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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Export/Import: Made in China

| 2 Lesermeinungen

Schlagzeile der Woche Nummer eins: China überholt Japan und ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Nummer zwei: China ist die Konjunkturlokomotive! Nummer drei: China wird zum Hauptkonkurrenten der Vereinigten Staaten. Stimmt: Dieser Text wird auf einem in China hergestellten Computer geschrieben. Später wird er über ein Mobilfunksystem in die Redaktion geschickt, das seine Sendemasten nicht mit Technik von Nokia oder Alcatel-Lucent ausgerüstet hat, sondern den letzten Auftrag an den chinesischen Anbieter ZTE vergeben hat. Auf dem Weg zur Arbeit kommt die Musik aus einem digitalen Musikspieler „Made in China". Die Chinesen haben mit ihren Produkten unseren Alltag erobert - und die Ware ist hochwertig.

Schlagzeile der Woche Nummer eins: China überholt Japan und ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Nummer zwei: China ist die Konjunkturlokomotive! Nummer drei: China wird zum Hauptkonkurrenten der Vereinigten Staaten. Stimmt: Dieser Text wird auf einem in China hergestellten Computer geschrieben. Später wird er über ein Mobilfunksystem in die Redaktion geschickt, das seine Sendemasten nicht mit Technik von Nokia oder Alcatel-Lucent ausgerüstet hat, sondern den letzten Auftrag an den chinesischen Anbieter ZTE vergeben hat. Auf dem Weg zur Arbeit kommt die Musik aus einem digitalen Musikspieler „Made in China“. Die Chinesen haben mit ihren Produkten unseren Alltag erobert – und die Ware ist hochwertig.

Schön, dass das für die deutsche Wirtschaft eine Chance ist. Und noch besser, dass die Deutschen lieferfähig waren, als die Nachfrage wieder anzog, der Kurzarbeit und der durch sie vermiedenen Entlassungen sei Dank. Selbst das deutsche Wort „Kurzarbeit“, so berichtete die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen in dieser Woche stolz in der Redaktion, habe sich zu einem Exportschlager entwickelt. Im englischen Sprachraum werde es schon so ehrfurchtsvoll ausgesprochen wie das Wort „Kindergarten“.

Nicht alle K-Wörter positiv belegt

Leider sind nicht alle deutschen K-Wörter so positiv belegt. Das erleben die deutsche Wirtschaft und die deutsche Politik gerade wieder mit Blick auf die Laufzeit der Kernkraftwerke. Wie viel Jahre sollen wir sie noch am Netz lassen? Wer soll das Geld bekommen, dass durch die längere Laufzeit verdient wird? Auf welchem Weg soll die Höhe einer solchen Abgabe bemessen werden? Das sind offene Fragen. Wann sie geklärt werden, ist seit dieser Woche auch wieder unklar.

Derweil tourt die aus dem Urlaub in den Bergen zurückgekehrte Kanzlerin auf einer „Energiereise“ durch Deutschland. Die Windkraft sei, ganz und gar bildlich gesprochen, im Aufwind, hat sie mit zerzausten Haaren festgestellt. Etwas schade nur, dass am selben Tag der größte Hersteller von Windkraftanlagen der Welt, das dänische Unternehmen Vestas, völlig überraschend von einem Verlust berichten musste. Schuld daran seien, wovon man sonst derzeit nur wenig hört, noch immer die Auswirkungen der Finanzkrise. Hoffnungen für eine Wende ruhen auf Amerika und – China.

Das Dumme ist nur, dass in China in drei Jahren mehr als 50 neue Konkurrenten für Vestas & Co. aufgetaucht sind. So richtig attraktiv klingt das auch schon nicht mehr. Dafür haben die pfiffigen Chinesen längst erkannt, dass der hochsubventionierte deutsche Markt für Solarstrom so attraktiv ist, dass man hier risikolos Geld verdienen kann. Jüngstes Kaufobjekt ist der große Solarpark Finsterwalde in Brandenburg. Projektentwickler ist das deutsche Unternehmen Q-Cells, aber das Sagen haben – die Chinesen.

Dem Handel geht es besser als gedacht

Wenigstens steht der deutsche Einzelhandel besser da als gedacht. Nach Berechnungen aus dieser Woche lagen die Umsätze im ersten Halbjahr um 1,8 Prozent über dem der vergleichbaren Zeitspanne des Vorjahres. Bisher war man von einem Plus von nur 0,5 Prozent ausgegangen. Und die Kinder, die in diesen Tagen neu eingeschult werden, freuen sich darüber, dass eine große deutsche Einzelhandelskette 250 000 Schultüten an ABC-Schützen in ganz Deutschland verteilt. Der Inhalt unter anderem: ein Apfel, eine Banane, eine Orange, außerdem ein Reflektor für den Schulranzen, ein Stundenplan, ein Lineal und ein Memory-Spiel von einem Spielzeughersteller, der gerne im Ausland produzieren lässt, zum Beispiel in – China.

Wobei an dieser Stelle nichts Negatives über die Chinesen oder die chinesische Wirtschaft gesagt werden soll. Der Aufstieg des Landes ist faszinierend. Die Chinesen lieben unsere Maschinen und Autos. Im ersten Halbjahr waren die Container und Autotransporter, die zwischen China und Bremerhaven oder Hamburg pendelten, erfreulich gut gefüllt. Davon profitieren neben den deutschen Unternehmen zwar auch Reedereien aus China – aber eben auch Hapag-Lloyd.

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2 Lesermeinungen

  1. <p>MADE IN CHINA (Visionen...
    MADE IN CHINA (Visionen 2050).
    Negativ: Wenn eine Wohnung aus Stahlbeton das Vielfache kostet,wie deren Errichtung, stimmt etwas nicht!
    Aus Schweden lernen, heisst siegen lernen, weil die die beste Erfahrung mit Immobilienkrise haben und ihre Autos dann einfach 16 Jahre länger fahren.

  2. Endlich mal ein Beitrag, der...
    Endlich mal ein Beitrag, der den Nagel auf den Kopf trifft. Weiter so, Herr Knop! Und lassen Sie sich bloß nicht von der Moralkeule einschüchtern, die jetzt wahrscheinlich noch kommt. Es ist ja nicht so, als ob wir unser Verweilen im Schlaraffenland jetzt schon auf Landesfortbestehensdauer verbrieft bekommen hätten und deshalb schon heute alle verbleibenden Realisten auf dem Scheiterhaufen der Moral abfackeln dürften. Auch wenn ich den Eindruck habe, das das der Geist der derzeit in Deutschland in der Luft liegt gerne suggerieren möchte.

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