Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren
 

Die Amerikaner kaufen wieder ein

12.05.2012, 06:15 Uhr  ·  Die Flut der Quartalszahlen zeigt es: Die Nachfrage der Kunden in den Vereinigten Staaten ist sehr viel besser als vor Monaten gedacht. Es wird konsumiert, alte Maschinen werden ersetzt.

Von

Die deutschen Unternehmen jubeln über die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Auch amerikanische Konzerne überraschen in diesen Tagen mit ihren Absatzzahlen auf dem Heimatmarkt häufiger positiv als negativ. Die Flut der jüngsten Quartalsberichte zeigt damit eindeutig: Die wirtschaftliche Lage in Amerika ist sehr viel besser als noch vor einem halben Jahr gedacht. Die Deutsche Telekom zum Beispiel freut sich dort über ein unerwartet gutes Geschäft mit Mobilfunkkunden ihrer Tochtergesellschaft T-Mobile USA, die noch vor einiger Zeit als Sorgenkind an AT&T verkauft werden sollte. Der deutsche Anlagenbauer Dürr liefert eine neue Lackieranlage. SMA Solar oder auch der Luxemburger Stahlkonzern Arcelor-Mittal melden ebenfalls, dass es in den Vereinigten Staaten derzeit erfreulich läuft. Arcelor-Mittal traut dem gesamten Nafta-Raum ein Verbrauchswachstum von bis zu 7 Prozent zu. Treiber seien der Auto- und der Maschinenbau. Auf schöne Steigerungsraten im Amerikageschäft blickten in dieser Woche auch schon Unternehmen wie der Chemiekonzern Lanxess, der Chemikalienhändler Brenntag oder der Duftstoffhersteller Symrise.

Vor allem die amerikanischen Verbraucher scheinen die Krisenstimmung hinter sich gelassen zu haben. Die beiden Autohersteller Ford und Chrysler haben sogar angekündigt, die Werksferien an amerikanischen Standorten zu verkürzen oder ganz ausfallen zu lassen, damit sie die hohe Nachfrage der Kunden bedienen können. Der Unterhaltungskonzern Walt Disney meldete in seinem Quartalsbericht glänzende Geschäfte in seinen amerikanischen Freizeitparks, deren Entwicklung oft als Gradmesser für die Konsumbereitschaft herangezogen wird. Es kamen deutlich mehr Besucher als im Vorjahr, die außerdem im Schnitt mehr Geld in den Parks ausgaben.

An diesen beiden Fällen lässt sich auch verfolgen, wie sehr sich die Vereinigten Staaten derzeit von der eher tristen Stimmung in weiten Teilen Europas abheben: Während die amerikanischen Disney-Parks regen Zulauf haben, sind die Besucherzahlen im Disneyland Paris geschrumpft. Während die Autohersteller Ford und General Motors (GM) in Amerika im ersten Quartal Gewinne in Milliarden-Dollar-Höhe geschafft haben, fielen im jeweiligen Europageschäft – vor allem wegen der schwachen Geschäfte in den Ländern Südeuropas – erhebliche Verluste an. In ganz Amerika hingegen sind die Konsumausgaben im ersten Quartal 2012 nach Regierungsangaben um 2,9 Prozent gestiegen. Das ist der beste Wert seit mehr als einem Jahr.

Gute Nachrichten nicht nur vom privaten Konsum

Und die guten Nachrichten beschränken sich nicht allein auf den Privatkonsum, wie kürzlich der vom Deutschen Klaus Kleinfeld geführte Aluminiumkonzern Alcoa mit seinem Quartalsbericht unterstrich. Alcoa gilt als Konjunkturindikator, weil Aluminium in vielen verschiedenen Industrien zum Einsatz kommt. Der Konzern berichtete in vielen seiner Abnehmerbranchen von einer guten Entwicklung in den Vereinigten Staaten. So erwartet Alcoa in diesem Jahr in der amerikanischen Nutzfahrzeugindustrie ein deutliches Wachstum, für Europa werden dagegen auch von Alcoa Rückgänge vorhergesagt.

Nun ist in Amerika auch nicht alles Gold, was glänzt. Aus dem deutschen Maschinenbau ist zu hören, dass die meisten Investitionen, die die Kunden dort tätigen, Ersatzinvestitionen sind, nennenswerte Erweiterungsinvestitionen bisher aber ausbleiben. Und auch die Anbieter von Informationstechnologie, wie zum Beispiel der Computerkonzern IBM oder der Netzwerkausrüster Cisco, sind weniger glücklich. Mit seinem Ausblick hat Cisco die Börse soeben arg enttäuscht. Die jüngsten Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt im April haben vor ein paar Tagen ebenfalls für einen Dämpfer gesorgt.

Zaghafte Indizien für Stabilisierung auf dem Häusermarkt

Auf der anderen Seite stehen aber viele positive Indikatoren. John Williams, der Präsident der regionalen Federal Reserve Bank in San Francisco, sagte, er erwarte „fortgesetztes moderates Wachstum”. Selbst auf dem desolaten Häusermarkt gibt es zumindest zaghafte Indizien für eine Stabilisierung. Zwar fällt der vielbeachtete S&P/Case-Shiller-Index, der die Häuserpreise in den 20 größten amerikanischen Ballungsräumen misst, noch immer. Allerdings waren die Rückgänge zuletzt geringer. Andere Indikatoren vom Häusermarkt wiederum, wie etwa Neubauten, zeigen sogar nach oben.

Unter Mitarbeit von Roland Lindner.

 

 

 
  Weitersagen Kommentieren Empfehlen Drucken
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden

Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.