Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Erfolgreiche Unternehmen brauchen keine Schulden

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Wer mit eigenem Geld wirtschaftet, arbeitet effizienter. Gut gelungen ist das zuletzt H&M und einem Hersteller von Yoga-Bekleidung. Und das, obwohl eine Hose durchsichtig war.

Wer wirtschaftet besonders erfolgreich? Wer Tausende Unternehmen einer intensiven Analyse ihrer Kennzahlen unterzieht, stellt dabei fest: Es sind in der Regel Anbieter, die organisch wachsen, die in wenig regulierten Geschäftsfeldern beheimatet sind und meist auch sehr stabil von Teams geführt werden, die über mehrere Jahre hinweg zusammenarbeiten. Zudem verfügen die Erfolgreichen sehr häufig über einen starken, oft familiendominierten Hauptaktionär und sind unterdurchschnittlich kapitalintensiv. Die qualitativ hochwertigsten Unternehmen fallen auch durch weit unterdurchschnittliche Schulden relativ zu ihrem Mittelzufluss (Cash flow), durch eine hohe Eigenfinanzierung und durch eine stabile und hohe Kapitalverzinsung auf. Zudem finden sich diese Unternehmen geographisch immer häufiger in aufstrebenden Schwellenländern und in den Vereinigten Staaten, eher seltener dagegen in Europa.

Auf der ganzen Welt sind Unternehmen aus den Branchen Finanzdienstleistungen und Versorger in der Liste der besten hundert Aktiengesellschaften unterrepräsentiert. Dafür sind diese unter den schlechtesten hundert Unternehmen deutlich häufiger zu finden als andere. Der wesentliche Unterschied zu den führenden Unternehmen ist, dass Versorger oder auch Banken meist in stark regulierten und sehr kapitalintensiven Sektoren tätig sind.

Mittel- und langfristige Entwicklung im Blick

Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer aufwendigen Analyse unter den größten rund 1400 börsennotierten Unternehmen Europas, die im FTSE-All-Cap-Europe-Index vertreten sind, und von rund 2500 Unternehmen aus der ganzen Welt, die sich im MSCI-All-Cap-World-Index wiederfinden. Rund 400 Gesellschaften werden in beiden Indizes geführt. In der Analyse werden die Ergebnisse der vergangenen fünf Jahre berücksichtigt. Das Projekt wurde auch in diesem Jahr vom Schweizer Beratungsunternehmen Ceams sowie Professoren der Universitäten Zürich und Eichstätt-Ingolstadt begleitet. Das Projekt, das in einen Wettbewerb um den „Corporate Excellence Award 2014“ mündet, dient dem Ziel, die Aufmerksamkeit in der öffentlichen Betrachtung von Unternehmen weg von den kurzfristigen Ergebniszahlen zu lenken, welche die alltägliche Berichterstattung in der Regel dominieren, und eine längerfristige, auf die bilanziellen Kennzahlen ausgerichtete Analyse vorzunehmen. Der Börsenkurs bleibt bei der Betrachtung unberücksichtigt, und die Ergebnisse stellen auch keine Anlageempfehlung dar.

Das Ergebnis ist in Deutschland in diesem Jahr – wie schon in den beiden Vorjahren – für den bayerischen Großküchenhersteller Rational AG besonders gut ausgefallen. Das in diesem Sinne beste Unternehmen der Welt ist aber der auf Yoga spezialisierte Sportartikel-Filialist Lululemon Athletica, der 1998 von Dennis Chip Wilson in Vancouver gegründet wurde und im Jahr 2007 an die Börse gegangen ist. Ceams und die Jury hat vor allem überzeugt, dass die Kennzahlen des Unternehmens, ganz anders als der Börsenkurs, kaum unter der Krise des vergangenen Jahres gelitten haben.

Eine Überraschung: Yoga

Gleichwohl ist die Auswahl zunächst eine Überraschung. Denn das Unternehmen war 2013 in negative Schlagzeilen geraten, als bekanntwurde, dass eine von Lululemon angebotene Yogahose nicht den Qualitätsstandards entsprach und deshalb ungewollt transparent war. Lululemon startete daraufhin einen Rückruf, und die Produktchefin verließ das Unternehmen. Wahr ist aber auch, dass sich Lululemon weiterhin hoher operativer Margen und einer schuldenfreien Bilanz erfreut. Auch die Wachstumsperspektive ist aus Sicht der Jury intakt – sowohl mit Blick auf die Expansion in Auslandsmärkten als auch mit Blick auf den Online-Handel. Ceams hat ein Umsatzwachstum von 15 Prozent ermittelt, eine Steigerung des Nettogewinns von 4 Prozent, eine Schuldenquote von null und eine Eigenkapitalrentabilität von 28 Prozent.

Die besten Unternehmen der Welt sind grundsätzlich in der Regel Wachstumsunternehmen mit entsprechend guten Umsatzsteigerungen. Regional fallen in Europa dabei Großbritannien und die Schweiz mit einer hohen Zahl von qualitativ hochwertigen Betrieben auf, Deutschland folgt erst auf dem dritten Platz. Ganz hinten auf der Liste finden sich Länder wie Tschechien, Polen und die Niederlande. Das beste Unternehmen Europas ist dabei nach wie vor der Textilfilialist Hennes & Mauritz aus Schweden. In der Weltrangliste liegt H&M auf Platz acht.

Doch auch der Bekleidungshersteller Inditex (Weltrangliste Platz 21) oder Tod’s, alles Unternehmen aus dem Bereich Bekleidung und Handel, belegen in Europa Spitzenplätze. „Fashion Retail ist damit aktuell eines der erfolgreichsten Unternehmenssegmente auf der ganzen Welt“, kommentiert Ceams-Mitbegründer Philipp Weckherlin die Ergebnisse. Denn auch Lululemon kommt aus dieser Branche.

Sieger in Europa: H&M

H&M bescheinigt Ceams in seiner Analyse ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 9 Prozent, eine Steigerung des Nettogewinns von 6 Prozent, eine Schuldenquote von ebenfalls null und eine Eigenkapitalrendite von 37 Prozent. In die Betrachtung fließen aber noch diverse weitere Kennzahlen ein. Das Unternehmen habe zudem trotz seiner großen Erfolge der Vergangenheit weiterhin große Wachstumschancen in Schwellenländern, allen voran in China mit einem Umsatzanteil von bisher erst 5 Prozent und nur rund 200 Filialen, verglichen mit mehr als 400 allein in Deutschland.

Unter den besten hundert Unternehmen der Welt liegen Anbieter aus den Schwellenländern mit 48 Vertretern sogar klar an der Spitze, gefolgt von den Vereinigten Staaten mit 31 Unternehmen. „Europa ist mit 10 Prozent der Unternehmen relativ deutlich abgeschlagen“, haben Weckherlin und seine Kollegen festgestellt. Der Kontinent leide in der Analyse darunter, dass viele gute Einzelhändler, die in anderen Regionen Spitzenplätze belegen, hier eben nicht an der Börse vertreten sind – und damit in der Betrachtung per Definition nicht auftauchen. Das gelte zum Beispiel für Unternehmen wie Aldi, Lidl oder auch für Ikea. „Europa ist aber auch in wichtigen Segmenten wie Internet oder Gesundheitsprodukten unterrepräsentiert, die an anderen Börsenplätzen Spitzenunternehmen hervorbringen.“

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop


2 Lesermeinungen

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 26. Mai 2014 | Die Börsenblogger

  2. Erfolgreiche Unternehmen brauchen keine Schulden.
    Erfolg = E(nergie)“R“-Folg(e) = E…“RATIO“-Folge…Vernunftergebnis…
    solange Vernunft lenkt, je mehr Abweichung von Vernunft,
    umso mehr Vernunft-VERLUST-(Folge)ERGEBNIS…Schulden…plausibel ohne Studium!?:=)

    Die „Firma“, ein „RATIO“-FOL(g)K-VOLK-TEAM?!
    Die „Mensch-Gesellschaft“, eine „RATIO“-Gesellschaft?, ein „RATIO“-Ergebnis-VOLK?…
    schuldenfreies Team?

    …wenn „Sättigung“ erreicht und nicht beachtet wird, Vernunft ausbleibt,
    dann „UNTERGANG“…MIßerfolg…“sich überfressen führt zum sich übergeben“:=)
    „SCHULDENSPEKTAKEL“.
    ENERGIE-NATUR-GESETZ…auch in den tiefen Weiten und weiten Tiefen des Universum
    als „Schauspiel“ zu beobachten…ENERGIEÜBERSÄTTIGUNGSSPEKTAKEL:=)
    …auch unsere Gegenwart, mit zunehmender Tendenz.

    MfG
    P.S.

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