Ad hoc

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Die Woche von Heynckes, Klinsmann, Ackermann

Das war einmal eine Woche mit wirklich interessanten Personalien. Für jeden Geschmack war etwas dabei. Und man konnte aus den Entlassungen, Ernennungen und verpassten Chancen sogar etwas lernen: In jeder Krise ist Alter stärker gefragt als Jugendlichkeit. Und ohne ausreichend Anhänger ist alles nichts. Das gilt im Sport ebenso wie in Vorständen und Aufsichtsräten, zum Beispiel dem der Deutschen Bank.

Das war einmal eine Woche mit wirklich interessanten Personalien. Für jeden Geschmack war etwas dabei. Und man konnte aus den Entlassungen, Ernennungen und verpassten Chancen sogar etwas lernen: In jeder Krise ist Alter stärker gefragt als Jugendlichkeit. Und ohne ausreichend Anhänger ist alles nichts. Das gilt im Sport ebenso wie in Vorständen und Aufsichtsräten, zum Beispiel dem der Deutschen Bank.

Doch der Reihe nach. Wer glaubt, die Strukturen in deutschen Aufsichtsräten seien verkrustet, fühlt sich angesichts der Berufung des nur 70 Jahre alten ehemaligen Bayer-Chefs Manfred Schneider an die Spitze des Aufsichtsrats des Versorgungsunternehmens RWE bestätigt, dass immer dieselben alten Männer die größten Unternehmen Deutschlands überwachen. Wer sich wiederum für die menschlichen Abgründe in der deutschen Bankenlandschaft interessiert, verfolgt aufmerksam die Führungsquerelen in der Deutschen Bank, die zur überraschenden Vertragsverlängerung für den 61 Jahre alten Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann geführt haben, der sich auf seinen Ruhestand gefreut und davon schon mit glänzenden Augen berichtet hatte. Und wer sich nicht nur für die Wirtschaft, sondern für den Sport begeistert, wird über den FC Bayern, den jungen Jürgen Klinsmann und den alten Jupp Heynckes nachgedacht haben.

So hat sich auch in dieser Woche wieder gezeigt, dass Sport und Wirtschaft eine Menge miteinander zu tun haben. Ein Klinsmann zum Beispiel wäre nicht so Knall auf Fall entlassen worden, wenn es nicht immer auch um die monetäre Seite des sportlichen Erfolgs ginge. Ein Platz in der Champions League ist für einen Fußballverein in Deutschland wohl mindestens 20 Millionen Euro wert – und auf die mag auch der reiche FC Bayern mit seinem legendären Festgeldkonto nicht verzichten, vor allem nicht in Zeiten, in denen es für Tages- oder Festgeld kaum noch Zinsen gibt.

Und was immer Klinsmann bei den Bayern falsch gemacht hat, so zeigt sein Abgang leider auch, dass der Vereinsführung die Ausdauer für einen jugendlich-dynamischen Aufbruch in die neuen (Trainings-)methoden des 44 Jahre alten Klinsmann gefehlt hat. Jetzt kommt Heynckes, der die Bayern vor zwanzig Jahren schon einmal trainiert hat und auch in etwa ebenso viele Jahre älter ist als Klinsmann. Das ist ein echter Generationswechsel – nur in die falsche Richtung. Das ist in diesem Fall grundsätzlich gemeint. Denn mehr jugendliche Dynamik würde in Deutschland auch anderen Gremien nicht schaden. Zum Beispiel in Aufsichtsräten, nicht selten aber auch in Vorständen, wo es manchmal (wie jetzt bei der Deutschen Bank) furchtbar schwerfällt, mit frischen Gesichtern die Zukunft zu gestalten. Die Parallelen zum deutschen Profifußball und seinen Trainerbänken sind auch in dieser Hinsicht frappierend. Denn wenn bald Felix Magath von Wolfsburg zu Schalke wechselt, um zu einer weiteren Personalie der Woche zu kommen, so fügt dieser alte Hase damit auch nur einen weiteren Verein zu seiner langer Liste deutscher Städte hinzu, in denen er schon als Trainer aktiv war.

Nun kann man im Fall Magath darüber hinaus allerdings kaum ein Haar in der Suppe finden. Der Mann ist in jeder Hinsicht topfit – und hat begriffen, dass Fußball viel mit professionellem Management und noch mehr mit Leistung zu tun hat. Deshalb fällt es Unternehmern und Managern auch so leicht, sich mit Magath anzufreunden. Die Denkweise ist gleich. Magath weiß, dass Fußballspieler oft überbezahlte Bengel sind. Von denen verlangt Magath Leistung – und ruft sie auch ab. Bravo, so soll es sein. Das hat bei Klinsmann in München in der Tat nicht so gut geklappt, bei aller Jugendlichkeit.

Aber es gibt Hoffnung für die jungen Leute, „Hope“ auf Amerikanisch. Die Amerikaner haben ja einen jungen Präsidenten, der auch nach nicht immer einfachen 100 Tagen im Amt den Elan für unterhaltsame Pressekonferenzen zur besten Sendezeit nicht verloren hat – und dabei frischer aussieht als Bayern-Manager Uli Hoeneß zu Wochenbeginn. Der wiederum sucht nun einen Mann für die Zeit nach Heynckes. Wie heißt es in einer imaginären Stellenanzeige für den Posten des Bayern-Cheftrainers, die im Internet kursiert: „Ihr Aufgabengebiet umfasst die unmittelbare Erzielung kurz-, mittel- und langfristiger Erfolge. Sie sind jung und aufgeschlossen, aber gleichzeitig erfahren und konservativ.“ Auf geht’s.

 

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