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Im Handel gibt es nicht nur Praktiker – andere werden im Wettbewerb stark

12.07.2013, 08:55 Uhr  ·  Der deutsche Einzelhandel ist der vielleicht wettbewerbsintensivste der Welt. Der Ausleseprozess ist hart; wer ihn aber überlebt, hat gute Chancen, auch im Ausland sehr erfolgreich zu sein. Dafür stehen Beispiele wie Schlecker und nun Praktiker im negativen und Aldi oder auch Deichmann im positiven Sinne. Warum ist das so?

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Der deutsche Einzelhandel ist der vielleicht wettbewerbsintensivste der Welt. Der Ausleseprozess ist hart; wer ihn aber überlebt, hat gute Chancen, auch im Ausland sehr erfolgreich zu sein. Dafür stehen Beispiele wie Schlecker und nun Praktiker im negativen und Aldi oder auch Deichmann im positiven Sinne. Warum ist das so? Deutschland ist ein Land, in dem es so viel Verkaufsfläche je Einwohner gibt, wie in kaum einem anderen Land. Und noch immer steigen die Quadratmeterzahlen in der realen Welt, obwohl parallel dazu kräftiges Wachstum in den virtuellen Läden, also den Internetshops generiert wird.

Dabei ist der Handel insgesamt längst keine Wachstumsbranche mehr. Mit Zuwachsraten von wohl auch in diesem Jahr lediglich 1 Prozent nominal entwickelt sich dieser Wirtschaftszweig auch im Vergleich zu anderen Branchen unterdurchschnittlich. Entsprechend scharf ist hierzulande der Wettbewerb um die Gunst der Kunden, der Druck auf die Margen ist entsprechend hoch: „Der Markt verzeiht heute keine Fehler mehr“, wie es einmal ein führender Handelsmanager formuliert hat.

Der Erfolg von Aldi & Co.

Gerade die Discount-Pioniere von Aldi bieten aber ein Beispiel dafür, dass auch mit zu knappen Margen verkauften Produkten des täglichen Lebens viel Geld zu verdienen ist. So wurde die Gründerfamilie über die Jahrzehnte zu einer der reichsten Unternehmerfamilien der Welt. Das längst in die weite Welt getragene System Aldi verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seiner geringen Komplexität und den straffen Prozessen. Ein weiteres Beispiel bietet die Deichmann-Gruppe, ebenfalls ein Familienunternehmen, das ohne den Druck der Börse agieren kann. Gute Qualität zu günstigen Preisen zu bieten ist seit hundert Jahren die Devise der Essener Familie. Der Aspekt der Mode muss dabei nicht zu kurz kommen.

Mehr als nur Rotstiftaktionen

Auch der Textilfilialist C & A ist nach strategischen Irrungen und Wirrungen vor vielen Jahren auf den Erfolgskurs zurückgekehrt, nachdem sich das Management auf die angestammten Stärken zurückbesonnen hatte: nämlich solider Anbieter von Textilien für die ganze Familie zu sein. Im gehobeneren Segment zeigen wiederum Händler wie die Parfümerie-Kette Douglas, dass Wachstum auch in vermeintlich gesättigten Märkten möglich ist. Alle diese Konzerne haben dabei das Ausland fest im Blick. Doch soll hier nicht nur von den großen Ketten die Rede sein. Selbst im harten Marktumfeld hält sich noch mancher umtriebige Facheinzelhändler, der seine Kunden gut kennt, sich ständig Neues einfallen lässt, und zwar nicht nur Rotstiftaktionen.

Nicht von ungefähr haben sich hierzulande viele namhafte ausländische und in ihren jeweiligen Heimatländern an andere Margen gewöhnte Händler die Finger verbrannt. Erinnert sei an den größten Einzelhändler der Welt, Walmart, oder den britischen Kaufhausbetreiber Marks & Spencer. Beide Konzerne kamen mit großen Ambitionen nach Deutschland und mussten sich nach erheblichen Verlusten geschlagen wieder zurückziehen.

Geiz ist für die Bilanz des Händlers nicht geil

Gegen diese Rückschläge sind aber auch deutsche Händler, die den Markt eigentlich besser kennen müssten, nicht gefeit: So wurden gerade die deutschen Verbraucher mit „Geiz ist geil“-Kampagnen des Metro-Konzerns in ihrer Schnäppchenmentalität noch bestärkt. Dass aber marktschreierische Rabattkampagnen sowie das permanente Gerede allein vom Preis nicht alles sind, hat nun der Zusammenbruch von Praktiker gezeigt. Denn wer ständig Rabatte gewährt, hat von vornherein wohl nie faire Preise; am Ende fühlt sich der Kunde nur geneppt. Und auch der zur Metro gehörende Elektronikhändler Saturn hat seine Quittung für „Geiz ist geil“ längst bekommen. Kunden wanderten ab, die Geschäfte trübten sich ein.

Das Argument eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses hingegen zieht immer, und zwar gleichgültig, ob im preiswerten oder im gehobenen Segment. Aber dann muss auch die Leistung stimmen, bei der Ware, bei der gezielten Kundenansprache, beim Ambiente, beim Service oder am besten bei allem zugleich. Aldi hat das in seinem Marktsegment über Jahrzehnte hinweg verstanden. Und sein Ableger „Trader Joe’s“ zeigt, dass angepasste Konzepte auch in Amerika gut funktionieren können.

Unter maßgeblicher Mitarbeit von Brigitte Koch.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop

Vom selben Autor: “Amazon kennt dich schon”: https://www.fazbuch.de/buecher/sachbücher-geschenkbücher-e-books/amazon-kennt-dich-schon

 

 
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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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2 Wolfgang Hennig 13.07.2013, 09:19 Uhr

Guter Kriegsbericht.

Die Firmen schlagen "Überlebensschlachten" und der Mensch erfüllt Sol(l)-dat(en-tum).
Die Parteien kämpfen in "Wahlschlachten". Die Gewerkschaften in "Arbeiterschlachten".
Die "freien Märkte" sind "Schlachtorte"...alles vom Menschen geschaffen, für einen
Überlebenskampf, den er der Intelligenz nach, nicht nötig hätte. Aber Intelligenz
ohne Herz, macht eben herzlose "Soll-Daten" aus dem Mensch, schade.
Das, was Sie und viele andere Menschen als Erfolg und erfolgreiches Leben
betrachten, ist in Wirklichkeit nur ein
"durch Schlachten getriebenes Sol(l)-Daten-Überleben", traurig, aber wahr.

Erfolg ist, ein "H"Er(z)-fol(k)g" zu sein und kein "Sol(l)-Daten-Volk".
Was herzlose Daten anrichten, erleben Sie in der gegenwärtigen Zeitgeschichte.
Wir "er"leben "schizophrene Schlachten", als Bürger verkleidetes "Sol(l)-Daten-tum".
Zum Glück hat die Evolution andere Pläne...was langsam auch bemerkbar wird...
für den, der nicht gerade in der Schlacht ist und bewußt das Zeitgeschehen beobachtet.
Ich wünsche ihnen Augen, die sehen.

:-)

Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.