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Ford pocht auf seine deutsche Tradition

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In Köln mitentwickelte Produkte wie der Fiesta und der C-Max kommen bald auch auf den amerikanischen Markt. Und die Konzentration auf die Kernmarke wird forciert. Die öffentliche Unterstützung für Opel hat die Ford-Manager in ihrer Europa-Zentrale in Köln betrübt. Denn deutsch sei man schließlich auch.

Die engagierten Diskussionen, die die Deutschen über die Zukunft des Wettbewerbers Opel führen, haben für den ebenfalls amerikanisch-deutschen Anbieter Ford eine bittere Erkenntnis gebracht, über die man dort eigentlich gar nicht reden möchte: „Wir haben in den vergangenen Monaten gespürt: Uns hätte wohl niemand in dieser Form geholfen, obwohl wir doch eine sehr vergleichbare Tradition und Position in Deutschland haben“, ist aus den Reihen des Unternehmens mit seiner Europa-Zentrale in Köln und deutschen Werken in Köln und Saarlouis zu hören.

Am Rande der IAA in Frankfurt heißt es, eigentlich im Hintergrund, aber dann doch hörbar genug: „Wir dachten immer, wir stünden in vielen Belangen mit Opel auf einer Stufe.“ Dann aber habe man schmerzlich erfahren, dass Opel viel eher als Ford als deutsche Marke wahrgenommen werde, dass es den Mitarbeitern und der Führung von Opel gelungen sei, auf der Basis dieser Emotion sehr viel Sympathien für sich zu gewinnen. „Darauf müssen wir reagieren“, heißt es nun bei Ford – die deutsche Tradition und die Ford-Aktivitäten in Deutschland sollen künftig sehr viel stärker als bisher ins Blickfeld rücken.

Design und Qualität

Mit Blick auf die inzwischen zugesagten staatlichen Hilfen für Opel übt sich Ford aber, wie schon seit Monaten, in Zurückhaltung. Man weiß, dass das eigene Unternehmen seine Hausaufgaben längst erledigt hat und Überkapazitäten abgebaut wurden, aber mit dem Finger will man auf den Wettbewerber nicht zeigen: „Wir müssen uns auf unsere Marke konzentrieren, langfristig mit der Qualität und dem Design unserer Produkte überzeugen. Nur darum geht es“, ist von Ford-Managern auf der IAA zu hören.

Mit der Konzentration auf die Stammmarke meint es das Management sehr ernst. An der Verkaufsabsicht für die Tochtergesellschaft Volvo mag niemand rütteln; die Kräfte reichen nicht aus, um Volvo und Ford so weiterzuentwickeln, dass sie langfristig im Wettbewerb richtig positioniert sind.

Bild zu: Ford pocht auf seine deutsche Tradition Foto: Ford

Daran lässt auch Finanzvorstand Lewis Booth in Frankfurt keinen Zweifel. Und seine Kollegen pflichten ihm bei: „Wir alle lieben Volvo, aber unser Augenmerk muss Ford gelten. Wir müssen alles daransetzen, die Position von Ford unter den größten drei Autoherstellern der Welt zu festigen.“ Ob man in dem aktuellen Marktumfeld den richtigen Preis für Volvo erziele, bleibe abzuwarten: „Das sagen wir Ihnen, wenn wir den Preis kennen.“

Die Position von Ford soll künftig immer häufiger auch mit Produkten gestärkt werden, die das Unternehmen vollständig oder zum großen Teil in Deutschland entwickelt.

Fiesta nach Amerika

So wird der aktuelle Fiesta im kommenden Jahr in den Vereinigten Staaten eingeführt werden, und auch die neue Version des Minivans C-Max mit Schiebetür (Grand C-Max), die dank dritter Sitzreihe bis zu sieben Personen mit auf die Reise nehmen kann, ist mit einem Auge auf den amerikanischen Markt entwickelt worden: Das Auto soll 2010 in Deutschland auf den Markt kommen; ein Jahr später will Ford es in die Vereinigten Staaten bringen. Hinzu kommen neue, deutlich sparsamere Motoren mit dem Werbenamen „Ecoboost“.

Bild zu: Ford pocht auf seine deutsche Tradition 

Der neue C-Max von innen. Foto: Ford

Unterdessen hat sich der Deutschland-Chef von Ford, Bernhard Mattes, ganz offiziell für weitere staatliche Hilfen nach dem Ende der Abwrackprämie ausgesprochen: „Wenn man über weitere Maßnahmen nachdenkt, was ich für richtig halte, könnte man an den gewerblichen Sektor denken“, sagte Mattes der Nachrichtenagentur Reuters. Er schlug eine Abwrackprämie für leichte und mittelschwere Nutzfahrzeuge vor. Denn Unternehmenskunden hätten von der Abwrackprämie für Personenwagen nicht profitiert. Durch eine solche Stütze könne der Bestand an alten Nutzfahrzeugen erneuert werden.

Die Prämie solle in der gleichen Größenordnung wie bei den Personenwagen gezahlt werden. Mattes regte zudem Änderungen bei der Besteuerung von Jahreswagen sowie ein zeitweiliges Aussetzen der Dienstwagenbesteuerung an, um die Nachfrage anzukurbeln.

Mattes rechnet zugleich mit einer längeren Durststrecke für die Automobilindustrie in Deutschland. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir kurzfristig wieder Verhältnisse wie im Jahr 2007 oder Anfang 2008 bekommen werden.“ Erst 2013, 2014 seien wieder stabilere Marktverhältnissen zu erwarten. Im August hat Ford den Absatz in seinen 19 europäischen Kernmärkten im Jahresvergleich um 1 Prozent erhöht. Ford Europe konnte den Marktanteil in diesen Kernmärkten im Berichtsmonat auf 8,1 (Vormonat: 8,0) Prozent steigern.

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2 Lesermeinungen

  1. <p>Konrad Adenauer als...
    Konrad Adenauer als Oberbürgermeister von 1917 bis 1933 in Köln hat in dieser Zeit Ford nach Köln geholt. Welch soziale Tat das damals war, in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit, wurde ihm nie gedankt.
    Und Ford hatte eine Lücke, in schwerer Zeit – in der Arbeitswelt geschlossen – die ihm als Arbeitgeber ebenfalls, nie gedankt wurde.
    Das Rheinland war Berlin subspekt und Adenauers Reinland Berlin. Diese beidseitige Arversion mag hier vielleicht eine Erklärung dazu sein.

  2. Konrad Adenauer wurde 1917...
    Konrad Adenauer wurde 1917 Oberbürgermeister von Köln und 1933 aus allen Ämtern (1926 Präsident des preußischen Staatsrates )entlassen. In dieser Zeit, nach dem Ersten Weltkrieg, war es eines seiner vielen Verdienste, dass er den Autobauer Ford in seine Stadt Köln holte und sich so um dringend benötigte Arbeirtsplätze verdient gemacht hatte.
    „Wir dachten immer, wir stünden in vielen Belangen mit Opel auf einer Stufe“, ist eigentlich naheliegend zu denken. Hätte man damals Ford beispielsweise nach Eisenach geholt, so wäre diese u.a. auch soziale Tat, bis heute viel besser gewürdigt worden. Dem katholischen Rheinland haben jedoch zwei Drittel evangelisc

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