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Die Unternehmen der Quandts

11.07.2009, 07:09 Uhr  ·  Ein Anlegerinformationsdienst hat vor wenigen Tagen eine gewagte These aufgestellt: Die Quandts, so hieß es dort, machten unter den Milliardären Deutschlands derzeit die beste Figur. Sie führten keinen Clan-Krieg wie die Porsches und Piëchs, die sich um die Ausgestaltung der Übernahme von Volkswagen durch Porsche (oder umgekehrt) streiten. Sie lieferten sich keine Übernahmeschlachten, die sie sich nicht leisten könnten, wie im Fall von Schaeffler und Continental, und sie hätten sich nicht wie die Merckles mit Spekulationen verhoben. Eher strahlten die Quandts eine Qualität im Umgang mit Vermögen aus, die in dieser „Flughöhe" eigentlich erwartet werde: Bodenhaftung, Kontinuität und in „gewissem Umfang" auch gesellschaftliche Verantwortung. Stimmt das?

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Ein Anlegerinformationsdienst hat vor wenigen Tagen eine gewagte These aufgestellt: Die Quandts, so hieß es dort, machten unter den Milliardären Deutschlands derzeit die beste Figur. Sie führten keinen Clan-Krieg wie die Porsches und Piëchs, die sich um die Ausgestaltung der Übernahme von Volkswagen durch Porsche (oder umgekehrt) streiten. Sie lieferten sich keine Übernahmeschlachten, die sie sich nicht leisten könnten, wie im Fall von Schaeffler und Continental, und sie hätten sich nicht wie die Merckles mit Spekulationen verhoben. Eher strahlten die Quandts eine Qualität im Umgang mit Vermögen aus, die in dieser „Flughöhe” eigentlich erwartet werde: Bodenhaftung, Kontinuität und in „gewissem Umfang” auch gesellschaftliche Verantwortung.

Keine Rede mehr vom Gigolo-Skandal

Die Argumentation hat zunächst einiges für sich. Denn tatsächlich haben die Quandts – und gemeint sind hiermit heutzutage vor allem die beiden Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten (die Kinder von Johanna Quandt) – mit ihrem unternehmerischen Engagement in den vergangenen Monaten eher für die kleineren Überschriften in der Wirtschaftsberichterstattung gesorgt. Überschattet wurden diese nur vom Gigolo-Skandal von Susanne Klatten, von dem hier aber nicht die Rede sein soll – und dessen Auswirkungen die Familie erstaunlich souverän an sich hat abprallen lassen. Nicht zuletzt ist auch die Diskussion über die Rolle der Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus und ihrem damaligen Umgang mit Zwangsarbeitern wieder in den Hintergrund getreten.

Somit sind die Meldungen, die die Quandts in der jüngeren Vergangenheit darüber hinaus produzierten, eher ein Beleg dafür, wie mühsam und kleinteilig das Leben eines Unternehmers oder, wie man bei Susanne Klatten und Stefan Quandt wohl eher sagen müsste, strategischen Investors sein kann. Stefan Quandt zum Beispiel bastelt seit Jahren an der unternehmerischen Ausrichtung seiner weitgehend unbekannten Beteiligungsholding Delton herum. Seine Beteiligung am Ladegerätehersteller Ceag hat er verkauft, die am schon lange leidenden Logistikunternehmen Logwin (früher Thiel Logistik) hat er aufgestockt. Aber: Dort stand zuletzt ein hoher Fehlbetrag zu Buche, die Besserungsaussichten sind in Zeichen der allgemeinen Wirtschaftskrise ungewiss. Zu Delton gehören auch noch die Cedo Haushaltsprodukte und das Unternehmen Heel Pharma in Baden-Baden, die ebenfalls von einem eher geringen Bekanntheitsgrad geprägt sind.

Susanne Klatten dreht ein großes Rad

Seine jenseits des schillernden Skandälchens höchst öffentlichkeitsscheue Schwester hingegen dreht ein sehr viel größeres Rad: Sie verteilt den Erlös aus dem Verkauf der Pharmasparte von Altana auf eine Reihe von Industriebeteiligungen, die über ihren Fonds Skion geführt werden. Die Strategie von Skion ist es, in „forschungsstarke und technologieorientierte” Unternehmen zu investieren – und diese Strategie setzt Klatten bei Skion auch um: So gab ihr Fonds in den vergangenen Monaten zum Beispiel den Einstieg beim Chemieunternehmen SGL Carbon bekannt und wendete für den Anteil von knapp einem Viertel an SGL mehr als 300 Millionen Euro auf. Zuvor hatte die Gesellschaft begonnen, die Restanteile an Altana (einem Unternehmen, das nach dem Verkauf des Pharmageschäfts ein reiner Chemiekonzern ist), die bisher noch bei Kleinaktionären liegen, für rund 400 Millionen Euro zu erwerben – was nicht vollständig gelungen ist. Zudem kaufte sie einen Anteil am Windkrafthersteller Nordex für etwas weniger als 300 Millionen Euro. Die verbleibende 1 Milliarde Euro aus dem Pharmaverkauf werde ebenfalls reinvestiert, heißt es. Und dabei müssen die Unternehmen, die für eine Beteiligung in Frage kommen, weder groß noch berühmt sein, solange sie nur zur Strategie passen: Erst vor wenigen Tagen wurde zum Beispiel bekannt, dass Skion fortan 28,9 Prozent am zuvor vollkommen unbekannten Frankfurter Unternehmen Geohumus hält. Trotz der geringen Größe des Geschäfts, dessen genaues Volumen nicht bekannt ist, ging der Transaktion eine Prüfungsphase von einem Jahr voraus, in der Skion Bücher und Patente von Geohumus sowie das Produkt unter die Lupe genommen hat. Das Unternehmen mit Sitz im Frankfurter Stadtteil Fechenheim hat ein stark wasserspeicherndes Granulat entwickelt und auf den Markt gebracht. Für den Außenstehenden wirkt all das durchaus so, als habe Klatten den Mut gefasst, in der Krise zu aus ihrer Sicht günstigen Preisen einzukaufen und mit langem Atem auf künftige Wertsteigerungen ihrer Beteiligungen zu setzen (denn zum Beispiel einer Nordex ging es auch schon einmal besser). Den Schritt, ihre unternehmerischen Ziele auch persönlich einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln, ist sie allerdings noch nicht gegangen und verlässt sich in dieser Hinsicht auf den persönlichen Referenten der Familie.

Stefan Quandt sucht nach einem Erfolgsrezept

Stefan ist eloquenter, sucht dafür aber noch stärker nach seinem eigenen, für ihn lukrativen und erfolgversprechenden unternehmerischen Weg. Zuletzt hielt er zur Verleihung des Quandt-Medienpreises eine Grundsatzrede über das Verhältnis von Staat und Wirtschaft in Zeiten der Krise. Von staatlichen Hilfen für notleidende Unternehmen hält er nichts; und tatsächlich versucht Quandt bei Logwin ja auch aus eigener Kraft eine Perspektive zu entwickeln.

Wie geht es mit BMW weiter?

Für den Münchner Autokonzern BMW aber, die Quelle ihres heutigen Reichtums, bleiben alle Quandts die klar erkennbare Zukunftsperspektive für die Zeit einer weltumspannenden Absatzkrise schuldig: Angeblich haben BMW und Daimler jüngst darüber nachgedacht, eine Kapitalverflechtung von 7 Prozent einzugehen. Denn beide Unternehmen haben wegen der Nachfrageschwäche auf dem Automarkt mit Schwierigkeiten zu kämpfen – was auf dem Papier für alle Aktionäre (und damit auch für die Quandts) zu erheblichen Verlusten geführt hat. Die Beteiligung, über die einige Zeit lang intensiv spekuliert wurde, ist jedoch gescheitert – angeblich am Widerstand der Familie Quandt. Möglicherweise war ihnen diese Schlagzeile dann schon wieder eine Nummer zu groß. Wie gesagt, Clan-Kriege und Übernahmeschlachten führen derzeit andere. Die Quandts bleiben still, jedenfalls bei der Arbeit.

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Veröffentlicht unter: BMW, Stefan Quandt, Susanne Klatten, Delton, Altana, Quandt

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.