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AMD und Intel reagieren auf die mobile Herausforderung

AMD trennt sich überraschend von seinem Vorstandsvorsitzenden Dirk Meyer. Intel einigt sich mit Nvidia. Schuld an allem ist der Siegeszug der mobilen Endgeräte wie Smartphones oder Tabletcomputern. Hier haben die alten Platzhirsche der Chipindustrie zu wenig zu bieten.

Die Hersteller klassischer Mikroprozessoren für Personal Computer (PC) und Netzwerkrechner (Server) geraten durch den Erfolg kleinerer elektronischer Geräte wie der internetfähigen Smartphones und von Tabletcomputern wie dem iPad unter Handlungsdruck. Denn dort sind sie bisher zu wenig, ihr britischer Konkurrent ARM mit den von ihm entwickelten Chips aber sehr gut vertreten. Sowohl der Weltmarktführer Intel als auch sein angestammter Erzrivale Advanced Micro Devices (AMD) haben darauf innerhalb weniger Stunden mit bemerkenswerten Entscheidungen reagiert.

So trennt sich AMD auch für die Beobachter der Branche vollkommen überraschend von seinem Vorstandsvorsitzenden Dirk Meyer. Und Intel zahlt an den Grafikchip-Spezialisten Nvidia in den nächsten fünf Jahren insgesamt 1,5 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,2 Milliarden Euro) Lizenzgebühren für das Recht, sämtliche Nvidia-Patente zu nutzen.

Vergleichbare Motivation

Die Vorgänge selbst sind zwar sehr unterschiedlich, ihre Motivation ist aber vergleichbar: Denn der Abschied von Meyer wird letztlich damit begründet, dass AMD mit Produkten für die bei den Kunden derzeit sehr beliebten mobilen Endgeräte zu sehr ins Hintertreffen geraten ist. Intel wiederum braucht die Technologie des Grafikspezialisten Nvidia unbedingt, gerade auch mit Blick auf die Anforderungen an die Grafikleistung dieser mobilen Geräte.

Bis ein Nachfolger für Meyer gefunden ist, übernimmt nun der deutsche Finanzvorstand Thomas Seifert die Führung von AMD. Seifert war vor knapp zwei Jahren zu AMD gewechselt, nachdem er bis zur Insolvenz von Qimonda im Vorstand des Münchner Speicherchipherstellers saß. Seifert hat allerdings schon darum gebeten, bei der Suche nach einer endgültigen Nachfolgelösung für Meyer nicht berücksichtigt zu werden. Wie es heißt, soll diese Suche gleichwohl interne und externe Kandidaten einschließen.

Der Abschied von Meyer sei einvernehmlich erfolgt, teilte AMD-Verwaltungsratschef Bruce Claflin mit. Der 49 Jahre alte Meyer habe AMD durch eine schwierige Periode geführt. Nun sei es allerdings an der Zeit, die „Gelegenheit zu nutzen, um für unsere Aktionäre wachsenden Wert zu schaffen“. Für den Konzern gehe es künftig um Wachstum, Marktdominanz und überdurchschnittlich hohe Gewinne. „Wir glauben, dass ein Führungswechsel zum jetzigen Zeitpunkt die Chancen verbessert, diese Ziele zu erreichen“, sagte Claflin.

Meyer hatte die Führung von AMD erst im Jahr 2008 übernommen. Seinerzeit war AMD in Turbulenzen geraten, nachdem sich unter Meyers Vorgänger Hector Ruiz einige wichtige Neuentwicklungen verzögert hatten. Zudem litt das Unternehmen unter den hohen Schulden, die es sich durch die 5,6 Milliarden Dollar teure Übernahme des kanadischen Grafikchip-Spezialisten ATI aufgeladen hatte, des wichtigsten Konkurrenten von Nvidia. Meyer stabilisierte AMD finanziell, er verabschiedete sich deshalb von der eigenen Fertigung. Die Produktion, die vor allem im sächsischen Dresden angesiedelt ist, verkaufte er mehrheitlich an einen arabischen Finanzinvestor. Der Aktienkurs von AMD, der auf Werte unterhalb von 2 Dollar gefallen war, erholte sich in der Folgezeit deutlich auf Werte oberhalb von 10 Dollar.

AMD ist aber wie auch Intel durch den Siegeszug von Smartphones und Tabletcomputern in die Defensive geraten. Viele Anbieter von Mobilgeräten, so auch Apple mit seinem iPad, bauen auf die stromsparende Technik des britischen Chipentwicklers ARM. Selbst Nischenanbieter wie Nvidia feierten zuletzt auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas an der Börse goutierte Überraschungserfolge mit neuen Prozessoren für Handys. Die Börsianer zeigten sich nun aber gleichwohl enttäuscht von Meyers Rückzug, der Kurs der AMD-Aktie büßte am Tag nach der Bekanntgabe im Verlauf mehr als 7 Prozent auf Kurse um 8,50 Dollar ein – und das in einem eher positiven Börsenumfeld.

Intels teurer Patentstreit

Intel wiederum hat einen selbst angezettelten Rechtsstreit mit dem Grafikkartenspezialisten Nvidia verloren – und zahlt deshalb künftig hohe Lizenzgebühren. Umgekehrt kann Nvidia zwar einige Patente von Intel verwenden, nicht jedoch im Schlüsselbereich der Mikroprozessoren im sogenannten „x86“-Design. Nvidia ist bisher zwar lediglich durch seine Grafikkarten bekannt, hat aber die Entwicklung eines universell verwendbaren Mikroprozessors angekündigt, für die Nvidia nun nicht auf Intel zurückgreifen darf.

Bild zu: AMD und Intel reagieren auf die mobile Herausforderung

Paul Otellini, der Vorstandsvorsitzende von Intel                                                Foto: Intel

Der Streit zwischen Intel und Nvidia entzündete sich an den sogenannten Chipsets: Das sind die elektronischen Bauteile, die die Verbindung zwischen dem Mikroprozessor auf der einen und Grafikkarte, Speicherchips, Festplatte und anderer Peripherie des Computers auf der anderen Seite herstellen. Intel war im Februar 2009 gegen Nvidia vor Gericht gezogen und forderte, Nvidia müsse eine erweiterte Lizenz erwerben, um auch Chipsätze für die neueste Generation von Intel-Prozessoren herstellen zu können. Der Grafikkartenhersteller erhob Gegenklage. Er hielt eine seit 2004 bestehende Lizenzvereinbarung für ausreichend, stellte aber im Oktober 2009 gleichwohl die Fertigung eigener Chipsets ein. Die jetzt erreichte Einigung zeigt, wie wichtig Intel die Grafiktechnologie von Nvidia zu sein scheint: Analysten zeigten sich von der Höhe der Zahlung überrascht. Doch die Nachricht, dass Nvidia nun tatsächlich auch in den Markt für Mikroprozessoren einsteigen wird, erregte die Gemüter der Branche beinahe noch mehr.

Und hier der zugehörige Kommentar:

Lange war auf dem Markt für Computer alles einfach. Es wurden Personal Computer, Laptops und Netzwerkrechner (Server) verkauft. Die Chips kamen von Intel, das Betriebssystem von Microsoft. In der Nische tummelten sich der Intel-Konkurrent AMD und der Computer-Exot Apple. Die Zeiten haben sich geändert, und die Zustände auf dem Markt sind für Anbieter wie für Kunden unübersichtlich geworden. Der Anteil hochleistungsfähiger mobiler Endgeräte wie Smartphones oder Tabletcomputer am Markt wird immer größer, und die Chips und Betriebssysteme dafür kommen eher in Ausnahmefällen von den alten Platzhirschen. Stattdessen muss man sich nun Namen wie den des britischen Chip-Entwicklers ARM merken. Selbst ein Grafikkartenhersteller wie Nvidia will bald Computerprozessoren, also das Herz der mobilen Geräte, anbieten. Da muss sich der nun heraus komplimentierte AMD-Chef in der Tat Kritik gefallen lassen, aus der teuren Übernahme des Nvidia-Wettbewerbers ATI zu wenig gemacht zu haben. Intel wiederum sollte man nie abschreiben. Aber die hohen Lizenzgebühren, die Intel künftig für Nvidia-Technik zahlen wird, zeigen ebenfalls, dass auch Intel stärker als früher Hilfe anderer braucht.

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