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RWE, Google und Nest: Die Heizung im Internet der Dinge

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Dieses Geschäft zeigt es: Das Internet der Dinge wird Realität. Für mehr als drei Milliarden Dollar übernimmt Google den Hersteller von Rauchmeldern und Heizungsthermostaten Nest - gegründet vom „Vater des iPod“. RWE ist in dem Geschäft auch schon aktiv.

Wer beim deutschen Stromversorger RWE gerade mit dem Internet verbundene elektronische Heizungsthermostate bestellen will, erhält die Auskunft: Wegen großer Nachfrage derzeit ausverkauft. Kein Wunder: Die Thermostate sind zwar nicht billig, aber sie funktionieren. Wer sich einmal eine sogenannte „Smart Home“-Lösung installiert hat, um künftig über das Internet Heizung, Licht oder vielleicht auch Rauchmelder zu kontrollieren, möchte die Möglichkeit nicht mehr missen.

Bequeme Einstellmöglichkeiten von überall

Kehrt man aus dem Urlaub zurück, kann man von unterwegs die Heizungen hochdrehen oder auch das Licht einschalten, um potentielle Diebe abzuschrecken. Jederzeit kann man sich die aktuelle Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit anzeigen lassen und über programmierte Nutzerprofile erheblich Heizkosten einsparen. Das Haus wird „intelligent“ – und das, ohne dass eine einzige neue Leitung verlegt werden muss. Denn gesteuert und miteinander verbunden werden die einzelnen Schalter und Regler über ein drahtloses Funknetz.

So wird die Lösung von RWE, aber auch vergleichbare Angebote von Unternehmen wie dem soeben von Google übernommenen amerikanischen Hersteller Nest oder vom Wettbewerber Tado Teil des sogenannten Internets der Dinge. Und die Bedeutung der Verknüpfung von Alltagsgegenständen und Produktionsanlagen mit dem Internet kann man gar nicht überschätzten. Das Marktforschungsinstitut IDC hat hochgerechnet, dass im Jahr 2015 schon 3,5 Milliarden Produkte miteinander vernetzt sein werden. Zum Vergleich: Derzeit sind lediglich 1,7 Milliarden Personalcomputer miteinander vernetzt. Das heißt, dass die Zahl der mit dem Internet vernetzten Dinge schon in einem Jahr mehr als doppelt so hoch sein wird wie die der klassischen Geräte, mit denen die Menschheit über ein Jahrzehnt lang vorwiegend ins Internet gegangen ist.

Internet der Dinge Teil der Realität

Somit steht für Marc Benioff, den Gründer und Vorstandsvorsitzenden des amerikanischen Cloud-Softwarepioniers Salesforce.com fest, dass das Internet der Dinge, das von anderen auch „industrielles Internet“ genannt wird, schon in der Realität angekommen ist. „Mit mehr Menschen, Produkten und Anwendungen als jemals zuvor, die innerhalb eines Netzwerks miteinander verbunden sind, betreten wir eine erstaunliche neue Welt von Möglichkeiten“, schreibt er in dem soeben erschienenen Buch „The digital Enterprise“.

Andere würden es als Schreckensszenario begreifen, für Benioff ist es eine riesige Chance für alle Beteiligten, wenn er schreibt: „In dieser vernetzten Welt sind die Kunden nicht mehr anonym. Sie sind bekannt. Sie sind nicht nur eine Zahl oder ein Konto, sondern Menschen. Sie sind einzigartig mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen. Sie wollen eine Zwei-Wege-Beziehung; sie stehen im Mittelpunkt ihrer Welt. Sie erwarten von Markenunternehmen personalisierte Erfahrungen über alle Kommunikationskanäle hinweg.“

Und jetzt kommt die Arbeit

Für die Unternehmen bedeutet das aber eine Menge Arbeit. Sie müssen sich noch schneller und stärker verändern als in der Vergangenheit, um den steigenden Erwartungen der modernen, vernetzten Kunden gerecht zu werden. Innovative Unternehmen verbinden Kunden, Partner, Mitarbeiter und sogar Produkte auf neue Weise. Benioff nennt sie „Kundenunternehmen“. Und es gebe zahlreiche Unternehmen, die auf diesem Weg schon weit vorangeschritten seien. Über einfach zu bedienende, mobile Anwendungen stünden sie mit ihren Kunden in Verbindung, wo immer diese seien. Sie könnten in Echtzeit miteinander kommunizieren – und auf diesem Weg neue Geschäftsmodelle schaffen.

Im Prinzip ist damit alles klar: Wenn Maschinenbau und Elektrotechnik mit der Informationstechnologie verschmelzen, könnten gerade für die deutsche Wirtschaft neue Chancen entstehen. Eine wichtige Voraussetzung für den Übergang zur Industrie 4.0 ist einerseits ein flächendeckendes und sicheres Superbreitbandnetz zur Datenkommunikation mit hoher Verbindungsstabilität, das es in Deutschland allerdings noch nicht gibt. Zudem müssten sich Arbeitswelt, Arbeitskultur und Bildungswesen verändern – bis hin zu interdisziplinären Lehrstühlen an Universitäten. Schließlich werden gesetzliche Regelungen für einen adäquaten Umgang mit der steigenden Datenmenge gebraucht. Und besonders dieser Punkt bekommt in Zeiten Brisanz, in denen über geheimdienstliche Überwachungen des Internetverkehrs durch die Vereinigten Staaten oder Großbritannien diskutiert wird.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop

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3 Lesermeinungen

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  3. Wieso ein Superbreitbandnetz für INDUSTRIE 4.0 ? Zum TV-Gucken?
    Mir ist rätselhaft, warum ein „Internet der Dinge“ oder Industrie 4.0 oder ein „Smart Home“ ein Superbreitbandnetz als Voraussetzung haben sollen.

    Freilich würden die einschlägigen Hersteller und Systemhäuser gerne ein paar milliardenschwere Aufträge – idealerweise finanziert aus Steuergeldern (damit man nochmal 20% draufschlagen kann) – an Land ziehen; aber braucht Deutschland so ein teueres „Spielzeug“ wirklich?

    Wenn man sich mal ansieht, was derzeit mit der breitbandigen Kommunikation angestellt wird, stellt man fest, daß es hauptsächlich um Streaming für Musik und Videos geht; cool aber sicher nicht essentiell!

    Und die Heizungsregelung im Smart-Home findet innerhalb der Mauern statt; gelegentliche Meldungen über ein geöffnetes Fenster oder einen vergessenen Backofen benötigen nicht mehr als Telex-Geschwindigkeit; die Kommandos ZU oder AUS ebenso!

    Wenn die Industrie so sehr am Smart-Home interessiert ist, dann sollen die Hersteller ihre KNX-Komponenten endlich zu „vernünftigen“ Preisen anbieten.

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