Ich. Heute. 10 vor 8.

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Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Der Fortschritt als Langsamgeher

| 21 Lesermeinungen

Die alten Kerle, die junge Schriftstellerinnen lieber verschlingen als ernstnehmen wollten, sterben glücklicherweise aus. Jetzt wollen wir 100 Prozent Honorar und die Hälfte der Preise.

Wie der Fortschritt ein Langsamgeher: das Bärtierchen© vi.wikipedia.org, CC BY 2.5Wie der Fortschritt ein Langsamgeher: das Bärtierchen

Carl Spitzweg malte seinen berühmten „Armen Poeten“ 1839 in einem zugigen, ungemütlichen Dachstuhl, mit dicken Plumeaus im Bett liegend – der Dichter friert, denn er hat kein Geld um zu heizen. Die einsame und frierende Dichterin hingegen, sie fand nicht mal den Weg auf ein mitfühlendes Gemälde der Spätromantik. Vermutlich hatte sie das Schreiben oder vielmehr die Träume vom Schreiben längst an den Nagel – neben Topflappen und Rührlöffel – gehängt und sich um ihre frierende Kinderschar in der zugigen Stube gekümmert.

Wie aber sieht die Lage der Schriftstellerinnen im deutschsprachigen Raum heutzutage aus? Auf den ersten Blick könnte man meinen, es sei schon vieles erreicht. Heute publizieren mehr Schriftstellerinnen als je zuvor. Doch die Zeiten, in denen ältere männliche Literaturkritiker erstaunt zur Kenntnis nahmen, dass gleich zwei Handvoll jüngerer Autorinnen in namhaften Verlagen veröffentlichten durften – das Ganze wurde pseudo-affirmativ und verniedlichend mit dem Begriff „Fräuleinwunder“ belegt – sind nicht lange her.

Ich habe damals angesichts der ebenso großen Flut sehr junger männlicher Autoren wie Benjamin Lebert, Benjamin von Stuckrad-Barre und Christian Kracht versucht, den Begriff des „Männleinwunders“ zu etablieren, aber, wie Sie gemerkt haben dürften, er hat sich nicht durchgesetzt.

Doch nachdem der Begriff „Fräuleinwunder“ – er hielt sich erschreckend lange, ungefähr eine Dekade lang – endlich in der Versenkung verschwand, änderte sich nicht wirklich etwas an der Wahrnehmung von Autorinnen. Nach wie vor wird in Rezensionen eher über das Äußere oder das Privatleben einer Autorin berichtet – im Vergleich zu Rezensionen von Titeln männlicher Autoren. Von einem führenden Literaturkritiker des Landes musste ich mir anhören: „Ach, diese positive Kritik Ihres Erzählungsbandes, die kann ich mir gar nicht erklären – der Rezensent hat sich sicher in Ihr Foto verliebt!“ Ein Verleger raunte mir bei einer eher steifen Veranstaltung über die Folgen des Zweiten Weltkriegs, auf der ich einen Roman vorstellte, zu: „Wie schade, dass man heute nicht mehr alle Autorinnen mit Haut und Haaren verschlingen kann!“ Die Krönung war und blieb eine Rezension in der „Berliner Zeitung“ von einem mir bis dato unbekannten Germanistikprofessor der Humboldt-Universität: „Mit diesem Buch hat Tanja Dückers einen schlechten Blowjob hingelegt.“

Ein Problem stellen natürlich auch Kinder dar. Während männliche Kollegen, auch wenn sie mehrere Kinder haben, oft mehrmonatige Stipendien im Ausland wahrnehmen – ich könnte hierfür viele Beispiele aufzählen, die mir persönlich bekannt sind – machen Mütter das meist nicht. Viele Aufenthaltstipendien untersagen die Mitnahme von Kindern sowieso kategorisch. Eingeladen zu einem Writer-in-residence-Stipendium nach New Hampshire, musste ich feststellen, dass ich in 60 Jahren Stipendienvergabe die erste Schriftstellerin war, die mit Familie kommen wollte. Fast alle Stipendiaten waren Männer – und die wenigen eingeladenen Autorinnen hatten keine oder schon erwachsene Kinder. Alle eingeladenen Schriftsteller wurden, sofern sie Familie hatten, von ihren Ehefrauen oder Lebensgefährtinnen begleitet, die sich selbstverständlich um die Kinder kümmerten, nur wir baten um Hilfe bei der Suche nach einem Kindergartenplatz. Damit stellten wir für das renommierte Ostküstencollege ein Novum dar. In der collegeeigenen Kita bekamen wir keinen Platz, obwohl wir schon zwei Jahre im Voraus darum gebeten hatten.

Deutschlands bekannteste Agentin, Karin Graf, Inhaberin der großen Literatur- und Medienagentur „Graf & Graf“, meint ohne zu zögern, dass Verlage ihr für die Manuskripte von Schriftstellerinnen weniger Geld anbieten als für die männlicher Kollegen. Auch bekämen nachgewiesenermaßen Männer leichter und eher Hardcoverausgaben ihrer Bücher als Frauen.

Laut Statistik der Künstlersozialkasse verdienen Schriftsteller durchschnittlich 4.919 Euro mehr als Schriftstellerinnen: Das Jahresdurchschnittseinkommen im Bereich „Wort“ liegt für Männer bei 19.523 Euro, für Frauen bei 14.604 Euro. Diese Kluft hat auch Folgen für die soziale Lage der Schriftstellerinnen, nicht zuletzt für Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Damit wird ziemlich genau der Unterschied von 25 % bei Männern und Frauen für die gleiche Arbeit statuiert, den die ZEIT einmal berechnet hat. Doch nicht nur abstrakte Zahlen, sondern auch die eigene Erfahrung unterstreicht dies: Als ich von einer bekannten Kultureinrichtung in Berlin zu einer Podiumsdiskussion eingeladen wurde, musste ich nachher in der Kneipe erfahren, dass ich 100 Euro weniger als meine beiden männlichen Mitstreiter erhalten hatte. Wie kann so etwas passieren? Auf Rückfrage erklärte der Veranstalter, dass die männlichen Kollegen „besser verhandelt“ hätten als ich. Vorher hatte er mir jedoch gesagt: „Bei Podiumsdiskussionen haben wir seit Jahren einen Festsatz, was das Honorar angeht, da gibt es keinen Spielraum“. Dies hatte ich nicht als Aufforderung verstanden, weiter über das Honorar zu verhandeln, die männlichen Kollegen offenbar schon. So lange zu wenig Frauen Schlüsselpositionen im Literaturbetrieb besetzen, wird sich das unterschiedliche Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen immer wieder zum Nachteil von Schriftstellerinnen erweisen.

Ein Blick auf die Träger großer Literaturpreise zeigt die unterschiedliche Wahrnehmung von Autoren und Autorinnen besonders deutlich. „Bekommt eine Frau eine wichtige Auszeichnung zuerkannt“, sagt Ruth Klüger, „wird das immer noch mit Ausrufezeichen versehen.“

Der Nobelpreis wurde bisher 99 mal an Männer und dreizehnmal an Frauen verliehen. Die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek kommentiert das so: „Ich zähle dazu, aber ich komme nicht vor“.

Ein Blick auf den Pulitzer-Preis offenbart ein ähnliches Missverhältnis: Von bisher 240 Preisträgern waren 198 Männer und 42 Frauen. Vielleicht, so dachte ich, ist die Lage ja bei den französischsprachigen Nachbarn anders, da gab es doch Schriftstellerinnen wie Marguerite Duras und Simone de Beauvoir. Doch der Prix Goncourt wurde 101 Männern und nur neun Frauen verliehen. Im deutschsprachigen Raum sieht es nicht besser aus: Der Georg-Büchner-Preis ging bislang nur neunmal an Frauen (von 63 Preisträgern). Bei der Vergabe des Bachmann-Preises sieht die Lage etwas besser aus: Hier ist ein gutes Drittel der Preisträger Frauen.

Beim Deutschen Krimipreis ist die Lage wieder deprimierend: Von 176 Preisträgern sind 15 Frauen. Hier könnte man argumentieren, dass es wahrscheinlich – ich konnte keine genauen Zahlen hierzu finden – mehr männliche Krimischreiber gibt als weibliche. Ein Problem besteht schon darin, dass allein die Jurys fast immer männlich dominiert sind. In den bisher tagenden Jurys des Deutschen Krimipreises befanden sich 26 Männer und 8 Frauen.

Man kann jedoch konstatieren, dass es bei allen Literaturpreisen – ob international oder auf den deutschsprachigen Raum bezogen – in den letzten 15-20 Jahren mehr weibliche Preisträger als je zuvor gegeben hat. Das ist beim Bachmann-Preis auffällig. In den letzten sechs Jahren wurde er sogar dreimal an Schriftstellerinnen verliehen. Diese Entwicklung spricht dafür, dass sich die Situation von Schriftstellerinnen langsam verbessert. Aber der Bachmann-Preis ist leider noch immer die Ausnahme. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen, und damit auch von Schriftstellerinnen, haben sich zwar in den letzten 60 Jahren stark verändert, und die Geschlechterhierarchien sind in Frage gestellt worden. Doch bis heute wird das Merkmal „weiblich“ in den Künsten als gesonderte Kennzeichnung einer Minderheit eingesetzt. Das muss sich ändern.

In einer Kneipe im Prenzlauer Berg hängt ein Gemälde der Schriftstellerin Judith Hermann. Sie schaut melancholisch und verloren in die Welt. Den Kopf hat sie zur Seite geneigt, schüchtern, verstehend. Dass sie Schriftstellerin ist, kann man dem Bild nicht ansehen. Vorlage war ein bekanntes Portraitfoto der Autorin aus dem SPIEGEL – zum Auftakt des „Fräuleinwunders“.

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21 Lesermeinungen

  1. Persönlich geht es einem immer zu langsam, man hat ja nur ein Leben.
    Historisch betrachtet allerdings dürfte es selten, streiche, niemals eine Zeit gegeben haben, in der sich Geschlechterrollen schneller wandelten, als heute. Und was der Autorin „zu langsam“ geht, ist für viele andere bereits zu schnell – einer der Gründe für den Aufsteig rechtspopulistischer Pareien in Europa. Ich weiss nicht, ob es noch schneller gehen könnte, vermute aber, darauf dürften Sätze wie dieser „Doch bis heute wird das Merkmal „weiblich“ in den Künsten als gesonderte Kennzeichnung einer Minderheit eingesetzt. Das muss sich ändern.“ den geringsten Einfluss haben.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2. Der Fortschritt als Langsamgeher...geht aber doch noch...
    im Gegensatz zum human-geistigen Reifeschritt…der geht rückwärts… so kommt es mir vor…Ungeduld als Reifemangel-Ausdruck?…bei mir.
    Ich vermute, Ihre als Ungerechtigkeit bezeichnete
    Preis(e)-(Lohn-)Verleihungsauswahlgerechtigkeitsschieflage,
    ist in meiner Reifeschritt-Erwartung…Human-Glück…enthalten…
    nach meiner Human-Glückdefinition…
    Human-„G“(ender-Geist-)LÜCK(enschrittreifegang)“?…
    ich verhandle noch…auch wenn es heißt, so wie bei Ihnen…
    kein „Verhandlungsspielraum“…aber mehr in Richtung…
    Human-Geist-Reife-Schritt-„Handlungen“ sind kein „Spiel-Raum“…
    geistig „Ver-„(tikal) gedacht:=)
    Die Rolle des Menschen als geistreife (=Gender-)Menschheit in der Erdevolutionphilosophie ist die des Erde-Verwalter und Erde-Behüter…
    „Erde-Park-Bauer“ und „Erde-Park-Wächter“…von Generation
    zu Generation weiter geführt…
    Unsere Erde…zu beachten lernen und zu lieben lernen…
    als „Hotel-Mama“ mit Human-Not wendender Selbstverpflegung…
    „GEN-DER“…“ERD-GEN…“ „gleiche Reifeschrittgenerationen“…
    „WUERDE“…“HUMAN“…“W“(esen)U(rsprung)ERDE“…
    Gleiche Würde…Gleiche Preise…Gleicher Lohn…ERDVERPFLEGUNG…
    für „W/wesen-gleiche“ „Würdezeit = Lebenzeit“?

    MfG
    W.H.

  3. Titel eingeben
    Liebe Tanja Dückers
    Vielen Dank für Ihren Beitrag.Um das Kind beim Namen zu nennen:Wir leben in einem Patriachat.Und wir,Frauen und Männer haben die Konsequenzen zu tragen,weil sowohl Frauen und Männer diese Syste
    m unterstützen.Und ich glaube sogar,dass Frauen und Männer darunter leiden,auch wenn die von Ihnen aufgeführten Beispiele,Aussagen und Erfahrungen ein anderes Bild abgeben.Die Zuschreibung der Emotialität auf die Frau, des Logos auf den Mann, bewirkt m.E. eine kämpferische Haltung im Zusammenleben,wenn es überhaupt dazu kommt,im Sinne von tolerantem,mitteilendem,teilendem,annehmendem Verhalten.
    Ich selbst bin Mutter dreier erwachsener Kinder,zwei Mädchen und ein Junge.Bei der Geburt unserer ersten Tochter wurden mir Versagen und meiner Frauenärztin schuldhaftes Verhalten von Mitgliedern meiner Familie vorgeworfen.Die Ärztin hatte beim Ultraschall in der sechzehnten Schwangerschaftswoche einen männlichen Embryo zu erkennen geglaubt.
    Der Jubel war groß,doch kam es wie erwähnt anders.
    Mein löwenartiges Mutterherz kämpfte um die Anerkennung dieses wundervollen weiblichen kleinen Wesens.
    Ich konnte nicht nachvollziehen,warum denn ein Junge „wertvoller“ sein sollte.Und schon gar nicht in den Augen von Frauen!!Ich fühlte so etwas wie Verrat.
    Mit dem dritten Kind „klappte“ es.Als ich es dann nicht auf den ihm zustehenden Thron des hochwohlgeborenen Prinzen erhoben habe,unterstellte man mir,dass ich keine Jungen mag.Hallo,ich war und bin die Mutter.Ich habe die Schmerzen auf mich genommen,um schließlich ein weiteres wundervolles Wesen im Arm zu halten.Ich glaube es gibt keine Steigerung von wundervoll.Ich denke es gibt in der heutigen Zeit viele Mütter und Väter,die den Wert eines Kindes nicht vom Geschlecht abhängig machen.Ich geh sogar soweit zu behaupten,die den Wert eines Menschen von nichts abhängig machen.Ein jeder Mensch ist und bleibt wertvoll.Ich glaube von mir behaupten zu können,dass die Unterschiede in der Begleitung meiner Kinder lediglich darauf beruhen,dass sie unterschiedlich sind!Vermittelt habe ich aber allen dreien die gleichen Werte,wie Toleranz,Mitgefühl,Achtung,Ehrlichkeit,Miteinander,Mut sich auszudrücken,Mut zu eigenen Fehlern und vor allem Mut zu Gefühlen.Und das ist der Knackpunkt.Die sogenannte Erziehung sollte glaube ich in Richtung Förderung der Sozialen Intelligenz und Förderung der Emotionalen Intelligenz gehen.Dann dürfen einige Männer sich auch mal Schwächen eingestehen,die sie nunmal haben,so wie wir Frauen sie haben.Und dann brauchen manche Männer ihre Unsicherheit und Angst vor den Frauen nicht mehr hinter einem Begriff wie Fräuleinwunder verbergen.Mein Apell:Frauen,traut euch eure Söhne mit Liebe und Gefühlen zu überhäufen,lacht und weint mit ihnen,gesteht ihnen Schwächen zu,die sie auch zeigen dürfen.Eure Söhne und Töchter werden es euch danken.Die Welt dankt es mit friedlichem Miteiander.Der Apell geht auch an die Männer,die ihre Ohren dafür nicht verschließen,und die nicht ständig ausserhäusig sind,um die Beute zu erlegen,mit der sie dann vermeintlich ihre Familie ernähren.
    Mit diesen Gedanken blicke ich optimistisch in die Zukunft,die ,wenn auch nur sehr langsam in Richtung:Weder Patriachat noch Matriachat(hatten wir ja mal)sondern nur WIR.
    Herzlichst
    Birgit Schlattmann

    • Mit Löwenherz für das eigene Kind kämpfen ist gut ...
      auch gegen „Familien-Löwen?-Hyänen?-…?-Herzen“.
      An das zukünftige humane? WIR zu glauben auch.
      Gibt es zur Zeit doch noch zu viele inhumane WIR…Ihre Familie?
      Deshalb ist es wichtig Ihr löwenhaft humanes „ICH“ aufzugeben,
      vielleicht zu verlieren, im Kampf mit „inhumanen ICH’s“ oder WIR.
      Das kann schneller gehen als man denkt…und der löwenhafte
      Kampf, den Ihre Mutter oder Ihre Eltern vielleicht für Sie geführt
      haben, wird durch maßloses kämpfen oder Kampfaufrufe ad absurdum geführt. Wenn ich gedanklich noch weiter zurückgehe, in all
      den löwenhaften Bemühungen unserer Ahnen und die Gegenwart
      sehe…dann ist das schon ad absurdum…denn keiner kommt
      dazu, allein den „Traum“ der Ahnen vom humanen ICH zu leben, vor lauter löwenhaftes kämpfen…um humanes WIR.
      Das humane WIR müßte sich heute aus 7.000.000.000 humanen
      ICH’s zusammensetzen, denn das WIR ist die Summe der ICH’s.
      Ghandi sagte: Sei Du die Veränderung die du dir wünscht…und…
      was man mit Gewalteinsatz, Kampf?, erhält, kann man auch nur
      mit Gewalteinsatz behalten.
      Von daher ist schon wichtig das humane Kampf?-Maß für das eigene humane Ich, gegenüber dem 7.000.000.000 Ich’s/WIR/IHR?
      nicht aus dem Auge zu verlieren, dem eigenen Seelenfrieden zu liebe.

      MfG
      W.H.

    • Korrektur
      Deshalb ist es wichtig Ihr löwenhaft humanes „ICH” NICHT aufzugeben…
      soll es heißen, sorry.

  4. 50:50 ist ungerecht
    Das würde nur Sinn machen, wenn die Welt exakt so in m/w oder noch besser der Schrifsteller/innen-Anteil so aufgeteilt wäre. Um ein Unterrepräsentation zu verhindern, was ich unterstütze, sollte man eher geschlechtsneutral z. B. mind. 40 % des jew. Geschlechts fordern oder flexibel in Relation zu den Anteilen. Wenn man wie oft bei Frauenquoten nur einseitig einen Mindestanteil von Frauen fördert, wird paradoxerweise unumwunden gegen die Gleichstellung gehandelt. Denn Kern der Gleichstellung ist zunächst einmal die Gleichheit vor dem Gesetz, also auch die Gleichbehandlung von Mann und Frau. Das ist ein hart erkämpfter Wert der Aufklärung (siehe „Freiheit, Gleichheit, Solidarität“), die Feministinnen als Gleicher und Gleichen im Sinne der Frauen auffassen.

  5. Gender Unfug
    Mir käm als normaler, moderner Mensch noch nichtmal in den Sinn zu gucken wieviel Frauen/Männer Bücher schreiben oder dafür Preise gewinnen. Hinter vielen Preisen stehen auch handfeste wirtschaftliche Intressen, sie zu ernst zu nehmen is genauso, wie sich ein Auto nach der ADAC Zeitschrift zu kaufen.
    Was ich aber aus dem Artikel herauslesen kann, ist eine Heimzahlmentalität für eingebildetes Unrecht. Irgendwelche Begriffe etablieren zu wollen weil man einen anderen Begriff als verletzend empfindet bringt die derzeitige „Emanzipation“ ganz gut auf den Punkt. Anstatt kunstruktiv zu sein möchte man „den Männern“ etwas heimzahlen (was die meisten zwar nie getan haben, aber im Namen der Gerechtigkeit kann man schon Verallgemeinern). Anstatt bessere Bücher zu schreiben fordert man mehr Preise für Frauen. Anstatt Physik und Maschinenbau zu studieren fordert man eine Aufsichtsratquote.

    Gäbe es eine unfaire Behandlung von Frauen in dieser Branche, würde jemand einen geeigneten Verlag gründen. An jungen Verlagen die aus dem Boden sprießen mangelt es wohl kaum.

    • ...ja, wenn man den Text denn nicht läse...
      …könnte man natürlich auch auf die Idee kommen, dass es keine unfaire Behandlung von Frauen gäbe…

    • Ob das jetzt alles so unfair ist ...
      Wenn das Kriterium z.B. lauten sollte „Unterschiedliches Kommuniktionsverhalten“ aka Frauen verhandeln nicht oder nicht hart genug, dann bin ich in meinem Leben sicher auch schon oft unfair behandelt worden, kraft Erziehung in diesen Fragen. Ich möchte deshalb allerdings keine Sonderregel, die mein „unterschiedliches Kommunikationsverhalten“ explizit berücksichtigt :-).

      Das Eingehen auf andere fragliche Statitikspielchen im Text schenke ich mir mangels Zeit und Interesse, aber die Unfairness z.B. bei Preisvergaben wäre erst bei Vergleichen mit Publikationszahlen und Auflagen offensichtlich, die absolute Zahl sagt darüber rein gar nichts aus. Sie werdne auch nicht unfair behandelt, wenn Sie bei 3 Wettfischteilnahmen im Jahr keinen Preis einheimsen, jemand mit 30 Teilnahmen im Jahr dagegen 2.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Wenn "fair" humane Gleichbehandlung bedeutet...wovon ich ausgehe...
      dann ist schon derjenige inhuman, unfair, der „zwiespältige“
      Human-Geist spaltende, Würdegleichheit spaltende, Hierarchieideen, z.B. Differenz-Preisideen, Differenz-Lohnideen, realisiert…
      zum Zweck einer Leistungseuphorie, Belohnungsprinzip, mittels
      Spaltung.
      Derjenige, der sich „animieren“ läßt dazu, ist aber genauso human
      unreif…weil er mit inhumanem „Wett-Bewerb“, „Leistungs-Differenzierungs-Belohnung“, wozu Inhomogenität-Geist,
      Human-Spalt-Geister erzeugen?, einverstanden ist.
      Alle bewegen sich außerhalb der „Human-Idee“ human zu sein.
      Wer sich als Leistungsbewerter berufen fühlt, der hat
      humanes Sein nicht begriffen, denkt inhuman.
      Wer „Unreife“ ausnutzt, zwecks Hierarchieeuphoriekampf und um
      zu „Gewinnen“ und auch noch mit Steigerungseffekten, ist inhuman,
      bewegt sich außerhalb der „Human-Idee“. Und so erkennen wir
      allgemeine humane Unreife, sowohl vom Ausnutzenden als auch
      vom Ausgenutzten. Sie bewegen sich beide im inhumanen Wirkbereich,
      außerhalb reifer Humanitätwirklichkeit und diskutieren über Fairness, Humanität. Den Bereich, den sie beide meinen, liegt aber außerhalb
      ihrer beider „Wirklichkeit“, die eben noch human zu unreif ist.

      HUMAN…HOMO(GEN?DER)SAPIENS…HUMANITÄT-HOMOGENITÄT…
      DENKEN…HANDELN…ICH…WIR…HEIT?!…HUMAN-REIF…
      KEINE WETT(EN)-KÄMPFE MEHR…KRIEGE…UNGLEICHHEIT…
      SONDERN MENSCH-HEIT IM DENKEN UND HANDELN AUS
      HUMAN-REIFER-HOMOGEN-EINSICHT HERAUS.

    • DENKEN UND HANDELN AUS HUMAN-REIFER-HOMOGEN-EINSICHT HERAUS.
      Kognitive „Human-Sein-Idee“ Resonanz…
      auch als („Massen“-)Menschheit Resonanz.
      Evolutionsweg…von Dissonanz (Chaos-Urknall…Milchstraße… Sonne…Erde…T-Rex…Wildheit)…
      zur Resonanz…von „tierisch“(affig)-humaner Dissonanz
      (Inhumanität), zu humaner Resonanzreife (Humanität)…
      interaktiv über die selbsterkennend reflektierende Einsicht-Einzelperson, sowie die selbsterkennend reflektierende Einsicht-„Volk-Person“.

  6. Achduliebezeit, welch ein Eigentor
    Vorgestrige Argumente einer gestrigen Diskussion. Liebe Frau Dückers, sie haben den argumentativen Anschluss verpasst, in der längst nicht mehr platte Zahlenvergleiche gemacht werden, sondern durchaus differenziert wird. Wenn bei 90% männlichen Bewerbern 90% der Preise an Männer verliehen wird, ist das nämlich völlig ok so.

    Auch dass die 25% These längst widerlegt ist scheint ihnen entgangen zu sein – sie gehen aus welchem Grund auch immer von gleicher Arbeit aus. Ganz besonders das Argument des Honorars für die Podiumsdiskussion spricht Bände: Ihre männlichen Kollegen haben verhandelt, sie offensichtlich nicht. Sie haben sich bereitwillig untergeordnet, als ob es da eine patriarchalische Obrigkeit gäbe, der nicht widersprochen werden darf.
    Entlarvend ist aber ihr Satz: „…Viele Aufenthaltstipendien untersagen die Mitnahme von Kindern sowieso kategorisch…“ – im Gegensatz ihrer männlichen Kollegen wollen sie die Kinder offensichtlich mitnehmen und irgendwo unterbringen. Nunja, ihre männlichen Kollegen scheinen da wohl andere Familienmodelle gefunden zu haben, in denen sich die Partnerin um den Nachwuchs kümmert und die Karriere des Mannes unterstützt.
    Wollen sie die Gleichbehandlung, dann müssen sie eben zwangsläufig einen Partner finden (je nach persönlicher Orientierung natürlich), der/die ihre Karriere unterstützt, indem er/sie sich um die Nachkommen kümmert.
    Alles andere ist der Ruf nach bevorzugter Behandlung oder zumindest der Förderung des hilfsbedürftigen Geschlechts.

    Frau Dückers, sie haben gerade der Sache der Frau einen gewaltigen Bärendienst erwiesen, indem sie viele Vorbehalte bestätigt haben.

  7. 50:50 pauschal ist selten gerecht
    im vorherigen Kommentar von mir war ein Lapsus, bitte wenn es geht, diesen korrigierten und ergänzten Text veröffentlichen 🙂
    50:50 würde nur Sinn machen, wenn die Welt exakt so in m/w oder noch besser der Schrifsteller/innen-Anteil so aufgeteilt wäre. Um ein Unterrepräsentation zu verhindern, was ich unterstütze, sollte man eher geschlechtsneutral z. B. mind. 40 % des jew. Geschlechts fordern oder flexibel in Relation zu den Anteilen. Wenn man wie oft bei gesetzlichen Frauenquoten nur einseitig einen Mindestanteil von Frauen fördert, wird paradoxerweise unumwunden gegen die Gleichstellung gehandelt. Denn Kern der Gleichstellung ist zunächst einmal die Gleichheit vor dem Gesetz, also auch die Gleichbehandlung von Mann und Frau. Das wäre dann Mindestquote für BEIDE. Gesetzesgleichheit ist ein hart erkämpfter Wert der Aufklärung (siehe „Freiheit, Gleichheit, Solidarität“), die Feministinnen als „gleicher unter Gleichen“ im Sinne der Frauen auffassen. Es gibt dann noch das Argument, einseitige Förderung sei im Hinblick auf die Benachteiligung gerechtfertigt. Aber das ist letztlich die (unbewußte) Haltung, Unrecht mit Unrecht heilen zu wollen. So etwas ist der Garant dafür, dass niemals Frieden einkehren wird.

  8. Das vollständige Zitat Ruth Klügers
    Hier das vollständige Zitat von Ruth Klüger aus dem Jahre 2012:
    „Wichtig erscheint mir, dass sich unser literarischer Schatz insgesamt erweitert, dass mehr Autorinnen darin aufgenommen und nicht mehr abgedrängt werden- was erfreulicherweise zunehmend passiert. In diesem Zusammenhang mag es bestimmt förderlich sein, wenn eine Frau den Literaturnobelpreis erhält. Daran erkennt man noch immer die Außenseiterposition von Autorinnen im Literaturbetrieb: Bekommt eine Frau eine wichtige Auszeichnung zuerkannt, wird das immer noch mit Rufzeichen versehen.“ – http://www.forum.autorinnenvereinigung.de/viewtopic.php?f=11&t=137

  9. einfach den Rollenmodellen folgen ...
    Warum machen Sie es nicht wie JK Rowling und kürzen den Vornamen ab? Schon fließen die Millionen 😉

    Aber im Ernst: An wen geht die Forderung „100 Prozent Honorar“? ich gehe einmal davon aus, daß Honorare proportional zur Zahl der verkauften Bücher sind. Frauen kaufen und lesen mehr Bücher als Männer, angeblich. Sind also die Frauen schuld?

  10. Und was sagen Ihre Leser dazu?
    Bei der von Ihnen bezifferten Einkommenssituation ist es leicht nachvollziehbar, dass Preise, Stipendiate und finanziell dotierte öffentliche Ehrungen hilfreich sein können. Dennoch frage ich mich, was Ihre Leserschaft zu Ihrer finanziellen Situation beiträgt, die verlegerische Betreuung sowie das Marketing des Handels.
    Ich befürchte, dass es hier eher den Rückschritt als Schnellgeher gibt.

    Mit fielen Grüßen,

    Bernard del Monaco

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