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Internet-Investor mit Gefühl für Timing: Marc Andreessen

21.08.2012, 06:35 Uhr  ·  Erfolg in der Wagniskapitalbranche misst sich nicht nur daran, ein Gespür für Börsenstars zu haben. Würde man Marc Andreessen und seine von ihm mitgegründete Wagniskapitalgesellschaft Andreessen Horowitz alleine danach beurteilen, wäre die Bilanz nicht gerade glänzend: Andreessen Horowitz hat sich bei Facebook, Groupon und Zynga engagiert - drei Börsendebütanten aus den vergangenen zwölf Monaten, deren schlechte Kursentwicklung für Ernüchterung in der ganzen Internetbranche gesorgt hat. Aber die Kunst des Investierens liegt eben auch oft darin, rechtzeitig wieder auszusteigen. Und wenn es danach geht, war für Andreessen selbst seine Groupon-Beteiligung kein Misserfolg.

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Erfolg in der Wagniskapitalbranche misst sich nicht nur daran, ein Gespür für Börsenstars zu haben. Würde man Marc Andreessen und seine von ihm mitgegründete Wagniskapitalgesellschaft Andreessen Horowitz alleine danach beurteilen, wäre die Bilanz nicht gerade glänzend: Andreessen Horowitz hat sich bei Facebook, Groupon und Zynga engagiert – drei Börsendebütanten aus den vergangenen zwölf Monaten, deren schlechte Kursentwicklung für Ernüchterung in der ganzen Internetbranche gesorgt hat.

Aber die Kunst des Investierens liegt eben auch oft darin, rechtzeitig wieder auszusteigen. Und wenn es danach geht, war für Andreessen selbst seine Groupon-Beteiligung kein Misserfolg. So haben nach einem Bericht des „Wall Street Journal” soeben mehrere Groupon-Investoren einen großen Teil ihrer Aktien verkauft. Andreessen habe sogar alle Anteile abgestoßen und damit am Ende sogar einen Gewinn gemacht, den das Blatt auf 14 Millionen Dollar schätzt. Denn Andreessen Horowitz kaufte im Rahmen einer außerbörslichen Finanzierungsrunde Anfang vergangenen Jahres 5,1 Millionen Groupon-Aktien für 7,90 Dollar. Kurz nach Ablaufen der Haltefrist Anfang Juni verkaufte der Investor das gesamte Paket. Damals war der Aktienkurs von Groupon zwar schon weit vom Ausgabepreis von 20 Dollar beim Börsengang im November entfernt, lag aber noch immer über dem Einstiegspreis von Andreessen. Erst heute kostet die Groupon-Aktie weniger als 5 Dollar.

Das Gespür für den richtigen Zeitpunkt

Andreessen hat häufig das Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Denn im vergangenen Jahr hat Andreessen schon einmal mit einem Ausstieg für Aufsehen gesorgt, der noch spektakulärer war als nun Groupon. Andreessen Horowitz gehörte zu einer Investorengruppe, die den Internettelefoniedienst Skype für 8,5 Milliarden Dollar an den Softwarekonzern Microsoft verkaufte. Die Investoren hatten ihren Mehrheitsanteil an Skype erst 2009 gekauft, das gesamte Unternehmen wurde bei der damaligen Transaktion mit nur 2,75 Milliarden Dollar bewertet.

Im Fall von Groupon wollte Andreessen offenbar vor dem Börsengang auf die Bremse treten, nachdem sich Zweifel am Geschäftsmodell des Unternehmens gemehrt hatten. Dem Zeitungsbericht zufolge versuchte Andreessen, den Groupon-Vorstandsvorsitzenden Andrew Mason zu überzeugen, den Börsengang erst einmal auf Eis zu legen. Andreessen konnte sich damit aber am Ende nicht durchsetzen. So etwas passiert ihm eher selten. Denn Andreessen war im Silicon Valley schon lange vor seinem 41. Geburtstag, den er im Juli feierte, eine lebende Legende, der die Menschen dort nicht nur häufig zuhören, sondern auf die sie in der Regel auch wirklich hören. Denn es war Andreessen, der an der University of Illinois den sogenannten Mosaic-Browser programmierte, der zur Grundlage der Netscape-Technik werden sollte – und damit desjenigen Zugangsprogramms zum Internet, dass das weltumspannende Datennetz zum Massenphänomen machte. Mit dem Börsengang des aus dem Browser entstandenen Unternehmens Netscape wurde der damals 25 Jahre alte Andreessen 1995 zum Wunderkind der Internetgeneration. Daran kam auch der Platzhirsch nicht vorbei. Selbst Microsoft entwickelte den Code seines Internet-Explorers mit der Hilfe einer Mosaic-Lizenz von der University of Illinois. Als Netscape für 4,2 Milliarden Dollar von AOL gekauft wurde, wechselte auch Andreessen zunächst zu AOL, verließ das Unternehmen aber 1999 und gründete das Internet-Dienstleistungsunternehmen Loudcloud, das 2001 an die Börse ging und sich nach dem Verkauf seines Servicesegments an EDS in Opsware umbenannte. Opsware wurde im September 2007 für 1,6 Milliarden Dollar an Hewlett-Packard verkauft. Seitdem ist Andreessen eines der einflussreicheren Verwaltungsratsmitglieder des Informationstechnologiekonzerns Hewlett-Packard.

Auf dem Erfolg nicht ausgeruht

Andreessens Meinung wird auch deshalb beachtet, weil er sich zu keinem Zeitpunkt auf seinem Erfolg ausgeruht hat. Und als er vor drei Jahren sagte, das Silicon Valley kehre zu seiner Furchtlosigkeit zurück, war das zu jenem Zeitpunkt eine treffende Beobachtung. Weil auch deshalb die Sache mit dem richtigen Zeitpunkt für Ein- und Ausstiege bei seinen Investitionen meist gut geklappt hat, ist die Kapitalisierung der Andreessen-Horowitz-Wagniskapital-Fonds, die Andreessen 2009 gemeinsam mit seinem langjährigen Geschäftspartner Ben Horowitz ins Leben gerufen hat, von damals 300 Millionen Dollar auf heute 2,7 Milliarden Dollar gestiegen. Andreessens persönliches Vermögen wurde zuletzt auf 600 Millionen Dollar geschätzt. Aber darauf kommt es ihm vermutlich nicht mehr an. Denn seit 1996 ist er mit Laura Arrillaga verheiratet, deren Vater mit Immobiliengeschäften im Silicon Valley kein Millionen-, sondern ein Milliardenvermögen aufgebaut hat. Gewiss haben dabei allein Andreessens innere Werte gezählt.

Unter Mitarbeit von Roland Lindner.

 

 

Veröffentlicht unter: Facebook, Internet, Skype, Marc Andreessen, Groupon

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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0 lutz-breunig 21.08.2012, 20:56 Uhr

..."die Kunst des Investierens...

..."die Kunst des Investierens liegt eben auch oft darin, rechtzeitig wieder auszusteigen " ... was einem Spekulanten leichter fällt als der investierenden Industrie. http://www.servicereport.eu/2012/industrieservice-neuem-potenzial-industrie-plant-erweiterte-produktpalette

Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.