Ad hoc

Ad hoc

Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Nach Prism: Das Silicon Valley in der Glaubwürdigkeitsfalle

| 1 Lesermeinung

Den Dementis von Google und Facebook glauben wenige, Urgesteine des Technologiezentrums warnen vor dem Staat.

Die Menschen im Silicon Valley sind freie Geister. Sie sind Tüftler, oft ein wenig verschroben, manchmal sogar genial und ganz gewiss stets an einem guten Geschäft interessiert. Mit dem Staat und der Politik im fernen Washington hat man zwischen San Francisco und San José an und für sich wenig am Hut. Aber man freut sich natürlich, wenn der Staat als Auftraggeber innovative Computersysteme und Software abnimmt. Nicht zuletzt wird immer wieder gerne vergessen, dass die Rüstungsindustrie einer der Geburtshelfer des Technologiestandorts Silicon Valley war. Und natürlich müssen auch die zotteligsten Unternehmer im Rahmen amerikanischer Gesetze arbeiten.

In diesem Koordinatensystem kommt es zu Zielkonflikten, was in den Tagen nach dem Bekanntwerden der Internetschnüffelattacken im Rahmen des „Prism-Programms“ des amerikanischen Geheimdienstes NSA besonders augenfällig wird. Das Bild, das die Branche und ihre Vertreter in diesem Zusammenhang vermitteln, ist desolat. Vorstandsvorsitzende von Unternehmen wie Facebook oder Google, die in ihrem jeweiligen Kerngeschäft Weltdominanz erlangt haben, wussten angeblich – und vielleicht auch tatsächlich – von nichts: „Die amerikanische Regierung hat keinen direkten Zugang oder eine Hintertür zu den Informationen, die auf Googles Servern gespeichert sind“, stellte Googles Larry Page in einem Blogeintrag klar und fuhr fort: „Wir übergeben Daten an die Regierung ausschließlich im gesetzlichen Rahmen. Presseberichte, die behaupten, Google erlaube unreglementierten Zugang zu seinen Daten, sind schlicht falsch. Punkt.“ Facebook-Gründer Marc Zuckerberg wollte hinter dem nicht zurückbleiben: „Facebook ist weder jetzt noch war es jemals Teil eines Programms, um der amerikanischen oder jedweder anderen Regierung direkten Zugang zu unseren Servern zu geben. Wir haben niemals eine generelle Anfrage oder einen Gerichtsbescheid irgendeiner Behörde erhalten, die uns um Informationen oder Metadaten in großer Menge bittet, wie sie laut Presseberichten dem Telekommunikationsanbieter Verizon zugestellt wurden. Und wenn wir so etwas erhalten würden, würden wir uns vehement dagegen wehren.“

Nachdenklichkeit empfehlenswert 

Die Technikhelden und Milliardäre Zuckerberg und Page sollten sich angesichts der ersten Reaktionen auf diese Stellungnahme allerdings Gedanken zu ihrer Glaubwürdigkeit machen. Denn Internetnutzer auf der ganzen Welt mochten das kaum glauben, selbst wenn es vielleicht die Wahrheit ist. Diese Glaubwürdigkeitslücke könnte für die Unternehmen zu einem großen geschäftlichen Problem werden, setzen doch alle neuen Produkte aus der Branche auf eine immer umfassendere Erhebung und Auswertung der Daten ihrer Kunden. Und ohne überzeugenden Datenschutz werden daraus Flops.

Interessant ist es daher, Reaktionen von Urgesteinen des Silicon Valley aufzuzeichnen, die nicht mehr im Kampf um Aufträge und Aktienkurse stehen: Scott McNealy, einer der Mitbegründer des inzwischen im Oracle-Konzern aufgegangenen Computerherstellers Sun Microsystems hatte in seiner alten Funktion im Jahr 1999 noch flapsig zu Protokoll gegeben: „Es gibt keine Privatsphäre. Vergesst es.“ Inzwischen sieht er nach einem Bericht der „New York Times“ die Dinge differenzierter. Mit den Daten in der Hand privater Unternehmen hat er zwar keine Schwierigkeiten, wohl aber, wenn sie der Staat in die Finger bekommt: „AT&T kann mir nicht weh tun, Jerry Brown und Barack Obama können das sehr wohl.“ Brown ist Gouverneur von Kalifornien und sorgt offenbar dafür, dass McNealys Steuererklärung Jahr für Jahr einer eingehenden Prüfung unterzogen wird. Bob Metcalfe wiederum, der 1973 zusammen mit David Boggs die Netzwerktechnik entwickelt hat, die den Namen Ethernet bekommen sollte, hat auf dem Kurznachrichtendienst Twitter eine noch deutlichere Meinung verbreitet: Die NSA selbst sei nicht das Problem, wohl aber die Frage, was die Regierung von Obama mit den Daten mache, um politische Widersacher zu unterdrücken – zu denen Metcalfe sich selbst ausdrücklich zählt.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop

0

1 Lesermeinung

  1. „Wir haben niemals eine generelle Anfrage oder einen Gerichtsbescheid irgendeiner Behörde erhalten, die uns um Informationen oder Metadaten in großer Menge bittet,…“(Zuckerberg).
    Man beachte die gummimäßige Einschränkung „in großer Menge“. Wenn nun doch was rauskommt, kann er immer behaupten, GROSSE Menge sei für ihn was anderes. Zuckerberg hat die Sprache der Politiker schnell gelernt.

Kommentare sind deaktiviert.