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Immer noch da: Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger

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Angeblich, so hieß es vor einigen Wochen, war Jürgen Geißinger in seiner Funktion als Geschäftsführer der Schaeffler-Gruppe schon angezählt. Der Plan, von dem einige Beobachter im Frühjahr ganz begeistert zu sein schienen, sah vor, den von Schaeffler übernommenen Autozulieferer Continental in die Schaeffler-Gruppe zu integrieren - und diesen Zusammenschluss unter der unternehmerischen, also vor allem personellen Führung von Continental zu vollziehen. In einer solchen Konstruktion, so das Kalkül, wäre für den in der Conti-Zentrale (und wohl auch in der niedersächsischen Staatskanzlei) in Hannover unbeliebten Geißinger kein Platz mehr. Angeblich, so hieß es, hatten die Schaeffler-Eigner Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg auf Druck der Banken einem solchen Plan schon grundsätzlich zugestimmt. Doch daraus wurde nichts.

Angeblich, so hieß es vor einigen Wochen, war Jürgen Geißinger in seiner Funktion als Geschäftsführer der Schaeffler-Gruppe schon angezählt. Der Plan, von dem einige Beobachter im Frühjahr ganz begeistert zu sein schienen, sah vor, den von Schaeffler übernommenen Autozulieferer Continental in die Schaeffler-Gruppe zu integrieren – und diesen Zusammenschluss unter der unternehmerischen, also vor allem personellen Führung von Continental zu vollziehen. In einer solchen Konstruktion, so das Kalkül, wäre für den in der Conti-Zentrale (und wohl auch in der niedersächsischen Staatskanzlei) in Hannover unbeliebten Geißinger kein Platz mehr. Angeblich, so hieß es, hatten die Schaeffler-Eigner Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg auf Druck der Banken einem solchen Plan schon grundsätzlich zugestimmt. Doch daraus wurde nichts.

Noch immer ist Geißinger, der am vergangenen Freitag seinen 50. Geburtstag feierte, in Amt und Würden. Und er ist so entspannt, wie man es auch in heißen Sommertagen vor einer spannenden Aufsichtsratssitzung von Continental am kommenden Donnerstag nur sein kann. Jedenfalls erweckt der ehrgeizige Manager nicht im Ansatz den Eindruck, als müsste er um seine Stelle fürchten. Doch versteht er es auch perfekt, eine heile Welt vorzugaukeln – selbst wenn dem nicht immer so ist. Man trifft ihn derzeit bestens gelaunt an. Von seinen herrischen, ganz und gar undiplomatischen Charakterzügen, von denen viel die Rede ist, lässt sich dabei nur wenig spüren. Vielmehr wirkt es so, als habe er seine Gesellschafter davon überzeugt, dass ihnen und ihm – einmal mehr – die Zeit entgegenkommen wird. So war es schon einmal, im Zuge der letztlich erfolgreichen und ebenfalls feindlichen Übernahme des Konkurrenten F A G. Denn der in Schwäbisch Gmünd geborene Geißinger, der nach Stationen bei Heideldruck und ITT erst im November 1998 beruflich in die Schaeffler-Zentrale nach Herzogenaurach ins Frankenland gezogen ist, hat im Jahr 2001 die Übernahme von F A G durchgezogen – gegen den Widerstand des Vorstands und auch von Aktionären der F A G. Danach war der promovierte Maschinenbauer für ein Jahr selbst zu FAG gegangen, um dort aufzuräumen und den Integrationsprozess zu beschleunigen. Das hat gut geklappt.

Eigentlich haben sowieso die Banken das Sagen

Das hat ihn aber auch übermütig gemacht. Denn einige Jahre später wurde – nicht zuletzt aus Hannover – die Idee zum Kauf von Continental an ihn herangetragen. Der sportliche Geißinger fand Gefallen an diesem neuen Spiel. Wenn es mit FAG klappte, warum sollte nicht Ähnliches mit Continental widerfahren? Maria-Elisabeth Schaeffler fand Gefallen an der von Geißinger vehement verfolgten Absicht. Vor gut einem Jahr begannen sie den feindlichen und waghalsigen Angriff auf das drei Mal größere Unternehmen Continental. Geißinger unterlag dem Trugschluss, dass ihm die Erfahrung mit der ebenfalls feindlichen Übernahme von FAG das Gröbste abnehmen würde. Doch seitdem gibt es zwischen beiden Parteien fast immer Streit. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass die Schaefflers Continental inzwischen zu rund 90 Prozent besitzen. Denn beide Unternehmen sind hochverschuldet; das eigentliche Sagen haben deshalb die Banken.

Was aber ist zwischen dem Frühjahr und diesem Hochsommer passiert? Damals regierte bei Schaeffler die blanke Not. Die Liquidität musste von den Banken auf Tagesbasis überprüft werden; von Staatshilfen war die Rede, was wegen des Reichtums der Familie Schaeffler für Unmut in der Bevölkerung jenseits der Schaeffler-Standorte sorgte. Geißinger galt als der Hauptschuldige an dem Desaster.

Doch die Lage hat sich, nicht zuletzt wegen operativer Fortschritte und eines gemeinsam mit der Belegschaft erarbeiteten Sparprogramms, inzwischen entspannt. Das verleitet den operativen Schaeffler-Chef, seinerseits auf Zeit zu spielen. Die Liquiditätslage hat sich etwas verbessert. Der verheiratete Vater von Zwillingen kann wieder ruhiger agieren, da er von seinen Banken eine Brückenfinanzierung von 1 Milliarde Euro erhalten hat, die just für ein solches Verhalten gedacht war. Nur kurz musste Geißinger einen Teil der Linie in Anspruch nehmen, als es im Frühjahr noch eng war. Mittlerweile steht sie wieder voll zur Verfügung.

Gelassener geworden

All diese Faktoren haben Geißinger auch gegenüber seinem zum Widersacher gewordenen einstigen Günstling, dem Conti-Chef Karl-Thomas Neumann, gelassener werden lassen. Das wird am Donnerstag auf der Aufsichtsratssitzung von Continental eine Rolle spielen, wenn der Mehrheitaktionär Schaeffler sich dem Wunsch diverser Conti-Banken nach einer Kapitalerhöhung in Hannover widersetzen wird. Bisher hat Geißinger noch immer gewonnen. Das Gegenteil müssen die Hannoveraner erst noch beweisen.

Unter Mitarbeit von Rüdiger Köhn.

 

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1 Lesermeinung

  1. Geißinger hat in den letzten...
    Geißinger hat in den letzten Monaten seine Hausaufgaben gemacht. Er hat den Konzern operativ konsolidiert, von angeblicher Staatshilfe hört man nichts mehr.
    Und genau das ist sein Trumpf: die Solidität seiner Arbeit. Konkurrent Neumann hingegen ist – zurecht – nervös. Conti wackelt, von Solidität ist nichts zu sehen. Da werden dann in der Not vertrauliche Briefe der Bild-Zeitung zugespielt, im Hintergrund zieht Ministerpräsident Wullf in VW-Manier die Fäden.
    Geißingers Idee, Conti zu übernehmen, war richtig. Die Finanzkrise hat niemand erahnt. Jetzt, da so langsam aber sicher die fundamentalen Daten wieder eine Rolle spielen, neigt sich die Waage zugunsten der Franken.

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