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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Für die Manager heißt es jetzt: Weiter mit Barack Obama

Martin Richenhagen müsste am Tag nach der amerikanischen Präsidentenwahl enttäuscht sein. Schließlich hatte der deutsche Vorstandsvorsitzende des großen amerikanischen Landmaschinenherstellers Agco aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und offen gesagt, er wünsche sich einen neuen Präsidenten. Er selbst werde auch einen anderen wählen, denn Richenhagen ist inzwischen amerikanischer Staatsbürger. Der Republikaner Mitt Romney sei für Amerika wegen seiner Wirtschaftskompetenz die bessere Wahl als vier weitere Jahre mit dem Demokraten Barack Obama. Die Amerikaner indes haben sich anders entschieden: „Ich habe es nicht anders erwartet", sagt Richenhagen nun

Martin Richenhagen müsste am Tag nach der amerikanischen Präsidentenwahl enttäuscht sein. Schließlich hatte der deutsche Vorstandsvorsitzende des großen amerikanischen Landmaschinenherstellers Agco aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und offen gesagt, er wünsche sich einen neuen Präsidenten. Er selbst werde auch einen anderen wählen, denn Richenhagen ist inzwischen amerikanischer Staatsbürger. Der Republikaner Mitt Romney sei für Amerika wegen seiner Wirtschaftskompetenz die bessere Wahl als vier weitere Jahre mit dem Demokraten Barack Obama. Die Amerikaner indes haben sich anders entschieden: „Ich habe es nicht anders erwartet”, sagt Richenhagen nun. Er hofft, dass das Unverständnis, das das Verhältnis von Obama zu den Unternehmen geprägt hat, Pragmatismus weicht. „Immerhin muss Obama jetzt nicht mehr um eine nächste Amtszeit kämpfen – im Prinzip war er in den vergangenen vier Jahren ja permanent im Wahlkampf.” Das, glaubt Richenhagen, könnte sich nun ändern.

Das reichste Entwicklungsland der Welt

Tatsächlich müsse sich auch etwas ändern: Wenn Richenhagen, der längst in der Nähe von Atlanta (Georgia) wohnt, an die amerikanische Infrastruktur denkt, hat er das „reichste Entwicklungsland der Welt” vor Augen. Unbedingt müssten in die kaputten Straßen, Strom- und Schienenwege Investitionen fließen, gerne auch im Rahmen privatwirtschaftlicher Partnerschaften mit dem Staat, um den amerikanischen Staatshaushalt zu entlasten. „Entsprechende Vorschläge haben die entsprechenden Wirtschaftsverbände in Amerika längst gemacht – wir werden sie wieder vortragen”, sagt Richenhagen. Derartige Projekte seien sinnvoller, als punktuell Unternehmen zu unterstützen, was in den vergangenen vier Jahre die bevorzugtere Variante der Wirtschaftspolitik gewesen sei. Leider gehe aber weiterhin ein tiefer Graben durch die Gesellschaft der sonst so einigen Vereinigten Staaten – oder sogar mehrere davon: Der Sohn einer Lehrerfamilie, der einst selbst verbeamteter Lehrer für katholische Religion und Französisch war und es danach bis zum Vorstandschef eines großen Konzerns gebracht hat, erlebt in seiner neuen Heimat jedenfalls die Kluft zwischen Arm und Reich, den Graben zwischen unterschiedlichen Ethnien, die Unterschiede zwischen denen, die Arbeit haben, und solchen, die auf Lebensmittelmarken angewiesen sind. „Und zu dieser Gruppe zählen inzwischen auch schon 45 Millionen Menschen.” Und ob der Präsident in seiner zweiten Amtszeit lerne, besser zuzuhören, sei eine weitere Frage.

Zuhören lernen

 „Wissen Sie, das ist ein Programmpunkt in Managementtrainings: Man soll lernen zuzuhören. Denn je älter man wird, desto lieber hört man sich selbst reden”, sagt Richenhagen, der in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden ist, dann – und denkt laut weiter: „So ganz jung ist Obama ja auch nicht mehr – und ob er mal ein Managementtraining gemacht hat?” So recht ist der gebürtige Kölner nicht davon überzeugt, dass der Präsident dazulernen wird. Es bleibt Hoffnung, dass sich Obama mit neuen Beratern umgeben wird, denn viele der bisherigen Mitstreiter seien ermattet oder nicht gut genug qualifiziert. Es werde zwar schwierig, für frischen Wind zu sorgen. „Viele, gerade auch aus der Wirtschaft, die Obama zunächst helfen wollten, haben längst aufgegeben.” Aber die Amerikaner hätten die Tradition, dem Gemeinwesen freiwillig zur Seite zu stehen. Auf diesen Willen könne Obama bauen. Lob hat Richenhagen für den deutschen Außenminister übrig. Dass Guido Westerwelle in seiner Gratulation sogleich die Schaffung der europäisch-amerikanischen Freihandelszone auf die Agenda gesetzt habe, sei ein geschickter Schachzug gewesen. Eine Freihandelszone könne in Zeiten der Staatsschuldenkrise einen Wachstumsschub geben. „Bisher war Obama das nicht wichtig, aber Westerwelle hat es so formuliert, dass sich der Präsident das Projekt zu eigen machen könnte”, hofft Richenhagen, der sich im Hauptberuf nicht um die Politik, sondern um ein Unternehmen kümmern muss, unter dessen Dach vier Marken versammelt sind. In Deutschland dürften davon Fendt und Massey Ferguson die bekanntesten sein.

Richenhagen ist aber stets ein Freund deutlicher Worte, auch mit Blick auf manche Wirtschaftsgröße. Dass der Star-Investor Warren Buffett gesagt habe, er zahle in Amerika zu wenig Steuern, habe vor allem einen Grund: „Er lebt ja auch nur von Kapitaleinkünften, da sind die Steuersaetze auch niedriger als beim Einkommen. Buffet wollte wohl mal wieder auf die erste Seite der ,New York Times‘.”

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