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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Jim Hagemann Snabe: "SAP will eine Million Entwickler gewinnen"

Auf dem Trend-Kongress des Hightech-Verbandes Bitkom in Berlin sagt der Co-Vorstandsvorsitzende von SAP, Jim Hagemann Snabe, wo er Europa im internationalen Vergleich sieht, wie er die deutsche Start-up-Szene einschätzt und was er in den kommenden Monaten vorhat.

Auf dem Trend-Kongress des Hightech-Verbandes Bitkom in Berlin sagt der Co-Vorstandsvorsitzende von SAP, Jim Hagemann Snabe, wo er Europa im internationalen Vergleich sieht, wie er die deutsche Start-up-Szene einschätzt und was er in den kommenden Monaten vorhat.

Herr Hagemann Snabe, das Cloud-Geschäft von SAP entwickelt sich in Amerika deutlich schneller als das in Europa. Haben wir die passenden Rahmenbedingungen?

Ich glaube, als Unternehmen darf man nicht immer zuerst auf die Politik schauen. Wir müssen selbst Lösungen finden, denn wir sind verantwortlich, unseren Kunden das bestmögliche Angebot zu liefern. Dafür sind Innovationen notwendig, und wir sind hochinnovativ. Von daher würde ich nicht von unpassenden Rahmenbedingungen in Europa reden wollen.

Aber in Amerika scheinen Ihre Kunden die Cloud-Angebote mehr nachzufragen als in Europa.

Ja, da haben Sie recht. Unser Cloud-Geschäft in den Vereinigten Staaten wächst heute signifikant schneller als in Europa.

Woran liegt das?

In Amerika haben wir einen einheitlichen Markt. Cloudcomputing in Europa ist für viele Kunden einfach noch zu teuer, da der europäische Markt die Summe von rund zwei Dutzend nationalen Märkten ist. Das heißt, hier haben wir rund zwei Dutzend verschiedene gesetzliche Rahmenwerke für das Cloudcomputing; das etwa bedeutet, rund zwei Dutzend Vorschriften zur Datensicherheit.

Aber Cloudcomputing kennt doch eigentlich keine Barrieren.

Ja, eigentlich. Je größer aber die Barrieren sind, desto kleiner werden die Vorteile von Cloudcomputing und desto höher sind die Kosten.

Was ist zu tun, um den Abstand zu Amerika nicht noch größer werden zu lassen?

Wir brauchen einheitliche Regeln. Unsere Branche muss gemeinsam mit der Politik in Brüssel das gesamte Thema angehen. Wir haben da in den vergangenen Monaten Fortschritte mit der Kommission erzielt. Aber es muss schneller gehen.

Warum?

Die Entwicklungszyklen in der IT-Branche werden immer kürzer. Bei SAP brauchen wir heute insgesamt durchschnittlich siebeneinhalb Monate von der Idee bis zur ersten Markteinführung eines neuen Produkts. Bei Produkten rund um das Cloudcomputing dauert es drei Monate, bei unseren Mobillösungen reden wir nur noch von Wochen. Vor zwei Jahren waren unsere Entwicklungszeiten noch doppelt so hoch.

Sie haben in den vergangenen Jahren auch kräftig zugekauft. Vor allem in Amerika mit einer lebhaften Gründerszene. Droht Europa, hier den Anschluss zu verlieren?

Wir haben in Städten wie Berlin eine sehr dynamische, sehr gute Szene junger Unternehmen. Unser Datenbanksystem Hana wurde zwischen dem Hasso-Plattner-Institut in Berlin und der SAP entwickelt. An der Innovationskraft mangelt es nicht.

Aber eine Firma wie Success Factors, die Sie vor nicht allzu langer Zeit für 3,4 Milliarden Euro kauften, war von einem Dänen im kalifornischen Silicon Valley gegründet und groß gemacht worden, nicht in Europa.

Ja, so einen Nährboden, wie ihn das Silicon Valley bietet, brauchen wir auch hier.

Nun sagten Sie aber gerade, nicht die Politik im Zentrum zu sehen, sondern die Unternehmen. Wie schaut es mit Ihrer Verantwortung aus?

Wir sind ganz vorn dabei. Wir haben auf der Kapitalseite eigene Aktivitäten und mehrere Fonds zur Finanzierung von vielversprechenden Start-up-Firmen. So wollen wir eine Million Entwickler von Software für uns gewinnen, ohne sie bei SAP anstellen zu müssen.

Eine Million?

Ja, eine Million.

Wie soll das funktionieren?

Da gibt es verschiedene Wege. Wichtig ist, offen zu bleiben. Geschlossenheit als Strategie für ein IT-Unternehmen ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell. So haben wir vor zwei Monaten unsere superschnelle Hana-Plattform geöffnet, damit junge Unternehmer ihre Ideen dort entwickeln können.

So eine Art App-Entwickler?

Ja, aber Apps zur Anwendung in Geschäftsprozessen von Unternehmen.

Haben Sie damit Erfolg?

Derzeit arbeiten bereits rund 150 junge Entwickler auf der Plattform für 99 Cent je Entwickler und Stunde. Das wird die Entwicklung vorantreiben. Da sind wir uns ziemlich sicher.

Kann man sagen, dass im Datenbankgeschäft jetzt das greift, was in der Chipindustrie mit dem Mooreschen Gesetz vor Jahrzehnten begann?

Das ist ein interessanter Gedanke. Ja, durchaus! Wir sehen auf den Märkten für Speichertechniken, wie sich alle sechs Monate die Preise halbieren und die Qualität verdoppelt. Das lässt uns heute in Echtzeit Datenmengen von unglaublicher Größe zu niedrigen Kosten verarbeiten.

Wer braucht das?

Alle Branchen brauchen das. Aber lassen Sie mich nur ein Beispiel nennen: Krebs ist eine furchtbare Krankheit. Ärzte haben dank Hana die Daten einer jungen Patientin analysiert, die acht Jahre lang alle möglichen Medikamente und Behandlungsmethoden über sich ergehen lassen musste. Mit den Hana-Analysen konnten die Medikamente besser und gezielter eingesetzt werden. Früher dauerte allein die Analyse mehrere Tage und kostete Hunderttausende Euro; heute ist das binnen einer Minute und zum Preis von 4000 Euro möglich.

 Das Gespräch führten Carsten Knop und Stephan Finsterbusch.

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