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Hombach vor dem Abschied von der WAZ: Bodo macht was Neues

Bodo Hombach kennt man nicht; Bodo Hombach glaubt man zu kennen. Das geht vielen Menschen so. Denn es gibt in Deutschland nur wenige, die so gut vernetzt sind wie Hombach - und die deshalb so vielen Menschen bekannt sind. Exklusiv hingegen ist Hombachs Kombination aus höchsten Ämtern, Parteiaufgaben und Managementfunktionen. Das macht ihn schillernd: Würde man dem jeweils ehemaligen Gewerkschafter, SPD-Landesgeschäftsführer in Nordrhein-Westfalen, Wahlkampfstrategen, wirtschaftspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Geschäftsführer der Preussag Handel GmbH, Minister für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Chef des Bundeskanzleramtes unter Gerhard Schröder, Sonderkoordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa und heutigen Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe in Essen deshalb aber Sprunghaftigkeit vorwerfen, hätte man schon den ersten Fehler gemacht. Wer also ist Hombach, den die Menschen in seiner Heimat gerne einfach Bodo nennen?

Bodo Hombach kennt man nicht; Bodo Hombach glaubt man zu kennen. Das geht vielen Menschen so. Denn es gibt in Deutschland nur wenige, die so gut vernetzt sind wie Hombach – und die deshalb so vielen Menschen bekannt sind. Exklusiv hingegen ist Hombachs Kombination aus höchsten Ämtern, Parteiaufgaben und Managementfunktionen. Das macht ihn schillernd: Würde man dem jeweils ehemaligen Gewerkschafter, SPD-Landesgeschäftsführer in Nordrhein-Westfalen, Wahlkampfstrategen, wirtschaftspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Geschäftsführer der Preussag Handel GmbH, Minister für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Chef des Bundeskanzleramtes unter Gerhard Schröder, Sonderkoordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa und heutigen Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe in Essen deshalb aber Sprunghaftigkeit vorwerfen, hätte man schon den ersten Fehler gemacht. Wer also ist Hombach, den die Menschen in seiner Heimat gerne einfach Bodo nennen?

Der großgewachsene, breitschultrige, massige Mann verleitet optisch, aber auch mit seiner Vita und seinem jovial-beredten Auftritt dazu, ihn zu schnell in Schubladen einzusortieren. Hombach weiß das. Wenn man sagt, schon zu eigenen Jugendzeiten in Dortmund habe man viel über ihn gehört, gibt er zurück: „Oh weh, das war bestimmt nicht viel Gutes.” Humorlos ist er nicht. Er kommt gut mit Menschen aus. Seine Art führt jedoch dazu, dass es manche Menschen nicht dabei belassen, ihn einfach nur falsch einzuschätzen: „Strippenzieher” dürfte in diesem Fall das meistbenutzte Etikett sein, das man Hombach angeheftet hat. Es hat aber auch Fälle gegeben, in dem man ihm Übleres wollte. Eine in ihren Vorwürfen letztlich haltlose Affäre um den Bau seines Eigenheims kündet in den Archiven davon. Es bliebt nichts hängen. Hombach hatte seine Rechnungen selbst bezahlt.

Kein Freund offener Rechnungen

Ein Freund offener Rechnungen ist er ohnehin nicht. Hombach hat sich immer durchgeboxt. Und wer der Sieger, wer der Verlierer war, war nach Auseinandersetzungen mit ihm stets klar. Oskar Lafontaine hat das einmal erlebt. Häufig ist Hombach nach dem Rücktritt Lafontaines vom Amt des Bundesfinanzministers gefragt worden, ob er ihn einst im Auftrag von Kanzler Schröder aus dem Kabinett gemobbt habe. Einmal antwortete er: „Wenn es so gewesen wäre, täte es mir jedenfalls nicht leid.” Darüber lacht er heute – er relativiert aber auch nichts.

Heute – also in der Zeit „zwischen” den Jahren 2011 und 2012 – steht Hombach wieder vor einem Wechsel. Schon wieder, ist man versucht zu sagen. Doch hier korrigiert Hombach sogleich: Immerhin sei er zehn Jahre lang WAZ-Geschäftsführer gewesen, und das könne man ja nicht als Episode abtun. Gleichwohl geht die Zeit bei der WAZ zu Ende: Die Gesellschafterfamlilie Brost, die er in der WAZ-Geschäftsführung vertritt, wird an den anderen Stamm der Gesellschafter, die Funkes, verkaufen. Die „kratzen im Moment ihr Geld zusammen”, wie Hombach es formuliert. Wenn dieses beisammen ist, wird er die WAZ verlassen. Irgendwann zum Jahreswechsel werde das sein. Wenn nötig, könne man den Abschied auch noch auf 1. Januar zurückdatieren, falls es mit dem Geld noch etwas länger dauere. Hombach ist da entspannt.

Zum einen freut er sich schon zu sehr auf seine neue Rolle als ehrenamtlicher Präsident der „Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik” (F.A.Z. vom 10. Dezember). Zum anderen glaubt er, ein gut bestelltes Medienhaus in erfahrene Hände legen zu können. Die Ertragslage der WAZ habe sich deutlich verbessert, die operativen Kosten in Nordrhein-Westfalen habe man erheblich senken können. Ganz besondere Fortschritte habe man beim Abbau der Logistikkosten gemacht. Mit der Familie Funke bleibe die WAZ Mediengruppe zudem vollständig in der Hand von Gesellschaftern, die „an Print glauben”. Wenn die Fragen zur künftigen Führung des Hauses geklärt seien, werde dies die WAZ weiter stabilisieren, ist Hombach überzeugt. „Wir gehen in Frieden und Freundschaft”, sagt er – und meint damit den Familienstamm Brost, wo er Vorsitzender der gleichnamigen Stiftung bleibt.

Gedruckte Zeitungen und Quarzuhren

Hombach selbst glaubt an die Zukunft der gedruckten Zeitung, auch wenn er die WAZ nun verlässt und sich frühzeitig mit den neuen elektronischen Medien sowie Echtzeitnachrichtendiensten wie Twitter und sozialen Netzwerken wie Facebook befasst hat. Dazu hat er im Gespräch einen beruhigenden Vergleich parat. „Haben Sie sich schon einmal genauer mit ihren heutigen Anzeigenkunden befasst”, fragt Hombach. „Da finden sie zu einem großen Teil Werbung für teure, analoge Quarzuhren. Das ist wieder ein richtig gutes Geschäft. Die wurden aber vor 30 Jahren totgesagt, als jedermann nur noch Digitaluhren haben wollte. Und so ergeht es heute eben den traditionellen, gedruckten Zeitungen.” Die müssten es nun vor allem schaffen, ihre Qualität zu halten – und es sei auch nichts Verwerfliches dabei, wenn deshalb die Preise stiegen. Trotz seiner Gewerkschafts- und SPD-Vergangenheit wäre Hombach der Letzte, der dagegen wäre, sich Leistung bezahlen zu lassen und dafür die Preise zu nehmen, die der Markt hergibt.

Denn Hombach hat in seinem eigenen Leben oft genug erfahren, dass man nur mit eigener Leistung weiterkommt. Das spiegelt sich in seinen politischen Meinungen wider. Hombach kommt aus einfachen Verhältnissen. Der Vater war Dekorateur, die Mutter Angestellte. Die Mutter erzog den am 19. August 1952 in Mülheim/Ruhr geborenen Hombach früh zur Selbständigkeit. Er wurde Fernmeldetechniker, holte auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach. Am Anfang seines Engagements für die SPD steht denn auch nicht das Eintreten für soziale Umverteilung, sondern das Freiheits- und Demokratieversprechen des Hombach-Vorbilds Willy Brandt. „Willy Brandt wollte mehr Freiheit wagen, nicht mehr Sozialhilfe”, sagt Hombach. In diesem Sinne sei auch der Zustand der FDP beklagenswert. Gerade heutzutage müsse es in Deutschland breiten Platz für liberales Gedankengut geben, findet er.

Gerhard Schröder hatte Hombach einst auf einen Weg gegen Rundum-Sorglos-Pakete, Versorgungsstaat und Umverteilung zu schicken versucht. Für die „Agenda 2010″, die später entstand, hätte er sich denn auch, anders als es Teile der SPD später getan haben, nicht entschuldigt, sondern sie argumentativ unterfüttert, sagt Hombach. Sozialempirisch-analytisch vorbereitet und begründet waren jedenfalls seine großen Wahlkampferfolge wie etwa die Entstehung des Slogans „Wir in NRW”, der Johannes Rau einst zu einem eindrucksvollen Sieg verholfen hatte.

Hombach mag die Wissenschaft und ihre Methoden. Eine eigene Hochschulkarriere blieb aber ein Traum. Insofern ist seine neue Rolle an der Bonner Akademie für ihn durchaus ein krönendes Endstück seiner Karriere, aber gewiss nicht das Ende seiner vielfältigen beruflichen Stationen an sich. Auch im Initiativkreis Ruhrgebiet engagiert er sich mit allem Gewicht, das er hat. Und es wäre sehr erstaunlich, wenn man von Hombach nicht auch in anderen Funktionen wieder hören würde. Dann werden gewiss wieder neue Schubladen für ihn aufgemacht. Aber eigentlich bleibt Hombach immer: er selbst, der Bodo.

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