Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Ein Hummer: Abfahrtsgold und Apple

Was in der Woche bewegt hat: Das Gold deutscher Skifahrerinnen in der Abfahrt, der gescheiterte Verkauf von Hummer an die Chinesen - und wie das mit Apple, Autos und den Lufthansa-Piloten zusammenhängt.

Eine Bemerkung vorweg: In Gold zu investieren mag ja toll sein, jedenfalls machen das immer mehr Menschen. So ein Barren in Ehren…aber das ist alles nichts gegen unsere Goldmedaillengewinnerinnen im alpinen Skilauf. So macht das Horten von Edelmetall wirklich Spaß. Und, liebe Maria Riesch und liebe Viktoria Rebensburg, Euer Gold sinkt auch nicht mehr im Wert. Das, liebe Inflations-Minimierer und Gold-Anleger, könnte mit Euren Barren anders sein.

Die Autoindustrie hat ein Problem: Die Jugend

Kommen wir zum Tagesgeschäft: Die Autoindustrie hat ein Problem. Als die Menschen in ihrer Jugend noch Auto-Quartett gespielt haben, ging es um PS-Zahlen, Höchstgeschwindigkeiten, maximale Hubraumgrößen. Das war früher. Jetzt finden es noch nicht einmal mehr die Chinesen toll, mit einem spritfressenden Riesen-Auto aus Amerika durch die Weite des Landes zu fahren. Die Dinosaurier-Marke Hummer wollten sie General Motors nicht abkaufen. Damit ist Arnold Schwarzenegger endgültig ein Opa mit Hummer. Die Jugend schüttelt darüber den Kopf: Sie interessiert sich für neue Mobilitätslösungen wie zum Beispiel Car-sharing-Modelle mit Miniautos wie dem Smart. Erstrebenswert ist vielleicht ein Mobilfunktarif mit unbeschränktem Datenvolumen für das iPhone von Apple, nicht aber die C- oder E-Klasse von Mercedes.

Schon wieder Apple…

Schon wieder Apple, werden sie jetzt sagen. Sie haben ja recht. Als es in der Redaktion einmal wieder darum ging, warum so viele Texte über diesen noch immer eher kleinen amerikanischen Computerhersteller in der Zeitung stehen müssen, kam in der Konferenz die Frage auf, was für einen Jugendlichen spannender sei: Der Besuch im Autohaus oder in einem der Geschäfte von Apple, den sogenannten Apple Stores? Die Antwort war eindeutig – und für die Autoindustrie niederschmetternd, die gemeinsam mit dem Maschinenbau nichts weniger als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist.

Das glauben Sie nicht? Zur Markteinführung eines Autos gibt es Würstchen und Hüpfburg; keiner weiß, warum. Nach der Eröffnung eines Apple Stores in einer Stadt wie Frankfurt gibt es einen Massenansturm. Zum Beispiel in die Lehrgänge für Jugendliche und Erwachsene. Die Älteren erfahren, dass das Internet-Zugangsprogramm auf dem Apple „Safari“ und nicht „Internet Explorer“ heißt, die Jüngeren ab acht Jahre komponieren mit den Computern derweil in einer guten Stunde ein Lied und brennen es auf CD. Das mit der Hüpfburg ist Handel von gestern. Das mit dem Lied die direkte Ansprache der Kunden von heute und morgen.

Bild zu: Ein Hummer: Abfahrtsgold und Apple

Neue Welt: Musik von Kindern aus dem Apple. Foto: Knop

Pessimisten könnten einwenden, ob Hüpfburg oder Workshop, das sei doch gleichgültig: die Laune der Konsumenten sei sowieso im Keller. Tatsächlich waren die Berichte zur Konsumstimmung in dieser Woche unerfreulich. Die Gründe: Angst vor dem Verlust der Stelle und die schwierige Haushaltslage Griechenlands. Da sollte man den Griechen doch glatt den Stinkefinger zeigen für so eine Unverschämtheit. Hinzu kommt die Sorge vor Einkommensverlusten.

Rabatte bringen es nicht mehr

Dagegen ist der Handel machtlos. Rabatt-Aktionen locken kaum noch. Große Anschaffungen werden verschoben, vielleicht mit einer Ausnahme von A…(siehe oben). Leider werden die Produkte mit dem Apfellogo in China hergestellt. Da kann man nur hoffen, dass dann wenigstens die Chinesen effizient mit Sprit umgehende deutsche Autos kaufen, wenn sie schon keinen Hummer wollen. Sonst geht die Rechnung nicht mehr auf. Der Hummer-Mutterkonzern General Motors kennt das. Dort gehen selten Rechnungen auf: Ob und wie die „Rettung“ von Opel in Europa finanziert wird, ist noch immer unklar. Der Verkauf der Marken des Konzerns, ob sie nun Hummer oder Saturn heißen, funktioniert nicht. Nur Saab hat eine neue Heimat gefunden, beim winzigen Sportwagen-Bauer Spyker: Die Europäische Investitionsbank hat einen Kredit bewilligt, die schwedische Regierung bürgt. Glauben wir einfach einmal fest daran, dass diese Konstruktion Zukunft hat.

Bild zu: Ein Hummer: Abfahrtsgold und Apple

Alte Welt: Autos von General Motors Foto: GM

Und was hat Zukunft?

Zukunft hat in einer globalisierten Wirtschaftswelt gewiss die Luftfahrt. Aber auch über den Wolken ist die Freiheit nicht mehr grenzenlos. Die Kosten müssen runter, selbst bei so arrivierten Fluggesellschaften wie der Deutschen Lufthansa. Deren Piloten haben mit ihrem Streik zu Beginn der Woche nicht gut ausgesehen; Sympathie gab es kaum. Ist ja auch wahr: Die sollen lieber unsere Olympioniken wieder heile nach Hause bringen.

 

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