unter „Inklusion“ verkauft wird, nämlich ein Sparprogramm, ist nicht das, wofür ich stehe. Natürlich müssten in Claras Klasse immer zwei Lehrerinnen oder Erzieherinnen oder Sonderpädagoginnen präsent sein, damit nicht Carla, sondern ein Erwachsener dem entlaufenen Kind hinterher kann.

      Bedingungen dafür zu schaffen, dass Grundrechte erfüllt werden können, hat nichts mit Experimenten oder „Versuchen“ zu tun, sondern mit Investieren, mit Ressourcen schaffen, mit Einsatz und Arbeit usw. Die Klassengrößen müssen drastisch reduziert werden – 16 bis höchstens 20 Kinder -; immer zwei Lehr-/Aufsichtspersonen eingeplant werden; die räumlichen Voraussetzungen geschaffen werden; die Sorgen des Schulpersonals und der Eltern berücksichtigt werden; und so weiter und so fort.

      All dies geschieht nicht, stattdessen werden sehr oft die Betroffenen in unmögliche Situationen gebracht. „Inklusion“ wird pervertiert und führt in der Praxis zu „Exklusion“, für manche Kinder ist der Besuch einer normalen deutschen Schule schlicht gleichbedeutend mit Körperverletzung, und dem ist natürlich immer die „Separation“, die Abschiebung in Sonderschulen, vorzuziehen. Viele betroffene Familien sehen deshalb die Separation als beste Lösung für sich an; sie können sich gar nicht mehr vorstellen, dass es eine Schule für sie geben könnte, die ihnen beides bietet – Sicherheit UND Teilhabe.
      Es gibt hier Parallelen zum Thema Sterbehilfe: Ein Mensch in Angst, Schmerzen und Einsamkeit möchte lieber sterben als weiter leben – da kann doch die Sterbehilfe nur zweitbeste Lösung sein, die beste Lösung wäre es, ihm Angst, Schmerzen und Einsamkeit zu nehmen.

      Viele von Ihnen nehmen die schlechte Praxis dessen, was jetzt Inklusion genannt wird, als Beleg dafür, dass Inklusion grundsätzlich nicht möglich sei. Das verstehe ich überhaupt nicht, es ist auch nicht logisch. Wenn wir einen schlechten Kuchen backen, weil wir die falschen Zutaten verwenden, heißt das doch nicht, dass wir mit besseren Zutaten nicht einen besseren Kuchen backen könnten?

      Ein weiterer Einwand von Ihnen: die angebliche „Gleichmacherei“ und das Absinken des Niveaus der Hochschulreife. Ich bin insofern bei Ihnen – und unterscheide mich darin von vielen anderen Inklusionsbefürwortern -, als ich auch glaube, dass es ab einem gewissen Alter keinen Sinn macht, sehr schnell Lernende und sehr langsam Lernende gemeinsam zu unterrichten. Ich finde auch, dass ab Klasse 5 oder 7 strikt nach Leistung differenziert werden sollte. Wir sollten in der Mittel- und Oberstufe kein zwei- oder dreistufiges, sondern ein fünf-, sechs-, siebenstufiges System haben, wo in unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterschiedliche Dinge gelernt werden können. Und dafür würde ich nicht die „Behinderten“ separieren, sondern die Begabten: Musikgymnasien, Sportgymnasien, Schnellläuferklassen, Superschnellläuferklassen, hier kann man separieren und nach Lust und Laune Sonderschulen schaffen. Aber es sollte immer auch besonders gut ausgestattete Schulen geben, wo Kinder, die viel Zeit und Förderung brauchen, die Chance bekommen, ihre Schulabschlüsse zu machen, bis hin zum Zentralabitur.

      Ein konkretes Beispiel: das Down Kind, das in Baden-Württemberg einen Platz auf dem Gymnasium beansprucht, ohne die Leistungsvoraussetzungen mitzubringen. Nach meinem Verständnis wäre Inklusion eben nicht, ihn auf dieses Gymnasium zu schicken, sondern das baden-württembergische Schulsystem so zu reformieren, dass er auf einer Integrierten Sekundarschule die Chance bekommt, unter besten Bedingungen bis zum Abitur – wenn er es denn schafft – zu lernen. Dafür müssten die Gymnasien nicht abgeschafft werden, Integrierte Sekundarschulen und Gymnasien können nebeneinander existieren, wie es in Berlin der Fall ist.

    • Es ist schwierig, einem Text zu widersprechen, der von guten Absichten nur so wimmelt.
      Haben Sie also gut geschrieben, der Beifall ist Ihnen sicher.

      Deshalb auch nur kurz zwei Anmerkungen: Resourcen werden IMMER begrenzt sein, das gilt auch für Schulen. Und es wird unmöglich sein, jedem behinderten Kind in einer Schule jeweils einen erwachsenen, ausgebildeten Aufpasser und Förderer an die Seite zu stellen.

      Bei Ihren Anmerkungen zur wünschenswerten Art integrierter Schulen konnte ich mir das traurige Grinsen kaum verkneifen. Das war exakt das, was in den siebzigern für die Gesamtschule vollmundig versprochen wurde. Herausgekommen sind Schulen, die nachweislich (!) sogar von ihren Propagandisten gemieden wurden, die ihre Kinder denn doch lieber auf das weiter entfernte Gymnasium schicken, heute wie damals.

      Es ist nicht so, dass ich erhöhte Bildungsausgaben nicht unterstütze und befürworte, das habe ich in einigen Jahren praktisch hauptberuflicher Beschäftigung mit Bildungs(Hochschul)politik gelernt. Deutschland gibt erheblich zu wenig Geld für Bildung aus, was im wesentlichen zu Lasten der bildungsfernen Haushalte geht, die Versäumnisse nicht in der Familie ausgleichen können (die Hochbegabten spare ich mal aus).

      Nur mache ich keine praktische Politik, die auf einem Traum beruht. Gibt es irgendeine reelle Chance, dass Deutschland die Schulen schaffen wird, von denen Sie in Ihrem Text träumen? Nicht die Spur, auch in sozialdemokratisch oder grün regierten Ländern nicht. Und unter dieser Rahmenbedingung wird Ihr Traum praktisch runtergeschliffen auf das, was Sie ja selbst beschreiben: Dysfunktionale Inklusion und Niveauabsenkung an Gesamtschulen.

      Wozu Ihre Vorstellung leistungsgetrennter Klassen in irgendeinem Bildungsforum heutzutage führen würde, kann ich Ihnen sagen: Auspfeifen wäre die freundlichste Reaktion. Praktisch geschieht ohnehin erkennbar das genaue Gegenteil – BaWü demontiert eines unter den gegebenen Rahmenbedingungen bestfunktionierenden Bildungssysteme der Republik (ausweislich der PISA Studien), in Bayern dürfte bei Änderung der Regierungsverantwortung genau dasselbe geschehen.

      Und irgendwann haben dann alle bei Geburt ein Einser-Abitur, was Hochschulen wie Arbeitgeber dazu führen wird (diese Tendenz materialisiert sich bereits), nur noch ihren Eingangsprüfungen zu vertrauen statt einem Schulabschluss oder einer Schulnote. Schöne neue Bildungswelt, dann voll inklusiv.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Schauen Sie sich doch in Berlin um, mit seiner großen Vielfalt an Schulformen, wo Gesamtschulen, Integrierte Sekundarschulen, humanistische Gymnasien, Spezialgymnasien aller Art, Superschnellläuferklassen, Montessori- und Walddorfschulen, konfessionelle Schulen, traditionelle private Schulstiftungen, freie Schulen und so weiter alle friedlich nebeneinander existieren. Die idealen Bedingungen, die Sie für unrealistisch halten, gibt es hier weiß Gott nicht flächendeckend, aber doch mit Glück immer wieder. Klassen mit unter 20 Schülern und zwei Lehr- oder Erziehungspersonen sind durchaus finanzierbar. Jetzt gerade allerdings wird auch die an manchen Berliner Schulen gut funktionierende Integration durch die Inklusions-Spar-Strategie gründlich kaputt gemacht.

      Übrigens bin ich mit Ihnen in einem Punkt einer Meinung: In der Tat lernen unsere Kinder nicht mehr ausreichend, wie man sich anstrengt.

    • Da helfen auch zwei Lehrkräfte nicht,
      liebe Frau Detjen, das ist das Problem. Kein Mensch käme beispielsweise auf den Gedanken, Dreijährigen den Schulbesuch zu erlauben – selbst wenn sie schon reden könnten wie ein Wasserfall! Der soziale Entwicklungsstand würde es nicht erlauben; denn man kann einem Dreijährigen nicht zumuten, sich an Schulregeln halten (konkret: wenigstens !!! im Klassenraum sitzen zu bleiben bzw. dem Lehrer zu gehorchen, was beispielsweise im Gefahrenfall nicht ganz unwichtig ist). Damit würde der Schulbetrieb dann auch für alle anderen unverantwortlich gefährdet werden.

      Auch kann man den Schulbetrieb nicht unbegrenzt noch „sicherer“ gestalten. Mechanische Sperren gegen das Weglaufen – wie in jeder Kita üblich – würden nämlich vor allem die nichtlernbehinderten Schüler abschotten und ihre Entwicklung zu verantwortungsbewusst handelnden Menschen behindern: Denn die müssen später einmal Leistungen außerhalb eines behindertengerechten Schonraums erbringen, und sie haben einen Anspruch, darauf auch altersgerecht vorbereitet zu werden!

      Keine Vorbereitung stellt es hingegen dar, die Kinder aus lauter Ignoranz darauf zu trimmen, dass es gar keine gemeinsamen Regeln gäbe und jeder die Verantwortung einfach auf den nächst Schwächeren delegieren kann: Die Eltern der lernbehinderten Kinder rufen einfach „Diskriminierung!“ und deuten auf die Regelschule, damit diese bitte ihren Traum von der Inklusion erfüllen soll. Sie sitzen am langen Hebel, weil das Geld spart und die Politiker daher begeistert sind! Und die Lehrkräfte müssen aus Überforderung dann alle Kinder gefährlichen Situationen aussetzen.

      Da hilft nur eins: Sich als Lehrkraft seiner Verantwortung gegenüber allen Schülern bewusst sein, in der Klasse bleiben, Handy zücken, und die Polizei rufen, wenn jemand aus der Reihe tanzt. Keinen Fuß aus dem Klassenraum setzen und bestimmt kein anderes Kind gefährden!! Und wenn der Ausreißer dann von der Polizei wieder zurück gebracht wurde: Beim Schulleiter unnachgiebig einen Tadel beantragen. Der Schulleiter wird den gemeinen Tadel natürlich politisch korrekt ablehnen – weil ja unklar ist, inwieweit ein Lernbehinderter überhaupt Verantwortung für seinen Verstoß gegen die Schulordnung übernehmen kann – aber nach dem x. dokumentierten Verstoß gegen die Schulordnung, für deren Einhaltung letztlich nämlich der Schulleiter verantwortlich zeichnet, wird er die Sache wohl oder übel mal nach oben weitergeben müssen, um sich selber anständig abzusichern. Auch wärs ja schlimmer, die Lehrkraft hätte falsch gehandelt und am Ende wäre noch ein weiteres Kind abhanden gekommen! Und – voilá, wir erleben die Renaissance der Vernunft: Sonderschulen für denjenigen, der permanente Sonderbehandlung für sich benötigen. Und Regelschulen für diejenigen, die sich grundsätzlich an Regeln halten können und auch daran gewöhnt werden müssen, weil sie im späteren Erwerbsleben nämlich auch nach den Regeln spielen müssen.

    • und auch hier: Widerspruch,
      Frau Detjen,

      die Musik spielt nämlich in der Grundschule. Hier lernen die Kinder die Grundlagen. Wer nicht binnen eines halben Jahres Lesen lernt, für den wird es leider immer schwieriger. Wir haben heute 20% Analphabeten unter den 15jährigen – und wieso?! Weil die Grundschule experimentiert und nicht unterrichtet! Deshalb wurden in der DDR die Lese-Rechtschreib-Schwachen oder die Dyskalkulie-Verdächtigen recht schnell aus den Unterstufenklassen genommen. Sie erhielten dann dann Unterricht auf der Sonderschule, und zwar von Experten, die ziemlich präzise wussten, wo es hakt und wo man überhaupt ansetzen kann. Deshalb war die Sonderschule – anders als heute – auch nicht notwendig ein Verdikt für das gesamte Leben: Ziel war es nämlich, die Kinder wieder normal beschulbar zu machen. Und das ist auch gelungen (natürlich nicht immer). Es gibt auch nach wie vor sehr gute Ansätze von Sonderpädagogen, die viel aus den Kindern „herausholen“. Und wenn man eine Entwicklungslücke geschlossen hat, dann kann der Weg auch zurück führen. Oder vielmehr: Er sollte zurückführen, dafür sollte man sich heute einsetzen! Denn jedes Jahr, dass ein Kind dann auf einer normalen Schule absolvieren kann, weil es optimal darauf vorbereitet wurde und mit dem Niveau der anderen grundsätzlich Schritt halten kann – meinetwegen auch in einer unteren Klasse – ist selbstverständlich ein Gewinn für die Gesellschaft! Alles andere bedeutet nur: Die Ausnahme diktiert die Regel … und das kann nicht auf Dauer gut gehen.

  9. Und was hat das mit Inklusion zu tun?
    Es ist gängige pädagogische Praxis, in einer Klasse unterschiedliche Schüler zu mischen, was sicher auch zu Lasten der „Besseren“ gehen kann. Doch was hat das mit Inklusion zu tun ? Ich bezweifle stark, dass der zitierte Sohn in der Pause von schwerbehinderten Kindern, gar durch die im Artikel thematisierten Mädchen mit Trisomie 21, „malträtiert“ wurde. Das traurige Geschehen ist kein valides Argument gegen Inklusion. Mobbing und aggressives Verhalten kommen in deutschen Schulen leider vor. In der Regel sind aber neben fleißigen Schülern (vulgo „Streber“) gerade auch die behinderten Kinder in der Opferrolle, das fängt schon bei gängigen Invektiven an.

    • Die Frage ist, was "Inklusion" ist - und wer das definiert. Und wer was zahlt.
      Das „Mischen “ von Schülern ist normal – aber nicht das von nicht schulfähigen mit „Regel“-Schülern – die gehören unter den herrschenden Bedingungen nicht auf Regelschulen. Da sind nämlich keine Lehrer, die sie unterrichten können. Das haben nur Sonderschullehrer gelernt.
      Ihre Zweifel an der Schilderung der Mißhandlung ergeben sich aus der Annahme, dass schwerbehinderte Kinder nicht gewaltbereit und -fähig seien. Erstens ist das sehr wohl möglich (die sind ja nicht körperbehindert), zweitens geht es – nochmal und immer wieder – in den Schulen um Schulfähigkeit. Schwerbehinderung hat mit Schulfähigkeit NICHTS zu tun. Es gibt viele schwerbehinderte Lehrer. Schulfähig. Schüler oft auch.
      Und es gibt nicht-schwerbehinderte Schüler, die sich nicht unterrichten lassen – nicht schulfähig eben.
      Es gibt ausreichend viele Berichte von verhaltensauffälligen – nicht schulfähigen – Schülern, die über eine hohes Gewaltpotential verfügen.
      Die müssen nicht einmal schwerbehindert sein – „normal“ behindert sind wir irgendwie alle – der Begriff „Behinderung“ ist rechtlich untauglich. Er bedient nur das vermeintliche „Kritikverbot“ der sich nichtbehindert Wähnenden.
      „Inklusions“-Kinder sind im Allgemeinen weder alle „nette Downies“ noch passen sie in ein Kindchenschema.
      Da sind ganz harte Brocken dabei mit „herausforderndem Verhalten“, die schon mal den Lehrer verprügeln oder andere. „Inklusion“ umfasst per definitionem alle – auch die (zeitweilig) fiesen und gewalttätigen Kinder und Jugendlichen. Bitte nehmen Sie das zur Kenntnis. Und die brauchen im schlimmsten Fall pro Person eine eigene Betreuung. Für einen Lehrer ist das weder zumutbar noch durchführbar, ohne Minimalstandards hinsichtlich des Verhaltens der „Inklusions“-Kinder diese in einer Klasse auch nur zu ertragen – geschweige denn Bildungsarbeit zu leisten.
      Wenn Sie die Voraussetzung der Schulfähigkeit pauschal aufgeben, dann öffnen Sie die „Büchse der Pandora“ für Personen, deren Verhalten sich ein Normalbürger nicht einmal vorstellen kann.
      Die Berichte über liebe und nette „Downies“ sind angesichts der Allgemeinheit der „Inklusions“-Forderung reine Propaganda und irreführend. Berichte über die anderen, richtig harten Inklusionskinder sind selten – werden aber in der Schulpraxis manche Klasse zerstören und manche Lehrkraft in die Langzeiterkrankung treiben – denn Unterstützung ist nach den mir bekannten Länderkonzepten eher knapp.
      Das „aggressive Verhalten“ mancher „Inklusions“-Kinder ist ebenfalls weitaus heftiger, als der normale Mensch sich das anhand eigener Schulerfahrung vorstellen kann. „Alle Kinder“ heißt eben auch pathologische und extreme Fälle.
      Den „behinderten Kindern“ pauschal eine Opferrolle zuzuschreiben, heißt, sie wieder nicht individuell ernst zu nehmen. Das ist unfair und oft völlig falsch – alle Kinder aufzunehmen, heißt auch Psychiatrie-Kandidaten dabei zu haben und eben – alles.
      Wer „Inklusion“ befürwortet, möge sich klar machen, dass die Vielfalt enorm ist unter den derzeit „nicht schulfähigen“ jungen Leuten.
      Da kann es auch 90kg-Jungs mit unkontrollierten Aggressionen geben – nur als Beispiel.
      Da kann es suizidale Kinder geben, die täglich von der Fensterbank geholt werden müssen.
      Nun, eben alles, was auch in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie auftauchen könnte und qualifizierte Betreuung braucht. Neben den netten „Rollis“ und „Downies“ – die auch schon mal einfach spontan weglaufen – der Super-GAU für die aufsichtsführende Lehrkraft.
      Für diese kaum vorstellbare Vielfalt von Kindern und Jugendlichen muss es in jedem Fall überzeugende Konzepte und genug qualifiziertes Personal geben, sonst wird die Umsetzung am Widerstand der Eltern scheitern.
      Dann wird die „politisch korrekte“ „Inklusions“-Schule zur Restschule.
      Nicht nur das Kapital ist ein „scheues Reh“ – Eltern sind es auch. Zu Recht.
      PS
      Mit „in der Regel“ ist bei „Inklusion“ übrigens argumentativ Schluss.
      Da gilt jede Person als Einzelfall und Ausnahme.

  10. und valide Argumente für die Inklusion
    wären dann, Herr Steinmann … ? Welche Vorteile verschafft Ihnen eigentlich Ihre Haltung? Reden Sie doch mal Klartext! Denn: Die Risiken, ein behindertes Kind zu inkludieren, das nun einmal nicht befähigt ist, sich an dieselben Regeln zu halten wie alle anderen Kinder, wurden doch im Artikel beschrieben! Dann läuft es eben weg und wird zur Gefahr für sich und andere – Hauptsache, wir haben es „inkludiert!“ Was für ein Mensch setzt sich darüber eigentlich hinweg? Und dass unter solchen Umständen der Druck auf die Lehrkraft massiv steigt, alle anderen Kinder um so stärker zu disziplinieren – beispielsweise dadurch, dass man die lernwilligen Schüler hemmungslos als Hilfslehrer und disziplinarischen Hemmschuh ausbeutet, anstatt die Talente dieser Kinder zu fördern, wie es das Gesetz vorschreibt, leuchtet doch jedem ein?

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