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Ich. Heute. 10 vor 8.

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Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Die zweite Generation der Holocaust-Überlebenden: Es lebe das Leben!

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1971 Tel Aviv – Bar Mitzwa© privat1971, Tel Aviv – Bar Mitzwah

Gestern rief mich meine Freundin Rivka an. Sie ist 52 Jahre alt, frisch geschieden und in der Tel Aviver Singleszene aktiv. Sie berichtete mir von einem Treffen mit Shlomo, dessen Eltern nach dem Krieg nach Israel eingewandert waren. Im Laufe des angeregten Gespräches erzählte ihm Rivka die Lebensgeschichte ihres Vaters. Dieser war als Junge von Prag ins Ghetto Theresienstadt und dann nach Auschwitz deportiert worden. Ihr neuer Bekannter hörte aufmerksam zu und kommentierte ihren Bericht mit einem Wort: „Nett“. Als sie mir dieses Erlebnis wiedergab, lachten wir beide nur. Dasselbe Lachen, das wir immer lachen, wenn unsere häufigen Telefongespräche beim Thema Shoah angelangt sind. Und das tun sie immer, ausnahmslos. Deshalb hatte Rivka den Ton von Shlomo sofort richtig interpretiert. Er wollte nicht pietätlos sein. Sein Zynismus war ein Signal der Empathie: „Ich weiß genau, wovon du sprichst“. Seine Eltern, polnische Juden, waren nämlich ebenfalls in den KZs der Nazis gewesen.

Für Außenstehende mag diese Situation berechtigterweise mehr als bizarr erscheinen, sogar an der Grenze zu meshugge. Doch sowohl meine Freundin, ihr Gesprächspartner, als auch ich sind Kinder von Überlebenden der Shoah. Experten bezeichnen uns als „Zweite Generation“ und haben viel über die Tradierung des Traumas auf unsere Psyche geschrieben. Gila Lustiger schreibt in ihrem Familienroman “So sind wir”: “Als ich an einem frühen Morgen joggte…., hatte ich plötzlich die Eingebung, dass ich rannte,… um förmlich aus allen Poren auszuschwitzen, was man Erinnerungsgiftstoff nennen könnte.“

Die Trauer unserer Eltern gehört zu unseren frühen Erinnerungen, sie ist uns vertraut und hat unsere Lebensentwürfe geprägt. Wir haben gelernt mit diesem Erbe zu leben, immer bemüht unsere Eltern vor weiterem Leid zu bewahren, sei es auf Kosten der eigenen Seele. Die verdrängten Schuldgefühle der ersten Generation ihren vergasten Angehörigen gegenüber erbten ihre Kinder, ohne sie zu verstehen. Wie von Zauberhand übertrugen sich diese auf unser Leben und bestimmten unsere familiären Beziehungen. Viele von uns wurden zu den Eltern ihrer Eltern.

Manche von uns leitet die Sehnsucht nach Normalität, sie versuchen die Vergangenheit zu verdrängen. Die schrecklichen Geschichten ihrer Eltern wollen sie nicht hören. Ich erinnere mich, dass ich eine israelische Soziologin bei einem Holocaustseminar traf. Ihre Eltern waren beide in Konzentrationslagern gewesen. Sie deklarierte “Ich fühle mich in keinster Weise als Zweite Generation“. Eine Kollegin sagte ihr auf den Kopf zu, dass es unmöglich sei, das Trauma seiner Eltern abzustreifen wie ein altes Kleid. Drei Jahre später schien es die Wissenschaftlerin selbst verstanden zu haben, denn sie veröffentlichte die Geschichte ihrer Mutter in Auschwitz.

Die meisten mir bekannten Angehörigen der Zweiten Generation wollen alles über die Shoah lernen. Als ich das Buch der israelischen Psychologin Dina Wardi, „Gedenkkerzen – Kinder der Shoah“, las, hatte mein eigenes Syndrom plötzlich einen Namen. „Erinnere Dich und Bewahre“ lautet ein Gebot der jüdischen Religion. Ich bin säkular, aber diese Mitzvah habe ich wahrlich befolgt.

Unsere Eltern haben sich nach dem Krieg wie „Phönixe aus der Asche“ erhoben. Sie hatten keine Mühe gescheut und es geschafft, ihren Kindern eine gute Ausbildung und ein komfortables Leben zu bieten. Das war für sie eine absolute Priorität, in vielen Fällen eigentlich ihr Lebensinhalt. „Wir arbeiten, damit du lernen und studieren kannst. Du sollst dich immer durchschlagen können, egal, was kommt. Eine gute Ausbildung kann dir niemand wegnehmen.“ Dieser Satz war das Mantra unserer Kindheit, er hat angespornt und noch mehr verpflichtet.

In meiner Geburtsstadt Wien waren alle meine jüdischen Freundinnen und Freunde Kinder von Überlebenden. Wir tauschten uns über die Familientragödien zwar aus, doch wussten wir damals nicht, dass wir dem internationalen „Club“ der Second Generation angehören. Das wurde mir erst in den 80er Jahren klar, als ich diesen Begriff zum ersten Mal hörte. Der Film „Due to that War“ über die Familiengeschichte des bekannten Sängers Yehuda Polliker wühlte mich auf und spendete mir gleichzeitig Trost. Ein Star hatte sich als Leidensgenosse geoutet. Er arbeitete die Tragödie seiner Familie musikalisch auf, und ich konnte mitsingen.

Es ist nicht verwunderlich, dass auch in Israel viele Angehörige der Zweiten Generation zu meinem privaten und persönlichen Umfeld gehören, man findet sich eben.

Mir scheint, die Kinder von Überlebenden der Shoah sind ein eigener Stamm im jüdischen Staat und auch in der Diaspora. Als Angehörige des – seit der Zerstörung des Tempels – immer schon globalisierten jüdischen Volkes sind seine Mitglieder in der ganzen Welt zerstreut.

Dieser jüdische Stamm hat transkontinentale Codes entwickelt, mit denen sich seine Mitglieder untereinander verständigen und sofort verstehen. Sie bilden nicht nur einen Stamm, sondern auch eine Art rahmenlose Selbsthilfegruppe. Wir lachen über unsere existentiellen Ängste, unsere automatischen Schuldgefühle. Über die übertriebene und oft nervende Fürsorge unserer Eltern tauschen wir uns nur allzu gerne aus und auch über die schwarze Tiefe des Schweigens. Da bedarf es keiner Erklärungen. Schwarzer Humor übertüncht und heilt manchmal die verletzte Seele. Die bewusste und auch gewählte Zugehörigkeit zum Stamm der Zweiten Generation hat mir geholfen, das Erbe meiner Familie anzunehmen. Sie öffnete mir die Tür zu einer konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Schmerz. Ich habe gelernt, nicht nur auf die Verletzungen meiner Eltern zu fokussieren, sondern auch ihre unglaubliche Leistung des Wiederaufbaus zu würdigen. „Die Überlebenden haben das Leben… und die Regeneration gewählt und nicht den Sturz in die Verzweiflung“, sagt die Historikerin Hanna Yablonka. Obwohl unsere Eltern oft unter Depressionen litten, gaben sie den Kampf um eine neue Existenz nicht auf. Dies trifft auf meine Eltern zu, auch wenn meinen Vater die Erinnerung an Auschwitz und Mauthausen im Alter von 60 Jahren eingeholt hat. Er starb an den seelischen und physischen Spätfolgen seiner Leidenszeit im Konzentrationslager. Und er ist kein Einzelfall.

Dennoch, unsere Eltern haben uns – dem Stamm der Zweiten Generation – die Richtung gewiesen: „Es lebe das Leben“.

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10 Lesermeinungen

  1. Hallo Frau Haviv, ...
    je länger, intensiver, ich über Ihren Beitrag nachgedacht habe, desto differenziert „komplizierter“ wurde er für mich. Trotzdem bin ich, für mich,
    zu einem „runden“, „differenziert graduierten“,
    klaren Gedanken-Ende
    gekommen.
    Die psychische Krankheit „Schuld-Leid-Depression“, aus einem realen Erlebnis heraus, wird wohl nicht ge-oder ver-erbt,
    sondern vielmehr unterbewußt aus Verzweifelung übernommen. Ähnlich wie
    oft Ehepartner von Alkoholkranken auch anfangen zu trinken, als Coabhängige. Das geschieht nicht über Nacht, sondern ist ein „schleichender Weg“ der
    unterbewußten Übernahme von Suchtverhaltensmustern. Ein Resultat aus der Hilflosigkeit
    und Überforderung mit
    der Alkoholkrankheit des Betroffenen, der seinerseits
    die Krankheit nicht genügend
    ernst erkennt um sich ärztlich helfen zu lassen.
    So bürdet er ungewollt diese
    Krankheitslast den „Lebenspartnern“, in Ihrem Fall den Generationen-Kindern, auf.
    Bis am Ende „Krankheit-Identität“ steht, ohne medizinische Hilfe für alle Beteiligten.
    Meiner Erkenntnis nach falsche Übernahme, aus dem Zusammenhang gerissene
    „Lehren“, wie „Erinnere dich und Bewahre“, festigen auch noch die Krankheit.
    Die Soziologin, die sich nicht
    betroffen fühlte, wurde quasi
    „überzeugt“ auch krank zu sein. Das geht schon in Richtung bewußt eingebildete Krankheit.
    Zudem drängte sich förmlich
    eine Parallelität mit dem Film
    Good Will Hunting auf, besonders die Szene wo
    der Psychologe fast unendlich oft sagt: „DU BIST
    NICHT SCHULD“. Das genau
    sehe ich auch in Ihren Fall so. Das schlimme, es ist
    ein Massen“fall“, Phänomen“ mit Stamm,
    2. Generation und riesiger
    Selbsthilfegruppe. Sehr bedenklich, finde ich; denn
    welche realen ärztlichen
    Möglichkeiten bestehen hier?
    Soviel zur abgegrenzt betrachteten „vererbeten Schuld“.
    Ihr Beitrag bietet aber mehr.
    Mehr oder weniger versteckte, bewußte Schuldzuweisung
    an die deutschen Generationen, auch durch den „Erinnere Dich und Bewahre“-Satz.
    Der „Eine“ bewahrt seine
    Krankheit, seine Überlebenschuld, über Generationen, wie lange?!
    und der „Andere“ seine
    geerbte „Tat-Schuld“-Krankheit?!…Musterübernahme gewünscht OHNE ENDE?!
    Sehr gefährlich, finde ich
    und vor allem Gesundheit,
    Frieden kontraproduktiv.
    Ihre Beitragsendsätze führen
    ebenso zu dieser „Denk-Erkenntnis“. Gefährlicher
    Beitrag also, für mich. Erst
    recht als Deutscher. Aber ich
    werde gesund bleiben und mich nicht anstecken lassen;
    denn es muß ein Ende haben, diese Generationen-Schuld-Krankheit Übertragung. Vernunft sollte
    siegen ohne den Holocaust mit allen unmenschlichen
    Schrecken, auf Basis Bildungsmangel eines ganzen Volkes , zu vergessen. Denn nur der
    Ungebildete kann fanatisiert und zum Völkermord über sein Unterbewußtsein angestiftet werden.
    Bildungsmangelelend generell nicht vergessen,
    in Erinnerung behalten und
    Frieden bewahren, der aus
    Bildungsmangelerkenntnis heraus als Generationen
    übergreifende Bildungsreifung kommt. Keine „Schuld-Nachtragenden“ mehr…
    das erfüllt einen humanen
    Zweck für uns alle.
    WIR ALLE, JUDEN UND DEUTSCHE, ALLE FOLGEGENERATIONEN SIND NICHT SCHULD.
    Das ist meine Schlußerkenntnis, die ich
    als rund, gesund, für die Gegenwart und Zukunft
    habe.
    Wenn die „kranke“ Vergangenheit die Gegenwart „übernimmt“, bestimmt,
    dann wird der zerstörerische
    Generationen-Kreislauf nie
    aufhören.
    Das Unterbewußtsein sollte
    für und von der Gegenwartrealität
    bestimmt sein damit es hilft
    Bildung und Frieden zu bilden
    und zu bewahren.

    ES LEBE DAS HUMANE „ERLEBEN“ MITEINANDER…
    DER HUMANE GEIST IST DER
    HEILIGE, HEILSAME GEIST.

    Frohe Weihnachten noch für Sie, Fr. Haviv.

    Gruß,
    W.H.

    P.S. Ich habe trotzdem viel zu wenig geschrieben und vielleicht auch
    mißverständlich, ich weiß es nicht. Aber bloggen ist wohl so:=)

  2. Fragen, Fr. Haviv
    Es ist mir nicht möglich die Motivation Ihres Beitrages eindeutig zu bestimmen.

    Sorry, aber ich könnte Ihren
    Beitrag auch als Koketterie
    mit Ihrem „Schuldbewußtsein“
    lesen…seht alle her, „wir“,
    ein nicht unerheblicher „Juden-Stamm“, sind krank. Bitte bedauert uns?! Was ich nicht denke.
    Oder als weitere Anklage gegen die deutschen Folgegenerationen?!…mit
    Wiedergutmachungshintergedanken?! Schuldbewußtsein
    indoktrinieren?!(hart formuliert)
    Oder als Hilfeschrei Ihrer Seele?! bitte helft mir/uns?!
    Oder als Mahnung?! Ihr Deutschen, vergeßt nie was ihr uns, pauschal alle/s,
    angetan habt…ohne Ende?!
    Oder als Info, einfach stehenlassen?!
    Schwer zu erkennen für mich.

    Schuld…
    im Sport bedeutet „Sauerstoffschuld“ „Sauerstoffmangel…
    hier und auch in allem anderen Elend der Menschen bedeutet Schuld „Geistschuld“, „Geistmangel“,
    „Vernunftmangel“ für mich.
    Der Evolutionsweg des Menschen IST DER GEISTREIFEWEG, DER VERNUNFTWEG, DER WEG DES HEILIGEN, HEILSAMEN GEISTES…HUMAN-GEIST-REIFE-BILDUNG-WEG,
    Generationen übergreifend,
    immer humaner handelnd.

    Gruß
    W.H.

  3. Der Weg der (Ent-)Schuld(ung)...der Vergebung
    Selbsterkenntnis und Einsicht
    führen zur Klarheit, zur Vernunft, zur Weisheit…zur Vergebung, zu Gott.
    Die „Geist selbstbefruchtende“
    „Dreieinigkeit“…“Dreh-heit“…
    Klarheit durch Vernunft und
    Vernunft durch Klarheit münden „Level-bedingt“
    in „Weisheit“…weiser Vernunft in weiser Klarheit.
    Der „Entschuldungsweg“,
    „Vergebungsweg“ des Human der mittels Evolution in „Gott“ mündet;
    denn Gott ist weise Vernunft
    in weiser Klarheit…Weisheit.
    Das Bild von Da Vinci, die
    sich berührenden Zeigefinger
    von Human und Gott „versinnbildlichen“ genau diesen „Vernunft-Reife-Moment“, „Vernunft-Reife-Zeit/punkt/raum“, „WEISEN“
    auf ihn hin.
    Selbsterkenntnis und Einsicht ist der Schlüssel dieses („Entschuldungs-“
    Vergebungs-)Reife-Weges.

    Gruß
    W.H.

  4. Das Leben muß gelebt und die Vergangenheit musste verstummen
    meine Familiengeschichte ja da war Trostlosigkeit und ja ebenso viel verstummen wie erzählen ,könnte ich nicht verstehen,ja später,viele,viele Lenzen später,immer die diffuse Bedrohung da,Vergangenheit eine verdichtete Nebel,viele,viele Bücher sollte ich lesen meinte meine Mutter,und Lehrer,und da gab es immer ein Großmutter die sagte,immer wieder,wen du nicht leben kann oder kein Sinn sehen kann,ja dan sollte man sich einfach früh verhängen….
    Nun Geschichte studiert ,Ökonomie,Völkerrecht,aber da bleibt immer die ganz große Kluft zwischen Verstehen und Begriff( comprendre et expliquer ).
    und die Wut,die tiefgreifende Wut…

    Edmond Jabes:Récit

  5. Schreckliche Traumatisierung
    Es ist sehr bedauerlich, dass Menschen auch lange nach der Befreiung aus den KZ an der Traumatisierung zugrunde gehen. Sehr erfreulich hingegen ist es zu hören, dass viele mit dieser direkten und indirekten Traumatisierung des von Nazis verursachten schrecklichen Elends umzugehen lernten. „Es lebe das Leben“ ist die reduzierte Botschaft aus dem Artikel. Mich persönlich würde sehr interessieren, ob unter den jüdischen Holocaustüberlebenden & Nachkommen in Israel dieses „Es lebe das Leben“ ähnlich gewissenvoll geurteilt wird, wie in dem offenen Brief der 350 in der NY Times, der neulich zum Schutz von Leben veröffentlicht worden ist. Leider fehlen diesbezüglich jegliche Hinweise.

  6. Es lebe die gemeinsame Zukunft
    Als Deutscher mit ein paar Prozent jüdischen Blutanteils kann ich nur zustimmen. Keine zwei Völker hatten unter dem Irrsinn des Krieges und des Faschismus so zu leiden wie das deutsche und das jüdische. Und dabei sind sie sich, wenn man genau hinsieht, so ähnlich! Johann Peter Hebel sagte schon vor Jahrhunderten: „Israel ist die Quelle unseres Blutes.“ Es gibt weitere Belege für die Ähnlichkeit: Jiddisch ist eine germanische Sprache. Im Altertum hatten Israel und Germanien denselben Gegner: das römische Reich, die Faschisten der Antike (das römische Ave ist identisch mit dem im dritten Reich gezeigten Gruß), die als Besatzungsmacht unter anderem auch für die jüdische Diaspora hauptverantwortlich sind, waren später auch Gegner des germanischen Freiheitshelden Arminius (bitte nicht als Rassismus verstehen, natürlich haben auch die Römer ihre Verdienste, denn sie haben der Nachwelt auch einiges an Kultgütern hinterlassen).
    Es gibt weitere Parallelen zwischen Israel und Deutschland: Seit ich im Alter von 15 Jahren als Gast zu einer Bar Mitzvah eingeladen wurde ernähre ich mich (fast!) koscher, zumindest befolge ich die Ernährungsregeln wie sie im Buch Leviticus (eines der ersten 5 Bücher Mose und damit auch Teil der jüdischen Tora, nicht wahr?) beschrieben werden. Die penible Unterscheidung zwischen „rein“ und „unrein“ sowie der Grundsatz „du sollst Geist und Körper gesund erhalten“: diese Grundsatztreue und Prinzipienfestigkeit mutet schon sehr preußisch an. Ich hoffe sehr, dass unsere beiden Völker den Weg in eine gemeinsame Zukunft finden – man darf nie vergessen was war, aber man hat andererseits keine andere Wahl, als nach vorne zu sehen.

  7. Der/die Eine wurde in ein Vernichtungslager ...
    … deportiert – andere wurden per Einziehungsbefehl an die Front deportiert und dort massakriert. Den Ueberlebenden des Holocaust stehen die Ueberlebenden des Frontgemetzels bzw des Bombenterros gegenueber.
    Als jemand, der im Bombenkrieg geboren und somit die entscheidenden ersten 3 Lebensjahre der Sozialisierunsphase dort durchlebte fragte ich mich oft, welche Auswirkungen auf mein spaeteres Leben das hatte – aber mich fragt ja keiner!?

  8. Schuld...Vergebung...Erlösung...Shoah
    Sportler nennen „Sauerstoffmangel“ „Sauerstoffschuld“. Ich nenne „Geistschuld“ „Geistmangel“.
    Geistmangel = Humanmangel = Humanschuld.
    Der Mensch, in/mit „…-Schuld“ geboren.
    Die Erlösung ist die „R“Lösung…“R“(ATIO)-LÖSUNG, weil sie zugleich „Ver“gebung…die „VER“-GABE…“VER“(nunft)-GABE(Gebung) ist. Vernunft, Ratio ist DER BILDUNG-WEG.
    DER HUMAN-FRIEDE-BILDUNG-WEG.
    Der Bildungsweg Vernunft-Ratio ist des Menschen „R“lösungsweg…der Zweck des Leben „r“leben, der „Ver“gebung, Vernunftfähigkeit.
    „R“lebe „R“liebend „VER“gebendes Leben.

    Gruß
    W.H.

  9. Danke für den kurzen Einblick ...
    In die Welt der Nachfolgegeneration der Shoa-Opfer. Die wechselnden „Eltern“Rollen zwischen Leiblichen Eltern und den Kindern in der umsorgenden und ihre Eltern beschützenden Folgegeneration und die offenbar sich sogar auf die Nachfolgegeneration übertragenden psychologisch erklärbaren Schuldgefühle der Überlebenden gegen über den Ermordeten lässt wenigstens ansatzweise erahnen, wie über Generationen ein Trauma fortbesteht. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Geburt von Kindern und die Tatsache, dass weitere Generationen dem damaligen Geschehen (ich weiß nicht, wie man die Shoa korrekt klassifizieren soll, vielleicht mit „totalem Vernichtungswahn“?) entgegenstehen, eine Art späterer, wichtiger Triumph der Opfer gegenüber ihren Peinigern und Mördern darstellt. Es ist klar, dass solcherart Traumatisierte Menschen alles tun, um ihre Familie gut zu versorgen. Vermutlich ist es jedoch gleichzeitig Sieg und leidr bleibende Wunde bei der Generation der Opfer, denn mit jedem jetzigen Kind wir man auch an jene erinnert, die damals nicht das Glück hatten, zu entkommen.

    Zum Trauma bzw Erleben der Nachfolgeneration: sehr ernstzunehmende Forscher haben in den letzten 10-15 Jahren bei schwer psychisch Traumatisierten herausgefunden, dass sich auch ohne Kommunikation des Traumas die Nachfolgegeneration starke Emotionale Reaktionen in ähnlichen Rahmenbedingungen zeigen.
    Es wird mittlerweile ernsthaft diskutiert, ob gelegentlich bedrohliche und für das Weiterleben existenziell wichtige Erlebnisse und Konfliktlösungsstrategien nicht nur im davon betroffenen Individuum „mental fixiert“ werden, sondrn sogar genetisch codiert an Folgegenerationen weitergegeben werden können. Erste Untersuchungen scheinen das zu belegen. Es würde die Reaktion der von Ihnen zitierten Soziologin umso mehr nachvollziehbar machen. Und spräche dafür, dass der Weg der Nachfolgeneration(en) fast schon zwingend über die so schmerzliche Auseinandersetzung mit dem Trauma der Elterngeneration erfolgen muss.

    Ich hoffe, dass auch das Glücksgefühl, überlebt zu haben, und die Kraft, weiterzuleben und das Leben trotz allem zu genießen, an die Nachfolgegenerationen weitergegeben wird und damit deutlich wird. Ich jedenfalls wünsche das allen Generationen von Herzen.

  10. [...]
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