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Deutsche Unternehmen: Immer grüner, aber wie grün darf es werden?

17.07.2012, 06:13 Uhr  ·  Die deutsche Industrie wird immer schneller grüner. Um das festzustellen, konnte man auf die Hannover Messe fahren - und sich zeigen lassen, wie neue Gummimischungen den Laufwiderstand von Reifen senken, um Energie zu sparen. Oder wie der führende deutsche Industriekonzern Siemens seine Produktbereiche ganz dem Thema "Nachhaltigkeit" verschrieben hat. Oder wie man möglichst ressourceneffizient eine Gaspipeline durch die Ostsee baut - und wie Autohersteller versuchen, das emotionale Erlebnis Autofahren immer stärker mit dem Gedanken Umweltschutz zu verknüpfen. Auch Elektromobilität soll schließlich Begeisterung bei den Kunden wecken.

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Die deutsche Industrie wird immer schneller grüner. Um das festzustellen, konnte man auf die Hannover Messe fahren – und sich zeigen lassen, wie neue Gummimischungen den Laufwiderstand von Reifen senken, um Energie zu sparen. Oder wie der führende deutsche Industriekonzern Siemens seine Produktbereiche ganz dem Thema “Nachhaltigkeit” verschrieben hat. Oder wie man möglichst ressourceneffizient eine Gaspipeline durch die Ostsee baut – und wie Autohersteller versuchen, das emotionale Erlebnis Autofahren immer stärker mit dem Gedanken Umweltschutz zu verknüpfen. Auch Elektromobilität soll schließlich Begeisterung bei den Kunden wecken.

Zwischen Messen und Hochglanzmagazinen

Nun ist so ein Besuch auf einer Messe – und gerade auf dieser in Hannover – zwar faszinierend, aber auch anstrengend. Eine andere Möglichkeit, einen Eindruck von den Bemühungen der Industrie auf dem Gebiet “Green Technology” zu bekommen, wäre es, sich eines dieser Hochglanz-Umweltmagazine ins Haus schicken zu lassen. Die werden von vielen größeren Unternehmen inzwischen produziert, um Mitarbeitern, Aktionären, Kunden, Lieferanten und sonstigen Interessierten zu zeigen, welche Aktivitäten rund um das Thema Umwelt entfaltet werden. Selbstverständlich wird so etwas auf einem mit EU-Umweltzeichen zertifizierten Recyclingpapier gedruckt, auch wenn man das mit dem ersten Blick auf das hellweiße Papier nicht mehr sieht. Schauen wir als Beispiel in das jüngste Produkt dieser Art aus dem Hause Audi in Ingolstadt: Dort kann man auf 166 Seiten lesen, welche Schritte Audi unternimmt, um in seiner Heimatstadt CO2-neutral zu fertigen, wie ressourcenschonend die Architektur in neuen Autofabriken ist, wie gebrauchte Aggregate aufbereitet werden, Windenergie eingesetzt wird, wie nachhaltig und effizient das Rechenzentrum in Ingolstadt betrieben wird – und so weiter.

Wer das Heft zur Seite legt, ist zunächst beeindruckt. Man ahnt, dass man es hier mit einem Unternehmen zu tun hat, das Umweltschutz und Nachhaltigkeit ernst nehmen will. Und doch fällt es schwer, objektiv zu beurteilen, wie weit der Hersteller im Wettbewerbsvergleich wirklich ist, wie ehrgeizig die Projekte sind und ob nicht alles noch viel besser sein könnte. Hinzu kommt: Wie weit will man im internationalen Wettbewerb überhaupt gehen? Was ist sinnvoll?

Wie weit soll man gehen?

Solche Fragen stellen sich auch, wenn man das jüngste Umweltgutachten des deutschen Sachverständigenrats für Umweltfragen liest. Der empfiehlt noch mehr Engagement für eine Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Ressourcennutzung: Klimawandel, Überfischung der Meere und Wasserknappheit seien “Grenzüberschreitungen”. Wie an Energie und Rohstoffen gespart werden könnte, sei deshalb eine der “entscheidenden Systemfragen des 21. Jahrhunderts”. In dem Papier machen die Wissenschaftler viele Vorschläge, wie dem Vorrang der Umwelt gegenüber der Wirtschaft Geltung verschafft werden könnte. Die Liste mit Ideen zur Verhaltenssteuerung reicht von höheren Steuern auf Rohstoffe, Pfandsystemen für Mobiltelefone und Computer, Fettsteuern auf ungesundes Essen bis hin zur Einführung eines elektrisch betriebenen Lastkraftwagenverkehrs.

Sicher ist: Wachstum um jeden Preis wird gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert. Fest steht aber auch, dass es für die deutsche Industrie gilt, die richtige Balance zu wahren. “Green Technology” kann eine Chance sein. Doch die Grundlage für diese Chance ist eine Industrie, die heute Geld verdient.

Das ist die heute Frage der Fragen für die deutsche Unternehmenswelt: Wie viel sind die Kunden im In- und Ausland bereit, für Produkte aus der Hand von Unternehmen zu bezahlen, die im ökologischen Sinne besonders fortschrittlich sind und zugleich nachhaltig produzieren? Die Antwort darauf wird jeden Tag im realen Wirtschaftsleben getestet. Die aktuelle Diskussion um die Energiewende gibt einen Hinweis darauf, wie schwer es sein kann, die richtige Geschwindigkeit zu finden. 

 

 

 

Veröffentlicht unter: Hannover Messe, Umweltgutachten, Umwelt, Audi, Balance

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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0 perfekt57 18.07.2012, 20:56 Uhr

wie wärs mit folgender...

wie wärs mit folgender antwort: zu 100%. denn schließlich ist es mein unternehmen. und wenn es erst einmal 100% grün ist (eine teil-eigenschaft) dann ist es damit auch aus der schußlinie. und umweltverträglich dazu. und gehört mir immer noch. was aslo wäre schlecht daran?
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faule zähne behalte ich doch auch nicht nur deshalb, weil sonst jeder sieht, dass ich beim zahnarzt war - und kosten hatte.

Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.