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Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Die Woche von Köhler, Krupp und Geithner

Die Krupps sind zu beneiden. Während die Geschichte dieser Familiendynastie noch mehr als sechs Millionen Menschen sehen wollten, ziehen Topmanager international keine Blicke, sondern höchstens Steine auf sich - und die harten Worte von Horst Köhler.

Es war die Woche der Krupps. Der Dreiteiler im ZDF mag nicht richtig gut gewesen sein, aber die Geschichte dieser Familienunternehmer ist so interessant, dass selbst eine mittelmäßige Umsetzung im Fernsehen zum Publikumserfolg wird – und stets mehr als sechs Millionen Zuschauer anzieht. Dem einen oder anderen von ihnen wird es aufgefallen sein: Nicht selten brauchten die Krupps Hilfe vom Staat, um zum Mythos werden zu können. Zudem gab es manche Diskussionen um die Erbschaftsteuer. Die Schwierigkeiten von (Familien-)Unternehmen sind offenbar doch recht zeitlos. Die Krupps genossen unter ihren Mitarbeitern aber stets hohes Ansehen, denn sie lebten für ihr Unternehmen – und sorgten sich um das Wohl ihrer Angestellten. Niemals wäre man auf die Idee gekommen, ihr Haus oder ihre Autos mit Steinen zu bewerfen, so wie es der frühere Vorstandsvorsitzende der Royal Bank of Scotland in dieser Woche erleben musste.

Bild zu: Die Woche von Köhler, Krupp und Geithner

Ein Krupp im Kreise dankbarer Angestellter. Aus dem ZDF-Dreiteiler. Foto: ZDF

Auch in Frankreich und in Amerika weht Managern, die Milliarden verloren haben, sich vom Staat retten lassen müssen und nun noch immer hohe Boni oder Gehälter kassieren, ein eisiger Wind entgegen. Dabei wird nicht immer darauf geachtet, ob die Vorwürfe berechtigt sind – zu naheliegend sind populistische Vorwürfe durch Politiker und Staatsanwälte, die damit eine Treibjagd auch auf die Familien der Betroffenen eröffnen.

Ob Köhlers Worte etwas nützen werden?

In Deutschland geht es gesitteter zu. Hier hat Bundespräsident Horst Köhler in dieser Woche zur Beichte gebeten, in einer Kirche, dort, wo sonst Christen Trost suchen. In der unbeheizten Berliner Elisabethkirche sprach Köhler über gierige Finanzjongleure und die Schaukämpfe der Politiker in Krisenzeiten: „Was vielen abhanden gekommen ist, das ist die Haltung: So etwas tut man nicht. Bis heute warten wir auf eine angemessene Selbstkritik der Verantwortlichen. Von einer angemessenen Selbstbeteiligung für den angerichteten Schaden ganz zu schweigen.“

Ob die Worte, die draußen von eindrucksvollen Witterungsbedingungen untermalt wurden, aber etwas nützen werden? Jedenfalls hat Köhler in den Ohren des Publikums den richtigen Ton getroffen – die Rede war eine Bewerbung für die zweite Amtszeit Köhlers, gegen die wohl nur wenige Deutsche etwas haben werden.

Wohin mit den giftigen Papieren?

Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner hat mit seinem Plan zur Bankenrettung in dieser Woche einen weiteren Publikumserfolg gelandet. Kaum war der Plan verkündet, schossen die Aktienindizes in die Höhe.

Dabei ist Geithners Idee nicht neu. Schon sein Vorgänger Henry Paulson hatte ähnliche Pläne. Stets geht es in diesen Vorhaben darum, die vielen toxischen Wertpapiere, die das Vertrauen unter den Banken zerstören, unter Quarantäne zu stellen. Die Schwierigkeit ist nur: Noch gibt es für solche Papiere keine Käufer, und wie sehr diese nun von den staatlichen Garantien angelockt werden, die Geithner im Fall von Verlusten bietet, bleibt abzuwarten.

Offen ist zudem, wie viele Papiere die Banken unter diesem Programm zum Verkauf anbieten werden. Denn ein solcher Verkauf könnte bei den Geldinstituten, je nach dem erzielbaren Preis, zu einer neuen Runde von Abschreibungen führen. Die aber zehren das Kapital auf. Und das ist knapp.

Keine Weitsicht bei den Rettungsplänen für Opel

Knapp ist das Kapital auch in der Industrie, nicht zuletzt in der deutschen Autoindustrie. Abu Dhabi hält das für eine Chance – und investiert fast 2 Milliarden Euro in eine Beteiligung am Autokonzern Daimler. Da Abu Dhabi über rund 10 Prozent der auf der Welt derzeit bekannten Ölreserven verfügt, hat man zwei Schwierigkeiten: Wohin mit den Erträgen; und was, wenn das Öl zu Ende geht?

Deshalb locken zum einen die niedrigen Aktienkurse, zum anderen werden die Petrodollar bei Daimler nun in die Entwicklung von Elektromobilen gesteckt. Das passt zum Staatsziel von Abu Dhabi, den Öko-Sektor auszubauen.

Im Jahr 2020 soll ein Fünftel des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen kommen. Das staatliche Unternehmen Masdar baut eine kohlendioxidneutrale Stadt für 50.000 Menschen. Und in Erfurt errichtet Masdar eine Solarzellenfabrik. Später will man die gesamte Anlagentechnik in Abu Dhabi produzieren und mit grüner Technologie zu den Weltmarkführern gehören. Der Plan hat Weitsicht.

Das lässt sich von den bisher vorliegenden Rettungsplänen für Opel noch nicht behaupten. Aber in der kommenden Woche fährt die Kanzlerin nach Rüsselsheim. Ob auch sie dort einen Publikumserfolg wird landen können?

(Dieser Blogbeitrag ist Teil der F.A.Z-Serie „Auf einen Espresso.“)

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