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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Die Amerikaner kaufen wieder ein

Die Flut der Quartalszahlen zeigt es: Die Nachfrage der Kunden in den Vereinigten Staaten ist sehr viel besser als vor Monaten gedacht. Es wird konsumiert, alte Maschinen werden ersetzt.

Die deutschen Unternehmen jubeln über die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Auch amerikanische Konzerne überraschen in diesen Tagen mit ihren Absatzzahlen auf dem Heimatmarkt häufiger positiv als negativ. Die Flut der jüngsten Quartalsberichte zeigt damit eindeutig: Die wirtschaftliche Lage in Amerika ist sehr viel besser als noch vor einem halben Jahr gedacht. Die Deutsche Telekom zum Beispiel freut sich dort über ein unerwartet gutes Geschäft mit Mobilfunkkunden ihrer Tochtergesellschaft T-Mobile USA, die noch vor einiger Zeit als Sorgenkind an AT&T verkauft werden sollte. Der deutsche Anlagenbauer Dürr liefert eine neue Lackieranlage. SMA Solar oder auch der Luxemburger Stahlkonzern Arcelor-Mittal melden ebenfalls, dass es in den Vereinigten Staaten derzeit erfreulich läuft. Arcelor-Mittal traut dem gesamten Nafta-Raum ein Verbrauchswachstum von bis zu 7 Prozent zu. Treiber seien der Auto- und der Maschinenbau. Auf schöne Steigerungsraten im Amerikageschäft blickten in dieser Woche auch schon Unternehmen wie der Chemiekonzern Lanxess, der Chemikalienhändler Brenntag oder der Duftstoffhersteller Symrise.

Vor allem die amerikanischen Verbraucher scheinen die Krisenstimmung hinter sich gelassen zu haben. Die beiden Autohersteller Ford und Chrysler haben sogar angekündigt, die Werksferien an amerikanischen Standorten zu verkürzen oder ganz ausfallen zu lassen, damit sie die hohe Nachfrage der Kunden bedienen können. Der Unterhaltungskonzern Walt Disney meldete in seinem Quartalsbericht glänzende Geschäfte in seinen amerikanischen Freizeitparks, deren Entwicklung oft als Gradmesser für die Konsumbereitschaft herangezogen wird. Es kamen deutlich mehr Besucher als im Vorjahr, die außerdem im Schnitt mehr Geld in den Parks ausgaben.

An diesen beiden Fällen lässt sich auch verfolgen, wie sehr sich die Vereinigten Staaten derzeit von der eher tristen Stimmung in weiten Teilen Europas abheben: Während die amerikanischen Disney-Parks regen Zulauf haben, sind die Besucherzahlen im Disneyland Paris geschrumpft. Während die Autohersteller Ford und General Motors (GM) in Amerika im ersten Quartal Gewinne in Milliarden-Dollar-Höhe geschafft haben, fielen im jeweiligen Europageschäft – vor allem wegen der schwachen Geschäfte in den Ländern Südeuropas – erhebliche Verluste an. In ganz Amerika hingegen sind die Konsumausgaben im ersten Quartal 2012 nach Regierungsangaben um 2,9 Prozent gestiegen. Das ist der beste Wert seit mehr als einem Jahr.

Gute Nachrichten nicht nur vom privaten Konsum

Und die guten Nachrichten beschränken sich nicht allein auf den Privatkonsum, wie kürzlich der vom Deutschen Klaus Kleinfeld geführte Aluminiumkonzern Alcoa mit seinem Quartalsbericht unterstrich. Alcoa gilt als Konjunkturindikator, weil Aluminium in vielen verschiedenen Industrien zum Einsatz kommt. Der Konzern berichtete in vielen seiner Abnehmerbranchen von einer guten Entwicklung in den Vereinigten Staaten. So erwartet Alcoa in diesem Jahr in der amerikanischen Nutzfahrzeugindustrie ein deutliches Wachstum, für Europa werden dagegen auch von Alcoa Rückgänge vorhergesagt.

Nun ist in Amerika auch nicht alles Gold, was glänzt. Aus dem deutschen Maschinenbau ist zu hören, dass die meisten Investitionen, die die Kunden dort tätigen, Ersatzinvestitionen sind, nennenswerte Erweiterungsinvestitionen bisher aber ausbleiben. Und auch die Anbieter von Informationstechnologie, wie zum Beispiel der Computerkonzern IBM oder der Netzwerkausrüster Cisco, sind weniger glücklich. Mit seinem Ausblick hat Cisco die Börse soeben arg enttäuscht. Die jüngsten Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt im April haben vor ein paar Tagen ebenfalls für einen Dämpfer gesorgt.

Zaghafte Indizien für Stabilisierung auf dem Häusermarkt

Auf der anderen Seite stehen aber viele positive Indikatoren. John Williams, der Präsident der regionalen Federal Reserve Bank in San Francisco, sagte, er erwarte „fortgesetztes moderates Wachstum”. Selbst auf dem desolaten Häusermarkt gibt es zumindest zaghafte Indizien für eine Stabilisierung. Zwar fällt der vielbeachtete S&P/Case-Shiller-Index, der die Häuserpreise in den 20 größten amerikanischen Ballungsräumen misst, noch immer. Allerdings waren die Rückgänge zuletzt geringer. Andere Indikatoren vom Häusermarkt wiederum, wie etwa Neubauten, zeigen sogar nach oben.

Unter Mitarbeit von Roland Lindner.

 

 

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