Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Saab ist am Ende

Saab war etwas Besonders, eine extravagante Automarke mit Charakter. Der einstige amerikanische Mutterkonzern General Motors hatte das nie begriffen. Für die Amerikaner war Saab nur eine Marke unter sehr, sehr vielen im grauen Gemischtwarenladen des damals noch viel schlechter als heute geführten Konzerns. Der eigenständige Charakter der Kultautos aus Schweden wurde nicht bewahrt. Moderne Technik oder begeisterndes Design hatten keine Priorität mehr.

Saab war etwas Besonders, eine extravagante Automarke mit Charakter. Der einstige amerikanische Mutterkonzern General Motors hatte das nie begriffen. Für die Amerikaner war Saab nur eine Marke unter sehr, sehr vielen im grauen Gemischtwarenladen des damals noch viel schlechter als heute geführten Konzerns. Der eigenständige Charakter der Kultautos aus Schweden wurde nicht bewahrt. Moderne Technik oder begeisterndes Design hatten keine Priorität mehr. Die Manager im fernen Detroit konnten mit Saab nichts anfangen. Das war schade. Schlimm wurde es dann, als sich für Saab kein anderer Käufer mehr fand als ein winzig kleines niederländisches Unternehmen ohne Kapital, dessen wesentliche Leistung der vergangenen knapp zwei Jahre es war, das Aus von Saab immer weiter hinauszuzögern. Vorangekommen ist Saab in dieser Zeit nicht mehr; im Gegenteil ist die Marke immer uninteressanter geworden. Warum sollte nun eine bessere Adresse zugreifen, wenn es schon zum Zeitpunkt des Ausstiegs von GM nur der niederländische Sprücheklopfer Victor Muller war, der zugreifen wollte? Ein solches Ende kurz vor Weihnachten haben Saab, seine Fans und die Mitarbeiter nicht verdient. Aber genau das ist es: das Ende.

Hier die zugehörige Meldung:

Der schwedische Autohersteller Saab steht nach langem Siechtum nun unmittelbar vor dem Aus. Der Chef des Saab-Eigentümers Swedish Automobile, Victor Muller, hat am Montag beim Distriktsgericht Vänersborg den Insolvenzantrag eingereicht. Der vorherige Saab-Besitzer, der amerikanische Autokonzern General Motors (GM), hatte am Samstag alle Rettungspläne für den angeschlagenen Autohersteller zurückgewiesen. Die Folge: Wegen der Haltung von GM sei der chinesische Autohersteller Zhejiang Youngman Lotus Automobile aus den Verhandlungen um die weitere Finanzierung der Umstrukturierung von Saab ausgestiegen. Alternativen für eine Fortführung von Saab gab es danach nicht mehr. Nun wird erwartet, dass das Gericht dem Insolvenzantrag zustimmt.

GM hatte am Wochenende mitgeteilt, man könne keinen der bisher vorgeschlagenen Rettungspläne unterstützen. Der Konzern beliefert Saab mit Teilen und befürchtete die Weitergabe seiner Technologie durch die Chinesen. In der Autobranche wird vermutet, dass Saab nun aufgespalten und in Teilen verkauft wird. Nur die Vertreter der Stadt Trollhättan in Südwestschweden, wo Saab mehr als 3000 Menschen beschäftigt, die nun ihre Novemberlöhne nicht erhalten werden, haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ein neuer Käufer die Marke rettet: „Wir hoffen inständig, dass der Insolvenzverwalter versucht, das Unternehmen als Ganzes zu verkaufen“, sagte Bürgermeister Paul Akerlund. Saab nährt diese Hoffnung. Im Insolvenzantrag an das Gericht Vänersborg schreibt das Unternehmen, es gebe weiter mehrere „internationale Partner“ mit Interesse an einer kompletten Übernahme des Autoherstellers auch aus einem Insolvenzverfahren. Muller sagte, er sei über das Nein von GM für eine Zusammenarbeit mit Youngman „verzweifelt und zornig“. Die chinesischen Unternehmen Pang Da und Zhejiang Youngman hatten im Oktober zugestimmt, Saab für 100 Millionen Euro dem bisherigen Besitzer Swedish Automobile abzukaufen.

Saab kämpft aber schon seit Ende 2009 ums Überleben. Im Jahr 2010 verkaufte GM die Traditionsmarke an das kleine und kapitalschwache niederländische Unternehmen Spyker Cars, das anschließend in Swedish Automobile umbenannt wurde. Das Umfeld des Unternehmens ist fragwürdig: Der hinter Muller stehende russische Bankier Wladimir Antonow sitzt seit einigen Wochen in Großbritannien in Auslieferungshaft. Die Behörden in Litauen werfen ihm die Ausplünderung einer ihm früher gehörenden Bank unter anderem zugunsten der Saab-Finanzierung vor.

Schon Anfang September hatte ein schwedisches Bezirksgericht einen Antrag auf ein kontrolliertes Konkursverfahren abgelehnt. Saab hatte damit der Spirale aus hoher Verschuldung, nicht bezahlten Löhnen und offenen Lieferanten-Rechnungen entkommen und das Vertrauen der Gläubiger zurückgewinnen wollen.

Saab, das 1937 zunächst für den Flugzeugbau gegründet wurde, hat sich mit seinen technisch betont anspruchsvollen, aber auch durchweg hochpreisigen Autos einen Namen gemacht. Saab hatte einst Autofans mit Technik und Design begeistert, zum Beispiel, als der Saab 900 mit seinem halbrunden Dach 1983 als erster turbogeladener Vierzylinder der Welt auf den Markt kam. Die Schweden schafften es aber auch schon unter dem Dach von GM so gut wie nie, einen Gewinn zu erwirtschaften. Als kleiner Nischenhersteller mit Produktionszahlen von rund 100 000 Autos im Jahr wurde die GM-Tochtergesellschaft dann zum Verkauf gestellt.

Doch während der skandinavische Wettbewerber Volvo nach dem Verkauf durch Ford mit der neuen chinesischen Mutter Geely Erfolg hatte, ging es bei Saab bergab. In diesem Jahr liefen in Trollhättan ganze 13 000 Wagen vom Band, ehe im April ganz Schluss mit der Produktion war. Anfang 2011 waren in Deutschland noch 66 500 Autos der Marke zugelassen, was einem Marktanteil von 0,2 Prozent entspricht.

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