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Ich. Heute. 10 vor 8.

Ich. Heute. 10 vor 8.

Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten…

| 7 Lesermeinungen

Wie das Internet mein Sexleben verschönert. Jeden Tag wieder.

Eine WG-Party, so ungefähr 2006, gegen 3 Uhr morgens. Nachdem ich vielleicht eine Viertelstunde mit einem Bekannten über Cybersex diskutiert hatte, erklärte er mir plötzlich: „Ehrlich gesagt: Wer über Sex spricht, der hat keinen.“ Damit war die Unterhaltung beendet und er ließ mich in der WG-Küche stehen. Würden wir uns heute auf einer Party begegnen, könnte ich ihm voller Überzeugung erwidern: „Ehrlich gesagt: Das ist kompletter Bullshit. Wer über Sex spricht, der hat besseren.“

Das Internet hat mich davon überzeugt, dass das so ist.

Ich war schon vor meiner Internetaktivität sehr an Sex interessiert. Meine Mama hat mich aufgeklärt, da war ich etwa 7 Jahre alt. Schulkamerad Daniel Seeberg hatte im Bus das Wort „ficken“ gesagt. Das habe ich dann kichernd zu Hause erzählt.

„Was ist das denn?“, fragte meine Mama.

„Was ganz Ekliges“, antwortete die kleine Alexandra.

Daraufhin erklärte Mama der kleinen Alexandra erstmal, dass es überhaupt nix Schlimmes, sondern was Tolles sein kann, wenn zwei Menschen sich ganz doll lieb haben, etc.

© Alexandra MüllerSexratgeber im Internet können auch Backwerke verschönern.

Mit 16 kaufte ich mir dann den fantastischen Sexratgeber Wild Thing und lernte viel über Cunnilingus und Blowjobs, über gleichgeschlechtlichen Sex und Masturbation. Darüber sprechen, geschweige denn die Tipps wirklich umsetzen, konnte ich allerdings nicht. Ich war nämlich ein brutal schüchterner Teenager und hatte Angst vor meinem eigenen Körper.

Glücklicherweise wurde ich älter, gelassener, und es gab plötzlich DSL-Anschlüsse, WLAN und Flatrates. Willkommen, Internet. Willkommen, Sex.

Sex nimmt online sehr viel Raum ein. Sexting. Pornos. Seitensprungplattformen. Ja. Ja. Ja. Aber es gibt auch eine Welt jenseits von youporn und 2girls1cup. Es gibt diesen Teil des www, in dem offen und auf vielerlei Art über Sex, Sexualität und den eigenen Körpern geschrieben und gesprochen wird.

Das entdeckte ich zum ersten Mal, als ich auf StudiVZ (der deutsche Facebook-Klon, Mitte der 2000er) eine so genannte Gruppe eröffnete: Männer in Frauenkleidern. Ein kleiner Fetisch von mir, den ich mir da halbironisch eingestand.

Plötzlich schrieb mir ein netter Mann, der sowohl heterosexuell war als auch gerne Makeup, Dessous und Kleider trug. In langen Nachrichten erzählte er davon, dass er seiner Freundin bis zu diesem Zeitpunkt nichts über seine Vorlieben sagen konnte, aus Angst, sie würde ihn sofort verlassen – er sei aber eben nicht schwul und auch nicht transsexuell – er fühle sich nur schöner und erotischer in Frauenkleidern.

Da realisierte ich irgendwann: Reden hilft. Zumindest mir.

„Du bist nicht allein“, ist eine der wichtigsten Botschaften. Fast immer. Gerade, was die eigene Sexualität angeht. Es tut so gut zu wissen, dass es weder so etwas wie „pervers“ noch so etwas wie „normal“ gibt. Allein diesen November las ich online eine Handvoll Texte, die genau das sagen:

Wie zum Beispiele diesen hier. Ein Mann berichtet darüber, wie es ist, einen Mikropenis zu haben.

Ich lernte, dass es Männer gibt, die Menstruationssex mögen.

Besonders berührt hat mich dieser Artikel über Demisexualität – eine Form von Asexualität. Sexuelles Begehren entwickelt sich erst, wenn man eine sehr enge Bindung zu einem anderen Menschen aufgebaut hat. Die junge Frau in dem Text beschreibt auch, wie sie erst lernen musste, wie ihre Sexualität aussieht und was ihr ganz persönliches „Normal“ ist.

Gelacht habe ich über diese Fotos, die Dadaismus mit Aktfotografie verbinden. (Die kamen gleich nach den Lumbersexuals, die erotische Anziehungskraft über Holzfällerhemd, Bart und Axt ausüben.)

Und dann war da noch diese übersichtliche Schamlippen-Aufklärungsseite, die damit umgeht, dass auch heute viele Frauen ihre eigenen Geschlechtsteile nicht besonders gut kennen – und sich für „unnormal“ halten.

Die Artikel sind nur eine winzige Auswahl in diesem bunten Online-Sexuniversum. Aber sie sagen: Du bist nicht allein, mit deinem Körper, deinem Begehren, deinen Phantasien. Und all das ist okay. (So lange es andere Menschen nicht gegen ihren Willen verletzt.)

Viele gedruckte Sexratgeber erklären, dass man seinem Partner mitteilen muss, was man mag und was nicht. Dafür braucht es eine Sprache. Und diese Sprache kann das Internet lehren.

Je mehr ich über Sex auf Facebook oder bei Twitter schreibe, desto mehr Gespräche über Jungfräulichkeitsverluste, über Blowjob-Bedürfnisse, über Pornokonsum, über Masturbation und BDSM-Phantasien führe ich. Desto mehr lerne ich, wo ich mich in diesem gigantischen Spektrum menschlicher Sexualität befinde. Alles in allem bin ich darüber eine aufgeklärtere, zufriedenere Frau geworden. Und ganz sicher kenne ich mittlerweile viel mehr Worte für „ficken“ als Daniel Seeberg.

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7 Lesermeinungen

  1. Was Sie schon immer über Sex wissen wollten…
    Sex-Journalismus…Journalismus-Sex…Journa-L/list-innen-Gender-Sex(beichte) in der Öffentlichkeit?!

    Ein ungeübtes Gehirn ist schädlicher für die Gesundheit als ein ungeübter Körper.
    George Bernard Shaw
    …ungeübter Geist-Sex…als ungeübter Körper-Sex?

    Gedanken sind zollfrei, aber man hat doch Scherereien.
    Karl Kraus
    Sex-Geda..Gedanken-Sex ist zollfrei, aber…?

    Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.
    Aldous Huxley
    …so tut, als bringe er die Menschen zum Gedanken-Sex…wer sie wirklich zum Gedanken-Sex…?

    Wenn die Macht der Liebe über die Liebe zur Macht siegt, wird die Welt Frieden finden.
    Jimi Hendrix
    Wenn die Macht des Gedanken-Sex-Trieb(es) über den
    Sex-Gedanken-Trieb Macht siegt, wird die Welt Befriedung/Befriedigung finden?

    Die Liebe besteht zu drei Vierteln aus Neugier.
    Giacomo Casanova
    …Gedanken-Sex-Gedanken besteh/t/en zu 3/4 aus Trieb-Neugier-Trieb…
    und zu 1/4 aus Gedanken-Sex-Vernunftbefriedigung-Körper-Sex-Befriedigung?

    Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
    Albert Einstein
    Gedanken-Sex-Phantas…wichtiger als
    Wissen-Sex, denn…
    Sex-Gedanken-Phantas…wichtiger als Sex-Wissen, denn…?

    Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.
    Albert Einstein
    …neue Art von Gedanken-Sex, Selbsterkenntnisse und Einsichten, wenden Menschheit- Not ?

    Der Mensch nutzt seinen freien Geist und seine angeborene Freiheit, um sich gesellschaftlich,
    mittels „Daten-Geld-Macht-Daten“, immer intelligenter versteckt, komplexer verstrickt, zu versklaven.
    Die damit verbundenen „Gerechtigkeitsfragen“, „Genderfragen“?, löst er dann gewissenhaft intelligent im Rahmen und
    im Namen der schrumpfend verbleibenden „Individuum-Würde-Freiheit-Würde-Individuum“…und das seit Menschengedenken.
    Masochismus und Sadismus, Gedanken-Sex,
    „PER“-Intelligenz-„VERS“(e), auf „Intelligenzschizophrenie“- Weise realisiert?
    Wolfgang Hennig…
    Wolf6an6 Henni6…
    Wolf9an9 Henni9 ???

    Was Sie schon immer über
    …-Sex-… wissen wollten…Frau Müller? :=)

    Guten, gesunden, runden, Sylvester-Rutsch ins neue Jahr wünsche ich Ihnen und
    dem „6 vor …10 vor 8“-Team.

    Gruß
    W.H.

    P.S. …Selbsterkenntnisse und Einsichten…
    Geistmasturbation mit
    „Selfie“-befriedigung/befruchtung…
    neue „Vernunft-art-geburt“, neues Vernunft/denken/handeln, möglich?

    • Titel eingeben
      Ach du liebes bischen.
      Was soll das denn sein. Einmal herzeigen dass man Büldung hat ?

  2. Duncan Reign
    Das Scheitern der Moderne beruht nicht auf Nichterfüllung, sondern auf Erfüllung ihrer Versprechen.

    Die Ursache der Krankheit der modernen Welt ist im Kern die Überzeugung, daß der Mensch sie selbst heilen könnte. Kein individualistischer sich selbst manisch befriedigender Gedanke erscheint heutzutage als zu dekonstruktivistisch und in allen natürlichen Instinkten widerstrebender Weise als zu absurd, als daß er nicht bei technischer Machbarkeit sofort und ultimativ mit aller Macht und Gewalt zum Schaden der Schöpfung erzwungen und der Natur abgerungen werden müßte. Quidquid agis, prudenter agas et respice finem. Das Scheitern der Moderne beruht nicht auf Nichterfüllung, sondern auf Erfüllung ihrer Versprechen.

    • Die Ursache der "Krankheit"...ist der Evolution-Status-Quo der Humanvernunft...Vernunftmangelhande
      Alles ist möglich…und der Mensch realisiert (fast) jede Erkenntnis geistblind, ohne Einsicht, bezogen auf die Realität-Konsequenzen.
      Er handelt schlicht uneinsichtig, unvernünftig…Einsichtmangel, Vernunftmangel. Anstatt „hu-man“ einsichtig, handelt er „man-isch“,
      ausschließlich Erkenntnis-bestimmt, Erkenntnis-lastig, das stimmt.
      Diesem Satz von Ihnen möchte ich aus o.g. Grund widersprechen:
      „Die Ursache der Krankheit der modernen Welt ist im Kern die Überzeugung, daß der Mensch sie selbst heilen könnte“.
      Das Universum „lebt rund“, ist im „Energie-Evolution-Gleichgewicht“,
      weil es den „Selbstheilungscharakter“ der Energie, Rückfluß, Ausgleichsfluß, „Energie-Kreisläufe-Balance“ nutzt.
      Selbsterkennendes UND einsichtiges „Schöpfungsgeistenergie“-handeln, -fluß.
      DER „HEILIGE (-Universum-Schöpfungsenergie-)GEIST“!
      Selbstheilender „Mensch_Geist“, „HUMAN-GEIST“ ist demnach keine „Über-Zeugung-Angelegenheit“, sondern vielmehr „Schöpfungsrealität“, in der Human-Evolution als „Reifung“, als „Generationen-Reifegang“ der „Human-Vernunft“, als Zweck
      des „HUMAN-SEIN“ vor(-aus-)gesehen!
      Bibel: Joh. Offenb. „H“(eil)Armageddon!
      Das betrifft die Selbstheilung per Vernunftreifung…Einsichtreifestand und Erkenntnisreifestand ausgleichen, gendern…“Geist-Ausgleich“, „Human-Geist-Balance“ !

      Der „Sinn“?, die „Sinnfrage“?…ist „SEIN“…“SEIN-Frage“?…“REIFEN“.
      „DER BALANCE-REIFE-GANG ALLEN UNIVERSUM-SEIN“, also auch des LEBEN“, auch „HUMAN-LEBEN“, in Form von EVOLUTION!
      Die „Schieflage-Ursache“, „Krankheit“, ist Einsicht mangelndes handeln. Die „Geist-Balance“, „Geist-Gesundheit“, „Geist-RUNDHEIT“ von Erkenntnis-UND Einsicht-handeln fehlt noch.
      Eßt nicht „allein“ vom Baum der Erkenntnis, sondern auch vom Baum
      der Einsicht…?!

      Gruß
      W.H.

  3. Pingback: Blogs | Ich. Heute. 10 vor 8.: Was Sie schon immer über Sex wissen wollten… « Boussac, Toulx Sainte-Croix, Creuse !!

  4. Dieser Beitrag geht von zwei völlig falschen Prämissen aus
    Nämlich a) dass Daniel Seeberg noch immer 7 Jahre alt ist und b) dass Daniel Seegerg keinen Internetanschluss besitzt. Mein Tip: antickern. Vielleicht ist er mittlerweile zum Vollprofi geworden. 😀

  5. ...und das ein Leben lang!
    Mein Liebes, glaube mir, bleibe bei der Vokabel des Herrn Seeberg! So oft Du kannst, ein Leben lang und Du wirst glücklich sein.
    Bernard del Monaco

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