Ich. Heute. 10 vor 8.

Ich. Heute. 10 vor 8.

Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Frauen schreiben, Männer lesen

| 12 Lesermeinungen

Über Geschlechterstereotype und Provokationen. Frauen fragen ihre Leser.

+++ Ein Jahr Ich. Heute. 10 vor 8. +++ Wir schreiben täglich +++

© Hajotthu, CC BY 3.0 

Auf diesem Blog schreiben Frauen. Und Männer lesen. Wir vermuten natürlich, dass auch viele Frauen lesen. Aber von Männern wissen wir es, weil sie häufiger darüber schreiben, dass sie lesen. Der typische kommentierende Leser der Beiträge im letzten Jahr war männlich, gut ausgebildet, oft in technischen Berufen und dort im mittleren Management tätig – oder mindestens jemand, der sich die Internetidentität eines gut ausgebildeten Mannes im mittleren Management zugelegt hat. Denn Sie wissen schon: „Im Internet weiß niemand, dass Du ein Hund bist“, auch wenn Cookies, Tracking-Methoden und die Anforderung zahlreicher Internetseiten, sich mit einer gültigen Mailadresse und einem Klarnamen zu identifizieren, schwerer gemacht haben, was so beliebig vermutlich ohnehin nie war: im Internet jemand ganz Anderes zu sein.

Doch spielt es überhaupt eine Rolle, ob Frauen oder Männer schreiben oder lesen? Wer die Begriffe „Frauen“, „Männer“, „lesen“, „schreiben“ googelt, wähnt sich gleich mittendrin im Geschlechterkampf: Frauen lesen angeblich lieber Romane als Männer, weil sie schon früher diejenigen waren, die den Kindern Geschichten erzählt haben; Männer hingegen suchen nach sachlichen Informationen und lesen folglich lieber Zeitung; Qualität wiederum sei, bei Verfassern wie Rezensenten, männlich; der unterstellte ideale Leser sei immer ein Mann; und das gelte nicht nur für Romane und Zeitschriften, sondern, Sie ahnen es: auch für Blogs. Was einige dann wiederum darauf zurückführen, dass Frauen lieber private Geschichten erzählen, erfolgreiche Blogs aber seit dem zweiten Irakkrieg 2003 vor allem als Forum für (politische) Gegen- oder Alternativoffentlichkeiten wahrgenommen werden.

Schreiben Frauen denn tatsächlich anders? Die Wissenschaft ist sich, wie so oft, nicht einig. Die einen bestreiten die Existenz spezifisch weiblichen Schreibens mit Verweis darauf, dass man schon die diese These zugrunde liegende Annahme einer fundamentalen Verschiedenheit der Geschlechter nicht belegen könne; die anderen gehen davon aus, dass Frauen tatsächlich anders schreiben und anders lesen. Sie sind aber wiederum uneins darüber, warum das so ist. Die einen postulieren eine weibliche Gegenkultur: Frauen schreiben besser, ohne Kampfrhetorik, können Dinge stehen lassen. Die anderen begnügen sich damit, festzustellen, dass die soziale Realität von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft eine je andere ist und sich deshalb weibliche Erfahrungen wie jede andere Art von Erfahrungen aller Wahrscheinlichkeit nach auch in den Texten zeigen wird.

Lesen Männer anders? Wie lesen Sie, lieber Leser, dieses Blog? Manch ein kommentierender Leser hat im letzten Jahr vermutet, dass Frauen, die hier schreiben, Mitglieder einer feministischen Weltverschwörung sind, die Männer diskriminieren (zum Beispiel, wenn sie für Quoten votieren): „Einseitiger Frauenlobbyismus“; „Benachteiligung von Männern“; Frauen, die „Jungen generell in der Täterrolle sehen“ und das, obwohl Männer ohnehin „mehr Nachteile durch das Patriarchat“ hätten als Vorteile und man sich als Mann zu vielen Themen gar nicht mehr äußern könne, ohne als „femiphob zu gelten“. Fast genauso verwunderlich ist es, dass Beiträge wie etwa jener über das Älterwerden explizit dafür gelobt werden, „ohne jegliche Gender-Thematik“ auszukommen (was ja auch tatsächlich auf mindestens fünfzig Prozent der Beiträge zutrifft). Ich weiß nicht, wie viele unserer Leser offenbar eine Genderperspektive erwarten, wenn sie lesen, was Frauen schreiben. Unter denen, die schreiben, dass sie lesen, fallen sie auf. Es fällt auch auf, dass sie das Blog weiter lesen, obwohl sich ihre Kommentare so lesen als würden sie sich über das ärgern, was sie lesen.

Sie glauben, das sei nun wiederum der zitierten männlichen Freude an der Kampfrhetorik geschuldet? Viele Leser inszenieren sich ganz explizit und in einer bestimmten Weise als „männlich“: als „durch und durch heterosexueller Mann“, als Mann mit „nicht sozialwissenschaftlichem Studium“, als Mann mit abgeleistetem Wehrdienst, als Ernährer, et cetera. Und sie fordern eine ähnlich klare Positionierung der Autorinnen: „Helfen Sie Flüchtlingen?“ „Haben Sie Kinder?“ „Arbeiten Sie überhaupt (richtig)?“ Und reagieren ungehalten, wenn sich Autorinnen einer solchen Positionierung verweigern. Dieser Versuch, sich und andere eindeutig zu positionieren, hat vermutlich weniger mit der vermeintlich männlichen Freude am Kampf als vielmehr mit der Tatsache zu tun, dass es im Internet ganz allgemein und auf einem Blog im Besonderen abgesehen von einem vielleicht falschen Namen kaum Informationen darüber gibt, mit welcher Art von Gegenüber man es zu tun hat – und es eben doch schwerer ist, als die Geschlechterklischees uns glauben machen wollen, männliches und weibliches Schreiben allein anhand des Geschriebenen zweifelsfrei zu unterscheiden. Vielleicht steckt hinter dieser Vehemenz, mit der Positionierungen formuliert und eingefordert werden, also schlicht das Bedürfnis, zu erkennen, mit wem Man(n) spricht – und auszuschließen, dass es nicht doch ein Hund ist.

Das in dem Positionierungsbedürfnis zutage tretende Misstrauen sollte uns daran erinnern, dass viele Angebote im Netz – unser Blog ist hierin keine Ausnahme – ihr Versprechen, interaktiv zu sein, noch längst nicht eingelöst haben. Wenn es aber gelingt, dass die Leser nicht dabei stehen bleiben (müssen), sich zu positionieren und das Gegenüber als Anderes zu identifizieren, wenn die Leser sich vielmehr in einem fremden Anderen selbst wieder erkennen, dann wäre die Welt doch besser, als Geschlechterklischees uns weismachen wollen. In Reaktion auf Annika Reichs Beitrag über die rätselhafte Krankheit ihrer Cousine schreibt ein Leser: „I took these broken wings und las von Lilan. Ich mag sie sehr, obwohl ich sie doch gar nicht kenne. In mir, da kenne ich sie aber. Die Lilan in mir.“

In diesem Sinne: Auf ein weiteres Jahr Ich. Heute. 10 vor 8.

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12 Lesermeinungen

  1. 10 vor 8 ist nicht wirklich ein Blog und nicht wirklich interaktiv.
    Es ist eine Gruppe von Artikelkschreiberinnen, unter denen nur wenige die Zeit oder die Lust haben, sich meistens stellvertretend für die Autorinnen an der Debatte zu beteiligen. Weshalb die Kommentare unter den Blogs genauso gut unter einem normalen FAZ Artikel stehen könnten, mit Ausnahme der Beiträge von Frau Dietz oder Frau Detjen würde das nicht weiter auffallen. Das kann sich nur verschlechtern, wenn der Trend anhält, typische Meinungsabwerferinnen mit prominentem Namen schreiben zu lassen – die schreiben viel, wenn der Tag lang ist und begreifen öffentliche Debatten als einen Austausch von Meinungsartikeln. Wie man das besser machte, kann bei den Stützen, den Wostkindern oder Deus Ex nachgelesen werden.

    Ob Frauen anders schreiben, weiss ich nicht. Es interessiert mich auch nicht wirklich. Auffällig ist der Unterschied in den Themensetzungen – je mehr frei und medienaffin (freie Autorin) desto mehr Bauchnabelschau und Befindlichkeitsprosa.

    Die persönlichen Fragen tauchen vermehrt da auf, wo jemand verlangt, die Gesellschaft solle mehr (finanziell, kulturell) leisten. Ich würde auch da lieber ohne diese – natürlich als Waffe verwendete – personalisierte Sichtweise auskommen, halte die Fragen bei solchen Themen aber für nachvollziehbar. Schliesslich gibt es bei vielen Themen das für Frauen wie Männer gültige Phänomen, dass man umso mehr für (oder gegen) etwas ist, je weniger man davon persönlich betroffen ist. Nicht umsonst ist eine der stärksten Bastionen z.B. der Befürwortung von Zuwanderung oder multikulturellen Gesellschaften im gehobenen Mittelbau und den Leitungsebenen öffentlich finanzierter Bildungseinrichtungen zu finden. Die dort Arbeitenden haben die wenigsten Berührungspunkte mit den real existierenden Einwanderern.

    Dass in einem reinen Frauenblog wahrgenommene Frauendiskriminierung eine prominente Rolle spielen würden, war zu erwarten. Letztlich fiel der Schwerpunkt für mich geringer aus, als befürchtet. Genügend Kommentare von Männer dabei boten einen Anlass zum Fremdschämen. Mimimi ist zwar vorrangig, aber nicht ausschliesslich, auf Frauen beschränkt.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Sehr geehrter Herr Haupts,
      ich glaube auch, dass andere Erfahrungen sich deutlicher in den Texten niederschlagen als nun ausgerechnet das Frausein. Die freie Autorin scheint jedenfalls diejenige zu sein, deren Erfahrungen Ihnen am fremdesten sind. Ein bekannter polnischer Oppositioneller, Jacek Kuroń, hat einmal gesagt, dass es gerade dann darauf ankomme, sich mit diesem Anderen in seiner Andersartigkeit auseinanderzusetzen – allerdings im Kontext der Frage, wie Opposition oder mindestens Solidarität im Kampf gegen ein zur damaligen Zeit noch sehr restriktives autoritäres System möglich ist. Nun müssen Sie natürlich nicht mit einer freien Autorin solidarisch sein – trotzdem bin ich gespannt, ob Sie sich auch irgendwann einmal auf die im Text geschilderte Weise in einer von deren Erfahrungen wieder erkennen: die freie Autorin in ihnen, sozusagen.
      Abgesehen davon freue ich mich, dass Sie immer wieder schreiben, dass Sie uns lesen, auch und gerade, weil sie uns kritisch lesen.
      H. Dietz

  2. Ein Jahr "stereotypische" Ich.Heute. 10vor8-wahrnehmung, auch geschlechterspezifisch:=)
    Das Kurz-Video zu 1Jahr…hat mich nicht negativ beeinflußt, eher die „Schreiberinnen lebendig bekannt“ gemacht, soweit möglich.
    Dann bleibt noch die Gratulation zum 1. Geburtstag…und Luft für Schreibtiefe ist immer, auch für
    Leserbeiträge.
    Mal mehr, mal weniger angesprochen…gelungen.
    Eklatante, erwähnenswerte, geschlechterspezifische Schreibstil/Themenunterschiede bleiben mir
    verborgen.

    Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher.
    Voltaire (1694-1778)

    MfG
    W.H.

  3. Von mir keine "Jahresbilanz" , sondern ein Anfangseindruck...
    weil ich erst seit ein paar Tagen auf diesen Blog aufmerksam wurde.
    Habe erst einige Blogeinträge gelesen, diese aber als interessant empfunden – auch die Kommentare dazu. Die Kritik, es wären ja eher Artikel mit Leserbriefen, ist nicht ganz falsch – aber es kommt bei Autoren ebenso wie bei Kommentatoren letztlich auf die Qualität an – und nicht darauf, wie oft der Ball während des Spiels übers Netz geht, oder?

    Das führt zur Frage zu geschlechtsspezifischem Schreiben/Lesen.

    Persönlichkeiten werden durch eine Melange aus Psychogenetik (=prägende Erfahrungen vorheriger Generationen, die sich genetisch fixiert ), persönliche Erfahrungen, Rollenlernen und intrinsische Weltanschauung (das subjektiv erstellte, erstrebte Ideal) und ein Urverhalten aus Urzeiten neuroplastisch fixiert, sind aber noch formbar.

    Insofern sehe ich die Prägung durch frühe Erfahrungen und Rollenlernen, die auch bisweilen geschlechtsspezifisch ist, fast zwangsläufig als zu „Spezifisch männlich/weiblichem“ Lesen und Schreiben führend an. So wird es ja auch im Blog erwähnt.

    Ich frage mich jedoch (wie die Autorin und Herr Haupts), ob das heutzutage noch im „Doppel-Blind-Test“ statistisch signifikant zugeordnet werden könnte.

    Mich interessiert das Geschlecht von Gesprächspartnern, Autoren, etc erst einmal prinzipiell nicht, sondern mir geht es um das Thema. Im Berufsleben ist das bei mir ebenso.

    Hier in der FAZ, aber auch anderswo ist mir gelegentlich bei Artikeln ein eingangs langatmige Beschreibung des Ambiente und der Kleidung aufgefallen, worauf bspw bei Gerichtsreportagen oder Interviews eher weniger der Schwerpunkt liegen sollte. (Autorenname gesichtet: weiblich) Andererseits nerven mich auch ebenso langatmige, fragwürdige Beschreibungen von Oberflächlichem Design in technischen Artikeln von Männern, wo es um objektive und praxisrelevante Geräteeigenschaften geht… aber auch das gibt es bei weiblichen Autoren… Ich frage mich also ob es da Unterschiede in der Häufigkeit w/m gibt?

    Meine ersten beiden Chefs nach dem Studium (Ende der 80er) waren Frauen. Daher erlaube ich mir, zu behaupten, ich könne als Mann ein wenig über die verschiedenen Führungsstile m/w sprechen, das scheint mir zielführender („Gib´jemandem Macht – und Du wirst ihn dann erst richtig kennenlernen“) .

    Es GIBT Unterschiede. Jedoch: Sind das eher übliche interindividuelle oder WIRKLICH statistisch signifikante geschlechtsspezifische? Hmmm… schwer zu sagen, aber ich glaube, es gibt sie.

    Die werden im Genderzeitalter nur gnadenlos ÜBERBEWERTET, weil die inzwischen weitestgehende Gleichheit der Chancen auch geschlechtsspezifische Unterschiede in der individuellen Sozialisation weitgehend abgeschliffen wurden.

    Die Aufgabe, die Unterschiede zu beschreiben, ist wie die Aufgabe zwei praktisch gleich gute oder gleich schlechte Gerichte im Restaurant in ihren Unterschieden zu beschreiben…

    Die (verbleibende) spezifisch geschlechtsspezifische Art zu Denken, zu Handeln, zu Lesen, zu Schreiben, etc etc, ist jeweils eine winzige Teilmenge der persönlich-individuellen Art als Gesamtmenge – wenn ich es in Prozenten ausdrücken müsste, würde ich sagen: gefühlt unter 10%, aber dennoch wahrnehmbar.

    Weder Frau noch Mann sind bessere Chefs – die qualifiziertere Person ist die bessere.
    Daher sind solche Auswüchse wie die absurde, ja armselige „Quotenregelung“ eben auch Diskriminierung – nur eben anders herum.

    Eine Gesellschaft, in der Emanzipation erfolgreich war und bleibt, schaut nicht auf Chromosomensätze, sondern auf Qualifikation.

    Die wahren Unterdrückten und Diskriminierten in unserer Gesellschaft sind nicht mehr die Frauen, es sind die Übergewichtigen, die Leute mit Sprachfehlern, dem ÄUSSEREN Idealen weniger entsprechende Menschen. Bezeichnenderweise hat sich Alice Schwarzer NIE für diese wirklich benachteiligten Menschen „engagiert“, sondern sich als Frauenbefreierin inszeniert. Dabei ist ihr die vermeintliche Befreier-Rolle in etwa auf die gleiche Art in den Schoß gefallen wie Kohl die Wiedervereinigung…

    Mann und Frau ziehen sich (im Fall von Heterosexualität jedenfalls) durch viele sehnsüchtig wahrgenommene Unterschiede an – auch im Handeln und Wahrnehmen (Möchte ich jetzt mal verallgemeinernd an die Stelle von Schreiben und Lesen setzen) . Es kommt m.E.n. aber nicht darauf an,diese Unterschiede quantitativ und/oder qualitativ zu beschreiben oder gar (wie es heutzutage in den entsprechenden Fundamentalistischen Lagern beider Geschlechter leider seit Alice Schwarzer üblich ist) gar ZU BEWERTEN – es kommt darauf an, den/die Person gegenüber als MENSCHEN zu achten und emotional zu erfühlen, zu verstehen.

    Dabei ist es zunächst sogar egal, ob es um eine Interaktion mit oder ohne sexuelle Spannung geht, egal, ob Mann oder Frau.

    Die immer existierenden positiven Unterschiede zwischen Mann und Frau, welche so wunderbar anziehend auf uns wirken, sollten auch positiv gelebt werden – anstatt sich den Kopf sinnlos darüber zu zerbrechen, worin das (postulierte bzw ideologisch verbrämt) Trennende der existierenden Unterschiede genau verortet werden könnte.

    Letzteres führt nur zum sinnlosen Massakern im Rahmen eines fundamentalistischen Klassenkampf der Geschlechter á la Alice Schwarzer. Und der hat bereits Jahrzehntelang genug verbrannte Erde hinterlassen.

    Wenn ich jemanden mit Respekt verstehen will, dann frage ich mich nicht, wo Unterschiede sind und erst recht bewerte ich sie nicht – ich suche die Gemeinsamkeiten als Basis, bspw eine gemeinsame Sprache.

    In diesem Sinne

  4. „Wie lesen Sie, lieber Leser, dieses Blog?“
    Als Blog-Erstleser: Ich nehme die Berufsbezeichnung der Autorin zur Kenntnis: Soziologin, in Berlin lebend und in Göttingen arbeitend, in revolutionären Welthauptstädten zur grünen Rettung des Planeten und der Sonne, und schon, ohne das ich das eigentlich will, sträuben sich mir die Nackenhaare. Ich weiß dennoch seit langem: Frauen sind die besseren Menschen, insbesondere soziologische Genderforscherinnen, sie schreiben besser als Männer, dafür kann ich besser kochen und Kuchen backen, aber nicht häkeln und stricken. Aber alle meine Lehrerinnen verehre ich bis auf den heutigen Tag, tiefbeglückt, von ganzem Herzen, nie ein böses Wort über sie. Sie haben mir so vieles bei- und nahegebracht, das Lesen, Rechnen und das Schreiben, alles keine Selbstverständlichkeiten, Zeichnen und Musik, die Liebe zu Kunst, Literatur und Malerei, aber auch Rechthaberei und grundgütige Arroganz. Das war nur ein Scherz der letzte Nebensatz. All meinen Lehrerinnen werde ich bis an mein Lebensende lieben, damals, zu ihrer und meiner Zeit, gab es noch keine Genderforschung.

  5. Lesen Männer anders?
    Sie schreiben:“Ich weiß nicht, wie viele unserer Leser offenbar eine Genderperspektive erwarten, wenn sie lesen, was Frauen schreiben. Unter denen, die schreiben, dass sie lesen, fallen sie auf. Es fällt auch auf, dass sie das Blog weiter lesen, obwohl sich ihre Kommentare so lesen als würden sie sich über das ärgern, was sie lesen.“ Dazu möchte ich feststellen: Die Männer, die gelegentlich oben Zitiertes als Kommentar zu den Beiträgen schreiben, erwarten ganz sicher keine Genderperspektive (oder zumindest keinen einseitigen Frauenlobbyismus, haha!). Sie erhoffen sich wahrscheinlich sogar das Gegenteil. Diese Männer fallen ihnen also ganz sicher nicht deshalb auf, weil sie eine Genderperspektive erwarten. Glauben sie mir, ich habe den größeren Teil der Zitate schon selbst verwendet. Nicht nur in diesem Blog, aber zu vielen männerfeindlichen Beiträgen oder Beiträgen, die die Benachteiligung von Männern (haha!) negieren oder nachweislich Unwahres als Fakten verkaufen. Also einfach sogenannte feministische Beiträge. Und ich lese den Blog weiter, nicht weil ich mich gerne ärgere. Nur wenn ich aufhöre zu lesen, weil mich das gelesene ärgert, weil es z. B. unwahr und ungerecht ist und es sich zum Verhältnis der Geschlechter im weitesten Sinne äußert, kann ich keine Zeitung mehr, ob on- oder offline, lesen. Überrascht sie in Wahrheit vielleicht nicht viel mehr, dass Männer gegen Ungerechtigkeit opponieren, wenn sie (die Männer) selbst betroffen sind, auch wenn sie sich als Frau eigentlich benachteiligt fühlen, weil man ihnen das seit je her einredet oder, seltener, sie es wirklich sind? Neben den Männern, die ihr traditionelles Rollenbild verteidigen, gibt es zunehmend Männer, die sich auch als Opfer des bestehenden Systems begreifen, selbst wenn dieses Opfersein recht abstrakt sein mag, etwa wenn es darum geht, dass Männer aus sozioökonomischen Gründen deutlich früher sterben als Frauen oder einfach, weil sie für Männer eintreten, die ganz konkret Opfer sind. Diese Männer haben gute Gründe sich zu äußern, denn im Moment läuft alles gegen den Mann und selten etwas für ihn (Rente mit 63). Wenn letzterer Fall eintritt, darf man sich eines Aufstands der Feministen oder zumindest einiger sexistischer Kommentare von Feministen gewiss sein. Warum sollen sich Feministen zu Artikeln im Blog äußern? Nach ihnen richtet sich zunehmend die Welt oder wenigstens die Politik und die mediale Öffentlichkeit. Feministen schreiben selten Kommentare zu Blogs. Sie schreiben Blogs. Sie stehen auf der anderen, der mächtigeren Seite. Wir werden weiter Beiträge schreiben, so lange sich unsere Befürchtung, nicht Erwartung, bewahrheitet und die, die sich feministisch nennen, weiter Benachteiligung nur als Benachteiligung der Frau akzeptieren. In diesem Sinne wünsche ich mir mehr Interaktivität, weil im direktem Diskurs der Feminist oder die Feministen bei den meisten Themen des Feminismus den kürzeren ziehen.

    • Nach Feministinnen richten sich Welt und Medien?
      Wow. Ich lese seit vielen Jahren regelmässig SPIEGEL, ZEIT, economist oder FAZ. Bisher fühlte ich mich nicht von Feministinnen verfolgt, geschweige denn, überwältigt. Deren berechtigte Anliegen pro Frau in der Vergangenheit sind weitgehend erfüllt (gleiche Rechte), seitdem kämpfen sie um einen höheren Frauenanteil an Macht oder eine stärkere Berücksichtigung frauenspezifischer Probleme. Aber die Welt richtet sich nach Feministinnen? Oha …

      Gruss,
      Thorsten haupts

    • Naja, Herr Haupts, da ist etwas dran...
      Nehmen wir mal das Beispiel Alice Schwarzer:

      die wurde zu einem Talkshow-dauergast OHNE nennenswerte Themenqualifikation, aber als Quotenhebender „Brandbeschleuniger“ einige Prozentpunkte zusätzlich einfahrend (steht damit allerdings nicht allein) und bekam damit für ihre steilen Thesen und bisweilen auch verleumundungen (Kachelmann) ein Millionenpublikum.

      Zudem bekam schwarzer in Köln den zuvor ALLEN Bürgern zugänglichen Bayenturm (auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten) zugeschanzt, unter dem Deckmantel einer von Stadt und Land bezahlten „Frauenbibliothek“, die jedoch nicht nur keinem Mann, sondern auch nicht frei für Frauen zugänglich war – und wohl auch keine war.

      Allmählich sprach sich herum, daß dort nun die „Emma-Redaktion“ eingezogen war (früher hätte ich noch verständnisvoll „vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen in harten Zeiten“ gesagt – angesichts siebenstelliger hinterzogener steuern sehe ich das jetzt eher als illegitime Zwangssubventionierung der person Alice Schwarzer) … schliesslich gab es bei der egomanen Schwarzer-zeitschrift Rauswürfe von Feministinnen zeitgemäßeren Zuschnitts im typischen GutsHERRENstil von Alice Schwarzer. Das war dann sogar mal kurz Thema im Landtag, aber da war Schwarzer bereits „too big to fail“ und ließ sich gerne von dem angeblich zuvor bekämpften Establishment in die Liga der erfolgreich korrumpierten Opposition integrieren und damit Machtstrategisch neutralisieren (wobei sie weiterhin von Freund und Feind total überbewertet wurde) .

      Schliesslich wurde dann damals bekannt, daß alles dafür sprach, daß Schwarzer im in exquisiter Rheinlage befindlichen Bayenturm (Teil der wenigen Stücke der erhaltenen alten historischen Stadtmauer Kölns) inzwischen ihre PRIVATgemächer aufgeschlagen hatte.

      Im Grunde das klassische Macho-Verhalten der Politik, diese Schwarzer-Karriere…

      Wenn ich mir anschaue, wie selbst scheinbar rationale Politiker die absurde Quotenregelung fordern und was so alles an Meinungsmache geschieht, so kann man schon zu der von Herrn Haupts angezweifelten these kommen – auch, wenn es zunächst eher im rahmen der in Deutschland aus bekannten Gründen herrschenden Nachkriegsvariante des Stockholm-syndroms geschieht und Männer um die Machtübernahme durch Frauen betteln, um geliebt (=einigermaßen als willfährige Trottel toleriert) zu werden.

      Es gibt das alte „Bonmot“ zu den 3 Phasen einer Ehe:
      1) Kampf um die Vorherrschaft
      2) Kampf um Gleichberechtigung
      3) Kampf ums Überleben

      Frauen haben lange diese Phasen von 3) nach 2) hinter sich gebracht – wir sind bereits in Phase 1)

      Und da gibt es Bedarf an Frauen, die es besser machen, als es Männer über Jahrtausende machten, indem sie trotz der Macht diese gegenüber Männern NICHT ausspielen.

      Damit ist der „zukünftige gesellschaftliche Bedarf“ an weiblichen aufgeklärten Bürgern ebenso aus meiner Sicht formuliert wie es eine Aufforderung an die Männer ist, nicht vom Patriarchat über die Zwischenphase eines Gleichgewichts in das Matriarchat abzugleiten.

  6. Habe ein schönes Beispiel für das Anliegen der Autorin(nen) gefunden...
    Habe soeben den (m.E.n. sehr guten) Artikel von Frau Lenzen-Schulze „Eine gute Mutter macht ein Womb-Selfie“ hier in der FAZ gelesen.
    Und da man ihn nicht mehr kommentieren kann, machte ich es hier, weil es thematisch gut passt.

    Es geht um folgendes Zitat:

    >>Derart historisch legitimiert, hat die Verselbständigung des Föten, unterstützt von immer mehr Abbildungen aus dem Leibesinnern, an Fahrt aufgenommen und ihn von der werdenden Mutter mehr und mehr entfremdet. Die Schwangere wurde als bloßes Gefäß schließlich zur passiven Randerscheinung des Geschehens Schwangerschaft. Wenn sich die Frauen nun auch noch der „zeitweiligen Deformation des Körpers zur Arterhaltung“ entziehen und Leihmütter engagieren, ist das nur konsequent.<<

    Im Artikel (eigentlich in erster Linie eine Buchrezension) wird erst beschrieben, wie FRAUEN SELBER diagnostischen Ultraschall mit seinen wunderbaren und die Freude und Kindsbindung erhöhenden Bildern genießen, ihn inzwischen mainstreammäßig nutzen und sogar in die EIGENVERMARKTUNG einbinden – oder vielleicht eher das Kind bereits intrauterin für ganz egomane Zwecke instrumentalisieren??

    Mein letzter Halbsatz kommt der Autorin eher nicht in den Sinn – nein, sie beschreibt im o.a. Zitat die Frauen als OPFER, obwohl sie AGIEREN.

    Für mich so eine Art klassischer Vorzeige-"Freudscher Verschreiber" aus weiblicher Hand in Zeiten zunehmend einseitigem Mainstream-Meinungsterror mit vorgegebenem pauschalem Täter-Opfer-schema (ich schätze Frau Lenzen-Schulte, ich sehe sie eher als unbewusstes Opfer – bitte nicht falsch verstehen) .

    In diesem Abschnitt ihres Artikels zeigt sich, dass die feministische Gehirnwäsche unserer Gesellschaft bereits so tief und unbewusst in den Köpfen verankert wurde, daß es sogar einer Journalistin leicht passiert und es nicht einmal beim (vermutlich mehrfachen) Gegenlesen auffällt.

    Dieses Phänomen ist gleichzeitig schockierend und faszinierend.
    Ich persönlich sehe da starke Ähnlichkeiten mit dem früher unreflektiert benutzten, rassistischen Wort "Neger" (oder dem heutigen, ebenso unreflektiert benutzten und herabwürdigenden PC-Wort "Natur"Völker anstelle von "rechtmäßige Landbesitzer" oder besser: "ungefragte und ungewollte Gastgeber") .

    (*) eine Zusatzbemerkung zum Artikel als PS

    Diese gesellschaftlichen Gehirnwaschaktivitäten sind in allen Bereichen aktiv.

    Kaum eine Frau, geschweige denn Feministin, aus der "FRauen-Szene" hat Schwarzer angegriffen oder zumindest in ihre Schranken verwiesen , als sie sich in der ihr eigenen Größenphantasie mal eben zur "Gerichtsreporterin" aufschwang, um gegen gutes Geld und mit Lug und Trug dazu beitrug, einen anderen Medienliebling persönlich und wirtschaftlich HINZURICHTEN. Oder wenigstens die dubiosen Behauptungen des vermeintlichen Opfers entsprechend der zutage getretenen FAKTEN und Widersprüche und der selbstvermarktung des "Opfers" fairerweise infrage zu stellen.

    Alice Schwarzer behauptete sogar wörtlich es gehe in dem Prozess und die prinzipielle Frage, "ob Vergewaltigung in der Ehe rechtens ist" … was sowohl angesichts der schlichten Tatsache, daß die beiden Personen nicht verheiratet waren, als auch der Tatsache, daß Vergewaltigung in der Ehe ebenso unter Strafe steht, sachlich-inhaltlich falsch und eben nur hasserfüllte Propaganda ist.

    NIRGENDWO habe ich gelesen, daß Feministinnen Schwarzer dafür massiv kritisieren, daß sie regelmäßig ausgerechnet in der BILD schreibt, wo doch auf der berühmten Seite 3 über Jahrzehnte in primitivster Art halb nackte Frauen als wirkliche Dummchen und sexuelle Objekte vorgeführt wurden und die reaktionäre "Heimchen am Herd"-Ideologie weiter betrieben wird.

    NIEMAND der Szene hat sich aufgeregt, als Schwarzer Millionen steuern hinterzog, die damit notwendigerweise für die Bezahlung der von ihr selber berechtigt geforderten Strukturen wie Kitas und FAIR bezahltem Personal GESTOHLEN wurden…

    Und so sind wir inhaltlich bereits beim zweiten Teilaspekt angekommen: Ich habe jetzt gezeigt, wie ein Mann solche Artikel liest und welche Assoziationen damit durch die weiblichen Autorinnen bei ihm aktiviert werden. 😉

    Am Schlimmsten sind jedoch die männlichen Autoren zu Gender-Themen , die in einer Zeit aufgewachsen sind, die dazu führte, daß sie sich sogar noch schämen, wenn sie im Wald im Stehen pinkeln müssen, weil es kein Klo gibt….. die haben eine der schlimmsten Formen des Stockholm-Syndroms… -:D

    Der einseitig Parteiergreifende, kriegerische Feminismus der überholten Epoche einer Alice Schwarzer sollte allmählich einer AUCH und ENDLICH seitens der Frauen angestrebten "Bürgerrechtsbewegung zum besseren Zusammenleben zwischen den Geschlechtern" treten. Logischerweise mit Mitgliedern aus beiden Geschlechtern – hier wäre ich sogar ausnahmsweise einmal versucht, eine Quotenregelung in solch einer Struktur zu propagieren, denn sie hat in diesem speziellen fall mehr als nur symbolische Bedeutung.

    Das würde dann evtl. auch dazu führen, daß ich mich nicht als Täter und "total out" bzw Randgruppe fühle – nur, weil ich ein Mann – und straferschwerend auch noch zusätzlich heterosexuell – bin.

    Dafür möchte ich selbstverständlich wie heutzutage üblich bereits im Voraus als "Disclaimer" um Verzeihung bitten…

    (*) PS:
    Noch zum Artikel von Frau Lenzen-Schulte:

    Ich habe tausende von glücklichen Paaren gesehen, die BEIDE die Frau NICHT als "Gefäß" ansahen.
    Es gibt aber immer mehr Frauen, die FREIWILLIG ihre Eier IN GEFÄßEN ABFÜLLEN LASSEN oder "Leihmütter"-Dienstleister beschäftigen – nicht aus dem verständlichen Grund, weil sie Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden, sondern, weil sie der Karriere den Vorrang geben.

    Und ich sehe regelmäßig Frauen, die das in ihnen en

  7. Naja ich lese das, was da steht
    „Lesen Männer anders? Wie lesen Sie, lieber Leser, dieses Blog?“

    Jetzt sehe ich mir doch mal die alten Artikel an:

    – „Freiheit, die ich meine“ von der Vorsitzenden der Grünen, Inhalt: Forderung nach Frauenquote und das Männer gefälligst zugunsten von Frauen verzichten sollen
    – „Frauen zahlen Gebühren, Männer machen Fernsehen“ Inhalt: Forderung nach Frauenquote und das Männer gefälligst zugunsten von Frauen verzichten sollen

    Und jetzt der neueste Artikel:
    – „Feministinnen streiten. Endlich!“ Daraus: „Backlash-Kohorte von ressentimentgeladenen Maskulisten“ Beleidigung von Männern, die die Forderung nach Frauenquote und das Männer gefälligst zugunsten von Frauen verzichten sollen nicht teilen.

    Also wenn es um das Thema „Gleichberechtigung“ geht lese ich wie Sie schreiben “ „Einseitiger Frauenlobbyismus“; „Benachteiligung von Männern“; Frauen, die „Jungen generell in der Täterrolle sehen““. Nicht ein Artikel in dem über die Vorteile, die Frauen haben, geschrieben wird.

    Ich lese als Mann, das was da steht, aber wie lesen Sie das? Und wie würde ein Neutrum das lesen?

    • Wie ein Neutrum das lesen würde, interessiert mich – solange es keine gibt – nicht besonders. Aber zu ihren anderen Fragen: Natürlich gibt es Beiträge, die eine Quote fordern. Es gibt aber auch Beiträge wie Heike-Melba Fenders Ehrenrettung des Sugar-Daddys („Der will doch nur zahlen“).

      @Wie lese ich das? Ich würde nie argumentieren, dass jemand zugunsten von jemand Anderem verzichten soll – Katrin Göring-Eckardts Text habe ich eher so gelesen, dass wir alle auf Bestimmtes verzichten, weil es beispielsweise unseren Planeten und damit unser eigenes Leben oder mindestens das späterer Generationen gefährden würde, es zu tun; in Bezug auf die Aufteilung von Familienarbeit scheint mir, dass es im Privaten immer eine Frage der Aushandlung zwischen den Wünschen beider Elternteile ist (und da ist für mich völlig irrelevant, welches Geschlecht beide haben), gesellschaftlich wird sich glaube ich erst dann etwas bewegen, wenn es kein Aufruf zu „Abgeben“ ist, sondern Männer zunehmend das Gefühl haben, auch mehr Zeit mit Kindern zu wollen, auch mehr Freiheiten in der Gestaltung ihrer Arbeitszeit haben zu wollen, etc.

      @Maskulisten: Nicht alle, die gegen die Quote oder Forderungen nach „Verzichten zugunsten von“ sind, sind Maskulisten. Aber alle Maskulisten, die ich bislang gelesen habe, teilen die Welt in „für Männer“ und „gegen Männer“, wobei nicht explizit für Männer automatisch gegen Männer ist. Mir leuchten diese Gegenüberstellungen nicht ein, weil ich (mit einigen anderen hier) davon ausgehe, dass viele andere Zugehörigkeiten wichtiger und einflussreicher sind als die Zuordnung Mann-Frau, und weil ich davon ausgehe, dass alle gesellschaftlichen Rollen mit Vor- und Nachteilen für die Beteiligten einhergehen. Anders gesagt: In gewisser Weise verliert man immer etwas für das, was man erstreitet – egal ob als Mann, als Frau, als Arbeiterkind, etc.
      Gruß
      H. Dietz

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