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"Mr. Windows" scheitert an sich selbst

13.11.2012, 20:39 Uhr  ·  Was braucht man, um ein erfolgreicher Manager zu werden? Durchsetzungsvermögen, ein ausgeprägtes Ego und den Ruf, absolut termintreu zu sein? Soziale Fähigkeiten, Empathie für die Wünsche und Bedürfnisse anderer? Die Antwort darauf ist nicht so trivial, wie es scheint. Zwei Personalien aus der amerikanischen Computer- und Softwarebranche deuten darauf hin, dass man mit fachlicher Kompetenz und unbedingtem Willen zwar nach ganz oben kommen kann. Sich dort länger zu halten erfordert dann aber offensichtlich einiges mehr an zwischenmenschlicher Sensibilität. So lassen sich sowohl der Abgang von Scott Forstall bei Apple als auch der von Steven Sinofsky bei Microsoft deuten.

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Was braucht man, um ein erfolgreicher Manager zu werden? Durchsetzungsvermögen, ein ausgeprägtes Ego und den Ruf, absolut termintreu zu sein? Soziale Fähigkeiten, Empathie für die Wünsche und Bedürfnisse anderer? Die Antwort darauf ist nicht so trivial, wie es scheint. Zwei Personalien aus der amerikanischen Computer- und Softwarebranche deuten darauf hin, dass man mit fachlicher Kompetenz und unbedingtem Willen zwar nach ganz oben kommen kann. Sich dort länger zu halten erfordert dann aber offensichtlich einiges mehr an zwischenmenschlicher Sensibilität.

So lassen sich sowohl der Abgang von Scott Forstall bei Apple als auch der von Steven Sinofsky bei Microsoft deuten. Der konfrontative Forstall war bei Apple bis vor ein paar Tagen für die erfolgreichen mobilen Plattformen verantwortlich und weigerte sich, die Verantwortung für das Debakel um die fehlerhafte Karten-Anwendung im Apple-Betriebssystem „iOS” zu übernehmen. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Und auch Sinofsky, der bisherige Windows-Chef von Microsoft, ist über seine Art der Führung gestolpert. Forstalls Abschied war schon ein hörbarer Knall. Die Resonanz auf das abrupte Aus für Sinofsky wird im Vergleich dazu aber noch um ein Vielfaches dadurch verstärkt, dass der Manager gerade erst für die Entwicklung und wenigstens in Amerika glamouröse Markteinführung des neuen Betriebssystems „Windows 8″ zuständig war.

Und Sinfosky zählte durch seine sichtbaren Erfolge zu den Kandidaten für eine Nachfolge für den selbst nicht unangefochtenen Microsoft-Vorstandsvorsitzenden Steve Ballmer. Der 47 Jahre alte Informatiker Sinofsky war nichts anderes als „Mr. Windows”. Seine Bedeutung im Unternehmen geht aber weit über diesen Ehrentitel hinaus, wenn man Sinofskys gesamte bisherige Karriere berücksichtigt. Denn Sinofsky kam schon im Juli 1989 als Software-Designer zu Microsoft und war lange Zeit für die Entwicklung des Office-Büroprogrammpakets mitverantwortlich, des zweiten großen Standbeins des Konzerns neben Windows. Auch hier hat er für wichtige Innovationen gesorgt.

Nach dem Vista-Desaster kam Sinofsky

Zur Windows-Produktsparte stieß Sinofsky erst, nachdem das Unternehmen mit der Version „Vista” beinahe alles falsch gemacht hatte, was es falsch machen konnte: Entwicklungsziele waren zu ambitioniert gewiesen. Die Entwicklungszeiten wurden deutlich überschritten. Das endgültige Produkt schließlich war völlig überladen – und zum Verkaufsstart schon nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Sinofsky gelang es in einem für ihn typischen Kraftakt, die Sparte wieder handlungsfähig zu machen, lieferte „Windows 7″ und nun „Windows 8″ schneller als erwartet aus – und setzte durch, dass nicht nur für Computer, sondern auch für Tablets und Laptops fortan Windows-Programme aus einem Guss verwendet werden.

Wie sich in einem weitsichtigen Sinofsky-Porträt nachlesen lässt, das schon vor einiger Zeit im amerikanischen Brancheninformationsdienst Cnet erschienen ist, gehörte zu den Gegnern Sinofskys auch der in der Technologiewelt sehr bekannte Ray Ozzie, der von 2005 bis 2010 als Technologiechef Microsoft arbeitete. Ozzie hatte früh versucht, die Microsoft-Dienste verstärkt in der Internetwolke (Cloud) anzusiedeln. Er scheiterte aber mit seinem Ansinnen, den Dienst „Live Mesh” neben der Windows-Produktgruppe aufzubauen – und musste sich Sinofskys „Sky Drive” geschlagen geben, der in der ihm eigenen, kompromisslosen Art nicht wollte, dass Dritte über wichtige Bestandteile „seines” Windwos-Systems bestimmen sollten. Kurz nachdem Ballmer seinerzeit entschieden hatte Sinofskys Vorschlag zu folgen, verließ Ozzie das Unternehmen.

Lob für die Nachfolgerinnen

Während der Apple-Vorstandsvorsitzende Tim Cook Forstall öffentlich keine Träne nachgeweint hat, ist sich Ballmer nun zwar nicht zu schade, Sinofsky für seine Leistungen zu loben. Noch auffälliger ist allerdings, wie sehr Ballmer die integrativen Fähigkeiten seiner beiden Nachfolgerinnen lobt, auf die Sinofskys bisherige Arbeit nun aufgeteilt wird: Um die Software- und Hardware-Entwicklung kümmert sich ab sofort Julie Larson-Green, die auch für die Entwicklung des Kacheldesigns zuständig war, das den ersten optischen Eindruck von „Windows 8” prägt. Die bisherige Finanzchefin Tami Reller soll als Business-Managerin dafür sorgen, dass auch an der Ladenkasse das Geschäft mit Windows stimmt. Die Aufgabe, die Reller und Larson-Green übernehmen, lässt sich in ihrer Bedeutung für das Unternehmen gar nicht unterschätzen. Microsoft muss es gelingen, endlich wieder Kunden für ein Produkt des Hauses zu begeistern. Das ist seit Jahren nicht mehr gelungen; Apple hat die Herzen der Kunden erobert. Für die Emotionen rund um „Windows 8″ setzt Ballmer jetzt auf zwei Frauen. Das Windows-Team wird dafür dankbar sein, nun müssen noch die Kunden folgen. An der Börse war die Reaktion übrigens eindeutig: Dort hat Microsoft zunächst Sympathien verloren.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.