Ich. Heute. 10 vor 8.

Ich. Heute. 10 vor 8.

Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Mein Bauch gehört euch

| 16 Lesermeinungen

Annegret Raunigk hätte eine späte Mutter mit Vorbildwirkung sein können. Statt dessen hat sie sich mit ihrer Vierlingsschwangerschaft auf ein Experiment an ihren Kindern eingelassen.

Mein Bauch gehört Euch.© Bernhard Novak, CC BY 2.0Mein Bauch gehört Euch.

Es dürfte nur noch wenige Wochen dauern, dann muss Annegret Raunigk unters Messer. Laut Statistik sollten die Vierlinge in ihrem Bauch um die 33. Schwangerschaftswoche herum per Kaiserschnitt ins Leben geholt werden. Vorausgesetzt, sie kommen dort unbeschadet an. Die Gesundheit von jedem einzelnen ihrer vier Kinder ist massiv gefährdet. Möglich, dass sie ihre eigene Geburt nicht oder nur kurz überleben. Die, die es schaffen, werden mit einiger Wahrscheinlichkeit Entwicklungsstörungen aufweisen. Ihr Start ins Leben wird von Stress, Schmerz und Fremdheit geprägt sein – Intensivmedizin für Frühgeborene ist keine Kuschelveranstaltung.

Der Fall der alleinerziehenden Vierlingsschwangeren bewegt derzeit die Gemüter. Muss das sein?, wird gefragt. Schließlich hat die Frau bereits mehr als nur ein paar Kinder, sie hat bereits beeindruckende 13 geboren. Viel schwerer jedoch wiegt in der öffentlichen Debatte die Frage, ob Annegret Raunigk überhaupt schwanger sein darf. Denn sie verstößt gleich gegen zwei gesellschaftliche Standards: Die Kinder sind durch eine künstliche Befruchtung entstanden, bei der sowohl die Eizellen als auch die Samenzellen von Fremden stammen. Und Annegret Raunigk ist 65 Jahre alt.

Der Streit um das gesellschaftlich akzeptierte Alter einer Mutter hat alles, was man von einer vorgestrigen körperpolitischen Debatte erwarten darf. Die Reflexe funktionieren hier wie geschmiert. Wenn Männer mit fortgeschrittenen 70 Jahren Vater werden, werden sie in die Kategorie „Schwerenöter“, gern auch unter „lebensfroher Lustgreis“ einsortiert. Ist nur Spaß, die Sache mit dem Kind.

Besorgt sich eine 65 Jahre alte Frau ihr Kind aus dem Reagenzglas, ist das wider die Natur. Und zwar sowohl biologisch als auch ethisch. Das arme Kind, wird dann gern lamentiert, wird viel zu früh Waise. Seine Mutter verwirklicht sich doch nur selbst, nach ihr die Sintflut. Als wäre eine Schwangerschaft eine Art lange, ruhige Reise, verborgen unter fließenden Umstandsgewändern, mit deren Details wir bitte nicht belästigt werden möchten. Wie In-vitro-Kinder wirklich entstehen, darüber wird lieber nicht gesprochen. Denn dann müsste von Geld, von Rechtsprechung, von Risiken (auch emotionalen) die Rede sein. Dabei wird hierzulande bereits jedes 80. Kind per In-vitro-Fertilisation gezeugt, jedes zehnte Paar nimmt für sein Wunschkind ärztliche Unterstützung in Anspruch. Ein Kinderwunsch ist keine Kleinigkeit, ein nicht erfüllter Kinderwunsch oft eine persönliche Katastrophe.

Für diese Menschen könnte Annegret Raunigk, diese sehr späte Mutter, ein ermutigendes Vorbild sein, was biologische wie biographische Selbstbestimmtheit angeht. Sie nimmt sich, was sie will, und zwar dann, wenn sie dazu bereit ist. Den peinigenden Versagens-Prophezeihungen, mit denen die Geburtshilfe ältere Mütter bedroht, setzt sie Gelassenheit und Praxiserfahrenheit entgegen. Wo andere Eltern ihren Kinderwunsch heimlich im Ausland mit Geld, mit Leihmüttern oder halblegalen Auslandsadoptionen verwirklichen, macht sie die Umstände ihrer Schwangerschaft öffentlich.

Annegret Raunigk ist jedoch kein ermutigendes Vorbild. In den sozialen Medien taucht immer wieder folgender Satz auf: „Die Alte hat den Schuss nicht gehört.“ Eine Schmähung, die sowohl auf Raunigks Alter als auch auf ihren Geisteszustand abzielt, die sie also in den Status einer Quartalsirren einsortiert, die nicht altersentsprechend beiseite zu treten vermag. Sie selbst hat dem Sender RTL gesagt, sie sei der Meinung, dass jeder sein Leben so leben sollte, wie er oder sie möchte. „Wie muss man mit 65 sein? Man muss ja offensichtlich immer irgendwelchen Klischees entsprechen – was ich ziemlich anstrengend finde.“ Es sind die Sätze einer zur Irritation ihrer Kritiker geistig gut sortierten Frau, die als beamtete Lehrerin sogar beruflich alle Voraussetzungen mitbringt, sich bestens um ihre Kinder zu kümmern.

Annegret Raunigk ist keine bildungsferne Mandy, der akademische Kreise gerne mal die Befähigung zur Mehrfachmutterschaft abzusprechen versuchen. Sie hat bereits 13 Kinder zwischen neun und 44 Jahren, die – nach den veröffentlichten Bildern zu urteilen – allesamt lebenstüchtig scheinen. Sie kleidet sich geschmackvoll und schaut gewinnend durch ihre randlose Brille. So gesehen ist Frau Raunigk aus Berlin eine schlechte Projektionsfläche für Vorurteile gegenüber Müttern, späten Müttern zumal. Dass sie sich selbst durch ihre Schwangerschaft gefährdet, möglicherweise mit dem eigenen Leben bezahlt, wird ihr klar sein. In einem Land, in dem über Fragen des Freitods und des assistierten Suizids debattiert wird, muss ihr wie anderen risikoschwangeren Eltern diese sehr persönliche Entscheidung freigestellt sein.

Die Grenze der Selbstbestimmung ist jedoch überschritten, wenn es um die vier Kinder in ihrem Bauch geht. Dieser Bauch gehört nämlich jetzt, da sie sich für diese Kinder entschieden hat, ihnen. Nach allem, was die Forschung heute weiß, ist er nicht für vier oder drei Babies ausgelegt; egal ob er zu einem 30 Jahre alten oder zu einem 65 Jahre alten Körper gehört. Dass Annegret Raunigk zugelassen hat, dass ihr die Ärzte in einer ukrainischen Kinderwunschklinik vier befruchtete Eizellen eingepflanzt haben – dafür trägt sie die Verantwortung. Mit einem einfachen Nein hätte sie verhindern können, dass ihre Kinder einen schweren Start ins Leben haben. Sie ist ja eine informierte Person. Aber sie hat nicht nein gesagt. Statt dessen wollte sie nicht nur auf Nummer sicher gehen, sondern auf extrasicher, und zwar einzig bezogen auf den von ihr erwünschten Erfolg. Diese Ich-nehme-das Komplettpaket-Haltung gegenüber ihren Kindern ist es, wegen der sie der Solidarität anderer zu Recht verlustig geht.

In Deutschland werden üblicherweise nach Reagenzglasbefruchtungen ein bis zwei Eizellen in die Gebärmutterhöhle eingesetzt. Laut Embryonenschutzgesetz dürfen nach dem 35. Lebensjahr höchstens drei Embryonen transferiert werden, damit am Ende wenigstens ein Kind kommt. Dass die Wahrscheinlichkeit der Mehrlingsgeburt gar nicht mal so klein ist, sieht man in den biosanierten Vierteln dieses Landes, wo die Zwillings- und Drillingskinderwagen später Eltern in den Hausfluren parken. Eltern, die zuguterletzt doch noch schwanger geworden sind, sind einfach nur dankbar dafür und hoffen, dass die Kleinen im Bauch der Mutter gesund ins Leben rutschen. Annegret Raunigk, die Vierlingsschwangere aus Berlin, hat offenbar gemeint, das sei ihre Entscheidungsfreiheit. Ein Irrtum, der für ihre Kinder vermutlich sehr schwerwiegende Folgen hat.

Weiterlesen:
Anja Maier: Junge Großmütter, späte Mütter
Catherine Newmark: Das Problem der Deutschen mit den Kindern
Catherine Newmark: Parallelwelt in der ARD
Rike Schmid: So hot, so not. Schluss mit den Polarisierungen…

10

16 Lesermeinungen

  1. Ein Paradebeispiel für mögliche Folgen der Säkularisierung.
    Danke dafür, Fr. Maier.
    „Viel“ „liebe Emotionenergie“ „E“….viel „liebe Intelligenzenergie“ „I“.
    Wieviel „liebe humane Vernunft-Bildung“ als Reifeflußfolge homogener
    Synthese, „Ratio-Synergie“…Grad der humanen Vernunft mit 65 Jahren…ist das humane Resultat? Das gilt auch für die Ärzte…
    für die Welt. s. Weltgeschehen.
    Die lauten Schreie nach „unendlicher Wachstumfreiheit“…
    Selbstbestimmung…“unbegrenzte Freiheit“ überhaupt…
    aber taub für den stummen Hilfeschrei der eigenen Seele nach
    humaner Vernunftbildung…PSYCHE-SEELE…Gleichgewicht…
    GLÜCK…Selbstbegrenzung!?
    „human“e, homo“gene“(ratio-nen) …(Human…Homo Sapiens!?)
    „V“(ernunftsynergie) = „E“(motionenergie) X „I“(ntelligenzenergie).

    Vernunft…Vernunftgrad…Lebenzeit…Bildung(s)-Strom „L“IE“BE“.

    Krankheit Säkularität und Heilung der Vernunftliebe
    Psyche-Seele-Achse.
    Wir beugen die Vernunftliebe, indem wir uns ausschließlich der Liebe zur Intelligenz (Staat(s-religionen)) beugen.
    Wir beugen die Vernunftliebe, indem wir uns ausschließlich der Liebe zur Emotion (Kirchen-religionen) beugen.
    Wir stärken die Vernunftliebe und gewinnen an Vernunftliebe, indem wir uns ausschließlich der Liebe zur Vernunft(religion) beugen…
    sonst kommt keine Weisheit mit dem Alter.

    Vernunft bedeutet bewußte Balance von freiem, lebendigem Geist und muß jeden Tag des Lebens bewußt neu ausbalanciert,
    belebt, GEBILDET werden.
    Vielleicht zum Zweck bewußt gelebter, versöhnlicher Selbst-Liebe, für ein bewußt geliebtes persönliches Leben ?!

    Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.
    Albert Einstein

    MfG
    W.H.

    P.S. Humane Vernunft kostet Gedanken, die als Dank reifende Human-Vernunft enthalten.

  2. Machbarkeit, Freiheit und Konsistenz
    Sehr geehrte Frau Maier

    Jenseits der moralisierenden Debatten möchte ich eine Frage stellen, die eher in Richtung Konsistenz zielt: Wenn die Freiheit zu und die Machbarkeit von Schwangerschaften von Frauen, die eigentlich schon lange keine eigenen Eizellen mehr (im Körper) haben, begrüßt wird, wird dann auch der Einsatz von Gentechnik begrüßt? Und wenn Gentechnik gut geheißen wird, dann nur am Menschen oder auch an Flora und Fauna?

    Viele Grüße
    Günther Werlau

    • Gentechnik
      Lieber Herr Werlau, was genau meinen Sie. Von wem sollte in welchem Bereich der Einsatz von Gentechnik begrüßt werden? Von Müttern, Väter, Gentechnikern? Von letzteren sicher. Seien Sie gegrüßt von Anja Maier

    • Es geht um Sie und Ihre Peergroup
      Sehr geehrte Fau Maier,

      es geht um Sie und Ihre Meinung. Sie scheinen, wenn ich Ihren Artikel richtig interpretiere, der Meinung zu sein, ein 65ig-Jährige sollte frei darüber bestimmen können, ob sie noch ein Kind bekommen will oder nicht. Da dies nicht ohne künstlichen Eingriff möglich ist, war mein Gedanke ob Sie das Demiurgische, dass dem Hinwegsetzen über biologische Grenzen innewohnt, auch an anderen Stellen, an denen das im Bereich der Biologie geschieht, begrüßen. Die Frage an Sie und ggf. auch Ihre peer group lautet also präziser: Freuen Sie sich uneingeschränkt über die Möglichkeiten der Gentechnologie und beißen Sie voller Genuss in genetisch veränderte Lebensmittel?

      Viele Grüße
      Günther Werlau

  3. Vollkommen unklar.
    Was möchte mir die Autorin mit dem Begriff „künstliche Befruchtung“ sagen? Künstliche Befruchtung ist legal. Aber diese Dame hat auf Eizellspenden zurückgegriffen. Die sind natürlich illegal in Deutschland. Das müsste einen zwar nicht beeindrucken; indessen: für das Verbot gibt es ja natürlich Gründe. Damit müsste sich der Artikel also auseinandersetzen; die klammert er aber aus!

    • Sehr geehrte Frau Storz,
      dass es sich um eine bestimmte Form der künstlichen Befruchtung handelt, steht doch ganz klar im Text: „Die Kinder sind durch eine künstliche Befruchtung entstanden, bei der sowohl die Eizellen als auch die Samenzellen von Fremden stammen.
      Was möchten Sie uns also mit diesem Einwurf sagen?
      H. Dietz

  4. Pingback: Blogs | Ich. Heute. 10 vor 8.: Mein Bauch gehört euch - Facebook UK

  5. Sie haben völlig recht, Frau Dietz,
    Entschuldigung. Mich hatte dieser (später im Text zu lesende) Satz irritiert: „Dabei wird hierzulande bereits jedes 80. Kind per In-vitro-Fertilisation gezeugt, jedes zehnte Paar nimmt für sein Wunschkind ärztliche Unterstützung in Anspruch.“ An der Stelle wird eine m. E. unzulässige Gleichsetzung mit Dt in den Raum gestellt; denn es hatte ja einen (juristischen) Grund, weshalb die zukünftige Mama, der ich nichtsdestotrotz alles erdenklich Gute wünsche, in die Ukraine gefahren ist! Aber es stimmt natürlich – wenn man einen Schritt zurücktritt und sich mal das ganze Thema besieht, kann man durchaus auch ohne Eizellspende etwas gegen den gesamten Komplex der In-vitro-Fertilisation einwenden. Das fällt nur emotional schwer, angesichts so vieler Frauen, für die das eben die letzte verbliebene Möglichkeit ist, doch noch Mutter zu werden.

  6. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen...
    die im fortgeschrittenen Alter Kinder kriegen ist ganz einfach. Der Vater hat immer eine Frau die noch jung genug ist, um die Kinder auch groß zu ziehen. Wenn Männer im fortgeschrittenen Alter und übrigens natürlich ohne medizinischen Eingriff Vater werden, ist das mit dem hier vorliegenden Fall einer egoistischen allein erziehenden Mutter nicht im geringsten zu Vergleichen (wäre es auch nicht, wenn sie nur ein Kind bekäme). Wer das nicht erkennt, hat wohl zu sehr verinnerlicht, dass Frauen prinzipiell Opfer der gesellschaftlichen Umstände sind. Ganz im Gegensatz zu Männern selbstverständlich.

    • Der Unterschied
      Lieber Herr Müller, ob bei einer Fertilisationsbehandlung möglicherweise der Samen des Vaters stimuliert werden kann, weiß ich nicht. Aber bei einer Fachtagung zu IVF habe ich erfahren, dass sich mit zunehmendem Alter auch die Samenqualität verschlechtert. Und zwar nicht nur in bezug auf die Beweglichkeit, sondern auch auf Gendefekte. Das fand ich sehr interessant.
      Dass sie die Vierlingsmutter als egoistisch im gleichen Atemzug mit allein erziehend beschreiben, ist Ihnen unbenommen. Ich teile das so nicht.
      Das Wort Opfer kommt in meinem Text nicht vor.
      Seien Sie gegrüßt von Anja Maier

    • @ anja maier
      Liebe Frau Maier! Abnehmende Qualität der Spermien, genauso wie abnehmende Qualität der weiblichen Eier, die bereits bei unter 40 jährigen Müttern problematisch ist, bei älteren Männern ist bekannt, aber ich sehe nicht was sie mir damit sagen wollen. Tatsache bleibt, dass alte Männer (auch meist gut situierte) in der Regel mit jüngeren Frauen Kinder zeugen, die sie nicht behindert und gesund auf die Welt bringen können und die sich auch in den Jahrzehnten danach um die Kinder kümmern können. Was will ein pubertierendes Kind mit einer Greisin als Mutter zumal wenn ein jüngerer Vater fehlt?
      Dass sie den Eindruck erwecken wollen, dass ich alle allein erziehenden als egoistisch bezeichne, ist schon ziemlich dreist. Dies stimmt sicher in Bezug auf Frau Raunigk ist aber nicht zu verallgemeinern und ich sehe vor allem keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Egoismus von Menschen und ihrem Familienstand, ob erziehend oder nicht.
      Nein, das Wort Opfer kommt bei ihnen nicht explizit vor. Das ist auch bei ihrer Gegenüberstellung vom alten Schwerenöter und der 65 jährigen Frau, die sich ein Kind aus dem Reagenzglas besorgt und dafür zu Recht kritisiert wird, auch gar nicht nötig. Dieser Vergleich ist so daneben, dass er die Intention des Artikels herausquetscht, wie Zahnpasta aus einer fast leeren Tube. Sehr mühsam! Und was soll sonst die Intention hier sein, außer wieder einmal eine Benachteiligung des bevorzugten Geschlechts zu konstruieren? Eben!

      Dass sie Menschen mit nicht erfülltem Kinderwunsch, die sich in Deuschland einer IVF unterziehen, dafür instrumentalisieren, den Egotrip von Frauen jenseits der Menopause zu rechtfertigen, ist auch ziemlich krass. Und Frau Raunigk kann für diese Menschen ganz sicher in keiner Weise Vorbild sein. Diesen Menschen geht es nicht wie alten Frauen, die noch schwanger werden wollen um biologische und biographische Selbstbestimmtheit ohne jede Rücksichten auf Kinder und Gesellschaft. Viele Grüße!

  7. Menschenzucht
    Sorry, aber die ganze Diskussion über künstliche Befruchtung, künstliche Schwangerschaften, künstliche Geburten und was noch alles erinnert mich massiv an die Praktiken der Tierzucht.

    Welche dieser Eltern denken eigentlich an die Kinder, die auf solche Weise gezeugt/ausgetragen/geboren werden? Ist eigentlich schon erforscht, welche Folgen das auf die Kinder hat? Schon Adoptionskinder haben es schwer. Wie wird es den Retortenkindern ergehen?

    • Psychosoziale Forschung
      Lieber Herr Wackermann, ja, solche Forschungen gibt es. Ich habe kurz ins Netz geschaut, dort finden Sie mehrere Untersuchungen zu körperlichen und psychosozialen Forschungen zu IVF-Kindern.
      Seien Sie gegrüßt von Anja Maier

  8. Selbst Kinder fallem dem Ego der Eltern zum Opfer. Eine Folge der Selbstverwirklichung
    Mir tun die Kinder selbstverwirklichender Eltern Leid. Da wächst ein Kind im Bauch der Mutter heran, und diese macht alle Vorsorgeuntersuchungen, kauft ein, plant, zieht Großmütter, Tanten und Freunde zu Rate, träumt von den Karrieren ihres Prinzen oder Prinzessin, macht alle möglichen Tests, damit es auch ja keine Überraschungen gibt, das Kind ist bereits auf das genaueste untersucht, bevor es am geplanten Tag per Kaiserschnitt auf die Welt geholt wird. Kaum ist es Zuhause, steht ein bestens ausstattiertes Kinderzimmer parat, mit entwicklungsförderndem Spielzeug, einem perfekten Bett, und Mutter, Großmütter und Tanten wollen das Baby umsorgen. Jeder tut, was er für das Baby am besten hält. Nur was, wenn sich das Baby nicht nach Plan verhält. Wenn es eben nicht Mittagschlaf hält, wenn es das Spielzeug uninteressant findet oder falsch verwendet und stattdessen die Halskette der Mutter vorzieht? Dann ist die gesamte Brigade aufgeschmissen, sucht in Fachbüchern nach Hilfe, anstatt einmal das Kind zu beobachten, und die kleine Persöhnlichkeit einfach so zu akzeptieren, wie sie gerade ist. Die eigenen Wunschvorstellungen der wahren Entwicklung des Kindes weichen lassen. Es gibt keine perfekte Kindererziehung! Jedes Kind braucht einen anderen Umgang. Missverständnisse, Fehler, Probleme sind ein Lernfortschritt für beide Seiten.
    Es gibt noch eine zweite Art selbstverwirklichender Mütter. Die wollen unbedingt für ihr Ego ein Kind, aber keine Abstriche in ihrer Freizeit, Karriere und Urlaubsplanung machen. Da wird das Kind sobald wie möglich in eine Kita gesteckt, wenn es Älter wird, wird das Kind unter der Woche in der Schule betreut, am Wochenende und in den Ferien wird es zu verschiedenen Ferienlagern, Ganztägigen Veranstaltungen etc. geschickt. Und dann wird erwartet, dass das Kind beim Anblick der Eltern freudestrahlend auf diese zurennt, dass es sich brav an die Vorgaben der Eltern hält, und eine innige Beziehung zu ihnen hat.
    Es scheint heute für so viele Eltern ein Problem zu sein, sich auf das Wunder Kind einzulassen. Ein Kind ist unkalkulierbar, es kann sich vielem anpassen, auch Kind sein ist schließlich kein Wunschkonzert, doch es gibt Grenzen. Doch wer will sich heute noch auf ein Risiko einlassen. Wer kann eigene Grenzen akzeptieren, wenn es um die Natur geht. Wir können viel, doch macht es uns wirklich reicher und glücklicher, wenn wir Kinder künstlich erzeugen? Gibt es irgendeinen vernünftigen Grund mit 65 ein Kind zu bekommen? Nur weil es möglich ist. Die Selbstverwirklichung ist den Risiken für die Kinder nicht angemessen. Das ist fahrlässige Körperverletzung! Es würde mich nicht stören, wenn das Risko allein bei der Mutter läge, aber wenn wir tragen auch die Verantwortung, durch unser Handeln nicht die Gesundheit von anderen zu gefärden. Selbst wenn diese Kinder ohne dieses Risikos nicht leben würden. Das Sex übrigens reiner Spaß, und nicht der Beginn eines neuen Lebens ist, scheint schon fast gesselschaftlich annerkannt. An Folgen des Ego will man einfach nicht denken.

  9. Liebe Frau Maier, ich weiss nicht, in welchen Kreisen Sie aufgewachsen sind.
    In denen, in denen ich aufgewachsen bin – kleinstädtisches Bürgertum – war ein siebzigjähriger werdender Vater nie ein bewunderter Schwerenöter. Sondern schlicht ein alter Idiot, ein saumässiger Vater und schlechterzogener Mensch. Und nach meiner Beobachtung und langjährigen Lebenserfahrung ist er das auch ausserhalb dieses begrenzten Dunstkreises, man sollte die Berichterstattung in der BUNTEN vieleicht nicht mit der Stimme des Volkes oder wenigstens dessen halbwegs erzogenen Kreises verwechseln.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Kreise
      Lieber Herr Haupts, von Kreisen würde ich nicht sprechen. Ich bin schlicht unter Menschen aufgewachsen. Unter denen gab es natürlich auch alte Väter, genauer: zwei. Als alten Idioten, saumäßigen Vater oder schlecht erzogenen Menschen habe ich keinen der beiden erlebt. Derlei zu beurteilen hätte ich mir natürlich auch nicht angemaßt.
      Seien Sie gegrüßt von Anja Maier

Kommentare sind deaktiviert.