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Intel: Unternehmen investieren wieder in neue Computer

Intel hat gute Zahlen vorgelegt. Auch mittelständische Kunden investieren wieder. Deutschland gewinnt durch den Kauf der Sparte von Infineon an Bedeutung. Die Börse hätte gern einen noch besseren Ausblick gesehen.

Im vergangenen Jahr haben die Privatkunden den Chiphersteller Intel gut durch die Krise getragen, jetzt springt die Nachfrage durch Unternehmen stärker an – und gleicht die wieder größere Zurückhaltung der privaten Haushalte aus. Vor diesem Hintergrund hat der Konzern, dessen Prozessoren das Herz in vier von fünf Computern dieser Welt sind, im dritten Quartal so viel umgesetzt und verdient wie nie zuvor. Mit den Zahlen übertraf Intel die vor einigen Wochen etwas zurückgenommenen Erwartungen. In Deutschland profitierten die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon von den Zahlen: Der Kurs von Infineon legte am Mittwoch im Verlauf um knapp 5 Prozent zu; das Papier lag damit an der Spitze der im Deutschen Aktienindex Dax enthaltenen Werte.Der Kurs der Intel-Aktie gab dennoch leicht nacht, weil die Analysten gerne einen noch optimistischeren Ausblick gesehen hätten. Gleichwohl verbreitete Paul Otellini, der Vorstandsvorsitzende von Intel, Hoffnung für den weiteren Verlauf des Kalenderjahres: „Wir sehen weiterhin eine gesunde Nachfrage nach Computern aller Art“, sagte Otellini zur Vorlage der Zahlen.

Im Saldo stieg der Nettogewinn von Intel in dieser Zeitspanne auf knapp 3 (Vorjahr: 1,85) Milliarden Dollar oder 52 (33) Cent je Aktie. Der Umsatz lag bei 11,1 (9,4) Milliarden Dollar. Für das vierte Geschäftsquartal stellt Intel einen Umsatzanstieg auf bis zu 11,8 Milliarden Dollar in Aussicht, wobei die Spanne bei 11 Milliarden Dollar beginnt. Damit wurde die Sorge gedämpft, dass nun auch die Unternehmen beim Kauf neuer Computer schon wieder nachdenklicher werden. „In Deutschland investieren derzeit ganz besonders auch die mittelständischen Kunden wieder“, sagte Hannes Schwaderer, der Geschäftsführer der deutschen Intel GmbH, im Gespräch. Die Großunternehmen hätten ihre Investitionen in die wichtigsten Funktionen ihrer Rechenzentren nie vollständig zurückgefahren; jetzt sei spürbar, dass auch kleinere Kunden die Vorteile der neuen Prozessoren nutzen wollten, die sehr viel effizienter mit Strom umgingen als ihre Vorgänger. „Derartige Investitionen können sich innerhalb eines Jahres rechnen“, verspricht Schwaderer.

Intel ist zudem bestrebt, sein Geschäft auch über Zukäufe zu erweitern, auch wenn nach Aussagen in der Telefonkonferenz mit Analysten weitere große Übernahmen derzeit nicht anstehen. Im August hatte Intel jedenfalls McAfee, einen Hersteller von Sicherheitssoftware, für 7,7 Milliarden Dollar übernommen. Darauf folgte der Kauf der Mobilfunk-Sparte von Infineon für 1,4 Milliarden Dollar. Diese Sparte wird die Bedeutung Deutschlands im Intel-Konzern deutlich erhöhen. „Und schon heute ist klar, dass Deutschland einer der wichtigsten Forschungsstandorte für Intel ist“, sagt Schwaderer. Das Intel-Entwicklungslabor in Braunschweig zum Beispiel feierte vor wenigen Tagen das zehnte Jubiläum seines Bestehens. Und die Infineon-Sparte ergänze die Intel-Anstrengungen auf dem Markt für Mobiltelefone hervorragend. Die Sparte werde eigenständig unter dem Dach von Intel weiterarbeiten.

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Auch mit Intel-Chip: Kind an Macbook Pro von Apple                                  Foto: Knop

Zum Jahreswechsel wird Intel eine völlig neue Prozessor-Generation zunächst für Personalcomputer und Notebooks auf den Markt bringen, die bisher den Codenamen „Sandy Bridge“ trägt. In die Chips ist ein Graphikprozessor integriert, der es für sehr viele Anwendungen ermöglicht, auf eine zusätzliche externe Grafikkarte zu verzichten. „Die Chips bringen von einer Generation auf die nächste den größten Leistungssprung in der Unternehmensgeschichte“, ist Schwaderer überzeugt. In großen Stückzahlen werde die neue Prozessor-Generation im ersten Quartal 2011 auf den Markt kommen; erste Lieferungen sorgen nach Schwaderers Worten aber auch schon im laufenden Quartal für Umsatz.

Glückwunsch an Apple

Einen Glückwunsch hat der deutsche Intel-Chef an Apple parat: „Dem Unternehmen ist es gut gelungen, das Segment der Tabletcomputer wiederzubeleben“, räumt Schwaderer ein. Dass das iPad von Apple nicht mit einem Prozessor von Intel ausgestattet ist, nimmt er sportlich: „Dieser neue Markt ist für uns eine riesige Chance“, sagt Schwaderer und denkt an die Serie der Intel-„Atom“-Chips, die sich bisher vor allem in tragbaren Computern mit Tastatur, den sogenannten Netbooks, finden. Dass sich die Dynamik der Netbook-Verkäufe abgeschwächt hat, führt Schwaderer auf die wieder stärkere Kaufzurückhaltung der Privatkunden zurück. Netbooks und Tabletcomputer erweitern nach Schwaderers Überzeugung aber den Markt, ohne bestehende Segmente stark zu kannibalisieren. Und den neuen Markt für Tabletcomputer will Intel Apple nicht überlassen: „Mehr als 30 Kunden entwickeln Tabletcomputer auf der Basis unserer Chips.“

Hier meine dazugehörige Meinung

Eigentlich macht der größte Chiphersteller der Welt ganz viele Dinge richtig. Die Leistungsfähigkeit seiner Produkte im Kerngeschäft, also der Chips für Personalcomputer und Netzwerkrechner (Server), ist unbestritten. Und schon Anfang 2011 bringt die Intel-Innovationsmaschine eine neue Prozessorgeneration in großer Stückzahl auf den Markt, die einen weiteren großen Leistungsschub verspricht. Nicht ganz so erfreulich sieht es aber auf dem Markt für TabletComputer aus, den Apple gerade in millionenfacher Stückzahl mit einem iPad aufrollt, ohne dafür einen Prozessor von Intel einzusetzen. Intel hatte gehofft, diese Art von Elektronikgeräten mit seinen „Atom“-Prozessoren ausrüsten zu können – und wird nun enttäuscht. Der Beweis dafür, dass Intel wenigstens in Zukunft der Durchbruch gelingen wird, steht aus. Auf eine ähnliche Aufholjagd muss sich Intel auf dem Markt der Handychips begeben. Auch deshalb wurde die entsprechende Sparte von Infineon gekauft. Bis es aber wirklich überzeugende, integrierte Chiplösungen für diese neuen mobilen Geräte von Intel/Infineon gibt, wird noch Zeit vergehen. Und diese Zeit könnte in der schnelllebigen Branche schnell zu lang werden. Dem Aktienkurs sieht man es an.

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