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Barack Obama und der andere Traum vom Weg zum Mars

Die Amerikaner streiten sich um die Zukunft der bemannten Raumfahrt. Kein Geringerer als Neil Armstrong hat in dieser Woche einen bösen Brief an das Weiße Haus geschrieben. Präsident Barack Obama musste auf die Kritik im Rahmen eines Besuchs des Kennedy Space Centers in Florida antworten: Die Nasa muss umdenken.

Die Amerikaner streiten sich um die Zukunft der bemannten Raumfahrt. Kein Geringerer als Neil Armstrong hat in dieser Woche einen bösen Brief an das Weiße Haus geschrieben. Präsident Barack Obama musste auf die Kritik im Rahmen eines Besuchs des Kennedy Space Centers in Florida antworten: Die Nasa muss umdenken.

Den ersten Menschen, der den Mond betreten hat, treibt eine Sorge um. Die vom amerikanischen Präsidenten Barack Obama vorgesehene Neuausrichtung der amerikanischen Raumfahrtstrategie, das Ende des sogenannten Constellation-Projekts, sei „vernichtend“, findet Neil Armstrong. Die Vereinigten Staaten drohten fortan zu einer drittklassigen Raumfahrtnation zu werden – etwas mehr als 40 Jahre nachdem Armstrong 1969 mit Apollo 11 auf dem Mond gelandet war.

Obamas Doppelstrategie

Obama begegnet der Kritik mit einer Doppelstrategie: Einerseits bleibt er bei der strategischen Neuausrichtung der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, andererseits aber auch bei dem Ziel, den Mars betreten zu wollen. Nur soll der Mars nun nicht mehr über den Umweg eines Flugs zum Mond und auf neuen technologischen Wegen erreicht werden, die auch der amerikanischen High-Tech-Industrie neue Perspektiven öffnen sollen. Der Anlass zu Armstrongs Wut war, dass Obama das von seinem Vorgänger George Bush angestoßene Constellation-Raumfahrtprogramm, auf dessen Grundlage die Nasa zuletzt gearbeitet hat, für falsch hält. Ziel des Programms im ursprünglichen Volumen von 100 Milliarden Dollar war der Bau aufwendiger neuer Raumfahrzeuge; bis zu 25 000 Arbeitsplätze sollten so geschaffen werden. Das klingt groß und greifbar. Doch an den Erfolg des Mammutprogramms mochte Obamas Regierung nicht glauben. Die Stimmung verdüstert zudem, dass die Space-Shuttle-Fähren bis zum Jahresende 2010 außer Dienst gestellt werden. Danach werden die Vereinigten Staaten zunächst keine eigenen Raumfähren mehr für den Transport von Astronauten ins All besitzen. Es ist das Ende einer Ära. In der Diskussion, die Armstrong und viele amerikanische Wissenschaftler seit geraumer Zeit antreibt, geht es aber nicht allein um das Geld, sondern auch um die Frage, wie es ausgegeben werden soll. Denn der Präsident hält viel davon, künftig mehr Privatunternehmen damit zu betrauen, Raumfahrtprojekte voranzutreiben, die Behörde Nasa in der Zwischenzeit aber neu auszurichten und mit langfristigeren Projekten zu befassen.

Von großen Zielen träumen

Damit die Amerikaner trotz dieser Veränderungen weiter von großen Zielen träumen können, hat Obama nun bekundet, an einer bemannten Mission zum Mars festhalten zu wollen. Aber Constellation ist tot, auf dem Mond sei man schließlich schon gewesen. Man könne nicht den gleichen Weg wie bisher weitergehen, sagte Obama im Kennedy-Raumfahrtzentrum: „Wir wollen den Sprung in die Zukunft“. Das heißt: Ungefähr im Jahr 2035 soll erstmals ein Mensch den Mars umrunden. Das Budget der Weltraumbehörde wird in den kommenden fünf Jahren dafür sogar um 6 Milliarden Dollar aufgestockt. Nach Obamas Plänen sollen die Amerikaner bis zum Jahr 2025 eine neue Langstreckenrakete für die bemannte Raumfahrt entwickeln: „Sie wird uns als Ersten erlauben, bemannte Missionen über den Mond hinaus in die Tiefen des Alls zu unternehmen“, sagte Obama. Später sollen die amerikanischen Astronauten dann eine Umlaufbahn um den Mars erreichen, eine Landung dort soll folgen. Und noch vor dem ersten Besuch auf dem Mars wollen die Amerikaner Menschen auf einen Asteroiden schicken.

Flüge zur ISS

Obama nutzte diesen Blick in die amerikanische Raumfahrtzukunft, um die Kritik von Armstrong und anderen zurückzuweisen. Seine Regierung vernachlässige die Raumfahrt nicht: „Ich unterstütze die Mission der Nasa zu hundert Prozent“, sagte Obama. Gleichwohl: Die für das riesige Constellation-Programm entworfene Raumkapsel „Orion“ wird es nur noch in einer kleineren Variante, einer Art Weltraum-Rettungsboot, geben, die auch als Fluchtfahrzeug an die Raumstation ISS angedockt werden könnte. Der Verkehr zur ISS wird damit in den nächsten Jahren die wesentliche operative Aufgabe der Nasa sein. Obamas Regierung hatte schon in den vergangenen Wochen keinen Zweifel daran gelassen, dass sie das bisherige Programm, für das schon 9 oder 10 Milliarden Dollar ausgegeben worden sind, für nicht umsetzbar gehalten hat.

Den Raumfahrtfachmann John Logsdon von der George-Washington-Universität konnte der Präsident überzeugen: „Ich denke, er hat richtige Dinge gesagt“, ließ sich Logsdon zitieren. Republikanische Politiker wie der Senator David Vitter und der Abgeordnete Rob Bishop waren dagegen nicht begeistert. Sie nannten Obamas Ankündigungen einen Job-Killer. „Die neuen Pläne des Präsidenten für die Nasa sind schlicht unverantwortlich“, sagte Vitter. Obama habe mit dem Ende der Shuttle-Flüge den Weg der bemannten Raumfahrt für absehbare Zeit verlassen, ohne einen konkreten Zeitrahmen für die Rückkehr zu nennen.

Tatsächlich dient die von Obama im Kennedy Space-Center angekündigte kurzfristige Aufstockung des Budgets nur dazu, die Verluste an Finanzmitteln und personeller Ausstattung wenigstens zum Teil wettzumachen, die durch das Ende der Space-Shuttle-Missionen zu erwarten sind. Hierdurch könnten allein in Florida 9000 Arbeitsplätze verlorengehen; die neuen Investitionen sollen nun rund 2500 neue Stellen schaffen. Auch deshalb stützen sich Obamas Hoffnungen so sehr auf die Privatindustrie, die nun in Ergänzung zu staatlichen Programmen an neuen Wegen zum Personen- und Frachttransport ins Weltall arbeiten soll. Nach Angaben des Weißen Hauses soll diese Initiative in den kommenden fünf Jahren bis zu 10 000 Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten schaffen. Armstrongs alter „Apollo-11″-Kollege Buzz Aldrin übrigens steht auf der Seite Obamas.

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