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Ich. Heute. 10 vor 8.

Ich. Heute. 10 vor 8.

Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Für eine Kultur der Unterschiede

| 40 Lesermeinungen

Männer- und Frauenbratwürste sind ärgerlich, bedeuten aber nicht unbedingt einen Rückschritt. Sie sind auch ein verqueres Zeichen dafür, dass unsere Welt vielfältiger geworden ist. Wenn wir die Unterschiede zwischen uns freiheitlich verstehen, brauchen wir auch keine Stereotypen mehr.

Die grassierende Aufteilung der Konsumwelt in Produkte für Jungs und Mädchen, für Frauen und Männer ist derzeit ein viel diskutiertes Thema. Längst nicht mehr nur Spielzeug und Kleidung, auch Bratwürste und Chips, Matheaufgaben und Überraschungseier werden inzwischen geschlechtsspezifisch vermarktet. Viele sehen darin einen Backlash, einen Rückschritt in Sachen Gleichberechtigung.

Mich nervt das Ganze auch, aber ich glaube nicht, dass es sich bloß um einen Rückschritt handelt. Ja, Mädchen und Jungen sind vor dreißig Jahren weniger stereotypisiert dargestellt worden als heute. Aber der Preis für diese „Gleichheit“ der Geschlechter war die Unsichtbarmachung von Weiblichkeit. Der „normale“ Mensch war damals männlich. Frauen und Mädchen konnten sich zwar „emanzipieren“ – aber nur, wenn sie keinen Wert darauf legten, auch als Frauen und Mädchen sichtbar zu sein. Oder der Tatsache, dass sie welche waren, irgendeine Bedeutung zu geben.

Seither hat sich das Menschenbild diversifiziert, und die leidigen Männer- und Frauenbratwürste, so belämmert sie sein mögen, sind dafür ein Zeichen. Denn sie machen immerhin sichtbar, dass es nicht nur männliche Menschen gibt, sondern auch weibliche. Zugegeben, die Art und Weise, wie das abläuft, ist holprig und hat enorme Schattenseiten. Doch statt lediglich diese negativen Aspekte anzuprangern, schlage ich vor, zu überlegen, wie es in einem guten Sinne weiter entwickelt werden könnte.

Die Diversifizierung des Menschenbildes vollzieht sich nämlich nicht nur entlang der Geschlechterdifferenz, sondern auch entlang anderer demografischer Merkmale wie dem Alter oder der Religion, der sexuellen Identität, der Körperformen und so weiter. Bei allen diesen Aspekten gibt es ein starkes Bedürfnis der bislang Unsichtbaren, der ehemals Marginalisierten, endlich gesehen und in ihrer Differenz anerkannt zu werden. Sie wollen in der Öffentlichkeit präsent sein, benannt und berücksichtigt werden. Dicke Menschen stellen Fotos von sich ins Internet und bloggen über ihre Körpererfahrungen, Musliminnen tragen häufiger als früher Kopftücher, alte Menschen verheimlichen nicht mehr ihr Alter, Schwule und Lesben heiraten und feiern ihre Liebe öffentlich.

Die Gefahr, dass eine solchermaßen sichtbare Diversität in Klischees abdriftet und sich dabei neue Normen herausbilden, besteht bei all diesen Themen. Das liegt aber nicht daran, dass über diese Unterschiede gesprochen wird, sondern daran, dass wir aufgrund unseres lang etablierten universalistischen Weltbildes kein kulturelles Instrumentarium für den Umgang mit Differenz zur Verfügung haben. Alles, was uns im Angesicht von Vielfalt einfällt, sind Schubladen: die Fülle muss gleich wieder sortiert und somit gezähmt werden.

Dieser Drang, die Welt durch Klassifizierung und Sortierung einzuhegen, ist typisch für das westliche, universalistische Denken. Doch diese Herangehensweise ist völlig ungeeignet, um Differenz freiheitlich zu verstehen und zu denken. Denn alle empirischen, beobachtbaren Unterschiede gerinnen sofort wieder zu Kategorien, die dann zum Beispiel einzelnen Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe normativ übergestülpt werden. Was uns fehlt, ist eine Kulturtechnik, die aus der Fülle, die die Bewusstwerdung von Unterschieden zum Vorschein bringt, im Gegenteil mehr Optionen und Möglichkeiten für die Einzelnen gewinnt.

Vor einiger Zeit habe ich einen Reiseveranstalter beim Erstellen eines Programms beraten und stolperte dabei über die Altersangaben. Da wurde etwa eine Kulturreise nach Rom für Menschen „Sechzig Plus“ beworben, eine Wandertour auf den Kanaren für unter Fünfzigjährige und so weiter. Auf meine Frage, was diese Altersvorgaben sollen, erfuhr ich, dass es häufig zu Konflikten zwischen älteren und jüngeren Reiseteilnehmerinnen und -teilnehmern gekommen sei. Die Älteren wollten in Rom Kirchen besichtigen, die Jüngeren nicht, bei der Kraterwanderung ging es den einen nicht schnell genug voran, während die anderen nicht mehr mitkamen. Um Enttäuschungen zu vermeiden, habe man deshalb Altersgrenzen eingeführt.

Das war gut gemeint, aber schlecht umgesetzt. Denn es besichtigen eben nicht alle Über-Fünfzigjährigen gerne Kirchen, und nicht jede Vierzigjährige schafft locker eine Zwanzig-Kilometer-Wanderung. Sicher gibt es statistische Korrelationen zwischen bestimmten Interessen oder Fähigkeiten und dem Alter, und dasselbe gilt für andere demografische Merkmale wie Geschlecht, Religion, sexuelle Orientierung und so weiter. Aber daraus können eben nicht – wie in diesem Reiseprogramm – umgekehrt Rückschlüsse auf einzelne Menschen gezogen werden. Statt starrer Altersgrenzen, so riet ich meinem Kunden, sollte er besser die einzelnen Reisen möglichst konkret erläutern: „Bei diesen drei Tagen in Rom werden zwanzig Kirchen besichtigt“. Oder: „An dieser Reise kann nur teilnehmen, wer fit genug ist, um zwanzig Kilometer am Tag zu wandern“.

Die Kunst besteht darin, Zugehörigkeit nicht mit Identität zu verwechseln. Wir müssen ins kollektive Bewusstsein bringen, dass sich aus der Zugehörigkeit eines Menschen zu einer bestimmten Gruppe – den Frauen oder den Männern, den Alten oder den Jungen und so weiter – rein gar nichts über diesen Menschen schlussfolgern lässt. Dass viele Muslime keinen Alkohol trinken, bedeutet eben nicht, dass der muslimische Gast auf meiner Party ebenfalls keinen Alkohol trinkt. Und auch wenn statistisch gesehen weniger Frauen als Männer ihren Status über die PS-Zahl ihres Autos definieren, kann ein fetter Dienstwagen genau das Richtige sein, um eine bestimmte Mitarbeiterin im Betrieb zu halten.

Dass wir uns zu Recht gegen stereotype Zuschreibungen aufgrund von Geschlecht, Alter, kulturellem Hintergrund und so weiter wehren, darf jedoch nicht dazu führen, die gewonnene Sensibilität für Differenzen wieder aufzugeben und zum universalistischen Mantra zurückzukehren, wonach „alle Menschen gleich“ wären. Nein, das sind sie nicht. Es gibt Unterschiede zwischen Frauen und Männern, zwischen Alten und Jungen, zwischen verschiedenen Kulturen, Lebensformen und so weiter. Und es ist gut, wenn diese Unterschiede sichtbar sind, wenn über sie gesprochen wird, wenn sie Teil unseres kulturellen Selbstverständnisses werden, und wenn wir darauf achten, dass möglichst viele unterschiedliche Erfahrungshintergründe und Perspektiven bei der Gestaltung der Welt berücksichtigt und beteiligt werden. Anstatt wie früher eine bestimmte demografische Gruppe von Menschen für „normal“ und maßgeblich zu halten und alle anderen an ihnen zu messen und ihren Vorlieben und Interessen unterzuordnen.

Und wenn wir gelernt haben, aus Unterschieden keine Schubladen zu machen, könnte eine wirklich pluralistische Fülle von Optionen entstehen: mehr Auswahl, mehr Anregung, mehr Freiheit für alle.

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40 Lesermeinungen

  1. Nirwana
    Eine irre Gedankenführung. Bevor es zu dieser propagierten Einsicht kommt, wird eine Kultur, die mit unseren Werten – auch der Demokratie- nichts anzufangen weiß, in dieses Nirwana von Dekadenz herein stoßen, einschließlich Männlichkeitswahn, der sich schon im Straßenbild zeigt. Erdogan folgen hier schon 80% der Türken mit deutschem Pass, auch wenn sie seit Generationen hier leben. Man kann sich die Welt auch schön reden und die Konflikte übersehen, die sich weltweit ausbreiten und sich nicht mit Gurken für Jungen oder Mädchen bekämpfen lassen. Urban Prior hatte bei seinem Jahresrückblick auch eine treffende Szene parodiert: die Ansprache eines Jungen, der im Internet surfte und als Antwort nur urige Laute von sich gibt. Das war sicher überzogen – wie jede Parodie. Aber Priol ist kein Comedian- er meint es ernst. Die Gesundbeterei der Autorin schrammt doch an den Fakten vorbei. Ist beispielsweise die Fehlernährung, die fette Menschen nach sich zieht, reine Privatsache? Nein sie fällt letzten Endes auf die Krankenkasse, in die auch die Vernüftigen einzahlen müssen zurück und wird eines Tages- so Mediziner- das Gesundheitswesen sprengen. Zum gesellschaftlichen Zusammenhalt: Kurt Biedenkopf hat vor 20 Jahren vor dem Deutschen Architektentag in Hamburg zum Thema „Zukunft der Stadt“ gesprochen. Sie habe (als Gesellschaftsmodell) keine Zukunft, wenn Masseneinwanderung aus bestimmten Kulturkreisen unweigerlich zu Parallelgesellschaften führten. Er bekam von den (damals mehrheitlich links verorteten Delegierten) Ovationen, die leider nichts bewirkten. Das propagierte Maß an Akzeptanz, die mehr ist als Toleranz, bildet in Wahrheit ein langjähriges Maß von Gleichgültigkeit ab, die jetzt an einigen Stellen aufbricht und das Erstaunen über Proteste ist groß. Und wenn der Bundespräsident bei seiner Weihnachtsansprache das Wort „Familie“ bewußt vermeidet, kommt man sich als Eltern, die ihre Kinder unter auch finanziellen Schwierigkeiten groß zogen und sie nicht der Fremderziehung anheim gaben, schon verhohnepiepelt vor. Die Familie in Auflösung? Nun, bei einem wachsenden Teil der Zugewanderten eher das Gegenteil mit entsprechenden Strukturen. Sie nehmen gern Sozialleistungen entgegen, mehr aber auch nicht. Assimilierung ist ja laut Erdogan eine Menschenrechtsverletzung.

  2. Zeichen,...
    …daß unsere Welt stärker verquer ist.

  3. An Gesetzen und Regeln führt in einer Gesellschaft kein Weg vorbei.
    Und damit sind Schubladen aka Kategorisierung unausweichlich, die perfekte Einzelfallgerechtigkeit ist unerreichbar und führt bestenfalls zu wohlwollender Willkür.

    Darüberhinaus ist nach meinem Kenntnisstand die Forderung nach einer perfekt einzelfalldifferenzierten Weltbetrachtung für den menschlichen Verstand auch enorm anstrengend. Der ist dafür gebaut zu kategorisieren, also Schubladen zu konstruieren. Man kann natürlich trotzdem fordern, dass der Mensch, jeder Mensch, sich minütlich, stündlich, täglich, immer dieser Anstrengung unterzieht. Nur über das Scheitern dieser Forderung darf man sich dann nicht wundern.

    Auch Träume und Utopien sollten einen Rest Realitätsbezug beinhalten. Die Forderung nach einer Kulturtechnik der alltäglichen Berücksichtigung aller denkbaren Unterschiede beim Menschen ist vollkommen irreal. Da, wo sie in Teilbereichen von einzelnen Individuen versucht wird, führt sie regelmässig zu klarer Selbstüberforderung, auf Wunsch PMe ich gerne Beispiele aus dem kulturellen Umfeld der Autorin.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • @ThorHa – Das ist mir zu viel Entweder-Oder. Natürlich beinhalten Gesetze und Regelungen immer eine gewisse Kategorisierung, aber es ist ja möglich, sich dieser pragmatischen Kategorisierung bewusst zu sein und sie nicht dafür heranzuziehen, Einzelfälle zu beurteilen, wenn man es mit Einzelfällen zu tun hat. Auch da kommt es eben wieder auf den Kontext an: Befinde ich mich gerade an einem Ministeriumstisch und soll ein Gesetz entwerfen? Ja, dann muss ich Kategorien bilden. Oder befinde ich mich gerade im Gespräch mit einer bestimmten Person? Dann muss ich dieser Person gerecht werden und darf ihr nicht meine generalisierenden Kategorien überstülpen. Das ist meiner Ansicht nach Realismus.

    • Okay. Selbst in dem von Ihnen geschilderten Fall praktisch unmöglich :-).
      Sie können mit viel gutem Willen und unter grosser Anstrengung gegen die Schubladen in ihrem Gehirn ankämpfen und versuchen, sie nicht praktisch wirksam werden zu lassen. Verhindern lassen Sie sich nicht, das menschliche Gehirn ist auf Kategorisierung gezüchtet. Und der ständige Kampf gegen Kategorisierungen ist richtig mühsam und kaum auf Dauer durchzuhalten.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • @ThorHa – Auch das ist doch wieder kein Entweder-Oder. Auch wenn ich das Kategorisieren nicht tausendprozentig sein lassen kann, kann ich es doch relativieren und mir bewusst machen. Und ein Gehirn, das auf eine Richtung „gezüchtet“ ist, kann auch wieder anders gezüchtet werden. Für mich ist das in der Praxis auch gar nicht so mühsam, wie es sich anfühlt. Bei weitem überwiegt die Freude daran, dass ich in vielen Situationen besser zurecht komme, weil ich mit meinem Denken näher an der tatsächlichen Realität bin und mir die nicht dauernd zurechtbiegen muss, damit sie in meine Schubladen passt 🙂

    • Titel eingeben
      Die Kategorien die ein Individuum bilden, die Intelligenz die es aufbringen kann, sind abhängig von dessen Bildung, Intelligenz, Kritikfähigkeit und Allgemein-Kultur und somit weitgehend individuell. Insofern Denkmuster zu Ungerechtigkeit führen ist es Aufgabe des Staates zu intervenieren. Jedenfalls Danke für den Input mit der Regel- und Einzelfallgerechtigkeit – macht Einiges klarer – ich glaube aber dass die Gravität der durch Kategrisierung entstanden Ungerechtigkeit jeweils abgewogen und bei Bedarf hier geschraubt wird, selbst bei Gurkengläsern falls notwendig.

    • Kategorisierungen
      „Verhindern lassen Sie sich nicht, das menschliche Gehirn ist auf Kategorisierung gezüchtet. Und der ständige Kampf gegen Kategorisierungen ist richtig mühsam und kaum auf Dauer durchzuhalten.“

      Das sehe ich genauso, sogar verschärft in dem Sinn, daß Kategorisierungen größtenteils unterbewußt ablaufen, namentlich auch Klassifizierungen in „normal“ (üblich, häufig) und „unüblich“ (unbekannt, potentiell gefährlich), ebenso die Reaktionen darauf, vor allem nichtverbale Ausdrucksformen in Mimik oder Gestik. Die hat man kaum unter Kontrolle, wenn man nicht gerade gelernter Schauspieler ist, und sie werden meistens auch richtig verstanden.

      Generell halte ich es für einen gravierenden Konstruktionsfehler der feministischen Gesellschaftsvisionen, von der Annahme auszugehen, die Leute seien dermaßen selbstreflektiert und -kontrolliert wie von Frau Schrupp gefordert. Das schafft allenfalls eine „intellektuelle Oberklasse“ (Vorsicht: Klassismus!) Für noch fragwürdiger halte ich die These:

      „Was uns fehlt, ist eine Kulturtechnik, die aus der Fülle, die die Bewusstwerdung von Unterschieden zum Vorschein bringt, im Gegenteil mehr Optionen und Möglichkeiten für die Einzelnen gewinnt.“

      Quod licet Iovi, non licet bovi. Es gibt ganz viele Fälle von Unterschiedlichkeiten, wo mir gar nicht alle Optionen offenstehen oder wo ich die Zeit hätte, lange über alle Alternativen nachzudenken. Schon gar nicht hat jeder, der etwas anders macht als ich, einen Anspruch auf meine Zeit (daß ich mich damit befasse) oder es sogar gut finde. Ich weiß, es gibt Leute, die mit Tempo 250 auf der Autobahn fahren, ich finde das nicht gut und die Leute interessieren mich nicht weiter. Das ist mein gutes Recht. Insofern halte ich auch nichts von folgender These:

      „Bei allen diesen Aspekten gibt es ein starkes Bedürfnis der bislang Unsichtbaren, der ehemals Marginalisierten, endlich gesehen und in ihrer Differenz anerkannt zu werden. Sie wollen in der Öffentlichkeit präsent sein, benannt und berücksichtigt werden.“

      Wer darf sich denn als marginalisiert definieren und daraus ein Recht auf Aufmerksamkeit, Wahlgeschenke, Wohlwollen meinerseits usw. ableiten? Sieht nach einem trojanischen Pferd aus, in dem die feministische Privilegientheorie steckt 😉 (OK, schräges Bild) Das sieht äußerlich ganz humanitär aus, erweist sich aber als perfides Machtinstrument, das diejenigen, die sich in unsichtbaren symbolischen Ordnungen untergeordnet fühlen, zum eigentlichen Machtinhaber macht. Das ist zutiefst undemokratisch.

      Ich bin für Freiheit, u.a. die Freiheit, andere zu ignorieren, auch wenn sie sich für noch so wichtig halten. Das darf natürlich jeder ignorieren, der nicht einverstanden ist, aber sagen tu ich es trotzdem. 😉

  4. Auf einen anderen Bereich
    bezogen… Eine z.B. Unisex Rente ist in der Tat von Übel – jedenfalls für den Männlichen Part.

    Wo es also nachrechenbare Unterschiede gibt, sollte man diese auch berücksichtigen und nicht in die Gleichmacherei verfallen, weil es eben aktuell politisch korrekt ist.

    • Würden Sie dann auch eine gesonderte Rente je nach gesundheitlichem Zustand fordern?
      Denn immerhin wäre es ja dann auch gerecht, jedem nach seiner persönlichen Lebenserwartung eine entsprechende Rente zu zahlen – also dem rauchendem Fast-Food-Esser mehr als dem nicht-rauchendem, sportlich-aktivem Vegetarier?

    • @Direktus – Der Vorschlag ist durchaus interessant, zumal es ja tatsächlich große Unterschiede gibt, nicht mal so sehr zwischen Frauen und Männern (da gleicht sich die Lebenserwartung langsam an), aber zwischen Armen und Reichen. Tatsächlich profitieren Reiche ungerechterweise sehr viel mehr von unserem Rentensystem. Andererseits ist aber eben die statistische Lebenserwartung nicht dasselbe wie die konkrete persönliche Lebenserwartung. Von daher würde ich an der Stelle sowieso viel grundsätzlicher nachdenken und zum Beispiel einen Teil der Rente durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen ersetzen. Aber das führt jetzt weg vom Thema. Was das Thema Geschlechter und Rente betrifft, so haben Frauen statistisch gesehen zwar länger Rentenansprüche, wegen Lebenserwartung, aber dafür sehr viel geringere, weil sie mehr unbezahlte Arbeit leisten, z.B. in Haushalten, während die Rentenansprüche aber fast ausschließlich aus der Erwerbsarbeit abgeleitet werden. Von daher ist das sowieso auf vielen verschiedenen Ebenen ungerecht.

  5. Glückwunsch, Fr. Schrupp. Wohltuende Vernunft-Gedanken im Tiefgang der "Geist-Lade",
    „DIE LADE“(bibl.), die Vernunftgüte bewirkenden „Geist-Schub“, „Vernunftreifeschub“, geben kann…die „Gedanken-Lade“…das Gehirn.
    „Schub laden“ = „Geist laden“. Geist-„Ladung“, Geist-Vernunft-„KAPAZITÄT“ per denken erhöhen, vergrößern, vergüten, verfeinern…“(Vernunft-)Schub-lade(-n-d)-denken“?!
    Vernunftkapazität und Vernunftgüte…Quantität und Qualität.

    Die Grade der Vernunft, des/der (Einzel-)Menschen-heiten, Menschen-gesellschaften, bestimmen die Grade ihrer humanen Freiheiten, ihrer humanen Gerechtigkeiten, ihrer humanen Gleichheiten, ihrer Human-Gleich-Wert-Beachtung und ihrer Geborgenheit, ihrer Friedenheit. Sowohl quantitativ als auch qualitiv.
    Größe und Güte des Human.
    Größe und Güte seines humanen handelns.
    Wolfgang Hennig

    Der schöpfungsgewollte Zweck des Vielfalt-Sein,
    der Vielfalt-Existenz
    und ihre „Gleich-Beachtung“
    vom reifend wahrnehmenden Human.

    „Tiefdenken“ können ist die notwendige Basis-Bildung, sein Leben souverän, vernünftig, lenken zu können.
    Lesen, schreiben und rechnen können, reichen nur, um sich bedenken-, gedanken-los „ausrichten“ zu lassen. In die „Schublade“ der „Macher“, der „Macho’s“…:=)
    Wolfgang Hennig

    Versuche niemals jemanden so zu machen, wie du selbst bist. Du solltest wissen, dass einer von deiner Sorte genug ist.
    Ralph Waldo Emerson

    …aber beachte, nehme die notwendige, Not wendende,
    Gleichheit der Beachtung
    allen Vielfalt-Sein, die Würde aller Schöpfungsexistenzen wahr und handele und behandele human reifend, human begreifend, human ausgleichend… G/gender…Humanreif.

    Gruß
    W.H.

  6. Pingback: Nicht alles an Frauenbratwürsten ist schlecht… | Aus Liebe zur Freiheit

  7. Begrüssenswert
    Eine zunehmende Fähigkeit zu differenzieren signalisiert evolutionären Fortschritt. Schon in der Bibel wird die Geschlechtergleichmacherei als Gräuel bezeichnet. Die Frage sollte allerdings nicht lauten: sollen Männer oder eher Frauen überlegen sein? Beide Geschlechter sollten danach streben ihre jeweilige Spezifik immer stärker herauszukristallisieren, soll heißen was man braucht sind Männer, die immer männlicher und Frauen, die immer weiblicher werden. Dann erübrigt sich auch die Frage nach der Emanzipation, da die Bewertung des Einzelnen immer nur auf individueller Ebene vor sich gehen kann. Eine starke Frau wäre demnach einem schwachen Mann überlegen (und natürlich auch umgekehrt). Um zu vermeiden ins Hintertreffen zu geraten muss also jeder danach trachten, sich so gut es geht zu perfektionieren. Dann haben wir etwas was produktiv ist: keine institutionalisierte Gleichmacherei, sondern einen Wettstreit der Geschlechter, die sich, so paradox es klingen mag, auf dem Wege zu ihrer Perfektionierung einander eher annähern als sich voneinander zu entfernen. Witzig-ironische Gurkengläser oder ähnliche Gimmicks können viel dazu beitragen, den Geschlechterkampf abzumildern und den Stress aus der alltäglichen Debatte herauszunehmen. Ich denke was keiner haben will sind reitende Amazonen, die auf ihrem Kampfross einherpreschen und danach trachten, den Männern das Rückgrat zu brechen. Beim Versuch sich zu perfektionieren haben allerdings Männer es im Moment etwas schwerer. Die moderne Zivilisation in ihrer Überdrehtheit bringt nämlich nicht nur Segen mit sich, sondern beispielsweise auch etwas, was man als Östrogenschwemme bezeichnet (für die Uninformierten: Östrogen, das weibliche Geschlechtshormon, ist der Gegenspieler des männlichen Geschlechtshormons Testosteron). In vielen Kunststoffen beispielsweise sind sogenannte „Weichmacher“ enthalten, die man als Östrogengenerika ansehen kann. Wenn wir also nicht wollen, dass unsere Welt immer weichgespülter wird wäre es unter Umständen ratsam, zivilisatorisch gelegentlich einen Gang zurückzuschalten oder mal inne zu halten. Frauen sollten in ihrem eigenen Interesse einsehen, das eine von jeglicher Männlichkeit befreite Welt nicht die ultima ratio sein kann. Der Appell an die Geschlechter sich zu perfektionieren und sich dabei immer weiter gegeneinander zu differenzieren ist alles andere als menschenfeindlich: schon Shakespeare sagte: „this above all: be true to thineself, and it must follow as night follows day that thou canst not be false to any man“ (sinngemäß etwa: „bleib dir selbst treu und die Folge daraus wird zwangsläufig [wie die Nacht dem Tag folgt] sein, dass du keinem anderen etwas Böses tust“). Die Menschheitsgeschichte ist ja gottlob noch nicht zu Ende geschrieben und mit diesem begrüßenswerten neuen Trend zur Diversifizierung/Differenzierung ist ein wesentlicher Schritt heraus aus der Stagnation und dem Stellungskrieg des Geschlechterkampfes und hin auf eine echt humanere Gesellschaft getan.

  8. Titel eingeben
    Liebe Frau Schrupp, frohes neues Jahr. Die über Jahrhunderte von niemanden (auch von keiner Frau) überhaupt nur bemerkte oder problematisierte Wahl des männlichen Substantivs als Bezeichnung, wenn alle (und nicht nur Männer) gemeint sind, war praktisch, weil sie Bandwurmsätze oder stete Mehrfachbenennungen vermied. Ob sie auch eine Unterdrückung der Frauen beinhaltete, ist reine Betrachtersache, zumal Gesellschaften, deren Sprache keine semantische Geschlechtsunterscheidung kennt (wie die englischsprachigen) kein niederes oder höheres Maß an Frauenunterdrückung haben. Die Festlegung, sie sei diskriminierend, ergibt sich in erster Linie aus der fortschreitenden Differenzierung der Gesellschaft, die sich aus der seit rund 150 Jahren stattfindenden Verbürgerlichung der Gesellschaft speist, die zu Individualismus und Ich-Kultur geführt hat. Das ist wohl das, was Sie mit „Sichtbarkeit“ einer Gruppe meinen, seien es nun Frauen, Lesben, Dicke, Veganer oder Gummifetischisten. Man fühlt sich heute nicht mehr als Teil eines Ganzen, sondern nur noch einer Peergroup. Auch die zunehmende Diskriminierung des Begriffes der Nation sehe aus dieser Quelle kommen, weit mehr als aus NS-Vergangenheit und all dem.
    Das widerspricht aber keineswegs dem angeborenen Bedürfnis des Menschen als sozialen, sippenorientierten Lebenswesens, irgendwo „dazuzugehören“. Ob dies eine Volksgemeinschaft, eine Rasse oder nur eine Gruppe gleicher Kleidung, sexueller Vorliebe oder Musikgeschmacks ist, ist dann nebensächlich und wie alles Modewandeln unterworfen. Der Hyperindividualismus des 21. Jahrhunderts ist ebenso eine vorübergehende Erscheinung wie die weitgehend entindividualisierten Phasen in Europa wie etwa im Mittelalter. Und vergessen Sie nicht, es gibt zu jeder Bewegung auch immer eine Gegenbewegung. Die Integrationsverweigerung von Muslimen ist eben kein Ausdruck von westlicher Ichkultur, von Individualismus, sondern eine bewusste Abkehr von dieser Gesellschaft, die als hohl und inhaltsleer empfunden wird, auch als anstrengend und wenig wärmestiftend. Muslimische Zuwanderer haben dann eben auch die Rückzugsmöglichkeit in die islamische Massenidentität (die „Umma“), die keine Individualität kennt, was die Autochthonen nicht mehr haben, sie haben sich in ihrer Mehrheit nationaler und religiöser Identitäten längst entledigt. Unser Rückzug ist dann eben der kleinstmögliche gemeinsame Nenner, der noch geht: Mann, Frau, Homo, Hetero, Linker, Rechter, Hipster, Punk, Radfahrer, iPhone-Besitzer, Ökopax. Und so weiter. Dass wir zwischen diesen Identitäten hin- und herspringen würden oder auch nur wollten, wie Sie es andeuten, ist Unsinn. Wir erkennen uns selbst nur durch Abgrenzung. Ich bin weiß, er ist schwarz. Ich bin kinderlos, sie nicht. Ich mag warmes Wetter, er die Kälte. Und so weiter.
    Fragen Sie mal Menschen, was sie mögen. Die meisten werden erstmal äh sagen und dann mühsam ein paar Sachen aufzählen. Fragen Sie dagegen, was jemand nicht mag. Sofort sprudelt er los. Das ist menschlich, denn wir grenzen uns immer negativ ab. Evolutionär sicherte das wohl einen Überlebensvorteil. Dabei wird es bleiben. Wir sind was wir sind. Nicht was wir gerne wären.

    • @Bergblau – Dazu gibt es jetzt schon viele Studien, die zeigen, dass Menschen, die Personenbeschreibungen in männlicher Form hören oder lesen, automatisch an Männer denken und nicht an Frauen.

  9. Titel eingeben
    Und wer als Mann lieber liebliche Gurken mag, der ist halt ne Homotunte. Hauptsache das Zeug verkauft sich insgesamt besser. Das ist doch ein Zeichen für Verblödung und blinden Konsumkult, aber doch kein Zeichen von Vielfalt. Dass man sich den Kram kauft, trotz des anmaßenden Marketings. Ü-Eier für Jungs oder Mädels sind ja noch halbwegs sinnvoll, aber bei Lebensmitteln für ERWACHSENE hab ich wirklich kein Verständnis mehr dafür. „Du bist eine Frau und hast es süß zu mögen“ und „Du bist ein Mann und hast es scharf zu mögen“. Hurra, jetzt werden Männer und Frauen gleichermaßen von Marketingmenschen in Schubladen gesteckt, es lebe die Vielfalt.
    Wenn man alle Schnapsideen von irgendwelchen nihilistischen Marketingheinis, die sogar funktionieren, der Gesellschaft als Spiegel vorhalten würde…Ohje!

  10. »Aber der Preis für diese ›Gleichheit‹ der Geschlechter war die Unsichtbarmachung von Weiblich
    Genau das ist doch der Kern des ganzen Gender-Gleichheitswahns! Die Botschaft lautet: alles Ur-Weibliche – zum Beispiel auch Mutter sein – wird zurückgestellt oder aufgegeben, um einem dem Klischee entsprechend möglichst »männlichen« Leben zu weichen.
    Vor lauter Jubel übers Arbeitengehen-»Dürfen«, Zigarettenrauchen-»Dürfen« und Hosentragen-»Dürfen« hat so manche Frau (und so mancher Mann) vergessen, dass es eine Zeit gab, in der nicht beide Eltern einer Kleinfamilie berufstätig sein und ihre übrige Zeit mit dem Wegorganisieren der Kinder zubringen mussten. (Dass die Frau früher untätig herumgesessen wäre oder es ihnen an verantwortungsvollen Aufgaben gemangelt hätte ist eine weitere Verzerrung, die ausgerechnet vom sog. »Feminismus« verbreitet wird.)

    Der Feminismus hat die Frau verraten, um ein Mischwesen zu schaffen, das in der Öffentlichkeit im Grunde nur noch in tierisch-sexualisierter Form als Frau Geltung hat.

    Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es gab und gibt große Missstände im Verhalten vieler Männer gegenüber der Frau. Diese zu thematisieren war längst überfällig.

    Der Feminismus aber hat sich nicht besser zu helfen gewusst, als die Frau zu maskulinisieren – gerade so, als wolle er Frauen wie Männern die postulierte Überlegenheit des Männlichen und die angebliche Unterlegenheit der Frau beweisen.

    Seit Urzeiten ist die Frau die alles entscheidende Kraft, mit der die Keimzelle der Gesellschaft, die Familie, steht und fällt – die Moderne macht aus Mann und Frau austauschbare Zufälle und sieht sich gezwungen, die letzten verräterischen Unterschiede per Quote auszubügeln.

    Am Rande möchte ich ein weiteres Missverständnis ausräumen: Diese Person in Hosenanzug ist keine Kanzlerin, sondern ein Kanzler, der im Zivilstand zufällig weiblich ist.

    Wer sich in dieser Welt zurecht findet, der beschwere sich bitte nicht über mangelnde Vielfalt jenseits von Oberflächlichkeiten.

    • @a-haellbecker – Sehe ich anders. Wenn eine Frau Hosen trägt, dann imitiert sie nicht Männer, sondern sie macht Hosen zu einem weiblichen Kleidungsstück. Aus der „Natur“ lässt sich nicht direkt ableiten, was eine Frau ist oder zu sein hat.

    • männliche und weibliche Hosen
      „Wenn eine Frau Hosen trägt, dann imitiert sie nicht Männer, sondern sie macht Hosen zu einem weiblichen Kleidungsstück.“

      Diese Argumentation übersieht, daß es männliche und weibliche Hosen gibt. Ich wage einmal die These, daß man bei den meisten Hosen sofort erkennen kann, ob sie für einen Mann oder eine Frau ist. Und zwar selbst dann, wenn man von Unterschieden durch die Kleidergrößen und anderen Körperproportionen absieht. Wenn man die hautengen Leggings, in denen gefühlte 50% aller Frauen unter 40 herumlaufen, auch als Hosen zählt, ist der Fall erst recht klar.

      „Aus der „Natur“ lässt sich nicht direkt ableiten, …“

      daß es männliche und weibliche Hosen geben muß. Es gibt ja in der Tat ein paar neutrale. Die Leute (zumindest Heteros) wollen aber geschlechtstypische und kaufen gerne solche Hosen und generell geschlechtstypische Kleidung, weil sie einen simplen Pawlowschen Effekt beim anderen Geschlecht ausnutzen: durch geschlechtstypische Kleidung wird man attraktiver, und das wollen Heteros notorisch sein. Das ganze funktioniert sehr gut, die Leute sind lernfähig und schon haben wir einen selbstverstärkenden Prozeß, der Geschlechterunterschiede verstärkt.
      Was gerade geschlechtstypisch ist, ist egal bzw. von Zufällen abhängig, Hauptsache, man kann es gut unterscheiden und der Pawlowsche Effekt tritt ein.

    • @RNader – In manchen westlichen Kulturen gab es früher keine weiblichen Hosen, da Frauen generell keine Hosen trugen/tragen durften. Dann fingen manche Frauen an, welche zu tragen, dann wurde das wieder ausdifferenziert in weibliche_männliche_neutrale Hosen und so weiter. Das zeigt doch, dass die Konstruktion von dem, was „weiblich“ oder „männlich“ ist, ein ständiger Prozess ist, an dem wir alle mit beteiligt sind. Derzeit gibt es immer mehr Eltern (noch sind es wenige), die ihre Jungen ermutigen, Glitzerkleidung zu tragen und mit Elfen zu spielen, aber auch das heißt nicht, dass diese Jungen „Mädchensachen“ machen, sondern dass diese Sachen – durch dieses Handeln – auch zu „Jungssachen“ werden. Wahrscheinlich gibt es dann irgendwann wieder jemanden, der Jungs-Elfen und Mädchen-Elfen erfindet und so weiter, wie gesagt, ein ständiger Prozess, an dem man selber unweigerlich mitwirkt, je nachdem, ob man sich anpasst, oder ob man die eine oder andere Richtung aktiv unterstützt.

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