Ich. Heute. 10 vor 8.

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Frauen schreiben. Politisch, poetisch, polemisch. Montag, Mittwoch, Freitag.

Die Festung Europa wird fallen

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Robert Schuman, Mitbegründer der europäischen Idee, wollte Europa einen und in Richtung Afrika öffnen. Da Abschottung nicht funktioniert, wird es Zeit, über seine Ideen zu diskutieren.

Gerade beraten die europäischen Staats- und Regierungschefs in Brüssel zur Migrationspolitik. Endlich sollen Konsequenzen aus der Flüchtlingstragödie im Mittelmeerraum gezogen werden. Zur Debatte steht unter anderem eine grundlegende Reform des europäischen Asyl-Systems, das auf der Erstland-Regel basiert. Sie besagt, dass ein Flüchtling erst nach Erreichen des europäischen Festlands einen Asylantrag stellen kann, und hat in jüngster Zeit zu den bekannten lebensgefährlichen Seeüberquerungen geführt. Dieses Verfahren ist fest in der Logik der “Festung Europa“ verankert, doch ein Streifzug durch Luxemburg zeigt, dass das Selbstverständnis der Europäischen Union mal ein anderes war.

Die Turmruine "Hohler Zahn" auf dem Bockfelsen in Luxemburg. Der Bockfelsen wird gern als Wiege der Festung und der Stadt Luxemburg bezeichnet. Auf dem Felsen war es, wo Graf Siegfried im Jahr 963 die Burg Lucilinburhuc erbauen ließ. Hier befinden sich die Bock-Kasematten mit ihren Wehranlagen sowie der restaurierte Turm © picture-alliance / Romain FellensDie Turmruine „Hohler Zahn“ auf dem Bockfelsen in Luxemburg. Der Bockfelsen wird gern als Wiege der Festung und der Stadt Luxemburg bezeichnet. Auf dem Felsen war es, wo Graf Siegfried im Jahr 963 die Burg Lucilinburhuc erbauen ließ. Hier befinden sich die Bock-Kasematten mit ihren Wehranlagen sowie der restaurierte Turm „Hohler Zahn“. Seit 1994 tragen die Festungsanlagen und die Altstadt Luxemburgs den Titel des Unesco-Weltkulturerbes.

Die Festung Luxemburg galt über die Jahrhunderte als kaum einnehmbar. Angeblich ist sie auch nie militärisch bezwungen worden. Machtwechsel vollzogen sich stets durch Aushungern der Festungsinsassen. Unter anderem dem Militärarchitekten Vauban, der die Burg im Jahre 1684 als französischer Kriegsherr selbst unter seine Gewalt nahm, ist zu verdanken, dass der Ruf der Stadt als „Gibraltar des Nordens“ sich noch lange hielt. Vauban war der Schöpfer der „enceinte de fer“, des eisernen Gürtels, mit dem Frankreich unter Ludwig dem XIV. seine Grenzen sicherte. Für die Eroberung Luxemburgs von den Spaniern brauchte Vauban 37 Tage und 30.000 Söldner. Am Ende ließen rund 3800 Soldaten das Leben, eine hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass Vauban die in der Zwischenzeit modernisierte Festung gerade mal achtzehn Jahre später wieder an Spanien zurückgeben musste.

Dort, wo früher eine Militäranlage die Grenzbewegungen zwischen den mal deutschen, französischen, belgischen, niederländischen, spanischen oder habsburgischen Gebieten akribisch kontrollierte und von wo aus man sich im Angriffsfall verteidigte, schillern jetzt gläserne Bürotürme im Lichte des meist bewölkten luxemburgischen Himmels. Modernes Recht und moderne Verwaltung haben das Gemetzel um die Interessen der Einzelstaaten für immer obsolet gemacht haben, so jedenfalls denken alle wohlmeinenden Europäer. Statt Festungen entwickeln wir heute eine gemeinsame Verfassung, die den freien Austausch von Waren, Personen und Geld über Grenzen hinweg selbstverständlich und den Weg zum ewigen Frieden frei macht. So hat das allen voran Robert Schuman, einer der Mitbegründer der europäischen Idee, ausgedrückt. Sein Geburtshaus befindet sich ebenfalls in dieser Stadt, am Fuße des heutigen Europaviertels – außerhalb der Festungsanlage.

Grundriss der Stadt und Festung von Luxemburg, 1794© public domain (Abbildung aus Alfred Lefort: Histoire du département des Forêts, 1905)Grundriss der Stadt und Festung von Luxemburg, 1794

In der später als „Schuman-Erklärung“ bekannt gewordenen Rede vom Mai 1950 beschrieb er die Leitidee der Europäischen Integration folgendermaßen: “Diese Produktion (von Kohle und Stahl, Anm. der Verf.) wird der gesamten Welt ohne Unterschied und Ausnahme zur Verfügung gestellt werden, um zur Hebung des Lebensstandards und zur Förderung der Werke des Friedens beizutragen.” Und im gleichen Atemzug fuhr er fort: “Europa wird dann mit vermehrten Mitteln die Verwirklichung einer seiner wesentlichsten Aufgaben verfolgen können: die Entwicklung des afrikanischen Erdteils. So wird einfach und rasch die Zusammenfassung der Interessen verwirklicht, die für die Schaffung einer Wirtschaftsgemeinschaft unerlässlich ist und das Ferment einer weiteren und tieferen Gemeinschaft der Länder einschließt, die lange Zeit durch blutige Fehden getrennt waren.”

Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Der „einfachen und raschen“ Einigung Europas sollte alsbald eine Öffnung des Kontinents in Richtung Afrika folgen! Schuman war also nicht schlicht Europäer, sondern ein global denkender Weltbürger. Er begleitete gerade die ersten Schritte einer europäischen Integration und hatte doch bereits die „Entwicklung“ Afrikas auf dem Schirm. Was zunächst nach kolonialem Sprachduktus schmecken mag, drückt in den Kontext gerückt die viel weiter gehende Idee einer Gemeinschaft zwischen beiden Kontinenten aus. Kaum zu fassen, wie weit wir heute von dieser Idee entfernt sind! Mit jedem Boot, in dem sich Flüchtlinge vom nordafrikanischen Ufer auf den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer machen, haben wir Schuman verraten. Mit jeder Region, die in den instabilen Staatsgebilden des Nahen Ostens und Nordafrikas an private Warlords mit ihrer pseudo-islamischen Kriegsrhetorik fällt, werden uns Ohnmacht und Gestaltungsdefizit der europäischen Politik vergangener Jahrzehnte aufs Neue vor Augen geführt.

Es gibt keinen Zweifel: Die alte Festungsanlage wurde von den Europapolitikern der ersten Stunde bewusst als Standort gewählt. Die Ansiedlung der europäischen Institutionen gerade an diesem Ort sollte versinnbildlichen, dass Blutvergießen, Stagnation und die Sackgassen nationaler Abschottungspolitik überwunden seien. Der Europäische Gerichtshof, der Übersetzungsdienst der EU, die Europäische Investitionsbank thronen auf den Überresten der Festungsanlage Vauban’scher Prägung und überragen sie um ein Vielfaches. Die moderne Architekturlandschaft auf dem Kirchberg verkörpert so das europäische Fortschrittsmodell in Reinform.

Doch mit jeder neuen Nachricht von überfüllten Schlepperbooten, ausgehungerten Insassen, Überlebenskämpfen an Bord, Ertrunkenen, ihren Leichen am Meeresboden, die der italienische Premier Matteo Renzi gegen das Vergessen öffentlich begraben lassen will, Schätzungen von 1750 Seenotopfern im Jahr 2015 allein bis Monat April, drängt sich eine neue Interpretation der alteuropäischen Festungslandschaft auf. Die Ereignisse an den südlichen Grenzen der Europäischen Union sind von einer systematischen Grausamkeit und Unmenschlichkeit, die den kriegerischen Auseinandersetzungen zu Vaubans Zeiten in nichts nachstehen. Und auch die Motive der europäischen Grenzpolitik nähern sich augenfällig Vaubans Zeiten an. Ihr Inhalt: Bewahrung des Status Quo. Ihr Mittel: Nutzung natürlicher Grenzen. Ihr Ziel: bestmögliche Abschottung.

Sébastien le Prestre de Vauban© privatSébastien le Prestre de Vauban

Warum schafft es die Europäische Union nicht, an ihren Außengrenzen eben jene Prinzipien stark zu machen, die in ihrem Inneren bisher so erfolgreich waren? Warum gibt es keinen externen Weg der Beantragung von Asyl, keine legale Einreiseform, keine sicheren Fähren für den Weg über das Mittelmeer nach Europa? Warum tut die Europäische Union nicht mehr, um Grenzregionen und Herkunftsländer der Flüchtlinge politisch und wirtschaftlich zu stabilisieren, durch die Erleichterung von Handelsbeziehungen oder durch die Mithilfe beim Aufbau von international geführten Ausbildungsstätten?

Doch wie die Luxemburger Festung oder die Berliner Mauer wird auch die Festung Europa eines Tages Geschichte sein. Fragt sich nur, wodurch sie dereinst zu Fall gebracht werden wird. Durch Aushungern? Das ist schwer vorstellbar. Durch wirtschaftlichen Zusammenbruch, wie in den ehemaligen Ostblockstaaten, einem Zusammenbruch, auf den unmittelbar die Öffnung des Eisernen Vorhangs folgte? Die Wirtschaftsentwicklung der Europäischen Union deutet trotz Eurokrise nicht darauf hin. Was sich dagegen deutlich abzeichnet, ist eine Art demographischer Implosion. In einigen europäischen Ländern, allen voran Deutschland, hält der Gebärstreik nun schon über eine Generation an und ein Ende ist trotz aller großzügiger familienpolitischer Anstrengungen nicht in Sicht. Da nur massive Zuwanderung die demographischen Lücken füllen kann, werden auch im Falle der europäischen Festung die Tore nicht von Außen gestürmt, sondern aus reiner Not von Innen heraus immer weiter geöffnet werden müssen. Was das für das Gesicht Europas langfristig bedeutet, lässt sich derzeit nur erahnen. Doch rechtspopulistischen Unkenrufen zum Trotz haben alle bisherigen Grenzöffnungen eines gemeinsam: kaum jemand will sie wieder rückgängig machen.

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49 Lesermeinungen

  1. Da Abschottung nicht funktioniert?
    Das ist ja lustig, wie soll eine NICHT-VORHANDENE Abschottung denn bitte funktionieren. Man hat es ja gar nicht erst versucht. Im Gegenteil man macht es den wirtschaftlich motivierten „Fachkräften“ einfach und erreicht damit das die Bereitschaft den ECHTEN POLITISCHEN FLÜCHTLINGEN zu helfen absinkt. Das ist ein Trauerspiel mit Nachteilen für die Menschen hier wie auch für die Migrationswilligen.

    • Abschottung ist der Begriff, der so lange benutzt werden wird, wie wir die Grenzen
      nicht bedingungslos für alle Menschen aufmachen, die zu uns wollen. Bevor das also passiert ist, schotten wir uns ab – versuchte Begriffsumdefinition des anderen Feldlagers.

      Ich weiss nicht, ob das auch für van der Walt gilt, sie ist keine Deutsche. Aber in Deutschland gibt es eine besonders lautstarke und sehr aktive winzigkleine Minderheit, die diese bedingungslose Grenzöffnung unter anderem aus genau dem Grunde föorciert, damit Deutschland sich als Nation und als Nationalstaat endlich abschafft. Die sogenannten „Antideutschen“, zu der auch die ehemalige Piratenaktivistin gehörte, die sich neulich bei dem englischen Luftwaffenmarschall Harris in Dresden öffentlich für Massenmord an Zivilisten bedankte. Einer der publizistisch auch in der deutschen Qualitätspresse dafür aktiven Journalisten ist z.B. Daniel Bax von der taz.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  2. Der arme Schuman
    kann sich nicht wehren gegen die Auslegung, die ihm Frau van der Welt in den Mund legt. Warum soll er mit Förderung der Entwicklung Afrikas die Umsiedlung von Afrikanern nach Europa gemeint haben? In der Medizin hielt man den Aderlass einst für ein Mittel zur Heilung, das ist lange her. Aber der Braindrain von Süd nach Nord fördert für die Autorin die Entwicklung Afrikas.

    • Da möchte ich zustimmen
      Ich würde Hrn. Schumans Ideen lediglich als eine Art Vision ansehen, sagen wir mal für 2180 n.Chr. Es geht dabei um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Afrikas. Dann mag auch unsere ‚Festung‘ irgendwann friedlich überflüssig werden. Der Sprung zu den Flüchtlingsbooten ging mir zu vorschnell. Dort können wir nur Einzelschicksale lindern, nicht die Mehrheit heilen, teilweise behindern sich die schönen Ideen sogar gegenseitig. Vorrangig stellen sich die Fragen ‚wo bremsen auch wir Europäer die Entwicklung Afrikas?‘ und ‚wie können wir helfen, Strukturen zu verändern, um eine Entwicklung ermöglichen?‘.

  3. denn demographische Studien prognostizieren uns ja zu wenige Junge, um die Sozialleistungen aufrecht
    denn demographische Studien prognostizieren uns ja zu wenige Junge, um die Sozialleistungen aufrecht zu erhalten.

    Es gibt auch andere Studien die prohezeien, dass neue Technologien sozialversicherungspflichtige Beschäftigung reduzieren werden. Nach solchen Studien, die sicherlich fehlerhaftes Datenmaterial verwenden, bedeutet Zuwanderung höhere Kosten da mehr Arbeitslose.

    Zudem ist der Vergleich der Festung Luxemburgs mit der Festung Europas ein nettes Bild, nur ist die Verteidigung von Territorien im 21. Jahrhundert etwas anders zu gestalten als die 1000 Jahre zuvor. Der IS rekrutiert auch in digitalen Medien.

    Das Europabild, welches Sie beschreiben, ist das Ende von Europa und ebenso eines jeglichen friedlichen Zusammenlebens, dass es ggf. vor 2001 gab.

  4. Welchen Umfang soll die Völkerwanderung haben?
    Mir fehlt seitens der Zuwanderungsanhänger eine Angabe, wie lange wir unsere (deutschen) Grenzen für Zuwanderer aus Afrika, Afghanistan, arabischen Ländern, Osteuropa, etc., geöffnet halten sollen bzw. müssen, damit wir ein Optimum an Bevölkerung erreicht haben. Und wo liegt dieses Optimum, bei welcher Bevölkerungszahl? Wie massiv muss die „massive Zuwanderung“ sein, die wir „brauchen“?
    Mir scheint, dass die Zuwanderungsanhänger einem simplen linearen Wachstumsmodell verpflichtet sind, ohne Begrenzung nach oben. Oder soll es eine Begrenzung geben? Wie soll die Begrenzung durchgesetzt werden, wenn wir jahrelang keine hatten?

  5. Titel eingeben
    Sehr geehrte Frau van der Walt

    Ich möchte nicht so sehr auf Ihre Herleitung und die Begründung der Notwendigkeit eingehen (auch wenn die Frage nach der Ursache des Gebährstreiks bspw. für mich völlig ungeklärt ist), sondern ein paar Gretchenfragen stellen, um herauszufinden, ob eine inhaltliche Auseinandersetzung überhaupt lohnt. Denn nur wenn beide Seiten einer Diskussion die Trutzburgen ihrer Haltungen auch verlassen wollen, kann bei einer Diskussion mehr herauskommen, als das gegenseitige Zuschreihen von Parolen. (Und das sinnentleerte Schreien von Parolen habe ich in meinem Leben oft genug erlebt.)

    a) Wie stellen Sie sich Integration vor? Schwebt Ihnen ein dauerhaftes Verbleiben der Einwandernden bei den Sitten und Gebräuchen des Herkuftsgebiets vor, streben Sie eine Verschmelzung der Kultur der Einwandernden mit derjenigen der indigenen Bevölkerung (zu einer nachher wieder homogenen Kultur) an oder befürworten Sie die Zielsetzung, die Einwandernden sollten die Sitten und Gebräuche ihrer Wahlheimat weitestgehend annehmen?

    b) Welche Selbstbestimmungsrechte hat die indigene Bevölkerung bei der Einwanderung?

    c) Welche Rahmenbedingungen halten Sie für eine gelungene Integration für notwendig? Welche Faktoren begünstigen für Sie und welche hemmen für Sie die Integration (bitte explizit auch die Faktoren nennen, die Sie bei den Einwandernden für entscheidend halten)?

    d) Sind die von Ihnen erhobenen Forderungen symmetrisch? (Sie sind für uneingeschränkte Freizügigkeit, auch von „Reichen“ in Richtung Afrika? Könnte ein Europäer in Bezug auf die Gewährung von Freiheiten und Bürgerrechten die gleichen Forderungen in den Herkunftsgebieten stellen und was folgte für Sie, wenn diese Forderungen im Herkunftsgebiet nicht gewährt werden würden?)

    Der Versuch einer Konsensfindung in der Frage der Immigration nach Europa wäre in meinen Augen sehr erstrebenswert. Leider nehme ich bislang keinen solchen Versuch war, sondern nur den Kampf um Deutungshoheit.

    Viele Grüße
    Günther Werlau

  6. Natürlich funktioniert Abschottung
    Das sieht man an den reichen islamischen Ländern die sich vor den armen Muslimen abschotten und diese dann gezwungen sind nach Europa zu fliehen.
    Und es ist auch was anderes ob diese Flüchtlinge absichtliche kreiert wurden(die meisten stammen aus vom Westen befriedeten Lybien,Syrien,Irak u Somalia)und ob man sie quasi einlädt=s. Entscheid des Europäischen Gerichtshofs die Boote nicht zurückzuschicken.
    Es liegt auch in keinster Weise irgendein Verrat an Schuman vor weil keinerlei Vertrauensbruch an ihm begangen wurde und.

  7. Festung? Oder Pavillion?
    Eine Festung sollte das „Innen“ von dem „Aussen“ klar abtrennen. Das ist aber nicht der Fall. Und deshalb wird Europa wohl fallen, nicht durch die Demographie.

  8. Eine Festung funktioniert nur dann, wenn man die Tore geschlossen hält.
    Eine Festung ist eigentlich nichts anderes, als ein großes Haus. Bei einem Haus halten auch Tür und Wände unbefugte vom Eindringen ab. Ja, das Erstürmen von Festungen erfordert in der Regel viele Tote, denn ginge dies ohne Verluste, dann würden die Mauern ihren Zweck nicht erfüllen, die Anderen vom Eindringen in diese Festung abzuhalten.

    Da man viele Problematiken gut auf den Privatbereich übertragen kann, mache ich ihnen folgenden Vorschlag: Warum öffnen Sie nicht Ihre Wohnung für Leute, die dort gerne wohnen möchten. Den Kühlschrank regelmäßig voll zu halten, sollte für eine Journalistin doch kein finanzielles K.O.-Kriterium sein. Bett und Auto könnten ja auch Andere benutzen, wenn Sie es nicht gerade brauchen. (aber das Tanken nicht vergessen.) So könnten Sie gut ein paar Flüchtlinge finanzieren.
    Explodierende Nebenkosten? Ihre persönlichen Bedürfnisse zurückstellen und auch mal unfreiwillig auf dem Boden schlafen oder den ÖPNV benutzen, weil Andere mit dem PKW unterwegs sind oder diesen gar zu Schrott gefahren haben? Jo mei, dass gehört halt dazu. Wenn Ihnen dieses im Kleinen schon nicht behagt, warum sollte dies dann imm Großen eine Lösung sein?

    Die Flüchtlinge lösen unser demographisches Problem in keinster Weise. Die sind größtenteils nicht in der Lage die notwendigen Anforderungen vom Arbeitsmarkt zu erfüllen und prekär beschäftigte werden wir auch in Zukunft immer viel mehr haben, als wir bezahlen können.
    Deren Kinder sollen womöglich die trägen Deutschen retten?
    Ein schlechter Scherz. Diese Kinder und deren Eltern leiden doch an dem selben Mehltau, der sich über das Land gelegt hat.
    Viele unserer hochqualifizierten EU-Ausländer schnüren nach einiger Zeit wieder ihr Bündel, weil Deutschland denen, trotz besserer Bezahlung viel zu kinderfeindlich ist.

  9. Wir importieren nicht nur Zuwanderer
    Wir importieren auch ihre Probleme. Die Kriege in Arabien und Afrika werden kaum noch aus wirtschaftlichen Gründen geführt, sondern aus ethnischen und religiösen Gründen. Jeder Flüchtling bringt einen Teil diese Konfliktpotentials mit. Wenn sich seine wirtschaftlichen Träume nicht erfüllen, wird sich diese Potential in dieser oder einer der nächsten Generationen entladen. Wollen wir das unseren Kindern wirklich antun?

    W. Barth

  10. Bravo! Sie verkörpert den neuen, klugen Zeitgeist - jetzt endlich auch in dieser Zeitung -
    es wurde auch Zeit!

    Zwei, drei Anmerkungen vielleicht noch: „Leschs Kosmos“, z.B. „Zündende Erfindungen Mit Fortschritt in den Weltkrieg“ (in der Mediathek) zieht, wenn man(n) so will, genau dieselben Schlußfolgerungen – „Krieg ist männlich, Krieg ist immer dumm, Krieg ist immer Rückschritt, Krieg „als Vater aller Dinge“ meint immer männlichen Selbstbetrug – und fordert weibliche Gehemmtheit, usw., usf.“

    Für viele Männer im ersten Moment sicherlich starker Tobak, aber man erwäge den Paradigmenwechsel.

    Und die gestrigen Männer wirkten teils offensichtlich extrem beschränkt, subjektiv und wankelhaft in ihrem Urteil, also objektiv und eindeutig so:

    Der gescheiterte Versuch eines Eisenbahnbaus von „Kairo nach Kapstadt“ war nach seinem Scheitern „klar der neurotische Versuch eines höchst zweifelhaften, mutmaßlich gestörten und größenwahnsinnigen Einzelgängers (Cecil Rhodes http://tinyurl.com/nzwhf3z) alle, die ganze Menschheit, in falsche Bahnen zu locken „- derweil zeitgleich schon nur das deutsche Eisenbahnnetz während kaum 60 Jahren von Null auf sagen wir 70- oder 90.000 km gewachsen war. Der Gedanke wg. Afrika also eigentlich höchst normal und naheliegend.

    Und ja, es gab keinen wirklichen kaufmännischen Bedarf für die Kap-Kairo-Bahn, daher musste sie wohl bloß eine Idee bleiben, ihrer Zeit bis heute voraus? (Wir würden „Schwarzafrika“ eh eher tendenziell mehr in Ruhe gelassen sehen wollen, als „entwickelt“ (ein anderes Wort für „wohlfeile Ausbeutung“ und „weißen Egoismus“?)- und daher flöge man solche Distanzen auch heute noch besser, rührte nicht daran – „laßt die Leute besser in Ruhe, die kommen dort ohne uns besser zu Recht“ (?).)

    Gleichzeitig aber hätten dieselben urteilenden Männer der letzten Jahrzehnte überhaupt keine Bedenken bzgl. ihrer selbst, ihr Urteil bzgl. eines Nasa-von-Braun niemals und keinesfalls zu hinterfragen: Der wollte zum Mond, kam zum Mond, daher ein Held, peng. Oder so einfach, so dumm, monokausal, unidrektional – und fertig. Männlich-unemanzipiert halt.

    Was, wenn von Braun nicht den narzisstisch-politisch wohl ebenso bedürftigen Kennedy getroffen hätte, mit all dem US-Geld? Der nächste Cecil Rhodes bitte? Und das Urteil über den somit zum Scheitern verurteilten von Braun dann auch gleich klar gewesen: „Zum Mond? Hatte der eigentlich Mal an den Himmel gekuckt? Vermutlich nicht! Bestimmt schon immer ein größenwahnsinniger, ich-süchtiger, rücksichtsloser Spinner der Kerl, musste ja scheitern, hatte schon in Peenemünde keine echten Freunde, wie man heuite weiß, besser aufpassen auf all diese mit ihren falschen Ideen in Zukunft!“ – Nur die eigene „Besser-Aufrüstung als beim Feind“ – die ist immer klug, richtig und nützlich, unzweifelhaft, nicht wahr?

    Männerurteil ohne kluge Frauenbalance ist und bliebe bis auf weiteres Humbug, dumm, oberflächlich, triebhaft, unkontrolliert? (Kluges Frauenurteil keine billig überall zu habende weibliche Kleinbügermanipulativität vom Typus „sicherer haben und bekommen für weniger müssen.)

    Der „Krieg als Vater aller Dinge“ ist teils höchstwahrscheinlich in der Tat kaum mehr als ein dummer Männerpsychologismus – höchste Zeit den zu hinterfragen und zu dekonstruieren! Danke FAZ.

    Denn die faz holte eh den Leser grad nur da ab, wo der eh schon auch ohne faz bereits stünde.

    bravo also noch einmals – denn es war schon verschiedentlich angeregt worden, ob man nicht wieder das mittelmeer als einheit sehen müsste, gerade wie zu der römer zeiten, vollkommen ohne blöderweise gefühlten und praktizierten eisernen vorhang in seiner mitte von ost nach west.

    nein, ein nachdenken könnte erfolgen über eine art „schumannplan für den maghreb“, also eine art „nordafrikanische wirtschaftsgemeinschaft á la ewg“ von suez/kairo bis an den marokkanischen atlantik – und für diesen freiwilligen staatenzusammenschluß unter auflagen (demokratie, gewaltfreiheit, rüstungsbegrenzung und -kontrolle) eine privilegierte partnerschaft zur eu – gemeinsame entwicklung über die nächsten jahrzehnte das ziel, no more dividere et imperii. ja, kluge schumänninen willkommen!

    • Von Männern gegen Frauen ist an keiner Stelle die Rede, und Robert Schuman, der in diesem Beitrag das einzig namentlich genannte Vorbild war, ist nun wirklich unstrittig ein Mann – auch wenn Ihnen das für Ihre Polemik nicht zupass kommen dürfte.
      H. Dietz

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