Ad hoc

Ad hoc

Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Eric Schmidt zum Tod von Steve Jobs: Er war mir voraus

Am Mittwoch dieser Woche nehmen die Angestellten von Apple in der Unternehmenszentrale im kalifornischen Cupertino offiziell Abschied von Steve Jobs, exakt 14Tage nach dem Tod des Mitbegründers ihres Unternehmens. Viel ist seither über Jobs geschrieben und gesagt worden, besonders beeindruckt aber haben mich die Worte, die der ehemalige Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt gegenüber dem amerikanischen Magazin „Business Week" gefunden hat; sie sind zum Gedenken an Steve Jobs in diesem Blog eine Erwähnung wert - auch deshalb, weil sie vom Vertreter eines Unternehmens kommen, das inzwischen zum härtesten Wettbewerber von Apple geworden ist.

Am Mittwoch dieser Woche nehmen die Angestellten von Apple in der Unternehmenszentrale im kalifornischen Cupertino offiziell Abschied von Steve Jobs, exakt 14 Tage nach dem Tod des Mitbegründers ihres Unternehmens. Viel ist seither über Jobs geschrieben und gesagt worden, besonders beeindruckt aber haben mich die Worte, die der ehemalige Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt gegenüber dem amerikanischen Magazin „Business Week“ gefunden hat; sie sind zum Gedenken an Steve Jobs in diesem Blog eine Erwähnung wert – auch deshalb, weil sie vom Vertreter eines Unternehmens kommen, das inzwischen zum härtesten Wettbewerber von Apple geworden ist:

„Er hatte diese unglaubliche Tiefe. Ich wurde zu einem Thema über die objektorientierten Programmierung promoviert; aber er war so charismatisch, er konnte mich auch auf diesem Fachgebiet von Dingen überzeugen, an die ich eigentlich gar nicht geglaubt habe. Ich erinnere mich an ein Treffen bei NeXT, dem Unternehmen, das Steve Jobs nach seinem Rauswurf bei Apple gegründet hatte. Ich war mit meinem Chefentwickler zu ihm gefahren. Nach dem Treffen gingen wir und versuchten noch auf dem Parkplatz aus der Unterredung mit Steve schlau zu werden. Wir standen dort und bemühten uns herauszufinden, an welcher Stelle in seiner Argumentation Steve irrte. Denn uns war klar, dass er eindeutig falsch lag. Doch wie sehr wie uns bemühten, der Beweis gelang uns nicht. Und Steve hat uns aus seinem Büro beobachtet. Er gesellte sich wieder zu uns – und versuchte einmal mehr, uns zu überzeugen. Dabei ging es nur um eine rein technische Frage zu einer Computersprache. Warum ihm der Punkt so am Herzen lag, überstieg meine Vorstellungskraft. So eine Leidenschaft für eine Sache hatte ich noch nie gesehen.

Er hat bei NeXT diese Plattform gebaut, dieses mächtige Betriebssystem für Workstations, also für die Art der Informationstechnologie, mit der ich damals befasst war, mit leistungsfähigen Computern für Unternehmensanwendungen. Und als er zurück zu Apple kam, ist es ihm tatsächlich gelungen, diese Technologie, die er bei NeXT erfunden hat, mitzunehmen und in das neue Mac-Betriebssystem einarbeiten zu lassen. Wenn ich also heute tief im Programmcode meines Mac grabe, finde ich diese ganze Technologie von NeXT. Wenn Steve Jobs das nicht gelungen wäre, wäre der Mac gestorben. Ich war überrascht, dass ihm das gelungen ist, aber er hat es geschafft.

Als er zu Apple zurückkehrte, war der Marktanteil im Prinzip auf 1 Prozent gesunken. Das Unternehmen stand vor der Insolvenz, es hatte zum Verkauf gestanden, es hatte eine Vielzahl von Wechseln im Management gegeben. Als ich mit ihm über diese Schwierigkeiten sprach, sagte er nur: „Das, was ich habe und was so kein anderer hat, sind meine loyalen Kunden“. Er konnte sich tatsächlich auf diese fanatischen Leute verlassen, die sich in der Nacht vor den Geschäften anstellten, um ein neues Produkt zu kaufen, das möglicherweise gar nicht gut war. Er hat zu Recht angenommen, dass er das ausnutzen könnte, wenn er nur in die richtigen Dinge investieren und seine Produktpalette verbreitern würde. Irgendwie hat er die zehn Jahre, die darauf folgen sollten, vorausgesehen.

Steve war mir stets voraus. Als er schließlich begann, an Tabletcomputern zu arbeiten, mochte sie wirklich niemand mehr. Die Tablets, die es gab, waren einfach nicht gut. Aber Steve sagte nur: „Nein, wir können eines bauen.“ Er hat tatsächlich immer im Bereich des Möglichen agiert. Es gab da stets eine Reihe von Annahmen, die er getroffen hat, die niemals verrückt waren. Er war mir einfach voraus.

Ich bin Mitglied des Verwaltungsrats von Apple geworden, als die Apple Stores eröffnet wurden. Damals kauften die Leute einfach nicht genug Macs, die normalen Computerläden boten sie immer seltener an. Es gab aber auch die These, dass man es sich mit seinen (verbliebenen) Händlern besser nicht verderben sollte, weil sie letztlich die Lebensader des Unternehmens sind. Aber Steve traf die sehr überlegte Entscheidung, eigene Läden zu eröffnen und sie zu einem Lifestyle-Ereignis für die Konsumenten zu machen. Er hat auch verstanden, dass die Menschen durchaus Schwierigkeiten mit Computern haben können – und nach einem Platz suchten, an dem sie diese lösen konnten. Die Apple Stores wurden damals als die dümmste Idee aller Zeiten bezeichnet. Manche meinten, Steve würde Apple damit endgültig ruinieren. Und heute sind diese Läden möglicherweise die Geschäfte mit dem größten Umsatz je Quadratmeter in Amerika. …

Bild zu: Eric Schmidt zum Tod von Steve Jobs: Er war mir voraus

Kinder im Apple Store (Foto: Knop)

Steve brauchte unglaublich viel Mut, um durch diese Operationen und Behandlungen zu gehen, ohne dass dabei seine Privatsphäre verletzt werden würde. Es ist einfach furchtbar, was er durchmachen musste. Ich glaube, er hat an allen Verwaltungsratssitzungen teilgenommen, in denen ich auch anwesend war. Er war manchmal offensichtlich krank, dann ging es ihm wieder gut. Aber Apple war seine Leidenschaft, gemeinsam mit seiner Familie. Und es gab nie die Frage, ob er nicht mehr in der Lage war, seinen Job zu erledigen. Er tat mir nur wahninnig leid. …

Einmal haben wir uns über Kinder unterhalten, und er sagte, das Problem mit Kindern sei, dass sie sein eigenes Herz mit sich trügen: „Es ist dein Herz, das außerhalb deines eigenen Körpers herumrennt.“ Das ist ein typisches Steve Jobs-Zitat. Er hatte ein Wahrnehmungsvermögen rund um Gefühle und Emotionen, das weit über alles hinausging, was mir jemals sonst in meinem ganzen Leben begegnet ist. Sein Vermächtnis wird für viele Jahre Bestand haben. Aber was der Tod bedeutet ist: Du kannst ihn nicht mehr anrufen. Es ist ein Verlust. Ich werde vermissen, mit ihm zu reden.“

follow me on Twitter

0