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Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

05. Feb. 2016
von Carsten Knop
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Digitaler Wachstumsschub für Deutschland: Potential von 82 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland könnte bis zum Jahr 2020 um zusätzlich 82 Milliarden Euro steigen, wenn die Unternehmen den Aufbau von digitalen Fähigkeiten bei den Arbeitnehmern und die Nutzung digitaler Technologien weiter vorantreiben. Das ist das Ergebnis einer Studie des Dienstleistungsunternehmens Accenture.

Die Weltwirtschaft könnte demnach durch einen stärkeren Fokus der Unternehmen auf die Digitalisierung in den Jahren bis 2020 sogar um 1,83 Billionen Euro zusätzlich wachsen. Schon heute sei die Digitalisierung ein wichtiger Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung: Mehr als ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts der Welt hänge direkt oder indirekt von digitalen Fähigkeiten der Arbeitnehmer, von Kapital, das in Digital investiert ist, oder digitalen Gütern und Dienstleistungen ab.

Die Studie „Digital Disruption: the Growth Multiplier“ von Accenture Strategy versucht einen Einblick in die Bedeutung der Digitalisierung für die Wirtschaft in elf führenden Industriestaaten zu geben. Demzufolge gehen heute etwas mehr als ein Fünftel (22 Prozent) der gesamten globalen Wirtschaftsleistung auf den Einsatz von digitalen Fähigkeiten zurück – sowie auf digitale Technologien und Kapital, das in digitale Aktivitäten investiert ist. Weiterlesen →

05. Feb. 2016
von Carsten Knop
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31. Jan. 2016
von Carsten Knop
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Solarflieger Bertrand Piccard: An alle, die lachend auf dem Sofa sitzen

Bertrand Piccard und seine Familie zeigen den Menschen immer wieder, was man erreichen kann. Aber auch, wie man scheitert – und wie man damit am besten umgeht.

Bertrand Piccard ist kein Abenteurer, wenn man das Wort so versteht, dass man ihn mit einem Hasardeur verwechseln könnte. Denn der in Lausanne geborene Piccard ist ein sehr rational denkender Mensch und ein gebildeter obendrein. Das gilt auch für seinen Vater und seinen Großvater – aber es gibt noch etwas Besonderes, das sie alle miteinander verbindet. In der Familie steckt ein Gen, das ganz offensichtlich dazu animiert, immer wieder an neue Grenzen vorzustoßen und auszuprobieren, wie man sich dabei fühlt. Piccard umkreiste als erster Mensch die Erde in einem Ballon, sein Großvater fuhr schon 1932 mit einem Ballon auf 16 940 Meter Höhe in die Stratosphäre. Und sein Vater brach den Tiefseetauch-Weltrekord.

Bertrand Piccard und sein Partner auf dem WEF in Davos.© Carsten KnopBertrand Piccard und sein Partner auf dem WEF in Davos.

Wer diese Aufzählung liest, könnte auf die Idee kommen, dass den Piccards alles gelingt. Das Gegenteil ist der Fall. Von Piccard kann man lernen, wie man mit Niederlagen umgehen sollte. Denn auch davon gibt es reichlich.

Hinfallen, aufstehen, es wieder versuchen – das ist die wahre Geschichte, um die es in der Familie geht. Und die Lehre daraus? „Wenn man es wieder versucht, sollte man es nicht ganz genauso machen wie in dem gescheiterten Versuch zuvor“, sagt Piccard. Das klingt trivial, und doch ist es im Leben nicht immer einfach, diesen Rat auch in die Tat umzusetzen. Piccard und sein Partner André Borschberg müssen seit einigen Monaten genau das tun. Denn ihr gemeinsamer Versuch, als Flugzeugentwickler und Piloten 40 000 Kilometer rund um die Welt zu fliegen, ohne auch nur einmal zu tanken, ist im vergangenen Jahr nicht so verlaufen, wie sie es sich vorgestellt hatten. Das Fluggerät, die Solar Impulse, holt sich den nötigen Antrieb allein aus der Kraft der Sonne. Das hat auch prima geklappt, zunächst. Doch nach der achten und längsten Etappe, welche die Solar Impulse nach ihrem Start in Abu Dhabi letztlich nach Hawaii führte, war erst einmal Schluss. Weiterlesen →

31. Jan. 2016
von Carsten Knop
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20. Jan. 2016
von Carsten Knop
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The Forth Industrial Revolution: Same value, less time

An interview with Luis Alvarez, CEO BT Global Services

Will the 4th industrial revolution rather destroy jobs or create new ones?

The Fourth Industrial Revolution will both create and change jobs. It will most probably make jobs obsolete in certain areas, as always happens when major innovations break through. In particular it will automate the repetitive, painful tasks that don’t contribute to our development as humans.

As a result, we will have more time to learn new things, and collaborate better with others. Certainly, digitalisation will create new jobs that require new skills, not only in the IT industry but because new business models will emerge that wouldn’t have been possible a few years ago. And I think there will be a significant amount of new jobs that are more people-related – health, entertainment, creativity, art. This will also encourage young people to get creative with technology.

But I believe it’s not just about the amount of jobs – it’s about reshaping the way we work, specifically the amount of time we dedicate to work. If you look at how much time we waste today on commuting, or doing tasks that add little value – the Fourth Industrial Revolution will help us to generate the same value, and achieve the same outcome, in less time. Weiterlesen →

20. Jan. 2016
von Carsten Knop
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16. Jan. 2016
von Carsten Knop
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Cebit-Macher üben Optimismus

Internet der Dinge und künstliche Intelligenz im Fokus

Die IT-Messe Cebit wird nach der Meinung des für die Veranstaltung zuständigen Vorstands bei der Deutschen Messe AG in Hannover ihren Stabilisierungskurs auch im laufenden Jahr fortsetzen können: „Die Besucherzahlen kenne ich am Ende der Messe, aber die Veranstaltung selbst wird sicher größer als im vergangenen Jahr“, sagte Oliver Frese vor Journalisten in Frankfurt – und denkt dabei vor allem an die Ausstellerzahlen.

Die Zuversicht überrascht auf den ersten Blick. Denn zum einen wird die etwas später stattfindende Industriemesse in Hannover mit ihrem Partnerland Vereinigte Staaten in diesem Jahr vom amerikanischen Präsidenten Barack Obama eröffnet – die IT-Messe Cebit hingegen muss mit der im Vergleich sehr viel kleineren Schweiz als Partnerland und entsprechend weniger Eröffnungsprominenz vorliebnehmen. Zum anderen verstummen die Stimmen nicht, die angesichts der zunehmenden Digitalisierung der gesamten Wirtschaft langfristig eine Wiedervereinigung von Cebit und Hannover Messe vorhersehen. Weiterlesen →

16. Jan. 2016
von Carsten Knop
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15. Jan. 2016
von Carsten Knop
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Bittere Bilanz für ehemalige Opelaner aus Bochum

Ein Jahr nach der Schließung des Werks wurde erst jeder Zehnte in eine feste Anstellung vermittelt

Seit einem Jahr produziert Opel in Bochum keine Autos mehr – und die Bilanz dessen, was seither geschah, fällt für das Ruhrgebiet und die Stadt unerfreulich aus. Gerade einmal jeder zehnte ehemalige Opel-Mitarbeiter von den 2600 Beschäftigten in der Transfergesellschaft hat bisher eine neue, feste Stelle bekommen. Zudem kommen die Abriss- und damit auch die künftigen Aufbauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik kaum voran, da sie durch einen Rechtsstreit über die zugehörige Ausschreibung aufgehalten werden. Auch an anderen Stellen hakt es, trotz weitgehender Vollbeschäftigung in Deutschland.

Doch offensichtlich fehlt es im Ruhrgebiet auch in dieser Situation an ausreichend attraktiven Arbeitsplätzen in der Industrie sowie an der Flexibilität der ehemaligen Mitarbeiter. Das wegen Überkapazitäten Ende 2014 geschlossene Opel-Werk hatte zuletzt noch rund 3300 Menschen beschäftigt. Davon wechselte ein Teil an andere Opel-Standorte, das personell aufgestockte Opel-Ersatzteillager in Bochum oder zu anderen Arbeitgebern. Von den Beschäftigten in der Transfergesellschaft wurden bisher lediglich 260 Arbeitnehmer vermittelt. Weitere 700 ältere ehemalige Opel-Mitarbeiter im Alter von 55 Jahren an konnten laut Sozialtarifvertrag nach dem ersten Jahr aus der Transfergesellschaft ausscheiden. Sie sind umfassend abgesichert. Weiterlesen →

15. Jan. 2016
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15. Jan. 2016
von Carsten Knop
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WEF-Report: Flüchtlinge gelten als größtes Risiko

Im Risiko-Bericht des Weltwirtschaftsforums tauchen so viele Sorgen auf wie lange nicht. Und viele Sorgen haben viel miteinander zu tun.

Die globale Stabilität ist nach Einschätzung von führenden Fachleuten der Wirtschaft so gefährdet wie lange nicht. Als wahrscheinlichstes Risiko in diesem Jahr sehen die knapp 750 für eine Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) befragten Manager und Wirtschaftswissenschaftler den weiteren Flüchtlingszustrom.

Die Flüchtlingsbewegung habe ein in der jüngeren Geschichte noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Allein im Jahr 2014, neuere Zahlen hat das WEF in seinen Bericht noch nicht aufgenommen, hätten sich rund 59,5 Millionen Menschen gezwungen gesehen, ihre Heimat zu verlassen. Zum Vergleich: Zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs habe diese Zahl bei lediglich 40 Millionen Menschen gelegen. Mehr als die Hälfte dieser Flüchtlinge kommen aus nur drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Somalia. Alles geschehe mit steigender Tendenz. Im Tagesdurchschnitt des Jahres 2014 hätten sich 42 500 Menschen in ein anderes Land aufgemacht. Das waren viermal mehr als im Jahr 2010. Und vor allem die Deutschen wissen: Im Jahr 2015 hat sich die Situation erheblich verschlechtert.

Das World Economic Forum stellt in seinem „Global Risks Report“ zudem fest, dass die Flüchtlinge immer länger in ihren Aufnahmeländern bleiben. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer habe sich von neun Jahren in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf 20 Jahre verlängert. Weniger als einer von vierzig Konflikten in der Welt werde innerhalb von drei Jahren gelöst – mehr als 80 Prozent beschäftigten die Menschen in der jeweiligen Region über eine Zeitspanne von mehr als zehn Jahren hinweg. Weiterlesen →

15. Jan. 2016
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01. Jan. 2016
von Carsten Knop
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Auf einen Espresso: Neujahr mit Goethe

Zum neuen Jahr steigt das Porto für einen sogenannten Standardbrief – mal wieder und gleich um 8 Cent auf nun schon stattliche 70 Cent. Mancher wird mit den Achseln zucken und fragen: Wer schreibt schon noch Briefe? In Zeiten von E-Mail, Whatsapp und anderen digitalen Kommunikationsmöglichkeiten ist das ein berechtigter Hinweis.

Viele Dialoge haben sich in jüngster Zeit zwar wieder verschriftlicht, sind aber dennoch flüchtig. Getippt, gelesen, gelöscht; für die Nachwelt ist wenig dabei, was sich aufzubewahren lohnte. Die Mühe, einen echten Brief zu schreiben, macht sich kaum noch jemand. Dafür hat der Wert eines solchen Schriftstücks, wenn es dann doch einmal im Briefkasten landet, erheblich zugenommen, und das liegt nicht nur an den Portoerhöhungen der vergangenen Jahre. Ein Brief ist eben mit Mühe verbunden, die man sich für einen anderen macht. Daher sei an dieser Stelle für alle Weihnachtsbriefe, die in den vergangenen Tagen privat und beruflich eingegangen sind, auf das herzlichste gedankt.

Unter anderem lag ein kleines Päckchen in der Post, das uns in diesem Fall erst kurz vor Silvester erreichte. Darin fand sich ein Buch des inzwischen 90 Jahre alten Göttinger Germanisten Albrecht Schöne, der sich darin Johann Wolfgang von Goethe als Briefschreiber widmet – und dessen Briefe auch als sprachliche Kunstwerke versteht. Das Buch ist im soeben vergangenen Jahr im Verlag C. H. Beck erschienen und trägt den Titel „Der Briefeschreiber Goethe“.
Ein höchst lesenswerter einführender Essay charakterisiert in dem Buch die europäische Briefkultur, auf deren Höhepunkt Goethes Briefwerk entsteht. An dieser Stelle wird deutlich, dass mit den Gewinnen der digitalen Revolution auch große Verluste verbunden sind: „Gott segne Kupfer, Druck und jedes andere vervielfältigende Mittel, so dass das Gute, was einmal da war, nicht wieder zu Grunde gehen kann“, schrieb schon Goethe angesichts verbrannter Notenschriften im Jahr 1816 an einen Freund – und konnte dabei noch nicht im Entferntesten ahnen, wie beinahe exakt 200 Jahre später, zum Jahreswechsel 2015/16, kommuniziert werden würde. Weiterlesen →

01. Jan. 2016
von Carsten Knop
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29. Dez. 2015
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Größte Unternehmen: Nordrhein-Westfalen und Bayern sind vorn

Wer die 100 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands nach Umsatz und Region sortiert, erlebt manche Überraschung. Mehr als die Hälfte der Unternehmen auf der Liste kommt nämlich aus Nordrhein-Westfalen und Bayern; dort haben 27 beziehungsweise 26 Konzerne ihren Hauptsitz. Das in der öffentlichen Wahrnehmung stets stark vertretene Tüftlerland Baden-Württemberg mit seinen Maschinenbauern und seiner Autoindustrie folgt erst auf Platz drei mit 15 Unternehmen. Allerdings: Die Umsatzentwicklung der Unternehmen aus dem Südwesten war mit plus 13 Prozent in den ersten drei Quartalen dieses Jahres besser als die der Unternehmen aus Bayern (plus 11 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (plus 5 Prozent). Insofern täuscht die Wahrnehmung dann doch nicht vollständig – der Südwesten entwickelt sich derzeit sehr dynamisch.

Das Ranking der umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands wird allerdings nach wie vor von Unternehmen der „Old Economy“ dominiert: Insgesamt 28 der 100 Unternehmen stammen aus der Industrie, zum Beispiel dem Maschinenbau, hinzu kommt der Automobilsektor mit elf Unternehmen. Der Informationstechnologie (IT) sind hingegen nur sechs Unternehmen zuzurechnen. Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten sind unter den 100 umsatzstärksten Unternehmen gleich 14 IT-Konzerne. Der iPhone-Hersteller Apple liegt dort auf dem zweiten Platz – hinter dem Handelskonzern Wal-Mart. Auf der anderen Seite finden sich unter den 100 umsatzstärksten Konzernen dort gerade einmal drei Unternehmen aus der Automobilindustrie. Weiterlesen →

29. Dez. 2015
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25. Dez. 2015
von Carsten Knop
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Weihnachten mit Eritrea

Die Zeit der Weihnachtsfeiern ist zu Ende; Weihnachten kann kommen. Die Feiern in den Adventswochen sind in unserem Frankfurter Stadtteil etwas ganz Besonderes. Zum Beispiel im Fußballverein des Sohnes: Die Länder, aus denen die Spieler im Teenageralter – beziehungsweise ihre Eltern – stammen, sind an einer Hand längst nicht abzuzählen. Unter anderem ist Marokko vertreten, Serbien, die Türkei, früher auch schon Afghanistan, stets Eritrea, und ein paar Deutsche sind auch dabei. Die Spieler verstehen sich gut, die Trainer machen einen wunderbaren Job, die Eltern unterstützen Verein und Mannschaft nach ihren Fähigkeiten. Zur Weihnachtsfeier heißt das, dass das Buffet von den Eltern bestückt wird, und ganz automatisch ergibt sich eine kulinarische Reise durch aller Herren Länder.

Wer weiß schon, dass das Nationalgericht Eritreas Zigni heißt und für deutsche Zungen sehr vertraut schmeckt? Es ist ein dicker Eintopf aus Tomaten, Fleisch oder Fisch und Gemüse, scharf gewürzt, idealerweise mit Gewürzen aus der Heimat – und stundenlang gekocht. Dazu gibt es Injera, ein schwammartiges Fladenbrot, hergestellt aus Sauerteig und Teffmehl, wobei man allerdings auf einschlägigen Internetseiten erst einmal nachschlagen muss, was das überhaupt ist (Teff ist eine Zwerghirse).

Die Gespräche, die sich im Anschluss ergeben, könnten interessanter nicht sein. Besichtigt werden kann eine gelungene Integration, befördert durch den deutschen Nationalsport Fußball, der so stark gefördert wird, dass es kaum einen Stadtteil in Frankfurt und Umgebung zu geben scheint, wo Punktspiele in der C-Jugend nicht unter Flutlicht auf einem ordentlichen Kunstrasenplatz ausgetragen werden können. Wir lernen dabei einen Vater näher kennen, der in den achtziger Jahren aus Eritrea geflohen ist, als dort noch der Krieg mit Äthiopien tobte. Er war damals ungefähr so alt wie sein Sohn heute. Weiterlesen →

25. Dez. 2015
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09. Dez. 2015
von Carsten Knop
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Adele: Erfolg auf ganzer Linie, auch ohne Streaming

Die britische Sängerin zeigt, wie der Markt funktioniert. Technik war ihr lange nützlich. Jetzt kann sie Spotify und Apple Music beweisen, dass nicht jeder Künstler sie braucht. Die Musik verkauft sich blendend, ihre Konzerte sind ausverkauft.

Man kann als Mensch so authentisch sein, wie man will, mit der Gitarre in kleinen Hamburger Musikclubs gesessen und vor kleinem Publikum die Menschen verzückt haben: Wenn man aber erst einmal so richtig erfolgreich ist, geht es um andere Dinge – und ganz besonders darum, den Gewinn aus der eigenen Marke zu maximieren, weil immer mehr andere Menschen davon abhängig geworden sind.

Ist man ein Popstar, wird dann im Zweifel die Musik gefälliger – und man verfällt auf den einen oder anderen Trick, um den Umsatz zu maximieren. Im Weihnachtsgeschäft zum Beispiel ist es besser, wenn neue CDs gekauft werden oder die Musik kostenpflichtig im Internet heruntergeladen wird. Denn mit der dritten Möglichkeit, die Musik über einen der immer beliebteren Streamingdienste wie Spotify oder Apple Music an das Ohr der Fans zu bringen, lässt sich nicht so viel Geld verdienen. Deshalb lässt man das Streaming besser ganz. So wie jetzt Adele. Und der Fan kann sehen, wo er bleibt.

Das ist auch gar nichts Verwerfliches, sondern ein Marktgesetz: Wer die größte Macht hat, spielt sie aus. Eigentlich ist es sogar schade, dass es nicht mehr Künstler gibt, die so viel Kraft haben. Man sollte solche Entscheidungen deshalb aber auch nicht für wichtiger oder wegweisender halten, als sie es sind. Letztlich gibt Adele mit ihrer Entscheidung, ihr neues Album „25“ nicht über Streamingdienste zu vertreiben, wirklich nichts anderes von sich preis, als dass ihre eigene Marke groß genug geworden ist, um sich Gesetzen entziehen zu können, denen sich andere Künstler längst unterwerfen müssen. Ein Statement gegen zu viel Macht neuer Spieler auf dem Musikmarkt ist das nicht.
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09. Dez. 2015
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06. Dez. 2015
von Carsten Knop
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Fujitsu macht Hoffnung auf sichere Software

Nicht nur der Bundesinnenminister ist besorgt: Software ist zu unsicher. Jetzt glaubt der Computerhersteller Fujitsu etwas entwickelt zu haben, das Abhilfe schafft.

Die Vorwürfe im jüngsten Jahresbericht zur IT-Sicherheit wiegen schwer – und erhoben werden sie von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Sie richten sich gegen die großen amerikanischen Software-Hersteller: „Die Anzahl kritischer Schwachstellen in Standard-IT-Produkten hat sich gegenüber den bereits hohen Werten in den Vorjahren im Jahr 2015 noch einmal massiv erhöht“, heißt es in dem Bericht, der vor einigen Tagen zum nationalen IT-Gipfel in Berlin vorgestellt worden ist. Weil einige Software-Hersteller aber immer langsamer oder – bei älteren Produkten – gar keine Sicherheits-Updates anböten, zeigte sich de Maizière offen für die Prüfung von Schadensersatzansprüchen.

Hintergrund ist, dass einige Unternehmen laut BSI wegen des wachsenden internationalen Wettbewerbsdrucks dazu übergehen, sich bei Schwachstellen, die nicht als gravierend erachtet werden, immer mehr Zeit dabei lassen, die Nutzer auf Gefahren hinzuweisen und ihnen Updates für die Beseitigung der Schwachstellen anzubieten. Dies schaffe angesichts der Nutzung der Standardprodukte wie zum Beispiel Internetbrowsern immer mehr Angriffsflächen für Cyber-Attacken, sagte BSI-Präsident Michael Hange. Die Gefährdungslage im Bereich Software schätzt das dem Bundesinnenministerium unterstehende BSI deshalb als hoch ein. Besonders schlecht schneiden in der BSI-Aufstellung für kritische Schwachstellen die Produkte Adobe Flash, Microsoft Internet Explorer, Apple Mac OS X und Microsoft Windows ab.

Und nicht erst seit der Vorlage des Berichts stellt sich die Frage: Was kann man dagegen tun? Der in dieser Zeitung vor einigen Tagen geäußerte Gedanke, angesichts der löchrigen und schlecht programmierten Software brauche die neue digitalisierte Welt möglicherweise ein völlig neu zu programmierendes, von Grund auf sicheres Betriebssystem (F.A.Z. vom 20. November), wird von manchen Fachleuten als vielleicht wünschenswert, aber unrealistisch erachtet. Praktikabler erscheint vielen von ihnen eine softwarebasierte, vom Betriebssystem unabhängige Kapselung schutzbedürftiger Anwendungen und Daten vom Rest der (unsicheren) IT-Infrastruktur.

Dies ist auch ein Ansatz, den die Sicherheitsentwicklung des Computerherstellers Fujitsu in Augsburg unter dem Begriff „Digitale Souveränität“ verfolgt – und die nun in erste marktreife Angebote mündet, die im Laufe des kommenden Jahres verfügbar sein sollen. Vereinfacht gesagt, so formuliert es jedenfalls der Sprecher des Unternehmens, handele es sich dabei um eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die vom Endgerät über die Übertragungswege bis ins Rechenzentrum reiche. Als Tochtergesellschaft des japanischen Fujitsu-Konzerns bedient Fujitsu Technology Solutions in Deutschland Unternehmenskunden und entwickelt und fertigt hier unter anderem Notebooks, Personalcomputer, Netzwerkrechner (Server), Speichersysteme sowie Mainboards und betreibt mehrere hochsichere Rechenzentren. Einst ist in dem Konzern das Computergeschäft von Siemens aufgegangen.

„Die Absicherung von Daten, Applikationen und ganzen IT-Umgebungen ist angesichts der immer stärkeren Vernetzung unverzichtbar. Das gilt gleichermaßen für Unternehmen wie für Organisationen und öffentliche Einrichtungen“, sagt Rupert Lehner, Senior Vice President Sales Germany bei Fujitsu, zu den neuesten Entwicklungen aus seinem Haus. Wohl auch deshalb wurden jüngst die ersten fünf Sicherheitslösungen unter dem neuen Markennamen „Fujitsu Security Solution Surient“ vorgestellt. Diese sollen für sichere Anwendungsumgebungen auf der Basis bestehender Infrastrukturen für die Sicherheit schutzwürdiger Daten und Prozesse sorgen.

Das Fujitsu Surient zugrundeliegende Sicherheitskonzept deckt nach den Angaben des Unternehmens Rechenzentren, Datenübertragung und Endgeräte ebenso ab wie Sensoren, die im „Internet der Dinge“ (der Grundlage für die sogenannte Industrie 4.0) eine zentrale Rolle spielen. Das Konzept basiere auf Ergebnissen des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „Digitale Souveränität“ und sei modular aufgebaut. Dadurch soll es möglich werden, das Schutzniveau an die individuellen Anforderungen des jeweiligen Kunden anzupassen. Die Module könnten einzeln oder kombiniert eingesetzt werden. Weiterlesen →

06. Dez. 2015
von Carsten Knop
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01. Dez. 2015
von Carsten Knop
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China hängt Deutschland in der Elektromobilität ab

Das Wachstum der Elektromobilität wird auf der Welt vom chinesischen Markt getrieben. Denn in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 ist der Absatz von Elektroautos in China um 135 Prozent auf 100 000 gestiegen, womit China die Vereinigten Staaten als größten Markt für Elektrofahrzeuge abgelöst hat. In Amerika hingegen ist der Marktanteil sogar von 0,7 auf 0,6 Prozent gefallen. Und Deutschland wird sein Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, auf dem bisher eingeschlagen Weg ganz gewiss nicht erreichen.

Insgesamt konnten von Januar bis September auf der ganzen Welt rund 335 000 Elektrofahrzeuge verkauft werden. Im gesamten Jahr werden nach einer Prognose des Center of Automotive Management (CAM) rund 500 000 Elektroautos abgesetzt, wobei dann fast jedes dritte Elektroauto in China neu zugelassen wird. Damit steige China zum Leitmarkt für Elektromobilität auf. Insgesamt aber bleibe der globale Marktanteil von Elektrofahrzeugen mit 0,65 Prozent sehr niedrig. Deutschland hingegen ist derzeit weder Leitmarkt noch Leitanbieter von Elektromobilität. Bis September 2015 wurden hierzulande nur 15 000 Elektrofahrzeuge abgesetzt, was trotz einer Steigerung von 63 Prozent einem Marktanteil von 0,63 Prozent entspricht. Während die rein elektrischen Fahrzeuge um 22 Prozent zulegten, konnten die Plug-in-Fahrzeuge im Vergleich zur selben Zeitspanne des Vorjahres einen Zuwachs um 147 Prozent verbuchen.

Deutlich wird die Verteilung am Beispiel VW Golf: Von den 26 251 verkauften Golf-Modellen im Oktober waren nur 91 Erdgasfahrzeuge, 151 Plug-in-Hybride und 67 reine Elektrofahrzeuge. Bis Oktober wurden von allen Herstellern zusammen 45 000 Autos mit alternativen Antrieben neu zugelassen. So viele Autos verkauft Volkswagen aber allein vom Golf mit konventionellen Motoren in knapp zwei Monaten. Insgesamt ist zu erwarten, dass der E-Absatz im Gesamtjahr in Deutschland nur auf rund 21 000 Fahrzeuge steigen wird (plus 60 Prozent), schreibt das CAM in seiner Auswertung.

Hinzu kommt: Das Wachstum der Elektromobilität ist überall auf der Welt stark von öffentlichen Förderkulissen abhängig, da die Elektroautos bislang – von wenigen Ausnahmen wie Tesla abgesehen – aus Kundensicht kaum wettbewerbsfähig sind. „Es braucht Innovationen, die das Problemcluster Reichweite, Infrastruktur, Preis lösen“, wird dazu Studienleiter Stefan Bratzel zitiert. Seit Jahren sei bekannt, dass die Reichweiten von nur 100 bis 150 Kilometern von den Kunden nicht akzeptiert würden, da es an einer umfassenden Schnellladestruktur mangele. Notwendig seien Reichweiten von mindestens 300 bis 500 Kilometern und eine entsprechende Ladeinfrastruktur. Trotz Einschränkungen der Funktionalität seien die Kosten für Elektroautos zudem zum Teil erheblich höher als bei herkömmlichen Fahrzeugen. Notwendig sei die Neufokussierung der Innovationsaktivitäten der globalen Automobilhersteller in Richtung alternativer Antriebe, insbesondere in Deutschland. Hier gebe es Nachholbedarf. Das zeige die Analyse von rund 2600 Antriebsinnovationen seit 2005: Dabei ergibt sich, dass die weitaus meisten Antriebsinnovationen der Optimierung von konventionellen Benzin- und Dieselmotoren zuzurechnen sind. Weiterlesen →

01. Dez. 2015
von Carsten Knop
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23. Nov. 2015
von Carsten Knop
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Der Chefverkäufer des TTIP-Abkommens: Bernhard Mattes

Bernhard Mattes ist der Deutschlandchef von Ford – und Präsident der American Chamber of Commerce in Deutschland. Für das umstrittene Freihandelsabkommen kämpft er mit Leidenschaft. Längst hat er gemerkt, dass in dem Wort das Verb „leiden“ steckt.

Bernhard Mattes ist im Hauptberuf der Deutschlandchef des amerikanischen Autoherstellers Ford. Zudem ist er aber auch Präsident der American Chamber of Commerce in Deutschland – und deshalb einer der wichtigsten Förderer des Transatlantischen Handelsabkommens TTIP. Mit diesem Hintergrund ist er einer der engagiertesten Lobbyisten für den Vertrag. Und mit der Rollenbeschreibung ist sogleich der negative Zungenschlag in der Debatte, der die gesamte Diskussion über die TTIP-Verhandlungen seit geraumer Zeit prägt.

Den Vertrauensverlust gegenüber den politischen und wirtschaftlichen Eliten, die sich für das Handelsabkommen einsetzen, spürt Mattes natürlich auch. Er bemerkt, wie schwierig es geworden ist, Menschen von den Vorteilen zu überzeugen, die das Handelsabkommen nach seiner Überzeugung für die Wirtschaft insgesamt und die Arbeitsplätze eines jeden Einzelnen hat. Ob der Mann, der in Deutschland schon seit 2002 an der Spitze von Ford steht, deshalb auch schon einmal persönlich beschimpft oder bedroht worden ist? „Nein“, sagt Mattes im Gespräch mit dieser Zeitung. Und er setzt darauf, noch breitere Schichten der Bevölkerung davon überzeugen zu können, dass manche Kritik am Abkommen einfach nur eine Unterstellung sei.

Ob Verbraucherschutz oder Datenschutz, keine europäische Regelung werde nach dem Vertragsabschluss weicher ausfallen als bisher. „Ich weiß von Ford, wie vorsichtig in amerikanischen Unternehmen zum Beispiel mit personenbezogenen Daten umgegangen wird“, beteuert der am 8. Juli 1956 in der VW-Stadt Wolfsburg geborene Mattes. An ihm selbst soll es ohnehin nicht scheitern. Auf diversen TTIP-Foren hat sich Mattes der Kritik am Abkommen schon gestellt; an insgesamt rund 100 Infoveranstaltungen hat die AmCham Germany nach seinen Worten bereits teilgenommen oder hat diese selbst veranstaltet. Mehr sollen es werden. Zudem ist man Partner der Bürgerdialoge der Europa Union, die unter anderem auch der BDI seit 2014 als Partner unterstützt. Zu Beginn der Verhandlungen sei es in Fragen der Transparenz „übertrieben zurückhaltend“ zugegangen. In der Hinsicht habe sich aber vieles verbessert. Weiterlesen →

23. Nov. 2015
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21. Nov. 2015
von Carsten Knop
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Bürger können mit den IT-Angeboten des Staates wenig anfangen

Die IT in deutschen Behörden ist rückständig und nicht vernetzt. Die Bürger wenden sich von den Angeboten ab. Das ist ein Fehler, der viel Geld kostet – ihn zu korrigieren wäre gar nicht teuer.

Der deutsche Staat hat riesige Defizite in der Versorgung seiner Bürger mit elektronischen Dienstleistungen, dem sogenannten E-Government. Ein neues Gutachten für den Normenkontrollrat kommt zu Ergebnissen, die jeden Politiker erschrecken müssen. Denn hier könnte man richtig viel Geld sparen – und müsste auch gar nicht viel Geld investieren, um die entsprechenden Einsparungen zu erreichen.
Zwar komme innerhalb der Verwaltung diverse IT-Unterstützung zum Einsatz, heißt es in dem zum Beginn des Nationalen IT-Gipfels in Berlin vorgelegten Text. Doch den Bürgern bleibe der Weg zum Amt deshalb in der Regel eben nicht erspart. Bislang seien in der Fläche nämlich fast nur Informationsangebote vorhanden. Ein E-Government als vollständig digitales Transaktions- und Interaktionsangebot zur ganzheitlichen Abwicklung von Verwaltungsverfahren ohne Medienbrüche? Das gebe es de facto nicht. Im Gegenteil: Die Hälfte der untersuchten Kommunen stelle jeweils nicht mehr als zwei Online-Dienste zur Verfügung. Damit entsteht ein Teufelskreis. Geringes Angebot, ungenügende Benutzerfreundlichkeit und fehlende Mehrwerte der elektronischen Verwaltungsverfahren führten zu geringer Nutzung. Genauso sei es auch in der Behördenwirklichkeit: Seit einigen Jahren sei sogar eine Tendenz auszumachen, dass nicht mehr, sondern weniger Bürger die Angebote nutzten.

Fehlende Nutzer wiederum führten dazu, dass erhoffte Effizienzgewinne ausblieben und E-Government für die Verwaltung eben keine Entlastung bringe, sondern zum zusätzlichen Kostenfaktor werde. Diese wirtschaftlichen Risiken, gepaart mit rechtlichen Unsicherheiten und organisatorischen Herausforderungen, führten für jede einzelne Verwaltung zu einer schwierigen Anreizstruktur, die den Aufbau neuer Angebote oder die Verbesserung des Bestehenden verhindere, wird beklagt.
Hinzu komme: Der Bürger wolle mit der Verwaltung nichts zu tun haben. Anträge, Formulare oder Meldepflichten würden häufig als notwendiges Übel wahrgenommen. Um E-Government-Angebote auch wirklich zu nutzen, erwarteten die Bürger im Gegenzug aber konkrete Mehrwerte gegenüber den traditionellen – analogen – Verfahren. Als Beispiel werden besondere Nutzerfreundlichkeit und ein deutlich reduzierter Aufwand bei der Abwicklung von Behördenkontakten genannt. Die elektronischen Angebote der Verwaltung müssen deshalb – und noch sehr viel stärker als bei vergleichbaren Lösungen aus der privaten Wirtschaft – besonders einfach, verständlich, nützlich und vertrauensfördernd sein. Genau das sind sie aber offenbar nicht. Weiterlesen →

21. Nov. 2015
von Carsten Knop
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16. Nov. 2015
von Carsten Knop
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Nur Autos sorgen noch für kräftige Industrie-Investitionen

Die Verarbeitende Industrie in Deutschland investiert nur noch sehr verhalten. Im deutschen Verarbeitenden Gewerbe hat das reale Nettoanlagevermögen im Jahr 2013 um 0,8 Prozent unter dem Wert aus dem Jahr 2000 gelegen. Und diese Durchschnittsbetrachtung schönt das Bild sogar noch. Denn nur vier von 19 Industriebranchen haben ihren Kapitalstock in dieser Zeit ausgebaut. Ganz besonders düster sähe es ohne die Investitionen der deutschen Autoindustrie aus. Die Nettoanlageinvestitionen dieser Branche übertrafen in den Jahren von 1995 bis 2006 sowie seit 2009 die entsprechenden Investitionen aller anderen Industriesektoren zusammen.

Auf diesem Weg erhöhte die Autoindustrie ihr reales Nettoanlagevermögen
in Deutschland seit 2000 bis zum Jahr 2013 um knapp 38 Prozent. Das sind Ergebnisse einer entsprechenden Analyse von DB Research. Ein ganz anderes Bild ergibt sich in den energieintensiven Branchen. Dort setzt sich der seit Jahren zu beobachtende Trend eines sinkenden Kapitalstocks in Deutschland fort. „Sollten sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland künftig verschlechtern, erwarten wir, dass die Industrieunternehmen ihre Investitionen noch stärker im Ausland tätigen“, folgert Eric Heymann von DB Research daraus.

Die nominalen Nettoanlageinvestitionen, also die Bruttoanlageinvestitionen abzüglich der Abschreibungen, lagen 2014 mit rund 5,9 Milliarden Euro zwar im positiven Bereich, und das sogar zum vierten Mal in Folge. Im Vergleich zu den Dienstleistungen fallen die Investitionen der Industrie jedoch bescheiden aus: Alle Dienstleistungsbranchen zusammen kamen im Jahr 2014 auf Nettoanlageinvestitionen in Höhe von 82,5 Milliarden Euro. Insgesamt betrug der Anteil der Industrie an den gesamten Nettoanlageinvestitionen Deutschlands also nur 6,9 Prozent.

Hinzu kommt, dass seit der Reform der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im vergangenen Jahr auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) und andere Formen geistigen Eigentums zu den Anlageinvestitionen zählen. Diese machten 2014 im Verarbeitenden Gewerbe knapp 48 Prozent der gesamten Bruttoanlageinvestitionen aus. „Wenn sich die Nettoanlageinvestitionen inklusive der für das rohstoffarme Deutschland wichtigen F&E-Ausgaben nur wenig im Plus befinden, kann dies als Alarmsignal angesehen werden“, schreibt die Deutsche Bank. Es sei zwar nicht überraschend, dass die Industrie in einer reifen Volkswirtschaft wie Deutschland nur relativ wenig in neue Fabrikhallen investiere. Aber bei den Investitionen in neue Maschinen und vor allem in Forschung und Entwicklung würde man eine höhere Dynamik erwarten, zumal für den Erfolg der deutschen Industrie innovative und effiziente Produktionsprozesse essentiell seien. Weiterlesen →

16. Nov. 2015
von Carsten Knop
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