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Facebook hat sie reich gemacht: Jetzt investieren die Winklevoss-Zwillinge

17.09.2012, 19:16 Uhr  ·  Die Winklevoss-Zwillinge sind im Streit mit Mark Zuckerberg reich geworden. Inzwischen haben es die Zwillinge ob ihrer Prominenz mit ihrer jüngsten Investition auf die Titelseite des „Wall Street Journal" geschafft. Denn Tyler und Cameron haben damit begonnen, ihren Facebook-Reichtum über eine eigene, im vergangenen Februar gegründete Beteiligungsgesellschaft „Winklevoss Capital" zu investieren.

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Cameron und Tyler Winklevoss hatten in ihrem Leben einen echten olympischen Moment. Im Jahr 2008 landeten sie bei den Olympischen Spielen in Peking beim Rudern im Zweier auf dem sechsten Platz. Das ist eine Leistung, hart erarbeitet – und alles andere als selbstverständlich. Mit Glück jedenfalls hat so eine Olympiateilnahme wenig zu tun; allenfalls waren die Umstände hilfreich, in die die Zwillinge 1981 hineingeboren wurden: Sie wuchsen im wohlhabenden Greenwich im Bundesstaat Connecticut auf, einem Ort mit schönen, freistehenden, typisch amerikanischen Villen mit großem Garten und beeindruckender Garage samt zugehöriger Auffahrt. Hier wohnen diejenigen, die es sich sowohl finanziell als auch intellektuell leisten können, nicht in unmittelbarer Nähe der Metropole New York leben zu müssen. Sie gehörten zu den Studenten, die an der Harvard-Universität in den traditionellen Zirkeln der Studenten-Seniorität ganz oben stehen, waren Mitglieder der exklusivsten Klubs. In so einem Umfeld wird man, entsprechende Begabung und Ehrgeiz vorausgesetzt, zumindest leichter im Sport erfolgreich.

Die Winklevoss-Zwillinge sind auch in ihrer körperlichen Statur beeindruckende junge Männer – ganz im Gegensatz zum Facebook-Vorstandsvorsitzenden Mark Zuckerberg, der eher als schmächtige Gestalt daherkommt. Dieser schmalschultrige Zuckerberg aber ist es, der den Zwillingen wohl einen weiteren olympischen Moment verdorben hat. Die Geschichte von Zuckerberg und den Winklevoss-Brüdern kennen gleichwohl viele Menschen durch einen Hollywood-Film, den Streifen: „The Social Network”, der die Gründungsgeschichte von Facebook erzählt. Denn als Harvard-Studenten trieb Tyler und Cameron eine Idee um: Sie wollten ein soziales Netzwerk mit dem Namen „Harvard Connection” programmieren lassen, das es den Studierenden erlauben soll, über kleine persönliche Web-Einträge miteinander in Kontakt zu treten. Sie beschäftigten Programmierer, kamen schleppend voran. Dann wurde ihnen Zuckerberg vorgestellt. Der gibt vor, an ihrem Projekt weiterzuarbeiten, überholt sie dann aber mit einer ganz ähnlichen Website mit dem Namen „The Facebook”.

Letztlich hatte der Vergleich Bestand

Wenig erstaunlich: Die Website der Winklevoss-Brüder gibt es schon lange nicht mehr; da hat auch die spätere Umbenennung in „ConntectU” nichts geholfen. Im Film wie im wahren Leben entstand daraus jedoch ein Rechtsstreit, der im Februar 2008 in einem Vergleich zunächst vorläufig endete, später von den Brüdern selbst noch einmal angefochten wurde – im Sommer vergangenen Jahres aber schließlich endgültig im juristischen Sande verlief. So blieb der Vergleich gültig, bekommen haben Tyler und Cameron 20 Millionen Dollar in bar und Facebook-Aktien in einem damals hochgerechneten Wert von 45 Millionen Dollar. Damals wurde Facebook ein Wert von 15 Milliarden Dollar zugrunde gelegt. Hier endet der Film, nicht aber das wahre Leben. Das hat zum einen dazu geführt, dass Facebook inzwischen trotz aller Rückschläge an der Börse rund 47 Milliarden Dollar wert ist, die Winklevoss-Brüder also entsprechend reicher sind. Zum anderen war von den Brüdern selbst außerhalb des Rechtsstreits und eines zweiten Olympiaanlaufs (den sie abbrachen) lange nichts zu hören. Und wenn sie doch zu sehen waren, dann wurde es unfreiwillig komisch. In einem belanglosen Werbespot für „Wonderful Pistachios” warben sie zum Beispiel mit Begeisterung für ebendiese Pistazienmarke – und spielten dabei mit ihrem Plagiatsvorwurf gegenüber Zuckerberg: „Oh, das ist eine gute Idee”, heißt es da, „ob sie jemand stehlen wird?”

Jetzt wird in SumZero investiert

Inzwischen sind die Zwillinge aber wieder ernsthafter unterwegs – und haben es ob ihrer Prominenz mit ihrer jüngsten Investition auf die Titelseite des „Wall Street Journal” geschafft. Denn Tyler und Cameron haben damit begonnen, ihren Facebook-Reichtum über eine eigene, im vergangenen Februar gegründete Beteiligungsgesellschaft „Winklevoss Capital” zu investieren. Angeblich hätten sie eine entsprechende Berufung schon immer verspürt. Und um ein neues Unternehmen von alten Harvard-Kommilitonen zu unterstützen, die auch schon an ihrem Ursprungsprojekt Harvard Connection gearbeitet haben, stecken sie nun 1 Million Dollar in weiteres, von den Studienfreunden aufgebautes soziales Netzwerk. Es heißt „SumZero” und soll Fonds- und Hedge-Fonds-Manager sowie andere professionelle Geldanleger zu einer virtuellen Gemeinschaft verbinden. Das Ziel ist es, sich dort unbeeinflusst von der Verkaufsseite, also von Bankanalysten, über Anlageentscheidungen austauschen zu können. Käufer sollen unter sich bleiben, einige Tipps von ihnen sollen kostenpflichtig im breiten Publikum vermarktet werden.

Ob das erfolgreich wird, steht in den Sternen. Aber das ist keine Sorge, die die Brüder haben müssen. Olympisches Metall blieb den Winklevoss-Zwillingen zwar verwehrt, aber aus der Goldmine Facebook lebt es sich langfristig vielleicht sogar besser.

 

 

Veröffentlicht unter: Facebook, Zwillinge, Zuckerberg, Winklevoss, SumZero

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.