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Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Uwe Hück, Marietta Slomka und die Mondlandung

Eigentlich sah das alte Nachrichtenstudio des ZDF doch noch sehr ordentlich aus. Modern, aufgeräumt, sauber, war es in den vergangenen Jahren ein Ort für viele gute und wohl noch mehr schlechte Nachrichten - wie das Leben halt so spielt. Nach dem Abfluss von 30 Millionen Euro Gebührengeldern ist seit Freitag alles größer und vor allem digital, also jetzt besonders modern. Der Tisch, der den Moderatoren als Wegweiser durch ihre neue Technikheimat dient, ist imposant. Allein: Das Geld und die Technik werden weder die Zahl der guten Nachrichten erhöhen, noch werden sie häufiger für echte Fernsehmomente sorgen als bisher. Für die Momente also, in denen das Medium Fernsehen seine wahre Kraft entfaltet. Das ist immer dann der Fall, wenn Nachrichten sich erst vor dem Auge des Betrachters entwickeln und die Menschen sich dafür nicht zugleich verstellen.

Eigentlich sah das alte Nachrichtenstudio des ZDF doch noch sehr ordentlich aus. Modern, aufgeräumt, sauber, war es in den vergangenen Jahren ein Ort für viele gute und wohl noch mehr schlechte Nachrichten – wie das Leben halt so spielt. Nach dem Abfluss von 30 Millionen Euro Gebührengeldern ist seit Freitag alles größer und vor allem digital, also jetzt besonders modern. Der Tisch, der den Moderatoren als Wegweiser durch ihre neue Technikheimat dient, ist imposant. Allein: Das Geld und die Technik werden weder die Zahl der guten Nachrichten erhöhen, noch werden sie häufiger für echte Fernsehmomente sorgen als bisher. Für die Momente also, in denen das Medium Fernsehen seine wahre Kraft entfaltet. Das ist immer dann der Fall, wenn Nachrichten sich erst vor dem Auge des Betrachters entwickeln und die Menschen sich dafür nicht zugleich verstellen.

Ein echter Fernsehmoment

Einen solchen Moment durfte Moderatorin Marietta Slomka in dieser Woche noch einmal in dem alten Studio erleben, das uns in den vergangenen Jahren begleitet hat. Zugeschaltet aus Stuttgart-Zuffenhausen, im Hintergrund die Hauptverwaltung seines Arbeitgebers Porsche: der Betriebsratsvorsitzende. „Guten Abend, Uwe Hück.” Der ist sauer. Er schimpft (zu Recht) auf die Einmischungen des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, der in Stuttgart nichts zu sagen hat. Wieder steht Hück in der Auseinandersetzung mit Volkswagen über die Zukunft der beiden Autohersteller, in der in dieser Woche eine manipulative Falschmeldung die andere gejagt hat, fest an der Seite seines Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking. Dafür ist er schon als „Hofnarr” bezeichnet worden. Auch dieses Mal macht er seine Sache gut.

Wer Hück kennt, weiß, dass er seine Zunge nicht immer hütet, dass er wie alle, die hier bei Porsche etwas zu sagen haben, gerne einfach mal drauflospoltert – und von dieser Linie weicht er im Fernsehen nicht ab. Die Moderatorin, an im Gespräch einschläfernde Vizekanzler gewöhnt, ist überrascht: Dann täusche der Eindruck wohl nicht, dass auch bei ihm, Hück, die Nerven blank lägen? Das will Hück nicht auf sich sitzen lassen. Bei Porsche-Fahrern liegen schließlich nie die Nerven blank. Er sei immer so. Locker drauf nämlich. In der Früh. Abends. Und dann, o je: auch unter der Dusche. Die Moderatorin strahlt. Danke sehr. Darauf Hück: „Gern, ganz lieb von dir.” So muss Fernsehen sein. Und dafür braucht man keine 30 Millionen Euro.

Schön war die Zeit für Wiedeking

Schön war die Zeit – das wird auch Wiedeking über seine Jahre an der Spitze von Porsche denken, mit der Ausnahme der jüngsten Zeit. Jetzt neigt sich seine Ära dem Ende zu, was immer in den kommenden Tagen – endlich – entschieden werden wird. Echte Gewinner wird es danach kaum geben. Wenn Geschichte eine Lehre ist, stehen die meisten Wetten aber darauf, dass sein Widersacher Ferdinand Piëch am Ende leise lächeln wird.

Laut Lachen dürfen schon einmal die Banker von Goldman Sachs: 3,4 Milliarden Dollar netto haben die für ihre Bank im zweiten Quartal vor Sonderposten verdient. Die Finanzjongleure sind wieder da, zu einer Zeit, in der sie in der Unternehmenswelt, also bei Porsche (und bei Schaeffler, Continental, Arcandor), noch ihre Waterloos erleben. Den Banken hingegen hilft schon viel: zum Teil das Geld vom Staat (wenn auch nicht mehr bei Goldman), gelockerte Rechnungslegungsvorschriften, niedrige Zinsen der Notenbanken und riskante Wetten im Stile eines Hedge-Fonds. Und wenn bei Goldman trotz Beschäftigungsabbau der Personalaufwand um 47 Prozent steigt, deutet das auf wieder stark steigende Boni hin. Irgendwie ist das alles zu schnell gegangen.

Wer sich über Banker, Porsche und teure Nachrichtenstudios nicht mehr ärgern will, findet derzeit auch im Internet einen echten Internetmoment. Die John-F.-Kennedy-Präsidentenbibliothek hat mit „We Choose The Moon“ eine Website online gestellt, auf der die Mondmission der Apollo 11 in Echtzeit mitverfolgt werden kann (www.wechoosethemoon.org). Sie endet am 21. Juli um 3.56 Uhr, als der erste Mensch den Mond betrat. Original Ton-, Funk-, Video- und Bilddokumente werden genutzt, um realitätsnah den Verlauf der Mission präsentieren zu lassen. Schön.

 

 

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