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Ich. Heute. 10 vor 8.

Ich. Heute. 10 vor 8.

Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Die ungehorsame Brust

| 33 Lesermeinungen

1994 gelangte der Wonderbra zu Weltruhm. Und wurde zum Brandbeschleuniger einer sich flächendeckend ausbreitenden ästhetischen Chirurgie. Von der Mogelpackung zum ganz alltäglichen Gewaltakt – eine Chronik.

+++ Ein Jahr Ich. Heute. 10 vor 8. +++ Wir schreiben täglich +++

© WonderbraSilicon Valley

Der Milliardär, Flugzeugkonstrukteur und Regisseur Howard Hughes hatte sich in die Brüste der damals 20jährigen Jane Russell verliebt. Er besetzte sie 1943 in seinem Western „The Outlaw“. Als Ausdruck seiner Zuneigung entwarf er eigens einen BH, dessen Legende zwar lebt, von dem es aber kein Abbild gibt. Ohnehin fand Russell ihn scheußlich und trug ihn nie. Hatte sie doch auch alles andere als nötig.

Wenige Jahre zuvor stand der New Yorker Designer Israel Pilot vor der Aufgabe, aus Materialknappheit eine Tugend zu machen. Der kriegsbedingte Mangel an Elastikfasern inspirierte ihn zu einem BH-Prototyp mit geringerem Stoffanteil bei gleichzeitig größerer Hebewirkung. ’41 meldete er seinen „Wonderbra“ zum Patent an. Dieser Entwurf sollte weder vergessen noch verschmäht werden.

Gut 50 Jahre später blickt das tschechische Model Eva Herzigova von einem Riesenposter am New Yorker Time Square begeistert auf ihren Busen und die Menschen, die ihn von unten anstarren, herab. Das zigste Folgemodell von Pilots Prototyp presst pflichtschuldig zusammen, was bei der 21jährigen ebenso wenig auseinanderstrebt wie seinerzeit bei Jane. Und hebt die ohnehin perfekte Brust des Models, die Stimmung ihrer Betrachter und die der kanadischen Lizenzinhaber, die mit dieser Wonderbra-Kampagne international reüssieren.

Die Unterwerfung der Brust an vorgegebene Formen und Normen mittels Wonderbra ist im Jahr 1994 weniger als Kotau vor männlicher Begehrlichkeit denn als erzieherischer Akt der Yuppie-Frauen am eigenen Leib zu verstehen. Bret Easton Ellis nannte in seinem ’91 erschienenen Roman „American Psycho“ die für spätere Zerstückelung auserkorenen Objekte von Patrick Batemans Begierde „Hardbodies“. Frauen, die sich Jane Fondas Aerobic-Slogan „No Pain no Gain“ als Waffengang am eigenen Körper einverleibt hatten. Im selben Jahr präsentierte Linda Hamilton als Kampfmaschine ihren radikal austrainierten Körper in „Terminator 2“ auf Muskelhöhe mit dem Arnold Schwarzeneggers.

Der Siegeszug des Push-up BHs in der ersten Hälfte der neunziger Jahre war eine direkte Folge des Fitness-Booms der Achtziger, dessen Wirkungsmacht sich die weibliche Brust weitgehend entzieht. Ihr muskelfreies Gewebe trotzt der Macht der Geräte und der Kraft, die diese dem gesamten Restkörper verleihen können. Die untrainierbare Brust ist ein ungehorsamer Körperteil. Sie bleibt auch dort weich, wo der Zeitgeist den Frauen in Muckibuden und Managerseminaren Härte und Verhärtung verschreibt.

Wer sich da keine Blöße geben will, muss sich panzern. Der Wonderbra mit seinen starren Metallbügeln, den straff gezogenen Trägern, die ins Fleisch schneiden und den festen Wülsten, die in die Körbchen eingeführt sind, ist ein Instrument der Züchtigung. Gegen die Weichheit, die zwangsläufige Asymmetrie und das zyklische An- und Abschwellen der Brüste. Erst mit dem Abstreifen der Brustpresse werden sie neuerlich ihrem unvollkommenen, eigentlichen Sein, der Freiheit und Schwerkraft sowie den Blicken eines hoffentlich wohlwollenden Anderen im intimen Raum ausgesetzt.

1994 jedoch ist auch das Jahr, in dem Intimität und deren Betrachtung neu konfiguriert werden. Das World Wide Web startet offiziell durch, und mit ihm die „Vergerätung“ der Welt. Als Behausung des explodierenden Contents kommen uns die Geräte nah und näher. Die strenge Schreibmaschine lag, bedient von kundigen Sekretärinnenfingern, starr auf dem Tisch, während ihr Nachfahre, der Laptop, auf dem Namen gebenden Schoß platziert, die Weichteile wärmt. „Twin Peaks“ Held Dale Cooper pflegte bereits ’91 eine erotische Beziehung zu seinem Diktiergerät namens Diane, das er sich sehr nah an die Lippen hielt, eine narrative wie haptische Vorwegnahme des IPhones als Hand-, Ohr- und Lippenschmeichlers. Geräte werden häufiger, inniger und zielgerichteter berührt als die Körper ihrer Nutzer.

Geräte sind glatt, symmetrisch und gehorsam. Die in den Geräten ausgestellten Körper ordneten sich zügig den Nutzergewohnheiten unter und präsentieren sich ihrerseits als Benutzeroberflächen. Die Demarkationslinie zwischen Simulation und vollendeter Tatsache wird von unserer Haut gebildet. Der Wonderbra ist im Wortsinn eine Mogelpackung. Sein Täuschungsradius liegt auf der Haut. Der Größen- wie Machbarkeitswahn der Geräte zielt immer unter die Haut.

Der Wonderbra war die Einstiegsdroge für die massenhafte Ausbreitung der Brust-Ops, für den harten Schnitt, der die mögliche von der vollendeten Tatsache trennt. Er simulierte und konfigurierte Perfektion, bis die Polster sich ihren Weg von der Auflage zur Einlage bahnen konnten. Der weibliche Körper konnte so zu einem zweiten Silicon Valley werden, einem Ort – allen Verseuchungen und Misserfolgen zum Trotz – der Penetration durch Technik. Polstern wurde zum Gebot einer Schönheit, die sich keiner Natürlichkeit mehr brüsten muss, so lange sie diese zufriedenstellend optimiert. Lippen, Wangenknochen, Kinnlinien und Kim Kardashians Po folgten dieser Bearbeitungslogik.

© wonderbraIsrael Pilots 1941 US Patent #2245413: Diagonal Slash

In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Schönheitsoperationen in den USA um 1000 Prozent gestiegen. Auch Angelinas Jolies vorbeugende Brustentfernung mitsamt anschließender Wiederaufpolsterung wirbt am Ende eher für ästhetische denn für medizinische Indikation. Und immer noch gibt es eine direkte Linie zwischen Primarks 2010 heftig umstrittenen Mädchenbikinis mit gepolsterten Oberteilen und der – vor allem in den USA verbreiteten – elternfinanzierten Brust-OP, zwecks Optimierung des Produktes Tochter für den männlichen Teil des Beziehungsmarktes.

Der aber ist als Verursacher oder gar Schuldiger der optimierenden Versehrung aus dem Schneider und zudem längst selbst deren Gegenstand. Die Präferenzen der Männer sind von unseren Projektionen kaum zu unterscheiden. Wir wollen, dass sie wollen, was wir wollen – Missverständnisse waren immer schon der springende Punkt im Pingpong der Geschlechter.

Mit dem Web 2.0 weitet sich die chirurgische Kampfzone in den Nullerjahren über das Total-Waxing in eine längst smalltalkfähige Intimchirurgie aus. Der Bildschirm hat die Haut als schützende Membran zwischen Außenwelt und Innenleben abgelöst. Er schenkt dem Betrachter jene Intimität, die er dem Betrachteten entzieht.

Vielleicht ist es das, worüber Eva Herzigova ’94 am Times Square gestaunt hat. Vielleicht waren ihre Brüste ja magische Kugeln, mittels derer sie in die Zukunft sehen konnte: in die Zukunft des Körpers als Schnittmuster elektronischen Begehrens.

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33 Lesermeinungen

  1. Vielleicht findet sich eine Frau, die ein BH Geheimnis für mich klärt:
    Als ich junger Mann war, liefen lüstern geschätzt 50% der jungen Frauen häufig BH los herum. Heute praktisch keine mehr – und wenn es das einzige ist, was unter hautengem Minimalstoff noch getragen wird.

    Einen vernünftigen Grund dafür finde ich nicht, ausser sozialem Gruppendruck? Ästhetisch ist es sehr bedauerlich :-).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Plausible Erklärung
      Die Brust ist sehr schmerzempfindlich, genau wie ihr 3-teiliges Service, lieber Herr Haupts.

      Je nach Gewicht tut die ganze Sache ohne Halt mehr oder weniger weh nach einiger Zeit. Die Muskeln/Bänder werden sehr beansprucht besonders beim Laufen z. B.

      Bei Wehwehchen vergeht nach einiger Zeit jede Lust auf ästhetisch gutes Erscheinen.

    • Sind die BHs soviel besser geworden? Vor 25 Jahren hörte ich ebenfalls über Schmerzen, aber die,
      die das BH Tragen verursachte? Und ist Ihr Argument vielleicht erst bei bestimmten Brustgrössen gültig, andernfalls hätte es ja genauso auch in den achtzigern des letzten Jahrhunderts gelten müssen?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Seien sie mal lieber froh darüber...
      …denn, wie im Artikel erwähnt, lassen sich Brüste nicht wie der „Restkörper“ trainieren. Damit werden sie auch nicht „stärker“, wenn man sie hängen lässt. Im Gegenteil: Die ständig wirkende Schwerkraft sorgt dann dafür, dass sie immer stärker hängen. Das Tragen eines BHs wirkt dem zumindest teilweise entgegen. Aus einem ähnlichen Grund empfiehlt es sich für Männer auch, lieber Slips statt Boxershorts zu tragen, damit im Alter nichts fast am Boden schleift. 😉

    • Die Damen haben heute extreme Hängebrüste, finden sie das sehenswert?
      Ich kenne sogar Frauen die Schlafen mit BH damit ihr Dekoltee erhalten bleibt. Alles eine Frage der Schwerkraft würde ich sagen, das hat mit Gruppendynamik nur in soweit etwas zu tun, das heute auch Frauen mit 50 noch sexy aussehen möchten.
      Ich habe nichts dagegen.

    • Ich meinte junge Frauen. Auch die ohne allzu grosses Potential,
      etwas hängen zu lassen. Deren Zahl eher zugenommen hat, zumindest Pre-Op. Deshalb die Frage – für Fünfzigjährige hätte ich mir die Antwort selbst geben können. Ich finde nur den Strassenunterschied zwischen damals und heute auffällig.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Sie sind aber hartnäckig....
      Die eigene ästhetische Wahrnehmung mag einen Einfluss haben, die Blicke und Kommentare der Mitmenschen sowohl ob der Varianz in Abhängigkeit des Zyklus, der Witterung der optischen Qualitäten der Oberbekleidung oder des Zahns der Zeit als auch zwischen Individuen, die Gewohnheit und wie oben schon mehrfach genant: es ist einfach wesentlich angenehmer ab einer über A hinausgehenden Größe, vor allem bei körperlicher Anstrengung. Diese Gründe können jeweils einzeln oder auch kumulativ dazu veranlassen. Tatsächlich sind die Dinger in den letzen Jahren bequemer geworden, vor allem in den höheren Preisklassen und bei Bedarf auch weniger deutlich sichtbar unter dem T-Shirt.
      Insgesamt verhält es sich so wie mit den Achselhaaren, der Beinbehaarung oder der Frage, ob man kurze oder lange Haare, barfuß oder Schuhe angenehmer findet: Es mag Mode sein, aber vielleicht empfindet man ja manches als angenehm, was man anfangs nur aus modischen Gründen gemacht hat? Jeder Jeck ist anders! Erschöüfender kann man nicht mehr antworten.

    • @Christine Sontag: Wie haben es eigentlich die 100 Generationen davor ausgehalten?
      Liegt der Schmerz nicht viel mehr daran, dass durch die Kleidungsstücke die entsprechenden Muskeln sich zurückbilden bzw. erst gar nicht aufbauen, die in den Generationen davor dazu da waren, die Säuglingsernährungsstationen zu halten?

    • Wenn ich was wissen will, bleibe ich immer hartnäckig.
      Und Bequemlichkeit ist beim real existierenden Menschen ein praktisch alles andere linkshändig schlagendes Argument.

      Auch wenn mir der Zusammenhang mit Enthaarung nicht wirklich einleuchtet :-).

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Der Grund für weibliche Hüllen ...
      die uns ummanteln, stützen, verschönen … ist doch klar, an die Schwerkraft will sich keine gewöhnen 🙂

    • Bin zwar keine Frau, Herr Haupts,
      aber ich versuche es trotzdem Mal. Die emanzipierte Frau der 1960er bis 70er lehnte den BH ab, weil dieser angeblich nur dazu diene, die weibliche Brust für den Mann attraktiver zu gestalten (Sie und ich wären Gegenargumente für die zugrundeliegende Hypothese gewesen). In der Folgezeit wandelte sich das Nicht-BH-Tragen vom ideologischen Statement zur Mode: Aus „Die emanzipierte Frau trägt keinen BH“, wurde, „Die junge, moderne Frau trägt keinen BH“. BHs erweckten die Assoziation vom Hausfrauendasein der 1950er Jahre. Und als Mode war das Nicht-BH-Tragen dann der Zyklikzität aller Moden unterworfen, vgl. die Bartfrage bei den Männern.
      Dass die Bequemlichkeit beim real existierenden Menschen ein praktisch alles andere linkshändig schlagendes Argument sei, gilt bestimmt nicht für Mode, sonst gäbe es keine Highheels und keine Rasierapparate.

    • Herr Meier...
      Zitat:
      „Aus einem ähnlichen Grund empfiehlt es sich für Männer auch, lieber Slips statt Boxershorts zu tragen, damit im Alter nichts fast am Boden schleift. “

      Angeber !! 😉

    • Eingequetscht
      Herr Weiss, die früheren Generationen quetschen ihren Körper in Korsetts mit Stahlstäben und in sonstige Torturmontagen. Ob sich da die Muskeln richtig entwickeln konnten, wo sogar der Atem ausblieb, weiss ich wirklich nicht.

  2. Na ja, heute muss alles gestylt sein! Nur dann scheint es gut!
    Es ist diese Beschränkung auf das scheinbar Ästhetische, das heute offenbar nur das Künstliche zu sein scheint! Ich habe in meinem Leben viele entblösste Frauen gesehen und das, was ich schön fand, war eigentlich nie perfekt! Wie gut!
    Perfekt ist für mich nur das Tote. Und da lebe ich besser bis da hin!

  3. Wie frau sich brüstet ...
    früher plattgedrückt heute gehoben … nach ganz weit oben.
    ungeniert, silikoniert.
    Nur der Brüste Zweck … ist weg!

  4. Wenn das Weib in 125000 Jahren unter sich ist
    Wow, dieser Beitrag ist nicht nur inhaltlich der Fetischkultur, hier um des dem männlichen gefallen wollenden weiblichen Körpers, treffsicher auf der Spur, sondern auch stilistisch/ästhetisch ein Volltreffer. Sätze, die geradezu einen Lustschrei auslösen. Und dennoch provokanter als je eine „Emma“ hätte sein können oder wollen. Und dabei gar nicht wenig erotisch. Hier die Highlights: Der weibliche Körper konnte so zu einem zweiten Silicon Valley werden…Penetration durch Technik…zwecks Optimierung des Produktes Tochter für den männlichen Teil des Beziehungsmarktes. Besser kann man den Kapitalismus und dessen nunmehr postpatriarchale Pseudoerotik auf die gespitzte Feder nehmen. Doch eine Anmerkung kann ich mir nicht verkneifen, apropos Fetischkritik; und ich versuche da Bornemanns Kritik des Patriarchats (Das Patriarchat, http://blog.herold-binsack.eu/2013/07/androgyn-und-polymorph/) fortzuführen. Wo zu Beginn des Patriarchats, durch Bornemann wunderbar beschrieben, eben in der Kritik der griechischen und römischen Antike, der männliche Körper dem weiblichen noch weitgehend nachempfunden war, scheint der Kapitalismus als letzte Klassengesellschaft, bzw. als letztes Patriarchat, nun die Kehrtwende zu machen. Die Ent-erotisierung beginnt mit der des weiblichen Körpers. Nicht dass das nicht schon lange stattgefunden hätte, doch in solch Radikalität und Perfektion? Die Amazonen der Antike sollen sich angeblich eine Brust abgeschnitten haben, um den Pfeil besser an den Kriegsbogen heranzuführen. Doch nun verliert das Weib noch den Rest seiner Weiblichkeit. Während es als Objekt im Bett, wie als „Subjekt“ (ich befolge da Roswithas Scholz‘ Einschränkung: Das Subjekt ist der Mann) im Kreißsaal, schon fast überwunden scheint, wird es als Subjekt 2.0. gewissermaßen neu erfunden. Um es diesbezüglich an die bis dato noch männlich konnotierten Bedingungen in der Produktionssphäre anzupassen, wird seine Gebärzeit so weit wie möglich nach hinten verschoben (vgl. den hervorragenden Beitrag hier in der FAZ: Der Fetisch mit den Frischzellen). Und das, was dann die Gebärlabors verlässt, wird wohl nie in den Genuss jener bis dato noch weiblich genannten Accessoires kommen. Denn, wie gesagt: als Objekt des Begehrens wie des der Begierde ist es schon fast obsolet. Und das just in einer Zeit, in der der männliche Genetiker Bryan Sykes, seinen Geschlechtsgenossen, auf geradezu masochistisch vorkommende Weise, das Verschwunden-sein jener Genossen in etwa 125000 Jahren ankündigt (http://blog.herold-binsack.eu/2014/06/liebe-ist-vielleicht-nur-die-tinte-unter-dem-vertrag/). Was Sie da aussprechen, Frau Fendel, wenn sie Eva Herzigova, in die „Zukunft des Körpers als Schnittmuster elektronischen Begehrens“ schauen lassen, ist daher so genial wie vermutlich noch untertrieben. Dennoch wage ich die Hoffnung auszusprechen, dass das Weib sich dies nicht wirklich so gefallen lässt, ob der Aussicht auch, in 125000 Jahren völlig unter sich zu sein.

    • Och nö, nicht schon wieder der blöde Kapitalismus. Wie wär´s mit einer viel einfacherern Antwort
      Seitdem der Mensch nicht mehr reines Naturwesen ist, also spätestens mit der Beherrschung des Feuers, passt er seine Umwelt an sich an – und nicht umgekehrt. Warum sollte er dabei bei sich selbst aufhören, wo es jetzt chirugisch möglich ist, auch an seinen körperlichen Merkmalen herumzuschnipseln?

      Morgen wird er auch an seinen characterlichen und geistigen herumschnipseln, sobald die Gentechnik die entsprechenden Informationen bereitstellt und ausreichend zuverlässig arbeitet. Das Gottspielen ist dem Menschen einfach angeboren und von der Wirtschafts- wie Gesellschaftsverfassung völlig unabhängig. Sie müssen schon Gewalt anwenden – dauerhaft – um das zu unterbinden. Mir persönlich würde ohnehin kein Argument für das Unterbinden einleuchten, für ein Kulturwesen in einer selbstgeschaffenen, naturfernen Umwelt ist die Selbstveränderung einfach der naheliegende nächste Schritt. Die sich ja zunehmend nicht mehr nur auf Frauen beschränkt, geschnipselt wird geschlechtslos.

      Welchen Schönheitsidealen dabei gefolgt wird – geschenkt. Wenn es nicht die heutigen wären, dann wären es die von gestern oder die von morgen. Geben wird es sie immer, auch das Herdenverhalten ist dem Menschen angeboren.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • mich freut, was sie schreiben. jeder darf ja texte verstehen, wie sie will, aber schön ist es doch, zum beispiel in der eigenen erregung erfasst zu werden.

  5. Wenn das Weib in 125000 Jahren unter sich ist (in dem 1. Posting war ein sinnentstellender Fehler)
    Wow, dieser Beitrag ist nicht nur inhaltlich der Fetischkultur, hier um des dem männlichen gefallen wollenden weiblichen Körpers, treffsicher auf der Spur, sondern auch stilistisch/ästhetisch ein Volltreffer. Sätze, die geradezu einen Lustschrei auslösen. Und dennoch provokanter als je eine „Emma“ hätte sein können oder wollen. Und dabei gar nicht wenig erotisch. Hier die Highlights: Der weibliche Körper konnte so zu einem zweiten Silicon Valley werden…Penetration durch Technik…zwecks Optimierung des Produktes Tochter für den männlichen Teil des Beziehungsmarktes. Besser kann man nicht den Kapitalismus und dessen nunmehr postpatriarchale Pseudoerotik auf die gespitzte Feder nehmen. Doch eine Anmerkung kann ich mir nicht verkneifen, apropos Fetischkritik; und ich versuche da Bornemanns Kritik des Patriarchats (Das Patriarchat, http://blog.herold-binsack.eu/2013/07/androgyn-und-polymorph/) fortzuführen. Wo zu Beginn des Patriarchats, durch Bornemann wunderbar beschrieben, eben in der Kritik der griechischen und römischen Antike, der männliche Körper dem weiblichen noch weitgehend nachempfunden war, scheint der Kapitalismus als letzte Klassengesellschaft, bzw. als letztes Patriarchat, nun die Kehrtwende zu machen. Die Ent-erotisierung beginnt mit der des weiblichen Körpers. Nicht dass das nicht schon lange stattgefunden hätte, doch in solch Radikalität und Perfektion? Die Amazonen der Antike sollen sich angeblich eine Brust abgeschnitten haben, um den Pfeil besser an den Kriegsbogen heranzuführen. Doch nun verliert das Weib noch den Rest seiner Weiblichkeit. Während es als Objekt im Bett, wie als „Subjekt“ (ich befolge da Roswithas Scholz‘ Einschränkung: Das Subjekt ist der Mann) im Kreißsaal, schon fast überwunden scheint, wird es als Subjekt 2.0. gewissermaßen neu erfunden. Um es diesbezüglich an die bis dato noch männlich konnotierten Bedingungen in der Produktionssphäre anzupassen, wird seine Gebärzeit so weit wie möglich nach hinten verschoben (vgl. den hervorragenden Beitrag hier in der FAZ: Der Fetisch mit den Frischzellen). Und das, was dann die Gebärlabors verlässt, wird wohl nie in den Genuss jener bis dato noch weiblich genannten Accessoires kommen. Denn, wie gesagt: als Objekt des Begehrens wie des der Begierde ist es schon fast obsolet. Und das just in einer Zeit, in der der männliche Genetiker Bryan Sykes, seinen Geschlechtsgenossen, auf geradezu masochistisch vorkommende Weise, das Verschwunden-sein jener Genossen in etwa 125000 Jahren ankündigt (http://blog.herold-binsack.eu/2014/06/liebe-ist-vielleicht-nur-die-tinte-unter-dem-vertrag/). Was Sie da aussprechen, Frau Fendel, wenn sie Eva Herzigova, in die „Zukunft des Körpers als Schnittmuster elektronischen Begehrens“ schauen lassen, ist daher so genial wie vermutlich noch untertrieben. Dennoch wage ich die Hoffnung auszusprechen, dass das Weib sich dies nicht wirklich so gefallen lässt, ob der Aussicht auch, in 125000 Jahren völlig unter sich zu sein.

  6. Mode und Sexualleben sind STETS ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse - der KONTEXT zählt!
    Nach dem durchaus sinnlichen Befreien BEIDER Geschlechter von absurden Zwängen in den 60er/70er Jahren, bisweilen (wie so oft bei Umschwüngen) begleitet von unnötigen, jedoch historisch unvermeidlichen Exzessen, schwang die „gesellschaftliche Normalität“ auf ein im Wesentlichen gesundes Maß zurück (Was man durchaus in Form eines Wortspiels auch auf diese wunderbaren, verborgenen, jedoch die von H. Haupts erwähnten, die Phantasie anregenden,ästhetisch schwingenden Brüste beziehen kann).

    Das war die Zeit, als bürgerliche und individuelle Freiheit in Form von stolzer, selbstbewusster anmutiger NATÜRLICHKEIT hochangesehen wurde und damit ihren Zenith erreichte. Dies gilt nicht nur für den Körper als Ganzes, sondern auch synonym für ALLE bürgerlichen Freiheiten und Errungenschaften dieser demokratischen Hochzeit. Ich erinnere nur an die damaligen Bürgerbewegungen in Form der Bürgerinitiativen, der BASISDEMOKRATIE.

    Bürger, denen weniger leicht ein schlechtes Gewissen eingeredet werden können, die auf ihre natürliche Freiheit (Rousseau) setzen, sind jedoch eine „Gefahr“ für Herrschende – seien es Religionsgemeinschaften, seien es gefährdete, diskret seit Jahrhunderten/Jahrzehnten der Demokratie übergestülpte, weniger offensichtliche Herrschaftsverhältnisse.

    Und so wurde einerseits von der Industrie die Freiheit des/der Einzelnen in Form von diskret gehirnwaschenden, allmählich und in nicht wahrnehmbaren winzigen Schritten vom Ausleben der Freiheit in Mode, sozialem Umfeld und schließlich auch dem gesamten gesellschaftlichen Umfeld weg in NEUE, weniger evidente, dafür aber viel effizientere aufgedrückte NORMEN gepresst.

    der Normalisierung auf einem umgänglichen, allen nutzenden Freiheit, die Konsumverhalten wie politische Machtverhältnisse in bestem demokratischen Sinne auf den Kopf zu stellen drohte, wurden Fetische propagiert, die nach und nach unreflektiert übernommen wurden.

    Gewissermaßen dialektisch folgte einer hochgradig politisierten Generation, die größere Freiheit erfolgreich erkämpft und stabilisiert hatte, eine Kindergeneration, welche das alles als so eine Art unwiderruflichen gesellschaftlichen Aggregatzustandes ansahen und es daher WEDER für verteidigungswert noch gefährdet ansahen – diese Freiheit wurde eher wie ein Naturgesetz, wie etwa das Gravitationsgesetz, angesehen.

    Dies ist in der Geschichte stets der Übergang in eine Diktatur oder zumindest das Übergangsstadium namens DEKADENZ gewesen, wie die „Golden Twenties“ gezeigt haben, welche in keinster Weise „Golden“ waren, wie man spätestens 1929 sehen konnte.

    Skandalnudeln wurden dann ab den 90ern zu „Vorbildern“ (bspw hochkriminelle Rapper, offen-dreist korrupte Politiker, Exhibitionisten ohne Persönlichkeit im „Big Brother“, etc) , die Sucht nach noch so erbärmlichen Superlativen und das Übertrumpfen im totalen Negieren selbst der einfachsten, banalsten gesellschaftlichen Übereinkünfte und des gegenseitigen Respekts, die einzig für das Überleben der Menschen weltweit verantwortlich waren und in (noch) zivilisierten Ländern (bei sogenannten „Primitivkulturen“) sind, traten an die Stelle von menschlicher Achtung und Empathie.

    Es begann die zeit, in welcher in Europa sich neokonservative anschickten, etwas so komplexes wie Kulturelle Errungenschaften und soziale Strukturen mit der Elle (bzw dem Ellbogen) zu vermessen und willkürlich alles soziale und empathisch-zwischenmenschliche als unnötigen Kropf zu klassifizieren, psychopathische Persönlichkeiten als „Leader“ und Respekt als überholt zu propagieren.

    —> Liebe/r Leser/in dieses Kommentars, ich komme nicht vom Thema ab, in setze es nur in den Kontext!

    So kommt es nämlich, daß die Sichtbarkeit einer Brustwarze im TV für Sekundenbruchteile zu einem „nationalen Skandal“ führt, man gleichzeitig jedoch in solch einem „hochentwickelten Staat“ mit seinem 5-jährigen Sohn ohne Schwierigkeiten einen Kampf besuchen kann, in welchem sich Männer bewusst halb oder ganz totschlagen SOLLEN und es keinerlei menschliche Regeln mehr gibt.

    Ebenso bringt man diesen Empathie-amputierten Kindern dann bei, halbautomatische Waffen perfekt bedienen zu können und es laufen 24/24 h und 7/7 Tage TV-Serien und Kinofilme, welche brutalste narzisstische Rache verherrlichen.

    Es ist nur logisch, daß in solchen Gesellschaften auch das Ausleben von FREIER, NORMALER Natürlichkeit als „unnormal“ und nur das streng normierte verhalten als „normal“ gilt.

    Hier schliesst sich der Kreis:

    Die Normierung des propagierten „Ideals“ als allgemeinverbindlich wird mit unmenschlicher Härte durchgedrückt:
    Totalenthaarung ist gesellschaftliche Norm bei jüngeren Generationen, die Beschäftigung mit Tatoos und Piercings an allen nur möglichen Stellen ersetzen Mitarbeit in Bürgerinitiativen oder „Gott bewahre!“ gar soziales Engagement.
    Die digitalen – sogenannten – „sozialen Netzwerke“ bewirken einen gigantischen Anpassungsdruck und damit genau das Gegenteil dessen, was man in den 70ern erkämpfte.

    wer (auch nur leicht) übergewichtig ist oder nicht der internationalen Norm entspricht, wird gnadenlos ausgegrenzt, wer kein iPhone letzter Generation besitzt oder nicht wie ein Zombie abgekapselt von der Umwelt mit den angesagtesten Kopfhörern herumstellst, ist „mega-out“.

    Inzwischen lassen sich wunderhübsche Frauen, die gerade mal volljährig sind, ihre normalen Schamlippen abschneiden oder ihre wunderbaren Brüste normieren (KEINE davon hat eine Vorstellung, was das an Gewebstraumatisierung bewirken kann) , weil sie inzwischen keine Aufklärungsliteratur mehr lesen, sondern allen Ernstes stattdessen die beschnittenen und multipel mit Fremdkörperimplantaten verunstalteten Porno-„Stars“ als Menschen mit normaler Anatomie ansehen oder als „Ideal“ betrachten.
    Die Männer folgen mit „freiwilligen“ Beschneidungen und ähnlichem Wahn.

    Dann doch lieber einen „Wonderbra“ – den kann man einfach ausziehen und

    • Auch wenn das Ende fehlt....
      … lesenswert und leider nur zu wahr.

      Sie wissen schon, dass sie damit nicht weit kommen werden? Denn auch die Denkfähigkeit unterliegt nun mal denselben Regeln. Wer selber denkt wird unpopulär. Genau wie der Besitzer eines alten „Smart“phones.

      „Für wen hält der/die sich denn?
      Alle lassen sich piercen/tattowieren und rasieren!“

      Das einzige was mir an dem Artikel nicht sonderlich gefiel, war der Eindruck als seien die Frauen mal wieder die Opfer. Aber vielleicht liege ich da ja falsch.
      Howard Hughes war mit Sicherheit einer der ganz wenigen Männer, die ihren Frauen BHs nicht nur kauften, sondern auch selber entwarfen.
      Meiner Erfahrung nach trifft man in den einschlägigen Geschäften recht selten Männer an, die solche Wunderwerke für ihre Frauen kaufen. Das tun Frauen schon selber, der Zwang dazu, den hat der Kommentator ja ausführlich beschrieben.
      Frauen, die sich von Männern solche Verbesserungs Kleidung für ihr anscheinend inadäquates körperliches Sein kaufen lassen, und dann dazu bereit sind die Umwelt wissen (oder doch wohl nur sehen?) zu lassen, dass ihr Mann ein ganz, ganz Toller sein muss, so eine toll geformte Frau zu „besitzen“….
      Ja irgendwie verdienen solche Frauen dann auch solche Männer, oder?

      Irgendwie fand ich in den 60er, 70er Jahren die Weigerung einen BH zu tragen, eine intelligenter Reaktion auf die Gesellschaft jener Zeit?

  7. Man ... Frau
    Text eingeben

  8. Gebrüstet gesehn' ...
    erst wurd‘ sie gequetscht gedrückt und geplättet … der Stoff oben drüber geglättet …
    die Verweigerung der Lust … an der weiblichen Brust.

    Heute trägt frau sie oben .. obener geht es wohl kaum … ein Silikon gewordener Traum.
    Ich… selbst Frau, fühl sie, die weiblichen Brüste in ihrer Funktion markttechnisch gekillt … hatte man damit nicht früher gestillt??

    • Stillen ist ja sowas von achtziger, das geht ja gar nicht.
      Und bei mir ward eine Startup-Idee geboren – Silikons mit Milchspeicher und Abgabedüse. Irgendwelche Risikofinanciers im Raum?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  9. Unästhetisch
    Es gab mal Zeiten, da haben die Frauen ihre BHs verbrannt. Das muß ja nicht sein, aber diese Silikonbrüste sehen alle gleich aus, weil es nur ein paar Hersteller und Formen gibt. Und schön finde ich diese operierten Mädels schon gar nicht. Mir ist Natur lieber. Hauptsache das Gesicht ist schön, und sie ist nett und intelligent.

    • Endlich ein Mann ...
      mit Verstand und nicht nur optischen Sinnesorganen!
      Bravo Dr. Frick!!!

    • Ja, das stimmt....
      Die Masche mit „Mir ist Natur lieber. Hauptsache das Gesicht ist schön, und sie ist nett und intelligent.“ benutzen ja viele. Funktioniert natürlich auch recht gut, gell?

      Mal Ernst… der Mangel an Realismus hier ist erschreckend.
      Es gibt zwei Formen von „Diskussionen“. In der einen spricht man von dem was ist, in der anderen, also zB dieser hier, von einer Welt wie man sie gerne hätte… also politisch korrekt.

      Die Befürworter der Letzteren zeichnen sich durchweg durch einen generllen Mangel an Bezug zur tatsächlich existierenden Welt aus. Wenn alle Medien dasselbe drucken, ob zu Putin, China, Syrien oder der Sexualitat, dann MUSS es wahr sein….

      NATÜRLICH ist es angebracht männliche Sexualität zu kritisieren!

      Allerdings sollte man sich schon auch erst mal die Mühe machen die Realität zur Kenntnis zur nehmen und erst DANN überlegen was man tun kann.

  10. In einem Punkt möchte dem Artikel dann doch widersprechen...
    … trotz meiner (fast) 100%igen Zustimmung…

    Der Wonderbra war nicht die „Einstiegsdroge in die Chirurgie“ . Eher war er dazu da, diese vermeiden zu können. Wie ich am Ende des ersten postings schreiben wollte (aber wegen der textlänge nicht schreiben konnte) , konnte man den „Wonderbra“ wenigstens wieder ausziehen, es war nur eine äussere textile Stütze. Die Brust wurde in „bester“ lustfeindlicher US-puritanischer Tradition in ein allgemeingültiges „Schema“ gepresst – aber das war mit einigen befreienden Handgriffen rückstands- und reuelos reversibel.
    Dieser befreiende Handgriff mag auch einer der schönsten Träume des Mannes (und auch mancher Frau) gewesen sein – etwas vom Mann seit der Geburt stets Begehrtes wird lustvoll aus seinem puritanischen Gefängnis befreit und kann im wahrsten Sinne wieder in Freiheit aufatmen.

    Heutzutage ist die oben von mir beschriebene (auch sexuelle) Freiheitsbewegung der 60er/70er /80er Jahre einer völligen Orientierungslosigkeit gewichen:

    Wer meint, alles schon zu haben und nichts verteidigen zu müssen, der wird rasch dekadent:

    – Drogenexzesse;
    – zunehmende Entfremdung von allem, was gelebte Zusammengehörigkeit bedeuten würde;
    – gelebtes Gemeinschaftsgefühl wird abgelöst von lediglich zeitlich synchronisierter Übungen in sozialer Verwahrlosung anlässlich von kommerzialen Massenveranstaltungen.
    – Wie die hilflos eingesperrten Tiere im Zoo greift auch bei den in der modernen Gesellschaft eingesperrten Menschen eine Form von Verhaltensstörungen um sich, die zu Selbstzerstörung führen.
    An die Stelle von sinnvollen sozialen Aktivitäten treten Selbststrafende Beschäftigung mit Tatoos, Implantaten, piercings.
    – Um beim Beispiel Zoo-Hospitalismus zu bleiben: der Tierpfleger, der das Tier nur unter Kontrolle halten und für die Zooleitung funktionsfähig halten soll, damit der Laden läuft, wird vom Tier für eine vermeintliche Leitfigur gehalten. Und so werden von der staatlichen „Zooleitung“ falsche Helden in den Käfig der jungen Generation geschickt, welche die zu Tieren Degradierten genau in die entgegengesetzte Richtung schicken, wieder weit weg von den ehrbaren Zielen der Jahre der Befreiung: Wieder weit weg vom Bekenntnis zum Ziel körperlicher Natürlichkeit, der Anmut des Umperfekten, aber Authentischen und dem Privileg körperlicher Unversehrtheit, hin zu massenhaftem, wahnhaftem Anpassen an jede noch so absurde (politische) Modeerscheinung.
    Im Grunde ist der zunehmend grassierende Wahn hin zu Tatoos, Piercings und der gesellschaftlich höher angesehenen Form der Selbstverstümmelung namens (pseudo-) „Ästhetischer“ Chirurgie nur eine Form des „schlitzens“ , bei dem sich vorwiegend Frauen selber immer wieder schneiden – nur eben Dank finanzieller Mittel als Auftragsleistung durch Dritte unter sterilen Bedingungen und unter Narkose.

    Der Gipfel der Perversität ist die lobenswerterweise von der Autorin des Artikels erwähnten Optimierung des Erscheinungsbildes der Tochter mittels Chirurgie zwecks „besserer Erfolgsaussichten“ auf den diversen Partnerschafts-/Berufs-/sonstigen MÄRKTEN. Ich habe tatsächlich Eltern gesehen, deren gutaussehende 16-jährige Tochter zum Geburtstag grössere Brüste „geschenkt“ bekommen haben.

    Natürlich hatte das alles den formaljuristischen, äusseren Anschein allseitiger „Freiwilligkeit“ .
    Aber man sollte sich Fragen, ob Eltern nicht völlig versagt haben, wenn es dazu kommt, daß ein Kind so etwas „freiwillig“ überhaupt in Betracht zieht – und umso mehr muss man diese Frage stellen, wenn sie es nicht geschafft haben, die vorübergehende, pubertätsbedingte sexuelle Rollenfindungsstörung der Tochter als solche zu betrachten und den wichtigen wert von in sich ruhender Authentizität zu vermitteln?

    Zumeist ist es ja schlimmer: Diese Eltern gehören zu den „Hubschraubermüttern“ , welche ihre eigene schwache Persönlichkeit durch brutalste psychische und physische Dompteursleistungen am wehrlosen Kinderobjekt zu kompensieren versuchen.

    Diese Kinder haben kein Elternhaus, sie leben in einem Versuchslabor. Unter diktatorischer Kontrolle einer unmenschlichen Laborleiterin, die sogar ihre Manipulationen derart effizient am Objekt namens Kind vollführt, daß diese meinen, es wären tatsächlich ihre „eigenen Wünsche“ – wo es doch einfach nur die Sehnsucht ist, endlich ganz einfach und normal geliebt zu werden, die sie alles akzeptieren und internalisieren lässt, was die Mutter an Missbrauch begeht.

    Der Zenith demokratischer Bewegungen und empathischer Handlungen im Westen ist leider Überschritten. Die erkämpfte Freiheit der Brust und eines natürlichen Körpers wird mit piercings, Tatoos und Silikon heutzutage gnadenloser bekämpft als jemals zuvor.
    Und genau so sieht es auch mit allen anderen damals erkämpften Errungenschaften aus.

    Das piercing im Gehirn des heutigen Bürgers nennt sich „Alternativlos“ und auf seinen Armen wird derzeit zwangsweise „Die Anderen greifen uns an! Wir wehren uns doch nur!“ eintätowiert – wie auf Söldnerarmen. Im modernen „Sportpalast“ laufen die Vorbereitungen für den 3.WK auf Hochtouren…

    • Wie bitte?
      Wie heute leider weit verbreitet, gehen sie auch hier beim Denken nicht konsequent bis zum Ende, sie bleiben bei den Symptomen und sehen die Krankheit wohl gar nicht?
      Ich wills kurz machen. Also nur die Ersten beiden Beispiele:

      „- Drogenexzesse;
      – zunehmende Entfremdung von allem, was gelebte Zusammengehörigkeit bedeuten würde;“

      Die Drogenexzesse sind die Konsequenz der lächerlichen Drogen Politik aller Regierungen. Ausgerechnet in den USA hat man das jetzt eingesehen die völlige Legalisierung von Gras ist nicht mehr aufzuhalten.
      Da wundern sich die Spiesser über das Elend der Drogen-Exzesse, aber kein Wort seit 50 Jahren darüber, dass es was damit zu tun haben könnte, dass die Kids sich sagen: Ihr habt uns zu Marihuana angelogen, wieso soll ich annehmen bei anderen Drogen habt ihr, die ihr eure Profite mit Alkohol und Zigaretten macht, die Wahrheit gesagt?

      „zunehmende Entfremdung von allem, was zunehmende Entfremdung von allem, was gelebte Zusammengehörigkeit gelebte Zusammengehörigkeit“ GENANNT WIRD…

      Sie scheinen die Kids für blöd zu halten. Die kennen halt die Realität der Beziehungen, von der der Ehen ganz zu schwiegen.
      Es sind temporäre Einrichtungen die vor allem in jüngeren Jahren recht praktisch sind, wenn man ohnedies noch nicht so reich ist und Haus oder Wohnung nebst Einrichtung nur auf Kredit kaufen könnte. Schauen sie sich die Scheidungszahlen doch mal an, und dann behaupten sie noch mal den Unsinn von „gelebte Zusammengehörigkeit. Das ist nichts anderes als Heuchelei!

      Das tatsächliche Problem ist die Unfähigkeit der Bürger sich Regierungen zu wählen die eine sinnvolle, intelligente Politik im Intersse eben dieser Bürger zu machen.
      Stattdessen haben wir in Regierungen Leute die sich anschleimen und jeder, sei sie noch dämlichen Mehrheitsmeinung hinterherlaufen, um die nächste Wahl zu gewinnen. Der Zustand der Gesellschaft den sie beklagen ist die ángemessene und sogar gerechte Folge dieses Verhaltens der Mehrheit.

      Oder wie Biensack, ich glaube es war bei Don Alphonso, mal ausdrückte: „Die Macht der Herrschenden stützt sich voll und ganz auf die Unfähigkeit der Massen, angemessen zu reagieren.“

      Ihr Gejammer Pro Heiler Welt, passt da vorzüglich!

    • @ Ross Dorn
      Es wäre schön, wenn Sie den an Andere gestellten Ansprüchen („konsequent bis zum Ende denken“) zunächst einmal selber genügen würden…

      Ich kann in dem, was Sie schreiben, keinen argumentativen Bogen erkennen – und ich will gleich dazu schreiben: Ich habe den Eindruck, das liegt nicht an mir…

      Bei dem, was Sie mir hier leichtfertig ohne jeden Beleg unterstellen, befinden Sie sich auf dem Holzweg:
      Die jahrzehntelang abgegriffene Litanei der Drogendialektik Marihuana vs Alkohol/Tabak greift leider nicht bei mir: Mit „Drogenexzessen“ meine ich ebenfalls das zunehmende „gemeinschaftliche“ Komasaufen, aber auch heftig grassierenden Konsum angeblich ungefährlicher, gerne bagatellisierter „weicher“ Drogen wie Cannabisprodukten. Dies betrachte ich als gefährliche Enthemmung beim möglichen Umstieg auf synthetische Drogen oder zum Kokain und heroin.

      Ihre Klassifizierung meiner Ausführungen als „Gejammer pro Heile Welt“ sagt eigentlich alles über die Diskrepanz zwischen Sachargumenten und persönlichen Angriffen.

      Ich kann Ihnen schon deswegen nicht viel entlegenen, weil Sie keinerlei auch nur ansatzweise sinnvolle Argumentation liefern.

      Und was meine „Einschätzung der Kids“ anbelangt:

      Ich beobachte seit nunmehr über 30 Jahren mit zunehmender Besorgnis, was (für die meisten menschen verborgen) in unserer Gesellschaft vorgeht, indem ich mich täglich beruflich mit den konkreten Folgen dessen konfrontiert sehe, was Sie meiner Vermutung nach allenfalls aus ganz persönlichen Anekdoten kennen werden.
      Falls Sie doch noch diskussionsfähige ARGUMENTE oder wenigstens eine eine schlüssige Einschätzung anstelle von fragmentierten Allgemeinplätzen haben sollten, lassen sie es mich wissen, dann kann man vielleicht sogar gepflegt diskutieren – falls Ihnen daran gelegen sein sollte.
      Könnte ja für beide Seiten fruchtbar sein.

      In diesem Sinne

    • Die Massen müssen sich selber überwinden
      Danke, Herr Dorn; ich hatte es ganz vergessen (http://blog.herold-binsack.eu/2009/10/eine-dialektik-von-konservativ-und-revolutionar/). Bedauerlicherweise kann ich diese Aussage nachwievor so stehen lassen. Würde aber ergänzen, dass die aktuelle herrschende bürgerliche Klasse das Regierungsgeschäft (leider) besser beherrscht als ihre eigene Wirtschaftsweise. Und auch wenn wir in der Ära der Massen leben, wie ich hin und wieder Ortega y Gasset erwähnen lasse, wird es daher für diese Massen eben nicht leichter „angemessen zu reagieren“. Vielleicht gerade deswegen. Denn sie werden von ihresgleichen beherrscht, von den „Spezialisten“, die Ortega als die übelsten Vertreter der Massen denunziert. Wenn sie es also jemals schaffen, dann wird es wohl ihr absolutes Meisterstück. Sie müssen sich nämlich selber überwinden.

    • Auch hier...
      … wieder Zustimmung.

      „Würde aber ergänzen, dass die aktuelle herrschende bürgerliche Klasse das Regierungsgeschäft (leider) besser beherrscht als ihre eigene Wirtschaftsweise“

      Genau das ist der Punkt, Frau Merkel wie Gott und die FdJ sie geschaffen haben.
      Es ist in der Tat das einzige Nötige, die Massen glauben zu machen, sie hätten Recht WEIL sie die Masse sind. Volker Pispers ist wohl der, der das in jedem seiner Auftritte am unmissverständlichsten vorführt.

      Ihr Zitat ist mir in der Erinnerung geblieben, es ist eine präzise die Realität beschreibende Formulierung.
      Ich bemühe mich auch stets nicht gegen die Urheberrechte zu verstossen. Man gerät in dieser auf Habgier und Abzocke aufgebautet „Gesellschaft“ mit sowas schnell in Teufels Küche (Ironie aus)

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