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Deutsche Telekom in Amerika: Nur der Himmel schien die Grenze zu sein

Der ehemalige Telekom-Vorstandsvorsitzende Ron Sommer würde sich rückblickend vermutlich wünschen, die amerikanische Aufsichtsbehörde FCC hätte im Jahr 2001 den Kauf des amerikanischen Mobilfunkunternehmens Voicestream schlicht und einfach verboten. Denn die Übernahme war lange unsicher, da es wegen des hohen Staatsanteils an der Deutschen Telekom heftigen politischen Widerstand in Washington gegeben hatte. Letztlich kam die Genehmigung doch noch. Zehn Jahre später haben die Bonner wieder auf die Zustimmung amerikanischer Behörden gehofft, allerdings mit umgekehrter Stoßrichtung. Aus Amerika wollten sie jetzt nur noch weg.

Der ehemalige Telekom-Vorstandsvorsitzende Ron Sommer würde sich rückblickend vermutlich wünschen, die amerikanische Aufsichtsbehörde FCC hätte im Jahr 2001 den Kauf des amerikanischen Mobilfunkunternehmens Voicestream schlicht und einfach verboten. Denn die Übernahme war lange unsicher, da es wegen des hohen Staatsanteils an der Deutschen Telekom heftigen politischen Widerstand in Washington gegeben hatte. Letztlich kam die Genehmigung doch noch. Zehn Jahre später haben die Bonner wieder auf die Zustimmung amerikanischer Behörden gehofft, allerdings mit umgekehrter Stoßrichtung. Aus Amerika wollten sie jetzt nur noch weg.

Um zu verstehen, warum die Telekom überhaupt auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt engagiert ist, muss man sich in das Jahr 2000 zurückversetzen. Damals lieferten sich die britische Vodafone und das Düsseldorfer Traditionsunternehmen Mannesmann, das mit seinen Mobilfunkaktivitäten eine Goldmine angebohrt hatte, einen spektakulären Übernahmekampf. In diesem Umfeld gaben die deutschen Mobilfunker in einer vielbeachteten Auktion 100 Milliarden Mark für UMTS-Lizenzen aus. Nur der Himmel schien für die Erwartungen die Grenze zu sein.

Unter Handlungsdruck 

Ron Sommer stand unter Handlungsdruck, der in den Kauf von Voicestream mündete. Gezahlt wurden umgerechnet 50 Milliarden Dollar. Der Kaufpreis setzte sich aus 7,8 Milliarden Dollar in bar und zusätzlichen 3,2 Telekom-Aktien für jeweils ein Voicestream-Papier zusammen. Für Voicestream, ein damals noch sehr kleines Unternehmen in einem großen Markt, stürzte sich die Telekom somit in Schulden und gab den Amerikanern zudem einen erheblichen Anteil an ihren Aktien. Nicht zuletzt zeichneten die Bonner noch vor Abschluss des Geschäftes Voicestream-Aktien für 5 Milliarden Dollar, damit das Unternehmen seine Verbindlichkeiten begleichen konnte. Kritiker sahen das von Beginn an anders: Sie hielten diese Finanzspritze für eine Rettung vor der Insolvenz des bis zum Anschlag fremdfinanzierten Unternehmens Voicestream.

Beim Kauf von Voicestream blieb es nicht. Der zweite amerikanische Mobilfunker, den die Telekom später für knapp 6 Milliarden Dollar in Aktien übernahm, hieß Powertel. Sommer schwärmte vor allem von den Mobilfunklizenzen für Gebiete mit 245 Millionen potentiellen Kunden. Tatsächlich waren dies aber nur Bewohner in von T-Mobile USA versorgten Gebieten, die sich dann nur zu einem sehr viel kleineren Teil dazu entschieden, tatsächlich auch Kunden der Deutschen zu werden.

Wettbewerber besser positioniert 

Die Wettbewerber, darunter die ganz großen Unternehmen Verizon und AT&T, waren schon damals in Amerika besser positioniert. Für Sommer war die Übernahme der Anfang vom Ende bei der Telekom. Die Verwässerung der Aktienstruktur gilt als Grund für den Sturz des Telekom-Aktienkurses von den 66 Euro, die beim dritten Börsengang im Jahr 2000 erzielt worden waren, auf nur noch 8,14 Euro im Sommer 2002 und sollte später ein Hauptstreitpunkt im Telekom-Prozess werden. Aktionäre geben Sommer bis heute die Hauptschuld an dem Kurseinbruch. Sommer selbst räumte seinen Posten noch im Sommer 2002. Eine der ersten Amtshandlungen seines Nachfolgers war eine Sonderabschreibung auf Voicestream – in Höhe von 18 Milliarden Euro.

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