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Amazon – Das heißt Wachstum vor Gewinn

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Der größte Onlinehändler der Welt ist längst auch ein Anbieter digitaler Dienstleistungen. Und das Unternehmen investiert kräftig. Die Aktionäre finden das gut, die Mitarbeiter wollen mehr vom Kuchen.

Auf einen hohen Gewinn legt Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, nach wie vor keinen Wert. Ihm geht es allein um Wachstum, deshalb wird weiter kräftig investiert – und das längst nicht nur in neue Versandzentren, von denen es auch in Deutschland schon einige gibt. Angesichts dieses Tempos geht aus der Sicht mancher Mitarbeiter nicht alles mit rechten Dingen zu. An einigen deutschen Standorten droht Amazon deshalb sogar ein Streik. Denn die deutschen Beschäftigten und ihre Gewerkschaft Verdi wollen, dass vom Geld von Amazon künftig ein größerer Anteil zu ihnen fließt.

Bisher zahlt sich die Expansion in neue Geschäftsfelder vor allem für die Amazon-Aktionäre aus: Das Papier notiert mit rund 260 Dollar weiterhin in der Nähe seines Allzeithochs von rund 285 Dollar. Daran konnten auch die jüngsten Quartalszahlen nichts ändern. Die lagen im Prinzip auf der Höhe der Erwartungen, auch wenn der Ausblick verhalten ausfiel, was den Aktienkurs drückte. Denn durch die Nachfrage nach digitalen Inhalten und Speicherdienstleistungen im Internet hat dem Onlinehändler die Konjunkturflaute in Europa im ersten Quartal weniger als manchem Wettbewerber zu schaffen gemacht. So ist der Umsatz um 22 Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar gestiegen. Zugleich legten sogar die im Hause Amazon traditionell niedrigen Gewinnspannen zu. Denn mit dem Verkauf digitaler Videos oder auch von Werbung erzielt Amazon am Ende höhere Margen als durch den traditionellen Online-Versand.

Investitionen gehen vor

Warum aber ist der Nettogewinn dennoch um 37 Prozent auf 82 Millionen Dollar gefallen? In dieser Entwicklung spiegelt sich der ehrgeizige Investitionskurs wider. Und Amazon wächst so aggressiv wie kein vergleichbares Unternehmen. Mittlerweile arbeiten deshalb mehr als 91 000 Menschen fest für Amazon. Vor einem Jahr waren es noch knapp 66 000 – in Spitzenzeiten wird die Belegschaft sogar noch durch Heerscharen von Saisonarbeitern aufgestockt.

Was darüber hinaus gerne übersehen wird: Neben dem Versandhandel sowie dem digitalen Unterhaltungsgeschäft ist Amazon auch einer der größten Dienstleister im Internet. Der Konzern betreibt riesige Rechenzentren, die unter der Marke „Amazon Web Services“ sogenanntes Cloud Computing anbieten, also dritten Unternehmen nach Bedarf Rechenleistung über das Internet bereitstellen.  (Siehe auch: Die Amazon-Cloud wächst und wächst; Link im Blogroll rechts) Hier ist Amazon ein Wettbewerber etablierter Informationstechnologie-Konzerne wie IBM oder Hewlett-Packard. Mit dem Tabletcomputer Kindle Fire und der dazugehörigen Leihbücherei mit mehr als 300 000 Büchern macht Amazon wiederum dem iPad von Apple und dessen Online-Dienst iTunes Konkurrenz. Zudem ergeben sich im Cloud Computing, in der Online-Werbung und dem Verkauf digitaler Inhalte auch immer mehr Überschneidungen mit dem Internetkonzern Google.

Europageschäft hat weniger Dynamik

Trotz der positiven Umsatzentwicklung lastet die Konsumzurückhaltung in Europa durchaus auf der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Die Erlöse außerhalb des amerikanischen Heimatmarkts legten nämlich nur um 16 Prozent zu. In derselben Zeitspanne des Vorjahres war es noch ein Plus von 31 Prozent. Vor allem in China besteht für Amazon erheblicher Nachholbedarf: Amazon-Finanzchef Tom Szkutak räumte ein, dass man sich in der zweitgrößten Volkswirtschaft weiterhin im „Investitionsmodus“ befinde. In China sieht sich Amazon starker heimischer Konkurrenz gegenüber.

Einige Analysten waren nach der Vorlage der Zahlen enttäuscht, dass Amazon für das zweite Quartal lediglich einen Umsatz von 14,5 bis 16,2 Milliarden Dollar in Aussicht stellte, beim Nettoergebnis mit einem Gewinn von höchstens 10 Millionen Dollar rechnet und einen Verlust für wahrscheinlich hält. In Deutschland, wo Amazon rund 9000 Mitarbeiter beschäftigt, steht das Unternehmen derzeit erheblich in der Kritik.

Das Bundeskartellamt prüft, ob der Konzern den Wettbewerb zwischen verschiedenen Marktplätzen im Internet unzulässig einschränkt. Im Zentrum der Untersuchung steht eine „Preisparitätsklausel“. Diese untersagt dritten Händlern, Produkte, die sie auf Amazon Marketplace anbieten, an anderer Stelle im Internet günstiger zu verkaufen. Zudem läuft am Standort Bad Hersfeld eine Urabstimmung – was in Kürze zu einem Streik führen könnte. Verdi fordert den Abschluss eines Tarifvertrages entsprechend den Regelungen im Einzel- und Versandhandel.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop

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1 Lesermeinung

  1. Too Big To fail !?
    Inspiration und Motivation für Herrn Bazos? Wenn er an diesen Satz glaubt,
    dann handelt er richtig mit Wachstum vor Gewinn. Wenn er es schafft….guter Bäcker.
    Gewerkschaften…mehr vom Kuchen, Gerechtigkeit, Moral, Vernunft, herzlos…?
    Geben wir den Menschen per Geburt die Möglichkeit ihren eigenen Kuchen zu backen…?!
    Entsprechende Bildung?…dezentrale Kleinbäckereien?!…nicht als Chance, sondern als
    selbstverständlich. Das wäre Vernunft und Monopolverhinderung…auf Kosten von
    Skl…Menschen? Das „Tier“ im Mensch läßt grüßen.

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