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Evonik kommt an die Börse – oder auch nicht

Wie schön wäre es, wenn es dem Essener Spezialchemiekonzern Evonik gelänge, ohne Blessuren an die Börse zu gehen. Inzwischen aber sieht es sehr danach aus, dass dieses positive Börsenszenario ein schöner Traum bleiben wird. Denn ob Evonik an die Börse geht, wird angesichts der Nervosität an den Finanzmärkten immer fraglicher. Eigentlich wäre die Wahl in Griechenland exakt in die Mitte der ursprünglich geplanten Zeichnungsfrist für die Evonik-Papiere gefallen. Nun aber sollen zunächst weitere Gespräche folgen. Und selbst Banker, die dem Unternehmen wohlwollend gegenüberstehen, können sich kaum ein Ergebnis in Athen vorstellen, das „gut" genug ausfällt, um die Emission in diesem Umfeld zu einem Erfolg werden zu lassen.

Wie schön wäre es, wenn es dem Essener Spezialchemiekonzern Evonik gelänge, ohne Blessuren an die Börse zu gehen: wenn alle angebotenen Aktien Abnehmer fänden und diese dafür nur einen Preis bezahlten, den man guten Gewissens als fair bezeichnen könnte. Erfreulich wäre es auch, wenn die Anleger danach nicht nur die Sicherheit hoher Dividendenzahlungen beruhigte, sondern auch die Aussicht auf Kurssteigerungen begeisterte. Wenn es so käme, wäre das eine gute Nachricht nicht nur für die Altaktionäre von Evonik, sondern auch für den Börsenplatz Deutschland, für die Konsortialabteilungen der federführenden Banken und wohl auch für den deutschen Steuerzahler. Denn vom Wert und von den Erträgen von Evonik werden die Ewigkeitskosten des Steinkohlebergbaus bezahlt. Wer es nicht weiß: Unter dem Ruhrgebiet muss länger Wasser abgepumpt werden, als Atommüll strahlt, nämlich für immer.

Inzwischen aber sieht es sehr danach aus, dass dieses positive Börsenszenario ein schöner Traum bleiben wird. Denn ob Evonik an die Börse geht, wird angesichts der Nervosität an den Finanzmärkten immer fraglicher. Eigentlich wäre die Wahl in Griechenland exakt in die Mitte der ursprünglich geplanten Zeichnungsfrist für die Evonik-Papiere gefallen. Nun aber sollen zunächst weitere Gespräche folgen. Und selbst Banker, die dem Unternehmen wohlwollend gegenüberstehen, können sich kaum ein Ergebnis in Athen vorstellen, das „gut” genug ausfällt, um die Emission in diesem Umfeld zu einem Erfolg werden zu lassen.

Im Zauberkasten gibt es noch ein paar Tricks

Deshalb gilt es jetzt, Tricks aus dem Zauberkasten holen: So ließe sich die Emission bis tief in den Juli hinein verschieben. Oder man könnte die Zahl der angebotenen Aktien stark reduzieren, um doch noch auf einen Preis zu kommen, der den Altaktionären akzeptabel erscheint. Eine Verzögerung steht seit Sonntag fest. Sie ist ärgerlich, aber nicht grundsätzlich schlimm. Die Verknappung der angebotenen Aktien aber wäre ein Warnsignal. Dann wüsste jeder Aktionär, dass der Preis „künstlich” in die Höhe getrieben worden ist. Die Evonik-Aktie geriete dann rasch unter Verkaufsdruck. Einen zweiten Fall Facebook möchte man im bodenständigen Essen nun nicht erleben; im Gegenteil wirkt der Kursverfall der Papiere des Internetunternehmens wie ein abschreckendes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Denn sicher ist, dass allein für die Wasserpumpen im Ruhrgebiet der Börsengang mittelfristig nicht kommen muss. Deren jährlicher Finanzbedarf wird heute auf 200 Millionen Euro veranschlagt. Für diese Aufgabe reicht aber die Evonik-Dividende. Der Chemiekonzern hat für 2011 an seine beiden Aktionäre 425 Millionen Euro ausgeschüttet. Nur langfristig ließe sich argumentieren, dass man einen flexiblen Kapitalstock im Stiftungssinne besser einsetzen könnte.

So bleibt der Börsengang ein heißer Ritt. Gelingt er mit einer kleinen Verzögerung, aber ohne größere Tricks, könnte Evonik zu dem Emissionserfolg werden, auf den man in Deutschland seit der Erstemission der Postbank vor zwölf Jahren wartet. Auf die Umbauerfolge der vergangenen Jahre ist der Evonik-Vorstand zu Recht stolz.

Wenn der Börsengang jetzt nicht kommt, ist das Fenster erst einmal zu

Kommt der Börsengang in diesem Sommer aber gar nicht mehr, wonach es derzeit eher aussieht, hilft diese gute Ausgangslage den Aktionären wenig. Dann bliebe das Fenster für eine solche Transaktion erst einmal geschlossen. Hinzukommen wird dann wohl auch politischer Streit. Denn innerhalb der Parteien gibt es sehr unterschiedliche Ansichten über die Umsetzung des Auftrags der RAG-Stiftung. Und wenn diese Diskussion erst beginnt, ist die Börse wieder ganz weit weg.

 

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