Ich. Heute. 10 vor 8.

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Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Feministinnen streiten. Endlich!

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Warum der Streit um die Zeitschrift "Emma" und ihre Twitter-Aktion ein gutes Zeichen für Gender-Debatten ist.

+++ Ein Jahr Ich. Heute. 10 vor 8. +++ Wir schreiben täglich +++

© Yukari, CC BY-SA 2.0Kuscheln und Dösen

Gelegentlich befällt mich ein geradezu einschläfernder Überdruss an Gender-Debatten. Gewiss, es gibt viele kluge Texte und engagierte Stimmen in der Öffentlichkeit, in den Medien, im Internet, und es gibt auch leider unendlich viele immer noch höchst akute Themen – von den bedrückenden Statistiken über sexuelle Gewalt über die Chancenungleichheit bis ganz runter zur pinken Prinzessinen-Erziehung.

Aber der Kleinkrieg, der im Internet mittlerweile zwischen Feministinnen und einer immer lautstärkeren Backlash-Kohorte von ressentimentgeladenen Maskulisten tobt, ist zermürbend.

Und das ewig gleiche und stets ungelöste Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das die Politik sich seit ein paar Jahren gerne auf die Fahnen schreibt, langweilt mich zusehends. Vielleicht, weil mein Alltag gerade einigermaßen organisiert, meine Kinder angemessen ernährt und bekleidet, meine Arbeitssituation einigermaßen erträglich (und sehr vereinnahmend) und die Abwaschfrage bei uns zu meinen Gunsten geregelt ist? Aber vielleicht auch, weil die Abarbeitung an jahrzehntelanger CDU-Politik und Hausfrauenehe-Idealen (bis 1977 waren das übrigens nicht Ideale, sondern Gesetze), als die die „Frauenfrage“ hierzulande immer auch daherkommt, angesichts der aktuellen Kriege und Katastrophen und dem daraus resultierenden Elend wirklich etwas klein wirkt.
Sicher, man muss solche Fallhöhen aushalten. Es bringt nichts, Ungerechtigkeiten gegeneinander auszuspielen. Wenn es dem Feminismus um eine mit Blick auf die Geschlechter gerechtere Welt geht, dann machen ihn andere Ungerechtigkeiten noch lange nicht falsch. Aber die Frage „wie bleibe ich Feministin“, die Marlene Streeruwitz so schön formuliert (wenn auch nur anekdotisch beantwortet) hat, stellt sich mir im Alltag doch immer wieder.

Aus meinem leichten feministischen Dösen wurde ich in den letzten Tagen allerdings wieder einmal ein bisschen geweckt. Bezeichnenderweise von einem kleinen Aufruhr, der sich zunächst in den Tiefen der sozialen Netzwerke abspielte und der sich an der für den Weltfrieden ebenfalls sehr nachrangigen Frage aufhängte, was die feministische Zeitschrift „Emma“ uns bedeutet.
Die „Emma“ hatte auf Twitter den Hashtag #EMMAistfuermich lanciert, und bekam dann neben den positiven Rückmeldungen ihrer Leserinnen plötzlich im unberechenbaren Twitterversum relativ viel Gegenwind. Nicht nur die lautstarke „Maskulisten“-Szene schrieb unter dem Hashtag unschöne Sachen über den Feminismus im Allgemeinen und über die „Emma“ im Besonderen, sondern auch sehr viele Feministinnen nutzten die Gelegenheit, die Emma heftig zu kritisieren. Als autoritär, bevormundend, gestrig, um nur einige der netteren Adjektive zu nennen.

Dann folgte der übliche mediale Nachklapp auf solche Twitter-Stürme: andere Medien berichteten nicht ohne Schadenfreude über den Hashtag, der „nach hinten los“ ging, die „Emma“ reagierte daraufhin einigermaßen eingeschnappt und griff ihrerseits die sogenannten „Jungfeministinnen“ nicht gerade zimperlich an. Und während andere noch munter ihren Feminismus vom „Schwarzer-Feminismus“ abgrenzten, erhoben sich bereits die ersten Stimmen, die den Vorgang im Sinne der Frauensolidarität fragwürdig fanden und die stets souveräne Antje Schrupp nutzte die Debatte für eine prinzipielle Reflexion über die Ziele des Feminismus.
(Der vorläufig letzte und absurdeste Dreh: vor zwei Tagen schrieb der des Feminismus unverdächtige Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer ein pro Alice Schwarzer, auf das die „Emma“ dann im Rahmen ihrer wiederum vorläufig letzten Reaktion, einer „Chronik des Shitstorms„, positiv verwies…)

Alles höchst merkwürdig und teilweise auch ein bisschen unwürdig. Was mir an dem ganzen Vorgang aber anregend vorkam, ist genau das, was viele als Problem wahrgenommen haben, nämlich die wirkliche Verwirrung der Verhältnisse: konservative Kolumnisten sprangen Alice Schwarzer gegen die Netzfeministinnen bei, während auf Twitter reaktionäre „Maskulisten“ und Feministinnen gemeinsam die „Emma“ zum Zerrbild des Feminismus erklärten und von der „Emma“ im Konterangriff auch in einen Topf geworfen wurden als „Freunde von Prostitution, Burka sowie die Maskulisten“ (Prostitutions- und Kopftuchdebatte sind seit Jahren zentrale Streitpunkte zwischen Alice Schwarzer und den meisten anderen Feministinnen). Das kann man furchtbar finden, oder komisch. Was es auf jeden Fall zeigt, ist die Breite möglicher feministischer Positionen.

Vor zwei Jahren noch beklagte die Historikerin Mirjam Gebhardt in ihrem Buch „Alice im Niemandsland“, der Feminismus sei in Deutschland zum „Ein-Punkt-Programm“ geschrumpft, weil Alice Schwarzer einen „feministischen Erbhof“ unterhalte und bedauerte das Fehlen einer breiter aufgestellten feministischen Diskussionsgemeinschaft. Gerade der Streit, der zwischen der „Emma“ und den „Netzfeministinnen“ immer wieder ausbricht, und den man als Generationenkonflikt im Feminismus analysieren kann, oder aber treffender als Streit zwischen grundverschieden ausgerichteten Formen des feministischen Denkens, zeigt aber, dass es eine solche sehr wohl gibt. Und das finde ich ermutigend. Auch wenn die gegenseitigen Angriffe nicht gerade von Zartgefühl getragen sind. Aber eine breite feministische Szene kann eben auch nicht nur breites feministisches Kuscheln bedeuten. Ich persönlich bräuchte es zwar nicht immer ganz so polemisch, es müsste der anderen Seite meiner Meinung nach nicht immer gleich der Feminismus in toto abgesprochen werden, ich fände auch ein bisschen mehr Leichtigkeit und Humor und etwas weniger Rechthaberei ok.
Aber die Härte, mit der gestritten wird, zeigt doch auch, dass es um etwas geht. Und am Streit über das, worum es geht, kann man seinen Blick und seine Argumente schärfen. Nicht nur für den Feminismus und die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch für anderes gesellschaftliches und politisches Unrecht auf der Welt.

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60 Lesermeinungen

  1. Im Schulterschluss mit den reaktionärsten Elementen des „männlich-weiß-westlichen Subjekts“
    „Nicht nur für den Feminismus und die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch für anderes gesellschaftliches und politisches Unrecht auf der Welt.“
    Ja, aber das ist es doch genau. Wo kämpft denn eine Frau Schwarzer gegen „gesellschaftliches und politisches Unrecht auf dieser Welt“? Während sie Beate Klarsfeld mit pseudofeministischen Argumenten recht vordergründig zu desavouieren sucht, wo doch Frau Klarsfeld als Antifaschistin und nicht als Feministin bekannt ist, sucht sie den Schulterschluss mit den reaktionärsten Vertretern des deutschen Kapitals, welche sich selbst „Jakobiner“ nennen, im Kampf gegen ihre Kopftuch tragenden Geschlechtsgenossinnen. Und während sie vorgibt dabei für die Würde dieser Frauen zu streiten, jener die da freiwillig oder nicht das Kopftuch tragen, steigt ihr nicht der feministische Kamm, ob des öffentlich geäußerten Bekenntnis‘ einer so „Schönen“ wie Skrupellosen aus den Reihen der FDP zu ihrem „schönen Körper“, den sie auch „einsetze, wenn es ihr nütze“. Sie saß direkt neben ihr, und schien sichtlich angetan. Und diese Frau will gegen die Prostitution ankämpfen (http://blog.herold-binsack.eu/2012/03/durchschaubare-alice-schwarzer)?!
    Was sich hier zeigt, ist leider nicht ein Diskurs innerhalb des feministischen Lagers, so wichtig ein solcher tatsächlich wäre, denn das Subjekt prekarisiert nicht nur, nein, es tarnt sich in der Farbe Lila, sondern die Verkommenheit des bürgerlichen Feminismus, welcher sich im Übrigen, und sei dies auch nur als Anekdote, ob einer Frau Schwarzers Steuerhinterziehungsaffäre, als ein offenkundig großbürgerlicher blamiert. Und das großbürgerliche Lager repräsentiert in keiner Frage eine fortschrittliche Seite, auch und schon gar nicht in dem angeblichen „Kulturkampf“. Das konservative Bürgertum ist daher für Frau Schwarzer schon die richtige Referenz. Und während dieses Bürgertum so tut, als würde es „universelle Werte“ – http://blog.herold-binsack.eu/2014/10/universelle-werte/ – verteidigen, westliche Werte vorgeblich, profitiert es von der Zerschlagung eben derselbigen. Während es zusammen mit den Liberalen so frech wie aggressiv die „neue Weltordnung“ verkündet (in den USA sind die Konservativen und die Liberalen nicht von ungefähr als Neocons vereint!), lässt es seine vorgeblichen Feinde, die „Islamisten“ für sich die Drecksarbeit – http://blog.herold-binsack.eu/2014/10/der-is-macht-die-drecksarbeit/ – machen. Und auch der bürgerliche Feminismus einer Frau Schwarzer gehört nunmehr zu diesen „nützlichen Idioten“.
    Frau Schwarzer ist Partei, nicht für die unterjochte Frau des kapitalistischen Patriarchats, nicht für das „Nichtsubjekt“ (Roswitha Scholz) gegen das „männlich-weiß-westliche Subjekt“ (Robert Kurz), sondern als Teil dieses Subjekts, welche auch Kreide fressen würde, um an der Macht zu bleiben. Im Übrigen ist dieser Feminismus Ausdruck der Entwicklung des Kapitalismus hin zu einem androgynen Subjekt, welches Bornemann schon vor Jahrzehnten, als einziger damals, so hervorragend beschrieben hat (Das Patriarchat – http://blog.herold-binsack.eu/2014/11/wenn-das-weib-in-125000-jahren-unter-sich-ist/). Der Feminismus ist also Teil des bürgerlichen Diskurses, gegen den revolutionären, den antikapitalistischen Diskurs.

    • Gibt es dafür eigentlich einen Textomaten? Jeder nicht streng antikapitalistische Einsatz ist doch
      Teil des bürgerlichen Diskurses, also kann man Ihren Beitrag mit geringen Änderungen auf praktisch alle bürgerlichen Diskurse anwenden (was auch immer das sein soll heutzutage).

      Hmm, mal gucken, ob ich einen Programmierer finde, der meine Idee umsetzt – danach liefert der Textomat mindestens einen marxistischen Kommentar pro Beitrag ab, und das schneller, als Sie.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Zizek könnte weiterhelfen
      Bei Ihren Versuchen um Aufmerksamkeit zu buhlen, waren Sie auch schon origineller, Herr Haupts. Apropos „bürgerlicher Diskurs“, wie war das mit dem Brett vorm Kopf, philosophisch etwas freundlicher ausgedrückt – dem „blinden Fleck“? Lesen Sie das hier: http://blog.herold-binsack.eu/2011/01/spiegelverkehrtes-denken/! Zizek könnte Ihnen auch weiterhelfen, wenn Sie ihn verstehen.

    • Mann. Lernen Sie doch bitte mal, wenigstens anständig zu polemisieren. Aufmerksamkeit, my ass.
      Wir schreiben hier selbstverständlich alle, um vollständig ignoriert zu werden, oder was? Wenn schon ein vernichtender Rundumschlag, dann aber bitte richtig. Textvorschlag:

      „Für Ihre Lese- und Denkschwächen, lieber Herr Haupts, bin ich doch gar nicht zuständig? Es war auch ohne erbneuten beweis kbekannt, dass Sie eine starke Wahlverwandschaft zu Automatismen und Routinen umtreibt, entsprechend mechanistisch wirkten ihre Argumente schon in der Vergangenheit. Da liegt der Schritt zum Textautomaten natürlich nahe, dem Programmierer wird die Arbeit erheblich erleichtern, dass er sich an den eindimensionalen Wiederholungsschleifen ihres kleinbürgerlichen Argumentersatzbetriebes orientieren kann.“

      Oder so ähnlich. Ist ja furchtbar, wenn nicht mal mehr Marxisten richtig holzen können.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  2. Das zweite Jahr fängt ja gut an: Ein Beitrag über Beiträge über Twitter-Lüftchen mit dem Ausbli
    auf weitere Beiträge zu diesen Beiträgen. Heissluftmaschinen im overdrive, Hauptsache feministisch. Die Härte, streiche, Gnadenlosigkeit, mit der gestritten wird, ist übrigens ein Beleg dafür, dass es um nichts geht. Ginge es wirklich um etwas Substabtielles, würden sich die Beteiligten auf gemeinsame Minimalziele einigen, um überhaupt irgendetwas zu erreichen (kurzer historischer Rückblick auf die Sozialdemokraten des 19. Jahrhunderts).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Schokolade?
      Ach, guten Morgen Herr Haupts! Auch schlecht geschlafen? Soll ich Schokolade schicken?

    • Heissen Kaffee bitte. Mit etwas Milch und Zucker.
      Süss und stark. Wie der „Netzfeminismus“.

      Womit darf ich mich revanchieren?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Rotwein...
      …wäre schön. Laudanum ginge auch

    • Einen Garda Classico Rosso DOC Negresco vielleicht?
      Und wohin soll er geliefert werden?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  3. Auf den Gegenwind gegen Frau Schwarzer warte ich schon lange meine Damen!
    Ich kanns ja nicht machen, aber mir schien doch in den letzten Jahren, dass hier eine One Woman Show mit Deutungshoheit gespielt wird! Auf geht’s!

  4. Wirklich ein Fortschritt wäre es
    wenn sich FeministInnen endlich mal auf sachlicher Ebene mit Kritikern auseinandersetzen. Regelmäßig werden -sachliche, aber sicherlich kritische – Beiträge auf entsprechenden Foren zensiert. Und anerkennen, dass es letztlich sexistisch ist ausschließlich für den Vorteil für einen Teil der Bevölkerung, Frauen, einzutreten. Besser wäre es den Mensch und seine Not im Auge zu haben, egal welchen Geschlechts. Der Disput hier rüttelt – leicht – am Alleinvertretungsanpruch von A. Schwarzer. Gut so. Ein Anfang, aber ein ganz kleiner.

    • Nur als Empfehlung: Sie sollten vielleicht alles, was im Netz unter Feminismus läuft, nicht
      für ausschlaggebend, nicht für repräsentativ und möglicherweise nicht einmal für ausreichend relevant halten. Da kreisen zum Grossteil spätpubertär Gestörte in geschlossenen und ichbezogenen Selbstverstärkungszirkeln um ihre Befindlichkeiten.

      Ich habe einen langen Ausflug in die Twitter- und Blogszene des Netzfeminismus hinter mir. Was bei mirr bleibt, ist weder Empörung noch irgendeine Form von Furcht. Sondern im kern Mitleid. So jung, so dumm, so bündnisunfähig, so argumentationsarm, so selbstwidersprüchlich, so wird das nichts.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  5. Kleine satirische Zwischenbemerkung erlaubt?
    @Hrn. Binsack
    Egoismus besteht nicht darin, dass man sein Leben nach seinen Wünschen lebt, 
    sondern darin, dass man von anderen verlangt, dass sie so leben, wie man es wünscht. 
    Oscar Wilde

    @Hrn. Haupts
    Wer den Kopf verliert, der beweist nicht, dass er vorher einen hatte.
    Anonym

    …aus eigener Erfahrung…es gelingt mal mehr, mal weniger gut, die beiden Zitate zu leben.
    …“immer“ den eigenen Kopf zu behalten und ausschließlich „mein“ Leben nach eigenen Wünschen zu leben; weil „ungebremste“, unbedachte (Bewußt-sein-lose) Gesellschaftsnähe dann der/den Gesellschaft/en, die Chance bietet, ihren Gesellschaft/en (z.B.Feminismusgesellschaft)-Idealen-(Problem-)Egoismus um so größer in mir entfalten zu können…und der schöne Seelenfrieden ist hin.
    :=)

  6. Die ueblichen Legenden im ersten Absatz setzen den Artikel schon auf die falsche Schiene!
    ‚…bedrückenden Statistiken über sexuelle Gewalt über die Chancenungleichheit bis ganz runter zur pinken Prinzessinen-Erziehung…‘

    Woher kommt das? Auf welche Statistiken beziehen Sie sich und sind die haltbar (oder lanciert)?

    Die ausschliessl. weiblichen Vorreiter des sog. ‚Factual Feminism‘ haben eigtl. schon aufgeklaert:
    1. Zur sexuellen Gewalt – Befassen Sie sich bitte mit dem Begriff ‚Gender Symmetry‘
    2. Chancengleichheit – einfach mal ‚myth bust pay inequality‘ eingeben – gute Unterhaltung!
    3. Erziehung – Meine Nichten (1 und 3) waren unlaengst enttaeuscht als ich nix rosarotes mitbrachte.

    Diese Legenden muessen endlich aufgearbeitet warden! Freue mich auf Ihre Stellungnahme.

    • Legenden...
      …kann man in jede Richtung stricken…

      1+2 sind wohl etablierte Motive der antifeministischen Maskulisten-Szene. Trotzdem eine ernste Antwort zumindest auf 1: ich bezweifle zwar, dass Frauen gleichviel SEXUELLE Gewalt an Männern üben, wie umgekehrt Männer an Frauen, aber ja, es gibt auch viel Gewalt gegen Männer, auch von anderen Männern. Gewalterfahrungen von Männern sollte man nicht klein reden. ich finde es schon im Ansatz falsch, aufrechnen zu wollen, wer mehr oder weniger Gewalt erfährt, um dann die Gewalterfahrungen der einen oder anderen Gruppe zu relativieren, anstatt Gewalt in jeder Form und jeder Ausübung zu problematisieren.

      und zu 3: ja, viele kleine Mädchen haben einen Pink-Fimmel. Hat aber – trotz der Arbeiten des Komikers Simon Baron-Cohen – nichts mit Biologie zu tun, sondern viel mehr mit dem, was die anderen in der Kita anhaben. Pink als Mädchenfarbe ist heute v.a. eine kommerzielle Erscheinung – keine historische Invariante…

    • Und, ist an pink was auszusetzen?
      Wenn ich das Kind nicht gegen seinen Willen pinke Sachen anziehe, was stört’s? Inwieweit Geschmack genetisch oder anerzogen ist, ist meines Wissens nach noch nicht endgültig erforscht. Wenn es anerziehbar ist, welche Farbe man mag, ist dann da was schlimm dran, wenn man Mädchen rosa antrainiert? Hauptsache das noch kleine Individuum wird glücklich. Hauptsache keinen Zwang bei so einen unwichtigem Zeugs. Es gibt Wichtigeres. Wie beispielsweise Moral. Diese hilft ein gutes Auskommen mit den Mitmenschen und eine Willkommenskultur für nachfolgende Generationen zu errichten.

    • gar nichts...
      …ich mag die Farbe persönlich nicht besonders, aber natürlich ist daran gar nichts auszusetzen. kleine Kinder müssen keinen guten Geschmack haben. und wenn es sie glücklich macht – klar, warum sich widersetzen. die allermeisten kommen aus ihrer Rosa-Phase auch relativ bald wieder raus (habe ich mir mindestens sagen lassen und hoffe noch…)
      was ich eher problematisch finde – nebst der Kommerzialisierung auf Pink-Hellblau, die bewirkt, dass man für die beiden Geschlechter alles doppelt und unterschiedlich kaufen soll – ist was damit an Kitsch und Prinzessinnen-Idealen einhergeht. also das Erziehen von kleinen Mädchen hin zu sehr stereotypen Vorstellungen von Weiblichkeit und weiblichem Verhalten…

    • Frau Newark, die Minderbezahlung von Frauen IST ein Mythos, dazu gibt es ausreichend seriöse Artike
      gerne dürfen sie mir jedoch auch nur EINEN EINZIGEN Tarifvertrag zitieren, in welchem der Tarif für Männer von dem der Frauen abweicht.

      der Mythos von den armen unterbezahlten Frauen (für GLEICHE ARBEIT) wird durch die 2789929390ste missionarische Wiederholung auch nicht wahrer.

      seriöse Untersuchungen haben die angeblich so drastischen Unterschiede auf wenige Prozente schrumpfen lassen. Diese restlichen Unterschiede sind mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit dadurch bedingt, daß Frauen mehr Freizeit und andere, geldwerte, aber in den manipulativen gender-Studien unter den Tisch gefallene freie verhandlungs- und vertragspunkte bevorzugen.

      Übrigens ist es interessant, daß in feministischen Kreisen ausschliesslich Kindesmisshandlung/tötung durch Männer als Straftaten diskutiert werden, aber Täterinnen wie selbstverständlich trotz allem immer nur OPFER der Männer, schlimmstenfalls unverschuldet psychisch krank sind – sonst bleibe die Erde aus der fundamentalistisch-feministischen Sicht ja auch möglicherweise keine Scheibe, nicht wahr?

      Oh je – was für ein schlichtes Weltbild so manche Frauen doch immer noch haben…

      Und der Austausch von (früher teilweise existierender) negativer in (künftig sogar gesetzlich festgeschriebene) positive Diskriminierung („Quotenregelung“) bei der Stellenbesetzung ist ein Skandal.

      Das Motto der Feministinnen aus dem fundamentalistischen Lager: „Chromosomensatz vor Qualifikation“ – Glückwunsch.

    • Pappkameraden
      …ich lese hier nur Unterstellungen, was Feministinnen angeblich diskutieren oder behaupten…

      ich empfehle eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Materie…

    • Frau Newark,was ist an der konkreten unmissverständlichen Bitte , die Ungleichbehandlung von Frauen
      .. anhand von Textstellen in AUCH NUR EINEM EINZIGEN Tarifvertrag nachzuweisen, „Unterstellung“ ?

      Das ist eine ehrliche Bitte um Belegung IHRER Behauptung der Ungleichbehandlung von Frauen bei ihrem Gehalt. Vom „Pappkameraden“ Dirk Lehmann (Danke für Ihren höflichen Umgang)

      Ist eine Quotenregelung nun positive Diskriminierung oder nicht, wenn der männliche Bewerber qualifizierter ist, aber zufälligerweise weniger Frauen im Unternehmen sind?

      Sie weichen aus und „empfehlen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Materie“ – woher wollen Sie wissen, daß ich das nicht bereits gemacht habe, jedoch zu einem anderen Ergebnis als Sie gekommen bin? Ihre Antwort und die Bezeichnung als „Pappkamerad“ (zumeist ist sie ja noch wüster) ist leider ein absoluter Klassiker bei Diskussionen mit bestimmten Feministinnen.

      meine höfliche, einfache Bitte an Sie: Beantworten Sie doch einfach mal die drei Fragen, wenn Sie sich derart „ernsthaft mit der Materie auseinandergesetzt“ haben, lassen sie mich doch einfach an Ihrem so großen Wissen partizipieren. – Danke für die sicherlich profunden Antworten im Voraus!

      Hier noch einmal die Fragen:
      1) Wo wird in Tarifverträgen eine unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche Arbeit festgelegt?
      2) Ist die Bevorzugung eines Stellenbewerbers/in aufgrund seines Geschlechtes bei gleicher Qualifikation (positive Diskriminierung) mit dem Grundgesetz vereinbar ?
      3)
      a) Wie kann es sein, daß in der von Feministinnen so gerne zitierten genderstudie angeblich eine bundesweite Differenz von 20-30% der Gehälter zwischen Männern und Frauen BEI GLEICHER ARBEIT herauskommen, wenn davon in Tarifverträgen keine Rede ist?
      b) Wurden bei der Studie nur Brutto- oder Nettogehälter berücksichtigt oder auch die entsprechenden Arbeitszeiten in Relation gesetzt?
      c) Wurden bei der Studie auch geldwerte ANDERE Vergütungen/Belastungen berücksichtigt wie Teilzeit, Abrechnung über Arbeitszeitkonten, andere geldwerte Leistungen wie Zusatzversicherungen, KiTa, Ausschluss von Überstunden bei Frauen oder freiwillige Mehrarbeitszeit von Männern?

      Ach ja, noch eine 4. Frage:

      Wie erklären sie es sich, daß Wissenschaftler bei der kritischen Prüfung dieser Studie nach Bereinigung der Daten lediglich eine REALE Restdifferenz von um die 5% feststellten ?

      Ich warte auf Ihre fachkundige Antwort. Danke.
      Mit freundlichen Grüßen

    • nochmals ernsthafter
      die Rede von der Unterstellung bezog sich v.a. auf den etwas skurrilen Absatz mit den Kindesmisshandlungen, die Polemik vom „schlichten Weltbild“ etc.

      die ganze Debatte über den „Gender Pay Gap“: ja, das ist eine schwierige Materie, und es gibt keine einfachen Erklärungen.

      dass Sie heute einen Tarifvertrag finden werden, in dem steht „mit Penis 15% Zuschlag“ bezweifle ich auch.

      aber: selbst wenn es wie Sie schreiben nur 5% wären – das fänden Sie dann ok und gerecht?

      und noch ein Wort zur Quote: wenn wir davon ausgehen, dass es noch bis in die jüngste Zeit eine Männerquote gab (Chefs stellten bei gleicher Eignung bevorzugt Männer ein), dann halte ich es jetzt umgekehrt für sinnvoll, dass man das solange umkehrt, bis eine signifikante Anzahl von Frauen in Führungspositionen sind. die Quote ist eine Krücke, und als solche nichts Schönes. aber ohne geht es ja im Moment nicht so richtig voran.

      aber die Quote ist auch und gerade in feministischen Kreisen höchst umstritten, es gibt sehr viele, die da mit mir nicht einverstanden wären.

    • Sehr geehrte Frau Newmark, warum beantworten Sie nicht meine konkreten Fragen ?
      Um auf Ihre extrem ausweichende und aus meiner Sicht wenig substanzielle „Antwort“ einzugehen:

      Meine Formulierung vom „schlichten Weltbild fundamentalistischer Feministinnen“ entspringt meiner Enttäuschung über die extremistische UNTERGRUPPE der Feministinnen. Leider tragen Ihre beiden bisherigen Antworten nicht dazu bei, diese Erfahrungen korrigieren zu dürfen. Ich würde mich herzlich herzlich gerne diesbezüglich korrigieren MÜSSEN, KANN es aber zumindest in Ihrem Blog nicht.

      meine Fragen sind klar strukturiert und leicht verständlich, also sollte für es Jemand, die/der unbekannten Dritten generös von Oben herab den Ratschlag gibt, sich „ernsthaft mit der Materie auseinanderzusetzen“ doch überhaupt kein Problem sein, diese Fragen auch „wissenschaftlich“ , zumindest jedoch sach- und themenzentriert zu beantworten, oder etwa nicht?

      Gerne füge ich den weiterhin unbeantworteten noch weitere, für Sie – Dank Ihrer hohen Kompetenz – ja leicht zu beantwortende Fragen hinzu:

      5) wie erklären Sie es sich, daß US-Untersuchungen zu dem Ergebnis kommen, daß in der Gruppe der 21-30-jährigen vollzeitig Arbeitenden Kinderlosen in den USA die Gruppe der Frauen 8% MEHR verdient als Männer?

      Ist das etwa Männer-Diskriminierung?

      6) Sie schreiben, daß auch 5% mehr Verdienst für Männer immer noch Diskriminierung seien.
      a) Woher wollen Sie denn wissen, daß das KAUSAL mit dem Geschlecht verknüpft ist?
      b) Ist Ihnen „statistische Signifikanz“ und „Bias“ ein Begriff?

      7) Inzwischen haben in Deutschland weibliche Schüler bessere Noten in den Schulen als männliche, auch schwenkt der Anteil höher gebildeter Menschen in der Bevölkerung immer mehr hin zur weiblichen Gruppe.

      a) Ist das Männer-Diskriminierung?
      b) sind Frauen einfach intelligenter?
      c) Schlagen Sie jetzt da zwecks Korrektur der himmelschreienden Ergebnisse klare gesetzliche regulative Maßnahmen vor, etwa daß der Anteil an Abiturientinnen oder Medizinstudentinnen NIE mehr als 50% betragen darf?

      Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen:

      Ich habe ebenfalls einen akademischen Beruf – und habe in langen Jahren die Erfahrung gemacht, daß Skepsis angesagt ist, wenn Diskussionspartner unbekannten Menschen gegenüber, welche andere Meinungen vertreten, erst einmal (zwecks Selbstentlastung) pauschal Unkenntnis der Materie unterstellen, auftrumpfend inflationär das Wort „wissenschaftlich“ benutzen, jedoch KEINE FAKTEN in die Diskussion einbringen und/oder unschlüssige Argumentationslinien aufbauen.

      der Rückzug auf „Das wird in Fachkreisen noch strittig diskutiert“ nachdem Frau zuvor noch genau den Anderen Eindruck zu vermitteln suchte, der Rückzug nach dem Motto „Ok, doch keine 25%, aber vielleicht wenigstens 5%) ist (für mich) ebenfalls nicht überzeugend, Frau Newark.

      Ähnliche Pseudo-Argumentationsketten wie die Ihren jene ich zu genüge aus anderen Bevölkerungskreisen, wo bei argumentativen Schwächen gerne der rettende Rückgriff auf die ablenkende bequeme Opferrolle der jeweils gültigen gesellschaftspolitischen Modeströmung bemüht wird, anstatt einfach in der Sachdiskussion zu bleiben.

      Ich bin ja nicht die einzige Person, der Sie nicht wirklich antworten: Ihre Replik auf Frau Haberger ist ja keinerlei fundierte Argumentation auf die KLAREN Stichpunkte, die Ihnen Frau Haberger sogar noch zwecks leichterer Quellensuche an die Hand gab.

      Und zur Überschrift Ihres hiesigen Artikels:

      „Feministinnen streiten“

      Ja, sie streiten – schon immer.
      Leider habe ich den zunehmenden Eindruck, daß die eher auf Verständigung zwischen den Geschlechtern abzielenden Feministinnen weiterhin in der Minderheit bleiben. Und darüber hinaus habe ich den Eindruck, daß der jetzige Streit um „Emma“ und „Schwarzer“ im Speziellen und die „richtige“ Marschrichtung des Feminismus kein eigentlich inhaltlicher ist, sondern angesichts des Alters von Frau Schwarzer und ihrer Selbst-Demontierung als „Heilige“ nur Diejenigen jetzt das Messer in die Hand nehmen, die Alice Schwarzer die Lufthoheit (und damit „gesellschaftliche Stellung“ und ein sorgenfreies einkömmliches persönliches Leben sowie die Schwarzer zueigenen MACHT über Andere) streitig machen wollen.
      Das ist ein Vorgang, der sich so schlicht vollziehen und beenden wird wie in JEDER schnöden politischen Partei.
      Nicht Brutus – aber Bruta, gewissermaßen.

      Die derzeitigen Kämpferinnen haben nur noch nicht begriffen, daß die Frauen die letzten sind, die über Schwarzes Nachfolge entscheiden.
      Über Person und Zeitpunkt entscheiden nämlich die Machthaber über die öffentliche Meinung: die etablierten Parteien und Kirchen in den öffentlichen Medienkontrollgremien und die privaten Medien mit ihren Propaganda-Kampagnen („Man fährt mit BILD rasant hoch – und stürzt im Zweifel ebenso schnell auch wieder ab, wenn wir es wollen“)

      Wer ( entsprechendes Alter vorausgesetzt) sich erst jetzt über die gesellschaftspolitische Linie von Emma, Schwarzer und den gnadenlosen Fundamentalistischen Feminismus aufregt, der hat offensichtlich Jahrzehnte im gesellschaftspolitischen und bürgerrechtlichen Tiefschlaf verbracht.

      Also:

      Beantworten Sie doch einfach mal inhaltlich und tatsächlich meine Fragen, die ja recht kongruent mit den Hinweisen von Frau Haberger übereinstimmen, mit denen Frau Haberger die Diskussion (bisher vergeblich) auf ein sachliche Ebene heben wollte.
      herr Binsack hat übrigens ebenfalls einige sehr wertvolle Hinweise gegeben (Stichwort: heutiger „Feminismus“ ist eher eine Tendenz zur androgynen Gleichschaltung und der gnadenlose Geschlechterkampf schwächt die gesellschaftliche Opposition durch Spaltung in zwei zunehmend verbitterte Teile auf das Vorzüglichste) und
      Herr Haupts bringt einen wunderbaren Schlusssatz, wenn er schreibt:

      >>“Gender“ ist dementsprechend ein nichtwissenschaftlicher Kampfbegriff und hat als Modetrend der letzten 25 Jahre in den Sozialwissenschaften „Rasse“ und „Klasse“ abgelöst, die früher

    • ...weil ich auch einen Dayjob habe...
      …und zwei Kinder und nicht ewig Zeit, mich mit dem auseinanderzusetzen, was Sie da ganz aus Ihrer Perspektive in die Diskussion einbringen. und es ist durchaus nicht so, dass Sie versuchen, wie Sie sagen, das Ganze „auf eine sachliche Ebene“ zu heben, sondern vielmehr versuchen Sie mich auf Ihr spezielles Steckenpferd hin zu verpflichten. Gender Pay Gap ist nicht mein Forschungsgebiet und ich habe dementsprechend hier auch nichts dazu geschrieben.

      wenn ich Ihren ersten Post vielleicht zu schnell und unfreundlich geantwortet habe, dann nicht nur, weil Sie auch da schon Ihre sehr eigenen und spezifischen Themeninteressen reinbrachten, sondern auch, und das werden Sie bei Relektüre Ihres Textes bestimmt auch sehen, weil Sie da auch nicht gerade freundlich das Gespräch suchten, sondern schon ziemlich polemisch… wie man in den Wald hineinruft…

      und Herr Haupts ist übrigens auch schon einen Schritten weiter, als Sie ihn zitieren…

  7. Emma, der Leuchtturm?
    Die Kampagne von Emma macht deutlich, sie will zu mindestens gefühlt das Leitmedium des deutschen Feminismus sein. Doch diese Vereinnahmung durch die Emma gefällt insbesondere nicht denen, die ja zu recht die Besserwisserei à la Alice Schwarzer satt haben. Streit soll es geben und Streit tut auch Not, aber es wird gar nicht gestritten es wird polemisiert, es geht nicht darum die Erkenntnisse und das Bewusstsein zu erweitern, sondern um die Deutungshoheit für die Rechte der Frauen und die hat eben Emma, ob es den Frauen gefällt oder nicht!

    Ich hatte mir immer gedacht, dass die Frage der Partizipation und Gleichberechtigung und des Selbstbestimmungsrechtes keine Frage der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht ist, sondern eine Frage, wer die Macht hat und wer nicht! Eigentlich sind die Fragen der paritätischen Partizipation in unserer Gesellschaft, gemeinsame Fragen; die uns alle angehen, wenn wir mehr Demokratie und Mitbestimmung wollen.

  8. Feminismus, alt, oder neu?
    So oft es geht, wird Alice Schwarzer öffentlich angegangen. An dieser Ikone des Feminismus arbeiten sich besonders gerne Journalisten/innen ab, denen leider oftmals jegliches Gefühl und Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge fehlt. Wer glaubt, ein bisschen Gender-Gesetzgebung, Minirock und Frauen-Beauftragte sorgen bereits für die Aufhebung der Benachteiligung von Frauen, ist mMn naiv. Die Themen der EMMA sind bereits seit den 80er Jahren dieselben, aber vielfach wurden eben für bestimmte gesellschaftliche Probleme eben noch keine Lösungen gefunden, im Gegenteil, viele Probleme haben sich zu Ungunsten der Frauen verschärft. (Welche junge Muslimin wagt heute noch Widerworte gegen das elterliche Kopftuchgebot, der „Ehrenmord“ ist längt hundertfache Tatsache in Deutschland.) Aber das Unterdrückungssystem Islam hat sich ausgebreitet, allen Warnungen der EMMA schon vor Jahrzehnten zum Trotz.
    Prostitution. Wer glaubt, Prostituierte haben grundsätzlich ein großes Auto, eine schöne Wohnung und viel Spaß bei der Arbeit nimmt ebenfalls (un-) menschliche und gesellschaftliche Realitäten nicht wahr. Über Armuts-, Jugend- und Kinder-, sowie Drogenprostitution muss hier nicht viel geschrieben werden, jeder, der sich informieren möchte, kann dies in der EMMA vorzüglich aufbereitet nachvollziehen. Auch die Pornografie wird dort als das beschrieben was sie ist, warum sie quasi industriell produziert wird und auch die Folgen für die männliche Psyche und Beziehungen werden aufgedeckt.
    Das die Kleidungsindustrie Frauen „Mode“ offeriert, die eher mehr zeigt, als verdeckt, und viele Frauen glauben, dieses Modediktat mitmachen zu müssen – wie auch die ewigen Diätanforderungen -, kann man(n) hervorragend an der weiblichen Jugend beobachten. Einige junge Frauen wagen sich in Kleidung auf die Straße, die eher an Nachtwäsche als an Körperbedeckung erinnert. Nein, ich will nicht die Burka für alle Frauen, sondern ein gesundes Mittelmaß, dass dies gut und vernünftig sein kann und ebenfalls dem gesellschaftlichen Zusammenleben nützen kann, kann man ebenfalls in der EMMA erfahren.
    Und was ist mit den tollen Barbiepuppen, bzw. dem rosa Kitschspielzeug für die Mädchen heutiger Tage? Prinzessinenwelten stehen für die Kleinsten zur Verfügung, damit sie sich schon mal fern der nicht immer schönen Realität träumen können und die Eltern entsprechend Geld zur Vervollständigung dieses obskuren Sammeltriebes fern aller Realität locker machen können. Höre ich da den Einwand: „Lass‘ doch die Kinder spielen, mit was sie wollen?“ Leider gelten Puppen in den Kinderköpfen als menschliche Abbilder und werden auch so von den Kindern wahrgenommen. Wenn die Barbie-Puppe oder andere Puppen nicht den menschlichen Proportionen entsprechen, streben Mädchen nach diesem Hungervorbild, das lächelnd das Ideal für Schönheit bereits im frühen Kindheitsalter prägt. In der Öffentlichkeit allgegenwärtige, mit Photoshop oder anderen Mitteln ausgedünnte Foto-Modells können ebenfalls das Selbstbild junger Mädchen nachhaltig beschädigen. Diese streben dann einem ungesunden Ideal hinterher, das vermeintliche Schönheit nur noch in „superschlank“ zu erkennen ist. Die Folge: Beinahe die Hälfte aller jungen Mädchen unter 18 Jahren leidet unter behandlungs-bedürftigen Essstörungen, viele hungern sich zu Tode, ohne jemals dem „Ideal“ nur nahe gekommen zu sein. Auch hier hat EMMA wegweisende Artikel veröffentlicht.
    An diesen kleinen Beispielen lässt sich mMn erkennen, dass die Herausgeberin der EMMA bereits viele gesellschaftliche Defizite erkannt und benannt hat, meist auch Lösungen, bzw. Wege beschrieben hat, wie ein besseres Zusammenleben von Mann und Frau gestaltet werden könnte. Der Teufel steckt eben auch beim Feminismus im Detail und letztlich hängt tatsächlich alles mit allem zusammen. Daher sollten sich die jungen Damen, die sich heutzutage echauffieren, das die EMMA in die Jahre gekommen sei, stets bewusst sein, dass sie ohne die EMMA vermutlich gar keine berufliche Ausbildung machen könnten, ihr Ehemann entscheiden könnte, ob sie arbeiten gehen oder nicht, dass der eheliche Beischlaf nicht verweigert werden dürfte, Abtreibung wäre immer noch ein Verbrechen, Vergewaltigung würde deutlich seltener verfolgt, „Ehrenmorde“ wären kulturelle Neuerungen und Scheidungen gingen nur mit dem Einverständnis des Ehemannes. Überhaupt war die Verfügungsgewalt – und auch die körperliche Gewalt gegen Frauen – vor 40 Jahren noch eine ganz andere als heute, diese Veränderung verdanken alle Menschen der EMMA. Leider tauchen heute viele alte Probleme in neuem Gewand auf und kommen verstärkt auf die menschliche Gemeinschaft zurück. Für diese Fälle hat EMMA – und auch die FAZ – immer ein offenes Ohr, aber die EMMA ist manchmal etwas schneller und deutlicher. Zudem merken erst viele junge Frauen, dass sie auf bestimmte „Anforderungen“ von männlicher Seite hereingefallen sind, wenn es zu spät ist. Attraktiv zu sein, um jeden Preis, auch in geistiger Hinsicht kann und darf niemals zur Selbstverleugnung führen, weder für Frauen noch für Männer. Und dass man immer mal den Blick in die EMMA riskieren darf, für diese Freiheit steht unser Staatswesen. Wer über die EMMA urteilen will, sollte sie auf jeden Fall erst mal lesen, und sich nicht einfach auf den Zug der „freien“ Meinungen begeben, die einfach nur das nachplappern, was alle so von sich geben. Der Feminismus ist immer noch ganz am Anfang, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen.

  9. Noch ein weiter Weg
    Es mag ein gutes Zeichen für die Genderdebatte sein, dass es auch unter Feministinnen Diskussionen gibt. Aber dieser Text zeugt noch klar von einem rückwärtsgewandten Denken. Maskulinisten kommen nur vor in Verbindung mit Worten wie “reaktionär”, “backlash”, “ressentimentgeladen”. Das zeigt Scheuklappendenken und geht vollkommen an der Entwicklung der Gleichberechtigungsdebatte vorbei. Selbstverständlich müssen Auswüchse des Feminismus kritisiert werden, das allein hat nichts mit Ressentiments zu tun. Eine stärkere Beteiligung von Männerechtlern und eine Thematisierung männlicher Aspekte der Debatte ist ja gerade der Fortschrittsaspekt und muss noch wesentlich weiter gehen. Weiblicher Tunnelblick und Opfermonopol sind Zeichen eines ewiggestrigen Feminismus, der zu Recht in Verruf geraten ist und Platz machen muss für eine Gleichberechtigungsdebatte, die den Namen auch verdient.

    • Klarifizierung
      …an der Wortverbindung „reaktionäre Maskulisten“ ist tatsächlich etwas problematisch, nämlich dass sie tautologisch ist. „Maskulismus“ das Wort, das eine spezifische, antifeministische Männerrechtsbewegung bezeichnet. nicht Männerbewegung per se – gegen die ist natürlich gar nichts einzuwenden, sie ist zu begrüssen und zu befördern! natürlich muss Emanzipation beide Geschlechter berücksichtigen (was sich ja schon im Umschwung von „Feminismus“ zu „Gender“ ausdrückt) – und die feministische Gender-Debatte tut das auch – es geht keineswegs um ein Opfermonopol, sondern um die Entwerfung einer Gesellschaft, die für alle Geschlechter etwas weniger zwanghaft ist..

    • Halten zu Gnaden, Frau Newmark, das Wort "gender" hat mitnichten etwas mit Aufhebung
      von Geschlechtern zu tun. Sondern ist der Begriff für ein sozialwissenschaftliches Axiom auf Basis einer Trennung zwischen „sex“ (biologisches Geschlecht im Deutschen) und „gender“ (soziales Geschlecht, im Deutschen keine Entsprechung). Das Axiom selbst postuliert, dass soziales Geschlecht ausschliesslich konstruiert und vom biologischen vollständig unabhängig ist. Die Widerlegung dieses Axiomes ist nicht möglich (da Axiom) und das Axiom selbst hat wissenschaftlich überhaupt keine Verbindung zur biologischen Geschlechterforschung, die als absolutes Minimum davon ausgeht, dass Geschlecht jedenfalls nicht ausschliesslich sozial ist.

      „Gender“ ist eine Glaubensfrage und wird von Feministinnen auch genau so verwendet. Mit dem Kunstgriff der Erfindung von „gender“ wird Wissenschaftlichkeit vorgespiegelt, um diese Glaubensrichtung streng von den dumm maskulin patriarchalischen Vorurteilen abzugrenzen, Frauen seien z.B. von Natur aus dumm. Obwohl deren wissenschaftliche Grundlage genauso gut oder genauso schlecht ist, wie das Axiom der Gendertröten.

      „Gender“ ist dementsprechend ein nichtwissenschaftlicher Kampfbegriff und hat als Modetrend der letzten 25 Jahre in den Sozialwissenschaften „Rasse“ und „Klasse“ abgelöst, die früher auch so manche Dinge streng wissenschaftlich „bewiesen“.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • das ist leider wissenschaftlich falsch...
      Lieber Herr Haupts,

      was Sie schreiben ist leider wissenschaftlich nicht korrekt.

      Der Begriff „Gender“, der im Englischen ursprünglich das grammatische im Unterschied zum physischen Geschlecht beschrieb, ist in den Sozialwissenschaften als Gegenbegriff zu „sex“ etabliert. Letzteres bezeichnet tatsächlich, wie Sie schreiben, das biologische Geschlecht, während mit „Gender“ im Gegensatz dazu das soziale Geschlecht bezeichnet wird. Die Unterscheidung wurde auch tatsächlich eingeführt, um zwischen biologischem Geschlecht und sozialen Geschlechterrollen zu unterscheiden – etwa wenn es in der Frühphase der feministischen Bewegung darum ging zu sagen, dass aus den Eierstöcken keine Hausfrauenrolle ableitbar ist, oder aus dem Penis keine höhere Eignung zum Bankmanager.

      Wo Sie allerdings einen Übersprung machen, ist in der Behauptung, dass der Begriff „Gender“ in sich die Bedeutung einer vollständigen Konstruktion des Geschlechts beinhalte. Was das Verhältnis zwischen „sex“ und „gender“ ist, ist vielmehr Gegenstand sehr vieler Diskussionen in (sozial)wissenschaftlichen und feministischen Theorie-Debatten der letzten 50 Jahre. Es gibt die Extremposition des vollkommenen Konstruktivismus, aber es gibt auch sehr viele andere.

      In der feministischen Theorie-Tradition und insbesondere in der Geschichte der Etablierung von geschlechterkritischen Zweigen der Einzelwissenschaften ist aber der Umschwung von Benennungen wie „feministische Geschichtswissenschaft“ hin zu „historische Gender Studies“ tatsächlich der Schritt weg von einer ausschließlichen Fokussierung auf Frauen und Weibliches („Frauengeschichte“) hin zu einem größeren Gesamtblick auf die Bedingungen und Bedingtheiten beider oder aller Geschlechter.

      Was Sie wiedergeben ist eine – im außerwissenschaftlichen Kontext mittlerweile recht gängige – polemisch verzerrte Kritik an dem, was „Gender-Ideologie“ genannt wird, die falsch verstanden und als absurde Loslösung aller Wissenschaft von den empirischen Fakten gegeißelt wird.

    • Eine Blitzrecherche der offiziellen Darstellungen der gender Studies in Deutschland und den USA
      scheint Ihnen recht zu geben. Das war die Oberfläche. Etwas länger werde ich brauchen, um mir ein bisschen Literatur der führenden gender studies Verfechterinnen aus den USA anzutun, im Querleseverfahren. Danach werde ich mich hier im Blog gerne berichtigen und meine Behauptung nicht wiederholen. Falls ich für Ihre Behauptung Belege finde:
      „Es gibt die Extremposition des vollkommenen Konstruktivismus, aber es gibt auch sehr viele andere.“
      Wird ganz lustig. Auch wenn ich mich damit erneut mit den Gummibegriffen, der sich jeder Falsifizierung entziehenden Theorien und den persönlichen Veränderungsagenden folgenden Theorien der deutschen Sozialwissenschaft beschäftigen muss.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Wissenschaftlichkeit
      Die Gender Studies genügen den Anforderung einer Wissenschaft nicht, denn sie vermischen verschiedene Formalgegenstände der Untersuchung.

      1.Zum einen kann man das Rollenverhalten der verschiedenen Geschlechter in ihrem gesellschaftlichen umfehlt untersuchen und zueinander in Beziehung setzen. Das wäre dann eine empirische Wissenschaft im weiteren Sinne und völlig legitim. Allerdings muss dafür von vornherein klar sein, welchen Geschlechtsbegriff man zugrundelegt. Zum Beispiel das natürliche Geschlecht.

      2. Man kann auch Untersuchung, was die Auffasungen von Geschlecht (Achtung, Geschlecht und Geschlechterrolle sind nicht das selbe!) ist und wie sie sich gegebenenfalls in verschiedenen Zeiten und Kulturen unterscheidet. Ebenfalls Soziologie.

      3. Ein anderes mögliches Vorgehen ist, man stellt die Frage: „Was ist ein Geschlecht?“
      und versucht diese Frage wissenschaftlich zu beantworten. Stellt man diese Frage allgemein, so ist die zugehörige Wissenschaft die Philosophie. Ebenfalls vollkommen ligitim. (Die Möglichkeiten sind dann aber nicht nur biologisch oder gesellschaftlich, sondern z.B. geistig, wesenhaft etc.)

      Das Problem ist, wenn diese unterschiedlichen Formalobjekte miteinander vermischt werden, z.b. in dem man aus einer sich wandelnden Rollenauffassung von Menschen mit unterschiedlichem biologischem Geschlecht, einen Konstruktivismus ableitet oder bei sich durchhaltender ähnlichkeit auf einen biologischen Determinismus. Ebenso ist es unlauter aus den Untersuchungsmethoden 1. und 2. irgendwelche normativen Schlussfolgerungen abzuleiten, was leider durch den Umstand, dass viele Genderlehrstühle mit Feministinnen besetzt sind, die ihre feministische Auffassung damit begründen wollen oder aber ihr Weltbild einfach als Maßtab vorausetzen, z.b. Frauenfiguren im Märchen aus feministischer Sicht, oft vorkommt. (Allerdings gibt es dazu inzwischen Kritik aus den eigenen Reihen).

      Die Gender Wissenschaft muss sich erst mal klar werden, welche Wissenschaft sie treiben wollen und es dann auch mit den dafür gegeignet Mitteln tun. Mir ist auch klar, dass es diese unläuteren Mischformen auch in den Sozialwissenschaften und vor allem in der Psychologie gibt. Deswegen ist es trotzdem falsch und unwissenschaftlich.

      Fazit, Untersuchungen über das Geschlecht oder Geschlechterrollen können wissenschafltich sein, in der jetzigen Form sind es die Gender Studies nicht, auch wenn sie in Teilen wissenschaftlich arbeiten.

    • Oh wie gnädig von der Dame. Vielen unterwürfigsten Dank....
      Eine Männerbewegung sei erlaubt, sagt die Dame. Na das ist aber nett von ihr. Aber sie finden nur Maskulisten gut, die ins Schema feministischer Zielvorgaben passen? Wie naiv von Ihnen, Frau Newmark. Sehen Sie, genau das ist das Problem: Nicht nur Schwarzer hat einen Alleinvertretungsanspruch, sondern der Feminismus insgesamt hat ihn (oder will ihn haben…). Und genau deshalb werden Sie noch in vielen Kommentarspalten maskulistische Meinungen lesen müssen. Bis auch Sie begriffen haben, daß der Feminismus (den ich übrigens für ziemlich runtergewirtschaftet halte) einen Mitspieler hat.

      Schönen Tag noch.

    • @Vincent Vega
      das ist eine polemische Verzerrung. „Gender Studies“ sind kein eigener Wissenschaftszweig, sondern jeweils fachinterne kritische Perspektiven oder aber ein Querschnittsaspekt durch mehrere Fächer hindurch und genauso werden sie an den Unis jeweils gehandhabt. und zwar ziemlich genau so, wie Sie es auch unterscheiden. es gibt sozialwissenschaftliche Ansätze, philosophische, historische und v.a. wissenschaftskritische. etc. pp.
      das alles in einen Topf zu werfen und als „Gender Wissenschaft“ für illegitim zu erklären erschafft ein schönes Feindbild, entspricht aber keiner wissenschaftlichen Realität.

    • @Stefan Haenel
      über die Wörter müssen wir nicht streiten. „Maskulismus“ hat sich etabliert als der Begriff für Männer, die polemisch antifeministisch sind, und gerade nicht die Auseinandersetzung und Zusammenarbeit mit feministischen Ansätzen suchen. aber wenn Sie den Begriff anders verstehen, fein. männliche Mitspieler sucht der Feminismus seit Jahrzehnten und arbeitet sehr gerne mit ihnen zusammen. und ja, es darf auch heftig über die Sache einer gerechteren Welt diskutiert werden – wie es ja innerhalb des Feminismus der Fall ist. was ich hingegen wenig hilfreich finde, ist eine völlige polemische Abgrenzung und v.a. die verzerrte Darstellung von Feminismus, die Unterstellung einer feministischen Weltverschwörung oder einer „Gender Ideologie“, die die ganze Welt unter ihrer Fuchtel hat…

    • Gender und Wissenschaftlichkeit
      „das alles in einen Topf zu werfen und als „Gender Wissenschaft“ für illegitim zu erklären erschafft ein schönes Feindbild, entspricht aber keiner wissenschaftlichen Realität.“

      Wenn sie recht haben, dann haben Genderlehrstühle und Genderstudiengänge keine Berechtigung, da sie keinen gemeinsamen Forschungegenstand haben.
      Haben sie aber einen, dann handelt es sich sehr wohl um eine Wissenschaft. Wissenschaft bedeutet, Wissen über einen Forschungegenstand zu erwerben und systematisch einzuordnen. Wissenschaft schließt keineswegs kategorisch aus, das eine Wissenschaft Einzeldisziplinen oder Aspekte der selben in ein System integriert (Im übrigen ist meiner Erkenntnis nach ein endgültiges Urteil darüber ob Gender Studies eine eigene wiss. Disziplin ist, intrinsisch noch nicht abschließen geklärt.).

      Mir geht es nicht um die Frage ob Gender eine Wissenschaft ist oder nicht, sondern darum ob wissenschaftlich gearbeitet wird.
      Wird zum Beispiel der Konstuktivismus als Prämisse für eine Sozialwissenschaftliche Analyse genommen handelt es sich um etwas völlig anderes als wenn biologistische Vorausetzungen in einer Sozialwissenschaftlichen Analyse übernommen werden. Das wird gemacht und es wird auch innerhalb der Geschlechterforschung diskutiert, ob das erlaubt ist und welche Vorausetzungen die Richtigen sind.
      Die unlautere Vermischung verschiedener Disziplinen findet doch gerade auch in Geschlechterforschung vermeintlich einzelner Disziplinen statt.

      Ich verstehe nicht, warum es sich bei meiner Kritik um eine Polemik handelt obwohl genau diese Problematik von Geschlechterforschern selbst diskutiert werden, z.B. bei der Frage ob man zwei oder mehrere Geschlechter in der Soziologie für Untersuchungen zugrundelegen soll.

    • Nebelkerzen
      „über die Wörter müssen wir nicht streiten“

      Doch, den auch hier wird über Begriffe Krieg geführt. Wenn Feminismus ein wertneutraler Begriff für die (einseitige) Interessenvertretung von Frauen sein soll, dann muß dies für den analog gebildeten Begriff Maskulismus genauso gelten. Daß der Maskulismus politischer Gegner des Feminismus ist, liegt in der Natur der Sache. Höflich kann man trotzdem bleiben.

      „männliche Mitspieler sucht der Feminismus seit Jahrzehnten“

      Nicht wirklich. Googlen Sie nach Begriffen wie gutgemeinter Sexismus, benevolent sexism, mansplaining, dann finden Sie genügend Quellen dahingehend, daß männliche Einmischung ganz klar abgelehnt wird. Die devote Haltung, die führende Feministinnen von männlichen „Mitspielern“, sogenannten Allies, erwarten, hat ja noch kürzlich Anne Wizorek in ihrem Buch über den Aufschrei klargestellt. Man muß schon einen Hang zu Masochismus haben, um sich damit anzufreunden.

      „polemische Abgrenzung und v.a. die verzerrte Darstellung von Feminismus“

      Es gibt nicht „den Feminismus“. Die englische Wikipedia listet alleine 5 Hauptgruppen von feministischen Ideologien und 51 Theorien bzw. Denkschulen, die tw. diametral andere Behauptungen aufstellen. Was immer man sagt, irgendeine Variante hat man zwangsläufig verzerrt dargestellt.

      Sich vom Feminismus – zumindest von den hierzulande politisch dominierenden Varianten – abzugrenzen, ist außerdem praktisch Staatsbürgerpflicht. Man findet reihenweise Belege dafür, daß der institutionalisierte Feminismus, a.k.a. Staatsfeminismus, die demokratischen Strukturen unserer Gesellschaft massiv bedroht oder sogar schon beschädigt hat. Wenn hier Links erlaubt wären, könnte ich reichlich Belege liefern, so müssen Sie bei Interesse selber danach googlen. Dieser Vorwurf ist übrigens nicht polemisch, sondern sachlich begründet.

    • polemisch und verzerrt...
      …ist eine Darstellung genau dann, wenn Sie ein – wie sie richtig schreiben – sehr diverses und heterogenes akademisches und außerakademisches Forschungs- und Debattenfeld als EINE einheitliche IDEOLOGIE darstellt…
      und nein, Maskulismus ist nicht der Gegenbegriff zu Feminismus, sondern der Gegnerbegriff.

      Frauenbewegung und Männerbewegung arbeiten Hand in Hand und streiten untereinander genau so wie in sich über das Richtige und Wichtige; gemeinsam ist ihnen aber auf jeden Fall die Anerkennung, dass wir in einer asymmetrisch ungerechten Welt leben, was die Entfaltungsmöglichkeiten mit Blick auf Geschlecht betrifft (und ja, die Entfaltungsmöglichkeiten von Männern sind auch eingeschränkt, wenn auch meistens auf andere Weise als die von Frauen – schauen Sie doch beispielsweise nur, wie viel mehr kleinen Jungen ihre natürliche Emotionalität mit Blick auf gewünschtes „männliches Verhalten“ ausgetrieben wird, als kleinen Mädchen)

      „Männerrechtsbewegung“ hingegen oder „Maskulismus“ ist der Name für genau diejenigen Strömungen, die die Legitimität der feministischen Kritik an Gesellschaft grundsätzlich bestreiten.

      das sind die etablierten Begriffe, ganz leicht nach-googlebar. mir liegt aber an den Begriffen nicht viel – ich finde die Diskussion interessant und fruchtbar, solange sie sachlich bleibt, den Standpunkt des/der Anderen anerkennt und möglichst wenig pauschale Ideologie-Vorwürfe herumwirft.

      ich finde es völlig nachvollziehbar, warum manche Menschen (Männer und Frauen) manche feministische Positionen als nicht sympathisch oder an ihrer Lebensrealität vorbeigehend etc. empfinden. da kann dann ein Gespräch beginnen. aber nicht, indem man von „Genderismus“ und „Ideologie“ redet, die Legitimität feministischer Wissenschaftskritik bestreitet oder so offen zutage liegende, empirisch in jeder Form belegte Phänomene wie sexuelle Gewalt leugnet…

    • Legitimität feminitischer Wissenschaftskritik
      Es ist nicht in Ordnung, das sie Frau Newmark, jegliche Kritik am Feminismus im Allgemeinen als polemisch ablehnen, da er ja heterogen ist, anderseits aber die Legitimität der feministischen Wissenschaftskritik pauschal verteildigen.
      Wenn es eine Gemeinsamkeit aller feministischen Positionen gibt die Feminismus ausmacht, kann diese auch pauschal kritisiert werden.

      Auch um die Legitimität der feministischen Wissenschaftskritik muss gestritten werden, denn gerade in den Grundvorausetzungen liegt der Hase im Pfeffer begraben. Klammern sie diesen Aspekt von vornherein aus, ist ein echter Diaolog nicht möglich.

      Im übrigen ist die Krtik am Feminismus genauso heterogen wie der Feminismus. Vielleicht wäre es hilfreicher, wenn sie in ihrem nächsten Artikel einfach ihre Auffassung von Feminismus und bechtigter feministischer Wissenschaftskritik darlegen, dann läuft man weniger Gefahr gegen „Pappkameraden“ zu argumentieren, bzw. sie müssen sich nicht für Positionen anderer Feministen rechtfertigen.
      Vielleicht ließe sich ja eine FAZ Debatte zwischen anerkannten Feministen und Gegnern im Feuillton, wie es sie vor Jahren mal im Bezug auf die Willensfreiheit gab, realisieren. Das wäre ein besserer Anhaltspunkt als Twitterdiskussionen.

    • Einigkeit...
      …wie schön, da gibt es ja einen Punkt, in dem wir uns einig sind: FAZ-Feuilleton ist besser als Twitter. ich leite den Vorschlag gerne mal weiter…

    • heterogene Theorien
      @Catherine Newmark 17.11.2014, 10:24 Uhr:

      „sehr diverses und heterogenes akademisches und außerakademisches Forschungs- und Debattenfeld“

      Das ist mir auch schon aufgefallen. Es fällt jedem auf, der versucht zu verstehen, was der Feminismus will, und der nach Gründen sucht, warum man(n) im Alltag auf Schritt und Tritt verpflichtet ist, Frauen zu fördern und zu bevorzugen, auf keinen Fall anzustarren, sie immer explizit mitzubenennen, ihnen nicht zu widersprechen, warum man mit Quoten das Grundrecht von Männern auf rechtliche Gleichbehandlung außer Kraft setzen kann usw.usw. Die Begründungen dafür sind dann tatsächlich heterogen, genauer gesagt voller innerer Widersprüche. Insofern haben Feministinnen – um auf die Überschrift Feministinnen streiten. Endlich! zurückzukommen – schon immer gestritten. Man(n) kommt sich jedenfalls, gerade wenn man sachlich interessiert ist, wegen der vielen Widersprüche und Inkonsistenzen irgendwann für dumm verkauft vor. Sofern man nicht sowieso als Schmerzensmann oder „Mann in der Identitätskrise“ verspottet wird, weil man widersprüchliche Anforderungen nicht erfüllt.

      Wir sind uns also einig über den Sachverhalt, daß es im Feminismus eine kunterbunte Meinungsvielfalt und konkurrierende Theorien gibt. Die Bewertung ist aber diametral entgegengesetzt: Was Ihnen als „Reichtum“ erscheint – und was für einen Debattierclub ohne politische Macht OK wäre -, erscheint angesichts der Machtfülle des Feminismus den Betroffenen als reine Willkür.

      Insofern ist auch die Begeisterung darüber, daß Feministinnen endlich streiten, eine zweischneidige Angelegenheit: Nach innen belebt es vielleicht die Debatten, nach außen werden alte Vorbehalte verstärkt.

    • @Ralph Nader
      Lieber Herr Nader,
      also ich halte es nicht per se für einen Fehler, wenn eine soziale Bewegung in sich divers ist. Ich hielte es noch nicht einmal für einen Fehler, wenn z.B. eine regierende Partei in sich divers wäre.

      Aber, und da unterscheide ich mich von Ihnen, ich halte den Feminismus nicht für die Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland. Ja, da ginge ich sogar so weit, Menschen, die das behaupten, eine grundsätzlich verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung zu attestieren.

      Bei aller Sympathie für individuelle Männer, die sich aus diversesten Gründen, die oft mit dem Geschlechterverhältnis nur bedingt etwas zu tun haben, auch nicht jeden Tag wie die Sieger der Geschichte fühlen.

      Der amerikanische Komiker Jon Stewart hat das mal gut auf den Punkt gebracht: der Verlust absoluter Macht wird in einen Opferdiskurs umgedeutet. Und in diese Richtung scheint mir die Rede von der „Machtfülle des Feminismus“ zu gehen.

      Über Quoten kann man streiten – ob man seiner Ehefrau widersprechen darf, auch… Aber: was erscheint Ihnen verwerflich an der höflichen Vorgabe, Frauen nicht anzustarren oder sie explizit mitzubenennen, wenn sie mitgemeint sind?

    • Machtfülle des Feminismus
      Liebe Frau Newmark,

      „ich halte den Feminismus nicht für die Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland.“

      Über Formulierung „Staatsräson“ kann man streiten, weil die relevanten politischen Parteien die feministische Ideologie (also die zugrundeliegenden Dogmen und Wertepräferenzen) in unterschiedlichem Ausmaß verinnerlicht haben. Das Spektrum geht von Radikalfeminismus und kaum verhüllter Misandrie bei den Grünen über einer ambivalente Haltung bei der CDU bis hin zu ablehnenden AFD.

      Die Machtfülle des Feminismus wird besser durch den Begriff Staatsfeminismus charakterisiert. Damit meint man gemeinhin das staatlich finanzierte Netzwerk aus 1000en Frauenbeauftragten, ca. 20 Frauenministerien, großen Instituten wie dem Gunda-Werner-Institut, hunderten von Lehrstühlen und An-Instituten usw. Diese sog. feministische Infrastruktur, die sehr gut vernetzt und professionell organisiert ist, hat mehr Ressourcen und logistische Schlagkraft als eine große Partei, unterliegt aber keinerlei parlamentarischer Kontrolle. Nicht zu reden von Sonderrechten ähnlich der Steuerfahndung, die Frauenbeauftragte schon heute haben und die Frau Schwesig durch das geplante Entgeltgleichheitsgesetz noch durch ein weiteres Heer von „Entgeltgleichheitsfahnderinnen“ aufstocken will. Ähnlichkeiten mit Religionswächtern im Islam sind rein zufällig.

      „Ja, da ginge ich sogar so weit, Menschen, die das behaupten, eine grundsätzlich verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung zu attestieren.“

      Man muß schon beide Augen fest zudrücken, um das oben erwähnte Heer von staatlich finanzierten feministischen Akteuren und dessen enorme politische und soziale Macht zu übersehen. Angeblich nimmt man (bzw. frau) seine eigenen Privilegien ja nicht wahr, weil sie selbstverständlich, von Natur aus gerechtfertigt und alternativlos sind 😉

      „der Verlust absoluter Macht wird in einen Opferdiskurs umgedeutet. Und in diese Richtung scheint mir die Rede von der „Machtfülle des Feminismus“ zu gehen.“

      Meinen Sie das ernst? Welche ab ungefähr 1970 hier geborenen Männer könnten zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben ein Gefühl von „absoluter Macht“ gehabt haben?? Wir leben in einer feministischen Gesellschaft, den Jungen wird schon in der Schule eingebleut, daß Mädchen die besseren Menschen sind, weil sie braver sind und bessere Noten bekommen, wer Mädchen ärgert, fliegt sehr leicht wegen Mobbing von der Schule, „Männer sind Schweine“ ist der Hit, wenn man abgeschnittene Geschlechtsteile von Männern bejubelt, kann man trotzdem das Bundesverdienstkreuz bekommen, usw. Weiter unten habe ich die Arbeiten von Christoph Kucklick zitiert, der liefert es noch ausführlicher und – als bekennender Feminist – eventuell glaubwürdiger.

      Die letzten beiden Männergenerationen hätten vielleicht einen Opferdiskurs führen sollen, aber die Opferrolle widerspricht den immer noch geltenden Stereotypen für die männliche Rolle in der Gesellschaft. Ironischerweise hat m.E. gerade die feministische Forderung an Männer, endlich ihre alten Geschlechterrollen aufzubrechen, seit wenigen Jahren einen Opferdiskurs bzw. eine „oppression olympics“, wie Hirschauer es nennt, ausgelöst. Die ist natürlich unproduktiv, aber das Geschäftsmodell des Feminismus, die Frauen als Opfer zu positionieren und dann gemäß Privilegientheorie Kompensationen einzufordern, war bzw. ist einfach zu erfolgreich und zu präsent. Daß die Männer jetzt auch ihrem Opferstatus verbessern wollen, ist einfach ein Abkupfern dieses erfolgreichen Geschäftsmodells und hat nichts mit dem Verlust absoluter Macht, die leider nie vorhanden war, zu tun.

    • Opferdiskurs
      also in einem Punkt können wir uns einander vielleicht annähern: ich halte den Run auf die beste Opferposition auch für ein Problem in unserer heutigen Gesellschaft, von jeder Seite…

  10. Schwarzer hatte mal ein allgemeines Anliegen. Heutige Feministinnen haben egoistische Interessen.
    Sorry, diese Apparat-Feministinnen in Parteien und Talkshows auf Turbo-Karrieretrip nehme ich nicht ernst.

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