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Hochtiefs letzter Trumpf

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter ist ein aufrechter Mann. Aber er muss erkennen, dass es an der Zeit ist, westfälische Sturheit durch unternehmerischen Pragmatismus zu ersetzen. Verhandlungen mit ACS über eine Investorenvereinbarung sollte er führen solange Hochtief seinen letzten Trumpf, den einer eigenen Kapitalerhöhung, noch in der Hand hat.

Im Januar 2011 wird der deutsche Baukonzern Hochtief einen Aktionär haben, der jederzeit in der Lage sein wird, die Mehrheit an dem Unternehmen zu übernehmen, ohne dafür ein weiteres Übernahmeangebot vorzulegen. Dieser Aktionär wird der spanische Baukonzern ACS sein. Bis dahin wird es keine Schwierigkeiten mit australischen Genehmigungsbehörden geben, die sich um die dortige Tochtergesellschaft Leighton kümmern. Es wird auch keine Änderung deutscher Übernahmegesetze kommen, die Hochtief etwas bringen würde. Und es wird wohl auch kein sogenannter „weißer Ritter“ mehr auf den Plan treten, der schnell so viele Hochtief-Aktien kauft, dass die Spanier eben doch keine Möglichkeit mehr haben, an eine Mehrheit zu kommen. Für den Hochtief-Vorstand, der einen Abwehrkampf gegen ACS führt, sind das niederschmetternde Nachrichten. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter ist ein aufrechter Mann. Aber er muss erkennen, dass es an der Zeit ist, westfälische Sturheit durch unternehmerischen Pragmatismus zu ersetzen. Verhandlungen mit ACS über eine Investorenvereinbarung sollte er führen solange Hochtief seinen letzten Trumpf, den einer eigenen Kapitalerhöhung, noch in der Hand hat.

Hier die zugehörige Nachricht:

Der deutsche Baukonzern Hochtief muss im Abwehrkampf gegen den spanischen Großaktionär ACS einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Auch der Versuch, ACS zu einem Zwangsgebot für die australische Tochtergesellschaft Leighton zu verpflichten, wird vermutlich scheitern. Denn die Übernahmeaufsicht „Takeovers Panel“ in Sydney lehnte am Montag entsprechende Anträge von Hochtief und Leighton ab. Das höchste Gremium, das in Australien für solche Fälle zuständig ist, sieht keine Aussicht auf einen Erfolg.

Wenige Tage zuvor war vom Bundesrat in Berlin die Hoffnung von Hochtief auf eine Änderung deutscher Übernahmegesetze enttäuscht worden, auch der Glaube an einen „weißen Ritter“, der Hochtief im Kampf gegen ACS zu Hilfe kommt, schwindet zusehends. Der Plan von Hochtief war, über den Umweg Leighton die Übernahme für ACS unerschwinglich machen. Das „Takeovers Panel“ sollte die Spanier zu einem vollen Übernahmeangebot für Leighton zwingen. Dazu sollte das Gremium bei dem bisherigen ACS-Angebot an Hochtief „inakzeptable Umstände“ für die Leighton-Aktionäre feststellen. Der Punkt ist, dass Leighton an der Börse mehr wert ist als der gesamte Mutterkonzern. Zudem hatte Leighton Angst, die von Hochtief gewährte, weitgehende Unabhängigkeit des Vorstandes zu verlieren. Hochtief hält 54,4 Prozent an Leighton.

ACS begrüßte die Entscheidung des australischen Gremiums erwartungsgemäß. Dieses habe in seiner Begründung erläutert, dass „stichhaltige Argumente für eine Bewertung der Umstände als nicht angemessen fehlen“. Dies sei ein klares Signal dafür, dass ACS sein Angebot für Hochtief wie geplant abgeben könne, heißt es in der Mitteilung der Spanier weiter. ACS geht davon aus, dass die Annahmefrist Ende November beginnt, und ist zuversichtlich, dass das Angebot bis Ende Januar 2011 erfolgreich abgeschlossen sein wird. Die Hauptversammlung, die zuvor eine bedingte Kapitalerhöhung von ACS beschließen wird, ist für den 19. November angesetzt. Dass ACS dort die für die Hochtief-Übernahme notwendige Kapitalerhöhung von den Aktionären nicht genehmigt wird, gilt als unwahrscheinlich. Denn Vertreter, die mehr als 50 Prozent der Stimmrechte an ACS auf sich vereinen, sitzen ohnehin im Verwaltungsrat von ACS. Marktgerüchte vom Montag, wonach ACS bereit sei, die Konditionen für die Übernahme zu verbessern, bezeichnete eine Sprecherin des Unternehmens als „totalen Quatsch“.

Berufung angekündigt

Hochtief kündigte seinerseits an, Berufung einlegen zu wollen, und verglich den Abwehrkampf mit dem Bohren eines Tunnels: „Wenn Sie auf Widerstand stoßen und Rückschläge erleiden, darf man nicht direkt aufgeben. Notfalls braucht es schweres Gerät und Beharrlichkeit, um erfolgreich zu sein“, sagte ein Unternehmenssprecher in Essen. Wenn man etwas Neues fordere, sei gewisser Widerstand nur natürlich. Das gelte insbesondere dann, wenn das Neue bestehende Regeln ändern solle.

Das Übernahmegremium lehnte die Anträge von Hochtief und Leighton aber auch deshalb ab, weil ACS der australischen Tochtergesellschaft versprochen habe, die besonderen Strukturen zwischen Hochtief und Leighton zu erhalten. Hochtief will nun erreichen, dass sich ein anders zusammengesetztes Expertengremium abermals mit dem Antrag beschäftigt. David Mortimer, der Vorstandsvorsitzende von Leighton, betonte hingegen, er werde gegen die Entscheidung keine Berufung einlegen. Seinem Unternehmen sei es immer um die Unabhängigkeit gegangen. ACS habe Kontakt aufgenommen und angeboten, die Managementstrukturen schriftlich festzuhalten.

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