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Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Die wegbrechende Stimme des Wolfgang Porsche

Die Mitarbeiter von Porsche wurden im Kampf um die Dominanz im neuen Konzerngebilde von Volkswagen und Porsche zuletzt instrumentalisiert und zum Teil auch emotional aufgepeitscht. Jetzt müssen sie von ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Porsche wieder beruhigt werden, in einer Betriebsversammlung, die zu einer emotionalen Abschiedsveranstaltung für Wendelin Wiedeking wird. Richtig glaubwürdig gelingt das nicht.

Nach der durchwachten Nacht, einer Aufsichtsratssitzung, die erst am frühen Morgen des Donnerstags zu Ende war, ist die Zeit für die großen Gefühle gekommen – endlich: Den Rahmen für feste Umarmungen unter alten Männern, für zitternde, ja sogar wegbrechende Stimmen und für viele bewegte Mienen bietet eine Betriebsversammlung am Porsche-Stammsitz in Zuffenhausen.

Es ist aber mehr als eine Betriebsversammlung. Es ist die Abschiedsveranstaltung für den zurückgetretenen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, den Mann der Porsche erst gerettet und dann an den Abgrund geführt hat, und für seinen ebenfalls scheidenden Finanzvorstand Holger Härter, der das VW-Abenteuer überhaupt erst möglich gemacht hat – und dann doch gescheitert ist. Es ist aber auch eine Rechtfertigungmöglichkeit für den Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Porsche, der sich dagegen wehrt, mit seinem Familienzweig als Verlierer im Ringen mit seinem Vetter Ferdinand Piëch dazustehen.

Beruhigungspillen für die Belegschaft 

Verabreicht wird hier aber vor allem eins: nämlich viele Beruhigungspillen an in der Vergangenheit unter Wiedeking so erfolgsverwöhnte Porsche-Mitarbeiter, die der zurückliegende, nach allen Regeln der Kunst geführte Machtkampf um die Modalitäten des Zusammenschlusses mit Volkswagen emotional aufgepeitscht hat, die für den Kampf aber auch von ihrem eigenen Betriebsrat instrumentalisiert wurden und die nun erst wieder eingefangen werden müssen: Schließlich ist nach der Einigung der Milliardärsfamilien, die Porsche besitzen, jetzt wieder Ruhe angesagt.

Deshalb zitiert Wolfgang Porsche aus einer Erklärung der beiden Familien: „Der Erfolg hängt in der Zukunft davon ab, dass Porsche Porsche bleibt. Das ist der Wille der Familien Porsche und Piëch.” Porsche könne „auf Augenhöhe” mit Europas größtem Autokonzern Volkswagen über den Zusammenschluss verhandeln. Warum das so ist, sagt er nicht so genau, aber er gibt unter Tränen ein Versprechen ab, das ihn nichts kostet: „Verlassen Sie sich auf mich: Der Mythos Porsche lebt und wird nie untergehen.”

Beide Familien stünden hinter der am Donnerstagmorgen verkündeten Entscheidung für eine Kapitalerhöhung von 5 Milliarden Euro und den Einstieg des Emirats Qatar in den neuen, gemeinsam mit Volkswagen entstehenden Autokonzern. Mit bewegter Stimme dankt der Aufsichtsratschef dann auch dem zurückgetretenen Porsche-Vorstandsvorsitzenden Wiedeking: „Er hat Porsche aus Not in Höhen geführt, die für uns alle undenkbar waren. Diese Erfolgsgeschichte trägt seine Handschrift.” Das gelte auch für Härter. „Ich danke ihnen dafür”, fügte der oberste Porsche-Kontrolleur hinzu. Beide hätten im Aufsichtsrat „wie Löwen” für ihr Konzept gekämpft und das Gremium auch überzeugt. Der letzte Teil der Behauptung dürfte hingegen nur die halbe Wahrheit sein, was sich nicht zuletzt daran zeigt, dass beide nun ja – letztlich alles andere als freiwillig – gehen müssen.

“Es tut mir in der Seele weh”

Den Mitarbeitern aber sichert Wolfgang Porsche zu, dass sie sich anders als Wiedeking und Härter (die freilich mit einer hohen Abfindung gehen) um ihre eigenen Arbeitsplätze keine Sorgen zu machen bräuchten. Ein wichtiger Punkt fehlt noch: Der neue Porsche-Chef Michael Macht habe nicht nur das Vertrauen der Familien Porsche und Piëch, sondern auch das seines Vorgängers Wiedeking, versichert Porsche. Der wird von seinen ehemaligen Mitarbeitern noch immer hochgeschätzt – und begründet seinen Entschluss mit den ständigen Angriffen auf seine Person, was zu einer „Beschädigung von Porsche” geführt habe. „Ihr habt es nicht verdient”, ruft er den Mitarbeitern zu. Daher habe man, also er, einen Schlussstrich ziehen müssen. Jetzt gelte es, konstruktiv die Zukunft von Porsche mitzugestalten. Zu seinem Rücktritt sagt er, der noch am vergangenen Donnerstag auf der großen Audi-Feier in Ingolstadt Rücktrittsgedanken weit von sich wies: „Es tut mir in der Seele weh.” Die Entscheidung habe er aber schon am vergangenen Wochenende getroffen.

Auch Uwe Hück, der Betriebsratsvorsitzende, der sich für Wiedeking zuletzt immer wieder öffentlich und eloquent ins Zeug gelegt hat, dankt Wiedeking und Härter und unterstreicht die Wichtigkeit der Eigenständigkeit des Autoherstellers, bei der es bleiben werde. „Das haben wir schriftlich”, sagt er – als wenn derartige Zusagen letztlich entscheidend sein würden. Der neue Porsche-Chef Macht nutzt die Gelegenheit, um seine Ernennung als Nachfolger von Wiedeking als ein Zeichen für die Kontinuität des Unternehmens zu bezeichnen: „Ich verneige mich mit tiefem Respekt vor dem, was Sie für das Unternehmen geleistet haben”, sagte Macht zu Wiedeking. Porsche habe Wiedeking unglaublich viel zu verdanken, betont Macht. Jetzt gelte es, die Absatzkrise und den Schulterschluss mit VW zu meistern.

Wie hieß es schon im alten Preußen? Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Das gilt jetzt auch in Baden-Württemberg. Nur in Wolfsburg und auch Salzburg bei den Piëchs darf gefeiert werden. Ferdinand Piëch selbst war übrigens nicht in Zuffenhausen.

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