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Italien: Ein dickes Lob für Mario Monti aus Davos

Der Chef des Schuhherstellers Geox, Mario Moretti Polegato, ist ein guter Bekannter des neuen italienischen Premierministers Mario Monti. Er glaubt an die Zukunft seines Landes und mahnt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos aber dazu, die Jugend nicht aus den Augen zu verlieren.

Der Chef des Schuhherstellers Geox, Mario Moretti Polegato, ist ein guter Bekannter des neuen italienischen Premierministers Mario Monti. Er glaubt an die Zukunft seines Landes und mahnt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos aber dazu, die Jugend nicht aus den Augen zu verlieren.

Herr Polegato, wie sehr wird die italienische Wirtschaft unter den beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen leiden?

Die Maßnahmen, die das Dekret „Salva Italia“ (Rette Italien) der neuen Regierung beinhaltet, dienen dazu, die Staatsverschuldung zu reduzieren und 2013 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Diese Maßnahmen umfassen somit auch Steuererhöhungen, die trotz der Reduzierung von öffentlichen Abgaben zuerst keinen positiven Einfluss auf das Wachstum unseres Bruttoinlandsproduktes haben. Sie sind jedoch zur Stärkung Italiens und damit auch Europas notwendig, um international wettbewerbsfähig zu sein.

Gehen die bisherigen Schritte denn weit genug? Welche weiteren Reformen sind aus der Sicht eines international tätigen Unternehmers nötig?

Das Dekret muss umgehend von Maßnahmen begleitet werden, die darauf ausgerichtet sind, das Wirtschaftswachstum in Italien zu fördern.

Das heißt?

Ich spreche von Liberalisierung und davon, Anreize zu Forschung und Innovation zu schaffen. Die Krise, in der wir uns gerade befinden, zwingt das Land, solche Reformen zu beschleunigen, die – obwohl notwendig – stillstanden, weil die Politik sie nicht durchsetzen konnte.

Was halten Sie vom neuen Premierminister Mario Monti?

Meiner Ansicht nach ist Professor Monti – den ich persönlich sehr gut kenne, da wir beide Professoren an der Mailänder Universität Bocconi sind – die beste Wahl für unser Land. Er ist ein international angesehener Ökonom, hat eine große Erfahrung mit Blick auf Europa und die Kompetenzen, um Italien wieder den Rang und die Glaubwürdigkeit zu geben, die der dritten Wirtschaftsmacht des Kontinents zustehen sollte.

Das mag sein, aber ist den Italienern denn zum Beispiel ein Mentalitätswandel weg von der Steuerhinterziehung möglich?

Mehr als ein Mentalitätsproblem ist das Phänomen der Steuerhinterziehung – und Italien hat hier ja kein Monopol – meiner Ansicht nach darauf zurückzuführen, dass viele Bürger kein Vertrauen in den Staat und seine nationalen und lokalen Institutionen haben. Das führt dazu, dass viele nicht das Pflichtgefühl entwickeln, ihren Beitrag an die Staatskasse abzuführen. Wenn in Italien dem Bürger die entsprechenden Leistungen geboten werden, alle die gleichen Steuern zahlen müssen und vor allem die Steuerhinterziehung konsequent verfolgt wird, bin ich überzeugt, dass dieses Problem gelöst werden kann. Dies ist eine vorrangige Aufgabe der neuen Regierung.

Sind die jungen Italiener noch von den Vorteilen eines vereinten Europa überzeugt?

Das Thema der Jugend ist mir sehr wichtig. Italien, wie auch Deutschland, ist demographisch eines der „ältesten“ Länder der Welt, was ein ernsthaftes Problem ist. Wir haben heute eine sehr hohe Arbeitslosenquote bei Jugendlichen. Von den rund 4 Millionen Italienern, die im Ausland leben, sind mehr als die Hälfte jünger als 35 Jahre. Viele junge Leute, die in Italien ihre Ausbildung gemacht haben, gehen aber nicht nur aus Gründen des Gehaltes ins Ausland, sondern auch, weil in Italien die Kultur des Leistungsprinzips nicht ausreichend entwickelt ist. Was Europa betrifft, so schwächen die Divergenzen der einzelnen Staaten vor allem bei den Jugendlichen das Vertrauen in die Europäische Union. Dieses Risiko dürfen die europäischen Regierungen nicht ignorieren. Wie kürzlich die deutsche Kanzlerin Angela Merkel gesagt hat, beginnt das Wachstum Europas bei der Beschäftigung der Jugendlichen. Das Gleiche sagen Monti sowie weitere Staatsoberhäupter.

Beurteilen Jugendliche die Politik anders als ältere Generationen?

Allgemein haben die Jugendlichen verstanden, dass die Schwäche Europas zum Großteil in der Abwesenheit einer echten, gemeinsamen Politik – abgesehen von der einheitlichen Währung – zu sehen ist. Europa benötigt also dringend eine gemeinsame Politik, vor allem mit Blick auf die Steuern und die Außenbeziehungen.

Wie beurteilen die Italiener die Rolle Deutschlands in Europa? Ist Deutschland auch ein Vorbild?

Monti hat während seiner letzten Berlin-Reise gesagt: „Ich liebe Deutschland und betrachte es als Vorbild …“ Die Italiener sind sich der Bedeutung der deutschen Wirtschaft in Europa absolut bewusst, und sie wissen, dass Deutschland einer der wichtigsten Handelspartner ist. Heute ist es jedoch vor allem die Dynamik der Wirtschaft, die die Aufmerksamkeit der italienischen Öffentlichkeit auf sich zieht – und die Frage, wie Deutschland seine Führungsrolle bei der aktuellen Krise wahrnehmen wird.

Wie schätzen Sie die weitere konjunkturelle Entwicklung in Italien und Europa für Ihr eigenes Unternehmen ein?

Jedes Land, das Mitglied der Europäischen Union ist, muss heute seinen Beitrag leisten, um seine Wettbewerbsfähigkeit sowie die Europas zu steigern. Italien muss alles dafür tun, seinen Staatshaushalt zu verbessern und zu stabilisieren. Vor allem muss das Wirtschaftswachstum gefördert werden, ohne das die aktuelle Krise des Misstrauens der Investoren in den Euro nicht überwunden werden kann. Ich glaube, dass diese Bemühungen noch lange andauern werden, aber auch dass die Europäische Union diese Herausforderung besteht.

Und was Geox betrifft?

… sind wir heute ein „Global Player“, der zwar seine Hauptmärkte in Europa hat, aber auch auf anderen Kontinenten, insbesondere in Asien, stark expandiert.

Das Gespräch führte Carsten Knop.

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