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Metros Hoffnung auf Karstadt steigt wieder

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Während die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz nur noch von 500 bis 600 Euro im Monat lebt, braucht sich Arcandor-Chef Eick keine finanziellen Sorgen zu machen. Und Arcandor-Lieferanten fragen die Metro nach der Zukunft von Karstadt.

Nach dem Rückzug des Arcandor-Sanierungsberaters und Generalbevollmächtigten Horst Piepenburg rechnet sich der Düsseldorfer Konkurrent Metro wieder bessere Chancen für eine Übernahme der Karstadt-Warenhäuser aus. Nach Informationen dieser Zeitung führt der Metro-Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes immer wieder Gespräche mit Vermietern, höchst besorgten Lieferanten sowie Vertretern von Arbeitnehmern von Arcandor. Regelmäßig melden sich dem Vernehmen nach Lieferanten bei der Metro, um einen Eindruck von der Zukunft der Karstadt-Warenhäuser innerhalb des insolventen Arcandor-Konzerns zu bekommen.

Entscheidung Mitte August?

Eine Entscheidung über die Zukunft von Arcandor werde voraussichtlich Mitte August in einer Sitzung des Gläubigerausschusses fallen, hieß es. Spekuliert wird als Termin über den 15. August; eine Bestätigung hierfür gibt es bisher nicht. Auf dieser Sitzung könnte es durchaus auch schon um die Zukunft des Arcandor-Vorstandsvorsitzenden Karl-Gerhard Eick gehen. Sollte Eick das Haus verlassen müssen, könnte er sich seinen Vertrag ausbezahlen lassen, der ihm über fünf Jahre ein Festgehalt von 2 Millionen Euro je Jahr zuzüglich variabler Bestandteile garantiert. Eine vergleichbar komfortable vertragliche Absicherung hat der Warenhauschef Stefan Herzberg nicht. Dem Vernehmen nach soll das Klima zwischen Eick und Herzberg aber nicht nur deshalb, sondern auch wegen strategischer Differenzen zur gemeinsamen Zukunft von stationärem Handel und Versandgeschäft angespannt sein.

Der Metro-Vorstandsvorsitzende Cordes hatte in den vergangenen Wochen immer wieder sein Angebot zu einem Zusammenschluss der Metro-Warenhauskette Kaufhof mit Karstadt zu einer Deutschen Warenhaus AG bekräftigt. Eick, dessen Verhältnis zu Cordes inzwischen belastet zu sein scheint, hatte die Gespräche jedoch auf Eis gelegt. Cordes hatte angekündigt, 60 der 90 Karstadt-Filialen weiterführen zu wollen. An diesem Angebot habe sich nichts geändert, ist zu hören.

Arcandor vor Zerschlagung?

Fachleute gehen davon aus, dass nach dem Rückzug Piepenburgs ohnehin die Chancen schwinden, den Handels- und Tourismuskonzern als Ganzes zu erhalten. Am Wochenende hieß es, auch Eick habe inzwischen Investmentbanken damit beauftragt, Möglichkeiten für einen Teilverkauf von Karstadt und der Versandhaussparte Primondo auszuloten. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg sagte, am Freitag habe ein erstes Treffen des Komitees der größten Gläubiger stattgefunden. Es sei diskutiert worden, ob Arcandor mit den Investmentbanken über eine Zerschlagung sprechen sollte. Eine Entscheidung sei nicht getroffen worden. Die Namen der beteiligten Banken seien ihm nicht bekannt, sagte der Sprecher. Die Arbeitnehmer von Arcandor wollen sich vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen jetzt einen eigenen Insolvenzfachmann als Berater an die Seite holen. Die Entscheidung dazu sei bereits vor dem Rücktritt Piepenburgs am Donnerstag gefallen, hieß es.

Madeleine Schickedanz leidet 

Unterdessen hat die Quelle-Erbin und Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz eine Mitschuld an der Krise des Unternehmens eingeräumt: „Ich habe viel zu spät gemerkt, dass ich die Kontrolle verloren habe”, sagte sie in einem Gespräch mit der „Bild am Sonntag”. Sie hätte schon viel früher Themen wie den Versandhandel über das Internet und die Zukunft der Kaufhäuser angehen müssen. „Das mache ich mir zum Vorwurf. Doch die Fehler im operativen Geschäft verantworte ich nicht, dafür gab und gibt es ein Management”, sagte sie. Inzwischen habe sie leider keinen direkten Einfluss mehr. „Retten können es die Mitarbeiter mit den zuständigen Insolvenzverwaltern und Managern. Retten können uns die Kunden, wenn sie uns die Treue halten.” Schickedanz hält über einen Pool einen Anteil von 26,7 Prozent an Arcandor und ist damit größte Einzelaktionärin vor den Gesellschaftern des Bankhauses Sal. Oppenheim.

Wegen der Schieflage der Quelle-Muttergesellschaft Arcandor habe sie inzwischen viel Geld verloren. In besten Zeiten habe ihr Karstadt/Quelle-Aktienpaket einen Wert von rund 3 Milliarden Euro betragen. „Heute sind es gerade noch 27 Millionen Euro. Auf dem Papier haben wir 3 Milliarden Euro verloren”, sagte die 65 Jahre alte Quelle-Erbin. Hinzu kämen 170 Millionen Euro Verlust aus ihrem Privatvermögen für eine Kapitalerhöhung bei Arcandor im Jahr 2004 „und noch ein zusätzlicher dreistelliger Millionenbetrag, um das Unternehmen danach zu stabilisieren”.

Sollte die Rettung von Arcandor scheitern und die Bankkredite fällig werden, drohe ihr der Verlust ihres gesamten Privatvermögens: „Häuser und Aktien, auch Beteiligungen an anderen Firmen”. Schließlich hafte sie mit ihrem gesamten Vermögen und den Immobilien, die auf ihren Namen eingetragen seien. Wer meine, sie gehöre trotz der Krise zu den Superreichen, übersehe, dass sie nicht abgesichert sei. Sie habe daher begonnen, sich finanziell einzuschränken, und lebe von 500 bis 600 Euro im Monat.

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1 Lesermeinung

  1. ...tut einem ja so Leid, diese...
    …tut einem ja so Leid, diese arme Frau Schickedanz!?!
    Welch eine Headline für die Boulevardpresse: “Von der Milliardärin zum Sozialfall!!!”

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